Home Neue Museen Hoch hinaus?! Fragen an das Alpine Museum München

Hoch hinaus?! Fragen an das Alpine Museum München

by Sabine Wieshuber

Mit „Hoch hinaus!“ ist das Alpine Museum des Deutschen Alpenvereins München vom 13. Juni bis 22. Juli 2017 zu Gast im Infopoint. Zahlreiche Familien, die zum Stadtgründungsfest Münchens (17./18. Juni) die Werkstätten des offiziellen Kinderprogramms im Alten Hof aufsuchten, konnten so einen ersten Eindruck dieses „urbayerischen“ Museums gewinnen, das auf der Praterinsel direkt an der Isar liegt. Wir haben die laufende Präsentation genutzt die Museumsleiterin Friederike Kaiser, Alpines Museum München, mit einigen Fragen zur Sammlung, der Ausstellung, den Vermittlungsangeboten, ihren Neukonzeptionsplänen und der Online-Präsenz des Hauses zu löchern.

In ihrem Haus kann man seit kurzem durch die Hölle gehen – was hat es damit auf sich?

Die Alpenvereinssektion München errichtete vor gut 100 Jahren die Höllentalangerhütte an der Zugspitze. Die Hütte entwickelte sich zu einem wichtigen und beliebten Standpunkt für Bergsteiger*innen. In den folgenden Jahren folgte ein Anbau nach dem Anderen. Vor vier Jahren wich sie dann einem Neubau. Zimmerleute haben vorher die Urzelle der Hütte fachmännisch abgebaut und bei uns im Garten wieder aufgebaut. Die Besucher*innen bekommen nun einen Eindruck davon, wie spartanisch früher ein Hüttenaufenthalt war. Im Obergeschoss gibt es ein Matratzenlager mit Hörkissen. Bergsteiger erzählen dort Geschichten aus 150 Jahre Hüttenübernachtungen.

Derzeit wird die Dauerausstellung umgestaltet. Worauf dürfen sich die Besucher besonders freuen?

Im Mai 2019 eröffnen wir eine große Ausstellung zur Geschichte von Bergsteigen, Bergsport und dem Alpenverein. Wir werden zeigen, worin die Faszination der Alpen besteht. Gefahr, Ruhm, Schönheit, es gibt viele Gründe in die Berge zu gehen. Die Besucher*innen können alpine Herausforderungen und berühmte Erstbesteiger*innen genauso kennenlernen wie die aktuelle Instagramkultur. Für Kinder wird es wie immer bei unseren Ausstellungen besondere Stationen geben.

Welche Themenkomplexe sind für die Sonderausstellung „Hoch hinaus! Wege und Berge in den Alpen“ wichtig?

Seit etwa 150 Jahren gibt es Hütten für Bergsteiger*innen in den Alpen. Es haben sich bestimmte Typen herausgebildet, die auch heute noch die Hütten prägen: sie stehen im unwegsamen Gelände, sind sehr einfach – Matratzenlager und nur manchmal eine Dusche – aber meist sehr gemütlich. Wir zeigen, wie die Hütten entstanden sind, wer sie gebaut hat und wer sie bewirtschaftet. Besonders schön sind mehrere Modelle von Hütten, in denen man sogar die ehemalige Innenausstattung bewundern kann.

Welchen Schatz aus dem Depot haben Sie uns mitgebracht?

Schon von Beginn spielte die Ausrüstung, mit der man in die Berge geht, eine große Rolle. Strapazierfähige Schuhe, die auch beim Schnee und im steilen Gelände Trittsicherheit geben, sind Grundlage für jede Bergtour. Die Steigeisen, die wir zeigen, waren ein Muss für alle, die im Hochgebirge und auf den Gletschern unterwegs waren. Die Schuhe und die ausgestellten Steigeisen zeigen, dass man sich schon früh damit auseinandersetzte, wie man das in die Berge gehen möglichst komfortabel und sicher gestaltete.

Hoch hinaus?! Fragen an das Alpine Museum München

Friederike Kaiser, Museumsleiterin (Mitte), war persönlich vor Ort, um die Präsentation „Hoch hinaus! Das Alpine Museum München zu Gast im Infopoint“ mit einzurichten.

Was bietet das Alpine Museum Familien und Kindern?

