Home Museum digital Kostbare Schale, goldener Kern – der Münzschrein von Maximilian I. im Bayerischen Nationalmuseum #perlenfischen

Kostbare Schale, goldener Kern – der Münzschrein von Maximilian I. im Bayerischen Nationalmuseum #perlenfischen

by Sabine Wieshuber

Gastbeitrag von Laura Winter, Museumsportal München

Eine meiner liebsten Museumsperlen in München ist das Bayerische Nationalmuseum. Eigentlich ist es vielmehr eine ganze Schatztruhe voller Perlen. Man muss nur eine davon herausgreifen, sie betrachten, sie erforschen, sie polieren. Dann flüstern die Schmuckstücke uns ihre eigenen Geschichten zu, von denen es so viele zu erzählen gibt. Die Blogparade #perlenfischen kommt daher wie gerufen, um ein außergewöhnliches Exponat ins Rampenlicht zu stellen.

Kostbare Schale, goldener Kern - der Münzschrein von Maximilian I. im Bayerischen Nationalmuseum #perlenfischen

Der geöffnete Münzschrein Maximilians I. im Bayerischen Nationalmuseum, Foto: Laura Winter

Eine dieser Perlen ist der Münzschrein von Kurfürst Maximilian I. (1573-1651). Extra angefertigt zwischen 1618 und 1624 durch Christoph Angermair d. Ä. ließ der Herzog den Kabinettschrank unweit seiner Gemächer in der Residenz München, in der sogenannten Kammergalerie, aufstellen.
Für seine kostbare Sammlung antiker Goldmünzen sollte ein ebenso kostbares und einzigartiges Möbelstück zur Aufbewahrung dienen. Der Wert der Münzen zeigt sich in der Ausgestaltung und den Materialien: Die 22 Schubladen sind mit Lapislazuli – einem teuer importierten Edelstein – verkleidet und bilden einen farblichen Kontrast zu dem weißen Elfenbein, das den kompletten Schrein ummantelt. Eine wunderschöne Farbkomposition, die seit Ludwig dem Strengen im Wittelsbacher Stammwappen verwendet wird.

Kostbare Schale, goldener Kern - der Münzschrein von Maximilian I. im Bayerischen Nationalmuseum #perlenfischen

Blau-weiße Ornamente aus Lapislazuli und Elfenbein zieren die Schubladen, Foto: Laura Winter

Ganz besonders und jedes Mal aufs Neue faszinieren mich jedoch die geschnitzten Elfenbeinreliefs; so kunstvoll und detailverliebt zeigen sie ein vielfältiges Programm, das den Fürsten als Kenner und Mäzen der dargestellten Künste auswies: Die Innenseiten der Türen sind mit musizierenden Menschen, Engeln und Pan in einer Landschaft ausgeschmückt, die beim Öffnen des Schrankes symbolisch zum Gesang anheben. Der geschlossene Zustand stellt die beiden Personifikationen der Münzkunde (mit Schild) und des Altertums (mit Schriftrolle) nebeneinander. Ihnen kommt eine doppelte Rolle zu: Sie verweisen einerseits auf den Inhalt und die Funktion des Schrankes. Andererseits – und mit Hilfe der vier bayerischen Löwen zu den Seiten – beschützen sie die Raritäten symbolisch.

Kostbare Schale, goldener Kern - der Münzschrein von Maximilian I. im Bayerischen Nationalmuseum #perlenfischen

Löwen und Personifikationen wachen über die antiken Kostbarkeiten, Foto: Laura Winter

Auf der Rückseite des Schreins begegnet man den Stadtgründern Nimrod (Babylon) und Romulus (Rom). Während Erster auf den Turm im Hintergrund verweist, deutet Romulus auf sein Herz. Bekrönt wird die Schatztruhe von einem glorreichen Imperator zu Pferde, der die vier sitzenden Könige zu den vier Kanten besiegte. Eine derart künstlerisch hochwertige Ausgestaltung rundum des kompletten Münzkabinetts deutet auf eine Aufstellung mit Allansichtigkeit hin. Bei wem es sich um den Imperator handelt, ist noch nicht geklärt – um Maximilian I. selbst scheint es sich dabei aber nicht zu handeln.

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Hoch zu Ross bekrönt die Darstellung eines Imperators das Möbel, Foto: Laura Winter

Zum Schutz des kostbaren Münzschreins wurde ein zusätzliches Gehäuse aus Nussbaum und Ebenholz gefertigt, das mit eingelegten geometrischen Mustern verziert ist. Das Spiel des Versteckens und Enthüllens war ein wichtiges Element bei Feierlichkeiten: Nach dem Öffnen des mittig teilbaren Kastens kam das Elfenbeinkabinett zum Vorschein. Klappte man dessen Türen auf, eröffneten die Schubladen einen Blick auf die antike Goldmünzensammlung Maximilian I.

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Der Münzschrein selbst war so kostbar, dass auch er durch ein Gehäuse geschützt wurde, Foto: Laura Winter

Um 1600 wurden natürlich nur Adelige zu den Feierlichkeiten eingeladen, während heute jeder Museumsbesucher die Möglichkeit hat, den Münzschrank im Bayerischen Nationalmuseum zu betrachten, dort weitere Museumsperlen zu fischen und ihren Geschichten zu lauschen.

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