Home Ausflugsperlen Museumspädagogik ohne Museum?!?

Museumspädagogik ohne Museum?!?

by Sabine Wieshuber

In wenigen Wochen, am 23. Juni 2017, eröffnet das brandneue Burgerlebnismuseum auf der Cadolzburg! Doch wie entsteht ein neues Museum eigentlich? Was macht die Cadolzburg zum Erlebnismuseum? Und wie funktioniert Museumsarbeit ohne Museum? Monika Dreykorn, die Museumspädagogin der Cadolzburg, nimmt uns mit auf einen Blick hinter die Kulissen!

 

Gastbeitrag von Monika Dreykorn, Bayerische Schlösserverwaltung

„Du machst Museumspädagogik, obwohl es noch gar kein Museum auf der Cadolzburg gibt?“, das werde ich oft verwundert gefragt. Ja, das mache ich. Und stellen Sie sich vor, das macht sogar eine Menge Arbeit!
Die Bayerische Schlösserverwaltung hat mich bereits im Vorlauf der Eröffnung des Burgerlebnismuseums auf der Cadolzburg für den Aufbau von Kooperationen vor Ort und der Museumspädagogik eingestellt. Das ist sehr vorausschauend: So wird man am 23. Juni 2017, wenn das Burgmuseum eröffnet, bereits auf bestehende Kontakte zu Schulen, Horten, Vereinen und anderen Bildungseinrichtungen zurückgreifen können und nicht erst mühsam mit der Recherche anfangen müssen.

 „Wir sind das Museum“ Mitmachprojekte

Damit hat sich vor der Eröffnung des Museums die seltene Chance ergeben, wirklich partizipativ zu arbeiten: Die vorab realisierten Projekte konnten zum Teil sogar noch ihren Weg in die Ausstellung finden. So wird in Zukunft ein Stoffmusterbuch der Realschule Zirndorf mit auf mittelalterliche Art und Weise gefärbten Stoffen in der Ausstellung zu sehen und zu fühlen sein. Ein Hörparcours des Melanchthon-Gymnasiums Nürnberg erweckt die Burg akustisch zum Leben. Und eine Videoinstallation mit Zeitzeugen-Interviews, die Schülerinnen und Schüler eines Praxis-Seminars des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Oberasbach gesammelt haben, gibt am Ende des Rundgangs durch die Cadolzburg einen Einblick über die Zeit der HJ-Gebietsführerschule und den Burgbrand 1945.

Museumspädagogik ohne Museum?!?

Hörparcours – Das Schulradio-Team des Melanchthon-Gymnasiums erstellte die Geräusche für einen Hörparcours durch die Cadolzburg, Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

Durch diese Form der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen kommt man dem Anspruch einer modernen Vermittlung im Museum sehr nahe, bei der Wissen nicht mehr nur von Experten bereitgestellt, sondern auch vom Publikum hergestellt und eingebracht wird. Überdies entsteht durch die aktive Teilhabe eine viel größere persönliche Bindung der Besucher an das Museum.

Alles zum ersten Mal

Dass das Museum noch nicht eröffnet hatte, war deshalb nicht Nachteil, sondern besondere Motivation für diese Projekte. Sie waren Pilotprojekte im besten Sinne. Sie spürten verschiedenste Themen rund um die Cadolzburg zum ersten Mal auf, untersuchten sie auf ihre Tauglichkeit für verschiedene Zielgruppen für den Dauerbetrieb und flossen teils dann tatsächlich in die neue Dauerausstellung ein.

Museumspädagogik ohne Museum?!?

Zutaten – Brodeln, Köcheln, Sieden… das Gewinnen von Farbstoffen aus der Natur bedarf einigen Aufwand, Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

Kontakte knüpfen, Partner kennenlernen

Klar, für eine solche Herausforderung braucht man besondere Partner. Nicht jeder Lehrer hat Lust und Zeit, nicht die ausgetretenen Pfade zu nehmen, sondern sich in ungebahntes Gelände zu begeben und Neues auszuprobieren. Für ein Projekt mit unbekanntem Ergebnis und über eine längere Dauer braucht man besondere Lehrerpersönlichkeiten: solche mit Leidenschaft und Engagement weit über das Normale heraus. Und natürlich mit Zeit, denn zugegeben, meist waren die Projekte viel aufwändiger als gedacht …
Hierfür mussten Kontakte geknüpft und die richtigen Partner gefunden werden. Dies geschah über Lehrerfortbildungen, den Besuch von Lehrerkonferenzen und Fachsitzungen oder über Empfehlungen: „Ich kenne da einen ganz besonders engagierten Lehrer …“.

