Home AusflugsperlenOberbayern Das Literarische Gedächtnis der Stadt München. Die Monacensia im Hildebrandhaus

Das Literarische Gedächtnis der Stadt München. Die Monacensia im Hildebrandhaus

by Sabine Wieshuber

Unser erster Gast im Jahr 2017 ist die frisch eröffnete Monacensia, die sich noch bis zum 5. März bei uns im Infopoint präsentiert. Doch was hat es eigentlich mit dem Namen des Hauses auf sich und was verbirgt sich dahinter?

Ein Gastbeitrag von Lisa-Katharina Förster, Monacensia im Hildebrandhaus

Monacensia – Was bedeutet das überhaupt?, fragen sich viele, wenn ihnen der Name dieser Einrichtung begegnet. Monacensia (Neutrum, Plural) ist Latein und bedeutet „Münchnerisches“. Und Münchnerisches ist es auch, was sich unter dem Dach der Monacensia im Hildebrandhaus in der Maria-Theresia-Straße 23 befindet. Das vor beinahe 100 Jahren gegründete Institut der Münchner Stadtbibliothek fungiert als literarisches Gedächtnis der Stadt München. Das bedeutet, die Monacensia sammelt, erschließt, bewahrt und vermittelt all das, das mit Literatur aus und über München zu tun hat.

Da ist zum einen die Monacensia-Bibliothek, in deren drei neu gestalteten Themenbibliotheken man sich München nach allen Regeln der Kunst erlesen kann. Von alten Münchner Drucken des 16. Jahrhunderts bis zu aktuellen Neuerscheinungen findet man hier alles über die Geschichte und das kulturelle Leben der Stadt München.
All den Schriftstellern, die in enger Verbindung zu München stehen, widmet sich das Literaturarchiv der Stadt München, das ebenfalls in der Monacensia im Hildebrandhaus beheimatet ist. Es umfasst rund 300 literarische Nachlässe und Konvolute, zum Beispiel von Oskar Maria Graf, Frank Wedekind, Annette Kolb, Ludwig Thoma, Klaus und Erika Mann und vielen, vielen mehr. Neben seiner Funktion als Literaturarchiv dient es als Forschungsstätte für wissenschaftliches Arbeiten und Publikationen.

Das Literarische Gedächtnis der Stadt München. Die Monacensia im Hildebrandhaus

Ein Blick in den Lesesaal der Monacensia, Foto: Eva Jünger, Stadtbibliothek

Vom digitalen Archiv bis zur Lesung – ein vielfältiges Angebot

Dank des Projekts „Monacensia digital“ sind Teile der Archiv-Bestände auch online verfügbar. So liegen zum Beispiel bereits der komplette Nachlass von Thomas Manns Tochter Monika Mann sowie sämtliche 21 Bände der Tagebücher von Klaus Mann (der älteste Sohn Thomas Manns) als hoch aufgelöste Digitalisate vor. Insgesamt umfasst das digitale Angebot der Monacensia schon über 55.000 Seiten an literarischen Quellen, die weltweit kostenfrei und für jeden online zugänglich sind.

Nach der mehrjährigen Generalsanierung, innerhalb derer unter anderem die öffentlich nutzbaren Flächen der Monacensia im Hildebrandhaus nahezu verdoppelt wurden, ist diese nun seit
9. Dezember 2016 wieder der Öffentlichkeit zugängig und widmet sich mit vereinten Kräften ihren Aufgaben als literarisches Gedächtnis der Stadt München: In einem vielseitigen Angebot aus Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträgen und Seminaren werden die verschiedenen Inhalte und Forschungsergebnisse präsentiert und vermittelt. Das Themenspektrum im Programm reicht von der Schwabinger Bohème, über Exilliteratur bis hin zu VolkskünstlerInnen und Gegenwartsliteratur und richtet sich nicht nur an ein Literatur interessiertes Publikum, sondern an alle Münchner BürgerInnen.

Derzeit sind zwei Ausstellungen zu sehen: Thomas Manns Münchner Jahre zwischen 1894 und 1933 bilden den zeitlichen Rahmen für die Dauerausstellung „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann. Von der Bohème zum Exil“. Ausgehend von den Nachlässen in der Sammlung der Monacensia spürt sie der Frage nach: Was macht das literarische München zwischen Schwabinger Bohème und Hitlers „Hauptstadt der Bewegung“ aus? Die Sonderausstellung „Mon Oncle. Klaus und Heinrich Mann“ (bis 13. Januar 2018) präsentiert dagegen ein Kapitel aus der Geschichte einer ganz besonderen deutschen Familie: die Beziehung zwischen Heinrich Mann und seinem ältesten Neffen Klaus. Dokumentiert werden die Lebenswege von Klaus und Heinrich Mann, die innerhalb der Familie stets für das Unbürgerliche, das Bohèmeleben standen. Sie thematisiert auch die spannungsreiche, komplizierte Beziehung beider zu Thomas Mann, dem Bruder beziehungsweise dem Vater. Und sie spiegelt mit der Familiengeschichte der Manns zugleich ein zentrales Kapitel deutscher Kultur- und Zeitgeschichte.

Das Literarische Gedächtnis der Stadt München. Die Monacensia im Hildebrandhaus

Die Dauerausstellung zum literarischen München zur Zeit von Thomas Mann, Foto: Eva Jünger, Stadtbibliothek

In den neu gestalteten, hellen Räumen, in gemütlichen Lese-Ecken und ab dem Frühjahr auch in dem im Haus integrierten Café Mon und dem bis dahin neu erblühten Garten können die BesucherInnen das moderne literarische München im Einklang mit seiner bedeutungsvollen Geschichte erleben. Die Monacensia im Hildebrandhaus: ein lebendiger Ort für München und seine BürgerInnen. Das ist der Wunsch für die Zukunft und dazu sind alle eingeladen – zum Verweilen, Lesen, Entdecken und zu guten Gesprächen.

Abb. ganz oben: Die Hildebrandvilla, in der die Monacensia seit 1977 beheimatet ist, Foto: Eva Jünger, Stadtbibliothek

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy