Home Museum digital #OpenBrandhorst die Zweite oder wie man sich auf Neues einlässt

#OpenBrandhorst die Zweite oder wie man sich auf Neues einlässt

by Sabine Wieshuber

Ein Gastbeitrag von Laura Winter, Redakteurin Museumsportal München.

Auch zum diesjährigen #OpenBrandhorst17 durften der Infopoint Museen & Schlösser in Bayern und das Museumsportal München im Museum Brandhorst teilnehmen. Die besondere Gelegenheit, das Museum mit der Kuratorin kennenzulernen und die einmalige Fotoerlaubnis durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. So standen wir alle am 20. Juli 2017 mit gezückten Smartphones im Eingangsbereich: Während es draußen regnete, freute ich mich auf die Führung. Und das umso mehr, da ich bereits auf der Pressekonferenz zur Ausstellung „Kerstin Brätsch. Innovationen“ war und damals – das muss ich ehrlich gestehen – noch nicht ganz verstanden habe, was die Künstlerin beschäftigt, bewegt und wie sie es umsetzt.

Die Kuratorin Patrizia Dander begann auch gleich mit der Sonderausstellung: Mit dem Titel „Innovation“ wird ein deutscher Werbeslogan der Firma Brätsch Kompressoren, der Familienbetrieb der Künstlerin aufgegriffen, und steht symbolisch für den Druck, immer neue Arbeiten und Ideen vorführen zu können. Leider merkte ich sehr schnell, dass ich zunächst wieder keinen Zugang (trotz ziemlich guter Kuratorenführung) zu den Arbeiten Brätschs fand. Es lag nicht daran, dass ich ihre Themen ablehnte („Verbindung von Digitalem mit Reflexion über kunsthistorische Tradition“ oder ganz prinzipiell „Malerei“) – vielmehr war es auf einer ganz subjektiven Ebene eine Denkweise, der ich erst nicht folgen konnte. Vermutlich ging es schon einmal jedem Ausstellungsbesucher so oder ähnlich. Nicht immer ist auf den ersten oder zweiten Blick ersichtlich, wie man mit neuen Medien, Ansätzen oder Arbeitsweisen umgehen kann, sich Zugang zu bisher unbekannten Künstlern verschafft. Aber wie geht man mit einer solchen Situation um? Die Flucht ergreifen und auf dem Absatz kehrt machen? Wohl eher die falsche Strategie!

#OpenBrandhorst die Zweite oder wie man sich auf Neues einlässt

Blick in das Untergeschoss des Museums, in dem es großformatige Werke der Kerstin Brätsch-Ausstellung zu entdecken gibt! Die #OpenBrandhorstler lauschen hier gerade aufmerksam der Kuratorin Patrizia Dander. Foto: Sabine Wieshuber.

Ich denke, es ist erst einmal nicht verwerflich, für sich klar zu benennen, dass man nicht zu jeder Kunst direkt einen persönlichen Zugang findet und versteht, worum es geht. Denn das ist ja nur meine subjektive Erfahrung mit den Kunstwerken und nicht allgemeingültig. Auch zunächst „negative“ Erfahrungen bereichern, man lernt etwas über sich selbst, wie man die Welt sieht und wie andere sie sehen. Ich für meinen Teil habe mich trotzdem erneut mit den Themen Brätschs beschäftigt, den Flyer gelesen, den Katalog durchgeblättert, darüber nachgedacht und schließlich im Rahmen von #OpenBrandhorst17 an der Führung teilgenommen. Wahrscheinlich werde ich noch einmal in die Ausstellung gehen, um einen eigenen, anderen Zugang zu entwickeln. Denn ästhetisch schön anzuschauen sind Kerstin Brätschs Werke allemal: Die bunten Farben und die Lichtmetaphorik gefallen mir besonders. Die Künstlerin abstrahiert den Pinselstrich, lässt ihn in Glas übertragen, experimentiert mit Pigmentschüttungen oder Ölmalereien die in ihrer Haptik eher an digitale Bilder als an Malereien erinnern – und gerade diese Widersprüche sind es die für mich Brätschs Kunst ausmachen. Konterkarieren, hinterfragen und das Funktionieren auf unterschiedlichen Ebenen sollte man wohl beim Besuch der Ausstellung „Kerstin Brätsch. Innovation“ im Kopf behalten, wenn man – wie ich – Schwierigkeiten hat, ihre Kunst zu verstehen. Die Zauberformel um sich mit der enormen Vielschichtigkeit in Brätschs Œu­v­re auseinanderzusetzen lautet wohl einfach, sich auf Neues einzulassen.

Schließlich führte uns Patrizia Dander noch durch die Highlights der Andy Warhol-Sammlung des Museum Brandhorst. „Pop Pictures People“ ist parallel zur Brätsch-Ausstellung bis zum 8. April 2018 in den Kabinetten des Museums zu sehen und zeigt Gegenüberstellungen zwischen Andy Warhols Werken, Zeitgenossen oder Nachfolgern des Künstlers wie Jeff Koons.

#OpenBrandhorst die Zweite oder wie man sich auf Neues einlässt

„Pop Pictures People“ zeigt Werke von Andy Warhol, Zeitgenossen und Nachfolgern – bis zum April 2018!

Wie es sich für ein richtiges Social Media-Event gehört, sind wir nach der Führung durch die Sonder- und Dauerausstellung noch im Horst zu einem Gettogether eingekehrt und haben unsere Bilder durchgesehen, gequatscht, gelacht, gegessen und getrunken. Auch wenn Kerstin Brätsch nicht meine neue Lieblingskünstlerin wird, war das #OpenBrandhorst17 eine spannende Aktion. Unter dem Hashtag #OpenBrandhorst17 kann man den Abend nochmals aufleben lassen. Beide Ausstellungen erhalten von mir das Prädikat „empfehlenswert“, denn Kunst heißt auch immer, subjektive Erfahrungen zu machen!

Wer selbst einmal „Social Media-Luft“ schnuppern möchte, kann bis zum Ende der Brätsch-Ausstellung am 17. September 2017 unter dem Hashtag #BrätschMB an einem Gewinnspiel zu den „Münzbildern“ teilnehmen und seinen ganz persönlichen Wunschbrunnen entwerfen. Mehr Infos dazu gibt es hier!

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35a
80333 München

 

Abb. ganz Oben: Ausstellungsansicht mit Werken von Kerstin Brätsch (Blocked Radiants und Kaya Haus), Erdgeschoß © Uli Holz

Abb. Unten: Andy Warhol, Selbstportrait, 1964, Acryl und Siebdruckfarbe auf Leinwand, 50,9 x 41,9 cm, Udo und Anette Brandhorst Sammlung © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / ARS, New York.

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