 Museum geht in die Schule

Was wir zu bieten hatten, war wenig: Kein Museum zur Einführung der Schüler, keine Räumlichkeiten, in denen man sich treffen konnte, keine vorgefertigten Unterrichtsmodelle, manchmal nicht einmal die Besichtigung der Burg, weil die Baustelle einmal wieder nicht begehbar war.
Dafür waren die logistischen Probleme, die Lehrern normalerweise längerfristige Museumsprojekte erschweren, bei uns nicht so gravierend. Da es auf der Cadolzburg noch nicht viel zu sehen gab, kam das Museum in die Schulen. Ein großer Vorteil war, dass die Anreisezeit und die Fahrtkosten zum Museum für die Klassen weg fielen – meist die größten Hinderungsgründe für langfristigere Museumsprojekte zwischen Schulen und externen Institutionen.

Museumspädagogik ohne Museum?!?

Farbworkshop Cadolzburg – Schülerinnen und Schüler der Realschule Zirndorf färben nach historischen Rezepten verschiedene Stoffe, Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

 Mittelalter zum Fühlen und Anfassen

So entstand das Stoffmusterbuch, das ab Juni 2017 die Farbigkeit des Mittelalters vor Augen führen wird: Die Schülerinnen und Schüler der Forscherklasse der Realschule Zirndorf beschäftigten sich zunächst mit dem Färben von Stoffen mit Naturfarben. Sie beizten die Stoffe und probierten verschiedene Naturmaterialien aus, die auch früher zum Färben verwendet wurden, wie Apfelbaumrinde, Färbeginster oder Ackerrittersporn. Die vielen Farben erprobten sie jeweils auf vier verschiedenen Stoffarten: Seide, Seidensamt, Leinen und Wollstoff. Dabei entstand eine facettenreiche Farbpalette: Von knalligem Gelb über Orange, kräftiges Rot, leuchtendes Blau, Grün und dunkles Schwarz war alles dabei. Gerade auf den edleren Stoffen ergaben die natürlichen Farbstoffe großartige Farben – nicht umsonst lautet die Redensart „sie kleideten sich in Samt und Seide“.

Museumspädagogik ohne Museum?!?

Färben Ergebnisse – Ergebnisse des Farbexperiments für das Stoffmusterbuch, Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

Im Anschluss mussten die Stoffmuster noch zurechtgeschnitten, gebügelt und umsäumt werden. Für das Buch erstellten die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht Begleittexte, in denen sie die Bedeutung von Kleidung, Stoffen und Farben im Mittelalter und den Färbeprozess erläuterten. Eine Buchbinderin der Schlösserverwaltung machte aus den Stoffmustern und Texten ein schönes Buch. Dieses wird demnächst in der Ausstellung „HerrschaftsZeiten – Erlebnis Cadolzburg“ zu sehen sein.

Als zweites, langfristiges Ergebnis wird neben dem Stoffmusterbuch ein Färbe-Workshop vor Ort in einem wunderbaren museumspädagogischen Raum angeboten. Ich freu mich drauf!

Burgerlebnismuseum Cadolzburg ab 23. Juni 2017

Weitere Informationen zum buchbaren Workshop-Programm für Kinder, Erwachsene und Schulklassen sind unter http://www.burg-cadolzburg.de zu finden.

Ihr wollt noch mehr über die Hohenzollern und die Cadolzburg erfahren? Dann macht mit beim #HohenzollernWalk auf der Cadolzburg – Fürstenleben einmal anders! Am 1. Juli 2017 um 18.15 Uhr veranstaltet die Bayerische Schlösserverwaltung in Kooperation mit KulturMuseumTalk und den @igers_nuernberg einen Social Media Walk durch die mächtige Burganlage. Blickt hinter die Kulissen des neuen Erlebnismuseums und wagt einen Blick in die Welt der Burgherren mit ihren Sorgen, Freuden und Vorlieben.

Ihr seid neugierig geworden und wollt gern mitmachen? Dann meldet Euch jetzt hier an oder folgt der digitalen Spur am 1. Juli unter dem Hashtag #HohenzollernWalk! Auch wir vom Infopoint werden mit von der Partie sein und sind schon gespannt auf Einblicke in dieses brandneue Museum!

 

Abb. ganz oben: Ein Blick auf die Cadolzburg, Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

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