Home Ausflugsperlen Sonne, Moos und Sterne – 25 Jahre Landpartie!

Sonne, Moos und Sterne – 25 Jahre Landpartie!

by Theresa Geßler

Idyllisch? Ja! Überraschend? Auch! Kreativ? Unbedingt! Zehn Museen taten sich vor 25 Jahren zusammen und gründeten den Museumsverbund Landpartie – Museen rund um München. Das Jubiläum 2021 wird mit einer sommerlichen Ausstellungsreihe gefeiert: es geht um Hell & Dunkel, Kunst- und Kulturgeschichte. In der Malerei, in der Gesellschaft, in Märchen und im Ismaninger Moos. Das Museum Starnberger See schaut mit euch in den Sternenhimmel. Durch die Neue Galerie Dachau flattern zarte Papierschmetterlinge. Und das Museum Fürstenfeldbruck knipst das Licht an. Bitte checkt vorher auf der Homepage, wann die einzelnen Museen wieder öffnen!

Der Clou: die Museen lassen sich wunderbar mit einem Ausflug oder Spaziergang verbinden – an die Isar oder die Amper, an den See, in den Stadtpark Erding oder in den Schöngeisinger Forst. Die Häuser befinden sich an historischen Orten in reizvoller landschaftlicher Umgebung und wenn’s denn hoffentlich bald wieder geht, laden Gaststätten und Biergärten in der Nähe zu einer Verschnaufpause ein.

Ein Gastbeitrag des Museumsverbunds Landpartie

Gegründet wurde der Museumsverbund „Landpartie“ 1996. Zehn Museen und Galerien in der Region rund um München schlossen sich zusammen, um auf die abwechslungsreiche und eigenständige Museumslandschaft unweit der Großstadt aufmerksam zu machen. Das zehnte im Bunde, das Stadtmuseum Freising ist derzeit wegen Umbauten geschlossen.
Spannend: alle neun Häuser sind unterschiedlich und zeichnen sich doch durch ähnliche Strukturen aus. Die Sammlungen und Ausstellungen in Dachau, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Ismaning, Starnberg und auf dem Jexhof bei Schöngeising reichen von frühgeschichtlicher Archäologie über Geschichte und Kultur der einzelnen Orte bis zur zeitgenössischen Kunst.

Erding 1945. Wessen Heimat?
Museum Heimat
bis 4. Juli 2021

Ein dunkles Kapitel: am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. 76 Jahre nach Kriegsende ermöglichen neue Forschungsergebnisse Zugang zum Thema Zwangsarbeit. 8.000 ausländische Frauen und Männer leisteten von 1939 bis 1945 in Stadt und Landkreis Erding Arbeitsdienst, viele davon stammten aus Polen und Russland. Einige wenige blieben nach Kriegsende in der Region.
Die Skulpturen des Oberdinger Holzbildhauers Wolfgang Fritz „Verwachsungen“ fragen nach Integration und Erinnern.
Ergänzt wird die Ausstellung von neuen Erkenntnissen der Ursachen zur Bombardierung Erdings am 18. April 1945, bei der über 120 Menschen starben.

Das Museum Heimat: den Grundstock legte der Erdinger Schuhmachermeister Anton Bachmair 1856. Damit zählt es zu den ältesten kommunalen Museen in Bayern. Seit 1986 befindet es sich im Antoniusheim in der Prielmayerstraße und hat mit dem modernen Neubau eine wichtige Erweiterung erhalten.

Schwarz // weiß. Zeitgenössische Papierschnitte
Neue Galerie Dachau
16. Mai bis 25. Juli 2021

Sonne, Moos und Sterne - 25 Jahre Landpartie!
Madeleine Schollerer (*1983), „… wenn ich den Himmel nicht erweichen kann …“, 2015/16. Tonpapier, Objektkasten, 50 x 70 cm

Licht und Schatten: zeitgenössische Künstler*innen interpretieren den Scherenschnitt, der um 1800 in Europa seine Blütezeit erlebte. Die Schere ersetzen sie meist durch feine Klingen, die Themen sind genauso vielfältig wie die Künstler*innen und die Gestaltung: von reinen Schnittzeichnungen, über Reliefs bis zu monumentalen Installationen.

Neue Galerie Dachau: zeigt anknüpfend an die Tradition der Künstlerkolonie Dachau um 1900 zeitgenössische Kunst aus allen Bereichen – oft zum Thema der Landschaft.

Im Schein der Sterne
Museum Starnberger See (ist wieder geöffnet!)
bis 9. Januar 2022

Der Blick in die Sterne: seit Jahrtausenden beobachten die Menschen den Lauf der Planeten, die Milchstraße, schwarze Löcher und das Universum. Der Himmel ist Projektionsfläche für Philosophen, Wissenschaftler und Künstler. Und was bedeutet der Sternenhimmel heute: In einer Zeit, in der die globale Kommunikation über Satelliten durch den Himmelsraum geführt wird? Eine Ausstellung zwischen Erstaunen, Erkenntnis und Erfindung, zwischen bewahrender Ordnung und schwindelnder Dynamik, zwischen Naturwissenschaft und Metaphysik.

Das Museum Starnberger See: der letzte König Bayerns eröffnete es 1914. Highlights sind das historische Lochmannhaus im alten Obstgarten. Und „Der Delphin“, das einzige vollständig erhaltene Boot der königlich-bayrischen Prunkschiff-Flotte, ist heute im modernen Anbau zu bewundern.

Von Elfen und Zwergen, Lichtgeistern und anderen Spukgestalten.
Hell und Dunkel in Märchen und Sagen
Bezirksmuseum Dachau
16. Mai bis 23. Januar 2022

Sonne, Moos und Sterne - 25 Jahre Landpartie!
Marlene Reidel (1923–2014), Die sieben Raben (Ausschnitt), 2009. Grimms Kinder- und Hausmärchen (KHM 25), Mischtechnik auf Japanpapier, 90 x 63 cm © Erbengemeinschaft Reidel

Märchenhaft: lange Zeit wurden die Geschichten und Sagen mündlich überliefert. Quer durch die Kulturen stehen Hell und Dunkel für Gut und Böse, für Glück und Unglück, Erlösung und Verdammung. Als Dialog zwischen den Kulturen und Beschäftigung mit dem ‘Fremden’ wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Asyl Dachau konzipiert. Neben einem analogen Begleitprogramm entstehen digitale Erzählformen sowie eine Begleitpublikation.

Das Bezirksmuseum Dachau: im historischen Kastenamt werden mehr als 2000 Gegenstände zur Kulturgeschichte und Volkskunde Dachaus und seines Umlands ausgestellt. Besonders sehenswert sind der Kammerwagen mit der Aussteuer einer Braut aus der Zeit um 1900 und die Sammlung der berühmten Dachauer Trachten.

Almboden und Torsoden. Kalk, Torf, Lehm und Kies – Bodenformationen rund um das Ismaninger Moos
Schlossmuseum Ismaning
bis 10. Oktober 2021

Von oben betrachtet: ohne seine besonderen Böden hätte es in Ismaning weder Krautbauern, Torfstecher, Ziegel- noch Kalkbrenner gegeben. So prägten Almboden, Torf, Kies und Lößlehm die Geschichte und Entwicklung des Ortes mit.
Die weißen Almböden mit ihrem hohen Kalk- und Feuchtigkeitsgehalt waren ideal für den ab 1509 urkundlich belegten Ismaninger Krautanbau. Am Rand der Almflächen bildeten sich Niedermoortorfe, wo nach 1800 der Torf als Heizmaterial abgebaut wurde. So veränderten sich die weiten Moosflächen und Kulturlandschaften im Norden Münchens über die Jahrhunderte.

Das Schlossmuseum Ismaning: die Dauerausstellung versetzt euch zurück ins 19. Jahrhundert, als der Stiefsohn Napoleons, Eugène de Beauharnais, und seine Gemahlin Auguste Amalie, Tochter des Bayerischen Königs Max I. Joseph, hier residierten.

Licht, Luft und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten
Gemäldegalerie Dachau
11. Juni bis 10. Oktober 2021

Natürliches Licht: das war eine Voraussetzung für die neue Kunst, die ab 1880 aus Frankreich kam und immer mehr Künstler*innen begeisterte, auch in Süddeutschland. Das Atmosphärische, der subjektive Eindruck bei der Betrachtung und die malerische Erfassung rückten in den Mittelpunkt. Ausgehend von den dominanten Kunst- und Akademiestädten München, Karlsruhe und Stuttgart versammelt die Ausstellung rund 80 repräsentative Gemälde von bekannten, aber auch zu Unrecht weniger geläufigen Künstler*innen wie Bernhard Buttersack, Maria Caspar-Filser oder Adolf Hölzel.

Die Gemäldegalerie Dachau: im Herzen der Altstadt dokumentiert sie mit ca. 200 Landschaftsbildern und einigen ausgewählten Skulpturen die Entstehung und Entwicklung der Künstlerkolonie Dachau von der Zeit als die Maler die Schönheit der Mooslandschaft entdeckten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Lichtspiele. Kino und Film im Brucker Land von den Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens
Bauernhofmuseum Jexhof
18. Juni bis 30. Oktober 2021

Sonne, Moos und Sterne - 25 Jahre Landpartie!

Als die Bilder laufen lernten: noch bevor es Kinos gab, faszinierten die Schaubuden auf den Jahrmärkten ihre Besucher*innen mit den dreidimensionalen Bildern der Stereoskope und den Projektionen des Cinématographen der Gebrüder Lumière. Gerade auf dem Land spielten die Wanderkinos und Vorführungen in den Wirtshäusern eine wichtige Rolle – bis zur Krise der Kinos in den 1960er-Jahren.
Miterzählt wird dabei die Geschichte des Films in der Region: Drehbuchautoren aus Fürstenfeldbruck und Gröbenzell, ein Film- und Fernsehstudio in Puchheim, eine Produktionsfirma in Inning, in Gräfelfing drehten die Gebrüder Diehl ihre populären Puppentrickfilme. Und schließlich ein echter UFA-Star aus Emmering: Renate Müller, deren glänzende Karriere viel zu früh endete.

Bauernhofmuseum Jexhof: bis ins Jahr 1980 war der Hof bewohnt, zuletzt von der ehemaligen Dienstmagd Resi Geiger, die seit 1930 für die Bauersfamilie Riedl gearbeitet hat. Besonders bemerkenswert ist die Original-Innenausstattung des Wohnhauses, die einen wirklichkeitsnahen Einblick in die Lebensverhältnisse auf dem Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts bietet. 

Erleuchtet! Faszination elektrisches Licht.
Schöner Strom. Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger
Museum Fürstenfeldbruck und Kunsthaus
2. Juli bis 26. September 2021

Sonne, Moos und Sterne - 25 Jahre Landpartie!
Museum Fürstenfeldbruck. Foto: Wolfgang Pulfer

Im Spotlight: seit jeher versuchen Menschen, die Dunkelheit durch Licht zu vertreiben. Durch Oskar von Miller, den berühmten Brucker Pionier der Wasserkraft, gingen in Fürstenfeldbruck bereits 1892 die Lichter an.
Ein weiterer „Meister des Lichts“ und bedeutender Lampenkünstler des Art Déco war der gebürtige Brucker Jean Perzel (1892-1986). Er erlernte das Handwerk der Glasmalerei bei der renommierten Firma F.X. Zettler in München und spezialisierte sich ab 1923 in Paris auf Lampen-Design.
Das Kunsthaus zeigt parallel die schwarz-weiß Fotografien des Landshuter Chefarztes und Fotografen Karl Heinz Rothenberger, der die Ästhetik von Turbinen, Generatoren und Elektrizitätswerken kunstvoll in Szene setzt.

Das Museum Fürstenfeldbruck: befindet sich in den großzügigen Räumen der ehemaligen Klosterbrauerei in Fürstenfeld. In den Abteilungen Kloster Fürstenfeld, Leben in Druck um 1900 und Römer, Kelten, Bajuwaren vermittelt es wichtige Bereiche der regionalen Kultur und Geschichte.

Künstlerische Positionen zu Privatheit und Öffentlichkeit
Kallmann Museum
31. Juli bis 31. Oktober 2021

Das Kallmann-Museum Ismaning widmet sich den gegensätzlichen künstlerischen Positionen zu Privatheit und Öffentlichkeit.

Hier noch mal im Überblick:

Museum Erding  Erding 1945. Wessen Heimat? 17. April – 4. Juli 2021  
Neue Galerie Dachau  Schwarz // Weiß. Zeitgenössische Papierschnitte, 16. Mai – 25. Juli 2021  
Museum Starnberger See  Im Schein der Sterne. Geschichten vom Nachthimmel 9. Mai – 9. Januar 2022  
Bezirksmuseum Dachau  Von Elfen und Zwergen, Lichtgeistern und anderen Spukgestalten. Hell und Dunkel in Märchen und Sagen 16. Mai 2021 – 23. Januar 2022  
Schlossmuseum Ismaning  Almboden und Torfsoden. Kalk, Torf, Lehm und Kies – Bodenformationen rund um das Ismaninger Moos 8. Mai – 10. Oktober 2021  
Gemäldegalerie Dachau  Licht, Luft und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten 11. Juni– 10. Oktober 2021  
Bauernhofmuseum Jexhof  Lichtspiele. Kino und Film im Brucker Land von den Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens 18. Juni – 30. Oktober 2021  
Museum Fürstenfeldbruck / KunsthausErleuchtet! Faszination elektrisches Licht Schöner Strom. Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger 2. Juli – 26. September 2021  
Kallmann-Museum IsmaningKünstlerische Positionen zu Privatheit und Öffentlichkeit 31. Juli – 31. Oktober 2021  
Stadtmuseum Freisingz.Z. wegen Umbau geschlossen  

Abb. ganz oben: „Feld Goldachhof“, Frisch gepflügtes Feld mit torfhaltigem Boden am Goldachhof in Ismaning. Foto: Klaus Leidorf 2013

Dr. Christine Heinz, Schlossmuseum Ismaning & Nathalie Schwaiger

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