Die große Attraktion ist momentan die Höllentalangerhütte. Kinder und Erwachsene können ausprobieren, wie komfortabel die Matratzenlager vor 130 Jahren waren und erleben, wie man damals eine Hütte bewirtschaftet hat. Einen Anziehungspunkt bildet außerdem der große Garten des Alpinen Museums zwischen Isar und Isarkanal. Boulderfelsen, eine große Wiese und alte Bäume animieren fast jeden zum Entdecken und Klettern. Das Café bietet Kuchen und Getränke aller Art – auch Schorlen für die Kleinen. Die Kinder können bei uns an verschiedenen Kursen teilnehmen. Das reicht vom Klettern an den Bouldersteinen, einer Bergtour durchs Museum und die Hütte bis hin zum geologischen Untersuchen von Isarkieseln.

Welche Prozesse werden bei einer Neukonzeption in Gang gebracht? Was hat und hatte dies für Auswirkungen auf Ihre Sammlung?

Der Prozess hat bei uns vor circa drei Monaten angefangen. Das erste, was kam, war eigentlich eine Ratlosigkeit. Das Thema Alpenbegeisterung – Alpenverein ist so groß, dass die Frage war, mit welchen Facetten kann man es überhaupt charakterisieren. Das ist eine mühsame Ausgangsposition, zwingt uns aber dazu, ganz grundsätzlich zu fragen, was wir wollen und für wen wir unsere Ausstellung machen. Inzwischen sind wir weiter. Wir haben ein Kuratorenteam mit Experten aus verschiedenen Fachrichtungen, mit denen wir unsere Schlüsselthemen inzwischen ganz gut eingekreist haben. Als nächstes geht es dann darum, in unserer Sammlung zu schauen, ob wir Objekte finden, die in Bezug auf unsere Fragestellungen interessant sind. So schauen wir nach Desiderata und werden wahrscheinlich Sammelaufrufe machen. Gleichzeitig müssen wir die Objekte, die wir haben befragen. Das ist sehr spannend. Sie geben richtig Auskunft, zum Beispiel ob sie mit Liebe hergestellt wurden, ob der, der es hergestellt hat, eher aus einer sportlichen Perspektive kam oder die Berge eher von unten angeschaut hat. Wir haben zum Beispiel ein gesticktes Bild bekommen mit einem Edelweiß und einem Sinnspruch darauf. Den hat eine junge Dame, verlobt mit einem Bergsteiger, ihrem späteren Gatten geschenkt. Das Bild ist so schön gearbeitet, dass die Familie es bis heute aufbewahrt und uns nun geschenkt hat.

Wie bestimmen internationale Kooperationen Ihre museale Arbeit?

Seit Jahren schon arbeiten wir intensiv mit den Kultureinrichtungen rund um das Thema Berge im gesamten Alpenbogen zusammen. Wir treffen uns regelmäßig. Der Austausch ist mir extrem wichtig, wir leben von den Ideen, die wir aus vielen Perspektiven zusammen entwickeln. Die Ausstellung „Alpen unter Druck“ vor einigen Jahren, in der wir Erschließungsprojekte im gesamten Alpenraum gezeigt haben, wäre ohne Partner von Slowenien bis Frankreich nicht möglich gewesen.

Unsere Jubiläums- und spätere Dauerausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit den Kulturreferaten von Österreichischem Alpenverein und Alpenverein Südtirol. Von 1869 bis 1945 waren wir ein gemeinsamer, multinationaler Verein. Das heißt einen großen Teil unserer Geschichte durchlebten wir gemeinsam. Das verbindet, unsere Sammlungen sind gemeinsam entstanden und da bietet es sich auch an, große Projekte zusammen zu machen.

Hoch hinaus?! Fragen an das Alpine Museum München

Wandersocken, 1950 bis 1970. Alpines Museum des DAV, München. Foto: Monika Bürner

Sie haben eine Online-Sammlung. Was können die Besucher dort recherchieren?

Auf unserer Seite historisches-alpenarchiv.de kann man, wenn unsere Software gerade nicht hakelt, alle Museums-, Foto- und Archivbestände der drei Alpenvereine gemeinsam recherchieren. Das war unser erstes großes gemeinsames Projekt. Länderübergreifend – das war damals ziemlich innovativ – und auch sonst eine Herausforderung, wir kannten uns noch nicht so gut. Aber wir haben sie gemeistert! Heute ist die Datenbank nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. Nächstes Jahr steigen wir um und dann werden alle Interessierten hoffentlich wunderbar recherchieren können.

Vielen Dank, liebe Frau Kaiser, für diese besonderen Einblicke in das Alpine Museum München und Ihre Arbeit!

Das Alpine Museum wurde übrigens bei unserer Blogparade #perlenfischen im Frühjahr von Nadine Ormo im Blog KulturNatur nachdrücklich empfohlen.

Abb. ganz oben: Bergschuhe mit Benagelung, 1880 bis 1920. Alpines Museum des DAV, München, Foto: Monika Bürner.

 

Jana Walter & Anna Blenninger

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy