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Alles neu macht der Mai – diese 7 Museen können sich sehen lassen!

by Sabine Wieshuber

Frischer Wind weht durch die bayerische Museumslandschaft – überall sprießt und grünt es… Feiertage gibt es im Mai reichlich: von Schwaben bis Unterfranken eröffnen neue Sammlungen und Museen. Für junge Wilde, Mittelalter-Fans und Dadaisten, für Royalisten und Alpinisten. Orte der Erinnerung, der Schönheit, der Geschichte, der Begegnung und der Kulturvielfalt, die dennoch eins gemeinsam haben: alle 7 lassen sich wunderbar mit einem Ausflug verbinden!

Glanzvoller Start – Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg

Am 12. Mai ist es soweit: Nach mehrjähriger Schließung erstrahlt die neue Museumssammlung im Südflügel des Wittelsbacher Schlosses in neuem Glanz. 2007 kaufte die Stadt Friedberg den Barock-Bau vom Freistaat für einen symbolischen Betrag. Die Entscheidung über die 23 Millionen teure Sanierung mischte die friedliche Kleinstadt auf, es kam zu einem Bürgerentscheid, Nachbarn prozessierten.
Das dürfte hoffentlich nun vergessen sein! Das Museum, das bereits auf eine über 130-jährige Geschichte zurückblicken kann, präsentiert sich in elegantem und zugleich raffiniertem Design, mit zahlreichen Mitmachstationen, Medienangeboten – und einem schönen, neuen Café mit Terrasse im Schlossgarten, die bestimmt der neue Lieblingsplatz der Friedberger wird.

Alles neu macht der Mai - diese 7 Museen können sich sehen lassen!
Mit viel Liebe zum Detail: die Prunkuhr im Museum im Wittelsbacher Schloss zeigt nicht nur Stunden und Sekunden an. Foto: Andreas Brücklmair

Friedberg war bis Anfang des 19. Jahrhunderts berühmt für seine Uhrmacherei und exportierte seine kostbaren Einzelstücke nach Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen bis nach Venedig und in das Osmanische Reich.
Im 18. Jahrhundert ließ Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern außerdem eine Manufaktur für Fayencen in den Schlossräumen einrichten. In der Abteilung für Archäologie Funde werden Funde von der Stein- und Bronzezeit bis hin zu den Römern und dem frühen Mittelalter ausgestellt. Das Thema „Wallfahrt und sakrale Kunst“ durfte auch nicht fehlen, denn die Stadt verfügt mit gleich drei Wallfahrtskirchen über eine große Dichte an Wallfahrtsorten. Und auch die moderne Kunst und der Friedberger Künstler des 20. Jahrhunderts haben ihren Platz: Fritz Schwimbecks (1889−1977) dunkle Buchillustrationen zur schwarzen Romantik und Phantastik sind berühmt. Darüber hinaus entwarf er graphische Zyklen, in denen er die Schrecken des Ersten Weltkrieges, aber auch in Krankheit, Schmerz und Begegnung mit dem Tod verarbeitet hat.

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Ein Tusch zur Wiederöffnung: der galante Musiker ziert einen Friedberger Fayencekrug, Museum im Wittelsbacher Schloss. Foto: Andreas Brücklmair

Am Sonntag 12. Mai feiert Friedberg Eröffnung mit Führungen und Unterhaltungsprogramm – und freiem Eintritt noch für die ganze Woche bis zum Internationalen Museumstag am 19. Mai

Die Berge und wir – das Alpine Museum München feiert 150 Jahre DAV!

Im Mai knallen auch in München die Korken: Am Abend des 9. Mai 1869 traf sich in München eine kleine Gruppe deutscher und österreichischer „Kraxler“ und gründete im Gasthaus „Zur blauen Traube“ den Deutschen Alpenverein. In ihrem „bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein“ wollten sie die touristische Erschließung der Berge vorantreiben, „die Kenntnis der Alpen verbreitern und Ihre Bereisung erleichtern“. Und schon war der Grundstein für den heute fünftgrößten Sport- und größten Naturschutzverband Deutschlands gelegt!
Zum 150. Geburtstag wurde die Dauerausstellung des Alpinen Museums auf der Praterinseln nun komplett umgebaut: die Jubiläumsschau „Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein“ zeigt neue Erkenntnisse über den DAV. Viele der Ausstellungsobjekte, Bilder und Dokumente stammen größtenteils aus den Sammlungen von ÖAV und DAV, ihrer Sektionen und Mitglieder und werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Zum ersten Mal wird es die Geschichte des Alpenvereins auch als digitale Variante geben. Ab 8. Mai könnt ihr unter alpenverein.de/geschichte die Highlights aus 150 Jahren virtuell erleben. Außerdem gibt es verschiedene Führungen durch die Ausstellung im Alpinen Museum, auch in einfacher Sprache, Gebärdensprache und in Fremdsprachen.

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150 Jahre jung: Nachwuchsprobleme kennt der DAV nicht. Foto: Deutscher Alpenverein e.V.

Das darf gefeiert werden! Mit einem großen Familienfest am 12. Mai mit Musik, Kaffee und Kuchen, Seilrutsche, Slacklines, Boulderwänden, Hochseilbrücke im Garten, Führungen durch die neue Ausstellung und Geschichtenerzählerin in der Höllentalanger-Hütte, 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei

Die Jubiläumsausstellung „Die Berge und wir“ läuft vom 12. Mai 2019 bis 13. September 2020

Geschichte im Zeitraffer – der Erinnerungsort Badehaus Waldram bei Wolfratshausen

Eine Bürgerinitiative hat das historische Gebäude vor dem Abriss gerettet und dort einen Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Lernens aufgebaut. Der Erinnerungsort Badehaus eröffnete im Oktober 2018 und durfte im April bereits seinen zweitausendsten Besucher begrüßen.
Die Ausstellung erzählt die bewegte Geschichte des Ortes: Ab 1940 errichteten die Nationalsozialisten im Wolfratshauser Forst eine Mustersiedlung für Rüstungsarbeiter, die in den als Schokoladenfabriken getarnten Geretsrieder Waffenfabriken schufteten. Gegen Kriegsende führte hier der KZ-Todesmarsch aus Dachau vorbei. Dann wurde Föhrenwald zu einem Lager für jüdische und nicht-jüdische Displaced Persons, die den Holocaust überlebt hatten. Ab 1956 wurden meist katholische, kinderreiche Heimatvertriebene angesiedelt und der Ort in Waldram umbenannt. Bis heute finden sich hier Spuren, Koffer, Erinnerungsstücke dieser einzigartigen Migrationsgeschichte.

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Zeit nehmen, genau zuhören: Interviews mit den Zeitzeugen sind das Herzstück der Ausstellung im Erinnerungsort Badehaus. Foto: Juris Mardwig Photography

Beim großen Gedenkabend „Verbrannte Bücher und Entartete Musik“ am 10. Mai um 19 Uhr werden erstmals die Werke verfolgter KomponistInnen, InstrumentalistInnen, SängerInnen und AutorInnen vorgestellt. Prominente Gäste wie Marianne Sägebrecht, Stephanie Lottermoser oder Ilse Neubauer lesen und spielen verfemte Werke, SchülerInnen stellen verfolgte KünstlerInnen vor.

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So schön bunt kann das Isarwasser leuchten! Foto: Antje Bultmann

Die Ausstellung „Wasser“ zeigt poetische, faszinierende Fotografien von Fluss-, See-, Bachoberflächen der Wolfratshausener Autorin und Künstlerin Antje Bultmann, noch bis 26. Juni.

10 Jahre: die Kunsthalle Schweinfurt reloaded

Wild, jung, politisch, expressiv, kraftvoll: anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Kunsthalle wurde die Dauerausstellung grundlegend überarbeitet. Ab Mitte Juli 2019 präsentiert sich dort die „Kunst nach 1945 in Deutschland“ auf zwei Etagen. Die Werke von Willi Baumeister oder Georg Meistermann, die Arbeiten der Künstlergruppen Quadriga, ZEN 49, Junger Westen oder SPUR, WIR, GEFLECHT und Kollektiv Herzogstraße haben viel Freiraum, spannende Gegenüberstellungen markieren Akzente.
Im Untergeschoss geht es politisch zu. Werke aus den 1950er Jahren bis heute konfrontieren den Besucher unter dem Titel „Individuum und Gesellschaft“ mit gesellschaftspolitischen Fragen.
Ein Highlight bildet die großzügige Schenkung „junger und wilder“ Kunst. Die Münchner Galeristin Marie-José van de Loo hatte sich bewusst dafür entschieden, ihre Sammlung deutscher Nachkriegskunst der Kunsthalle Schweinfurt zu vermachen. Die Hälfte der Kunstobjekte der Münchner Künstler Hans Matthäus Bachmeyer, Dietrich Bartscht, Helmut Rieger und Franz Hitzler ist bereits jetzt im Nordflügel zu sehen. Die übrigen Bilder und Plastiken werden zur großen Wiedereröffnung mit Museumsfest ab Juli 2019 ausgestellt.

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Viel Raum für Kunst: Die neue Dauerausstellung der Kunsthalle Schweinfurt. Foto: Jan Soldin

Museumsfest und Wiederöffnung am 13. und 14. Juli 2019

Industrieller, Playboy, Bobfahrer – in der Kunsthalle darf er seine kreative und sensible Seite zeigen: Gunter Sachs – Kamerakunst. Fotografie, Film und Sammlung, noch bis 16. Juni

Alle Neune für Queen Victoria – die neue Königskinder-Porträtgalerie in Schloss Callenberg, Coburg

Die Gästeliste ist ellenlang und blaublütig-beeindruckend: fast alle großen europäischen Adelsfamilien haben sich in ihr verewigt. Eine der berühmtesten Besucherinnen des Sommersitzes und Jagdschlosses der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha war Queen Victoria of England, Großmutter Europas. Königin Victoria, die am 24. Mai 2019 ihren 200. Geburtstag gefeiert hätte, schrieb in ihrem Tagebuch: „Ein wenig steil, der Weg zum Schloss Callenberg, aber dort erwartet mich ein guter Tee in einer herrlichen Umgebung“.
Die neue Dauer-Ausstellung der Stiftung der Familie umfasst neben wertvollen Möbeln, Porzellan und Waffen seit April auch Porträts der neun Kinder von Königin Victoria und Prinz Albert. Durch diese neun Kinder und 42 Enkel sind die Linien von Großbritannien und Coburg bis zur heutigen Zeit mit den europäischen Herrscherhäusern verbunden.

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Königin Victoria, Großmutter Europas. Foto: Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha´schen Familie
Herzoglicher Kunstbesitz SCG

Neben der Ahnengalerie sind auf Schloss Callenberg auch zahlreiche wunderschöne Exemplare von Röntgen-Möbeln zu bewundern, darunter auch ein seltenes Klavier. Der Röntgen-Stil war im 18. und 19. Jahrhundert sehr beliebt bei europäischen Königshäusern, und auch bei der Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie. Nicht versäumen sollte man die Ausstellung der erlesenen Hausorden. Die glanzvollen Schmuckstücke stellen eine einzigartige Verbindung zur Vergangenheit her – und sind in der Ausstellung auf bemerkenswerte Weise ergänzt durch historische Gemälde, die die früheren königlichen Ordensträger zeigen.

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Teatime für eine Königin: Queen Victoria, die vor 200 Jahren geboren wurde, lobte Schloss Callenberg, heute ein Museum und romantische Hochzeitskulisse

Was Altes, was Neues, was Blaues – das Martin von Wagner Museum in Würzburg

1857 stiftete der Deutsch-Römer Martin von Wagner seine Kunstsammlung (und einen guten Teil seines Vermögens) der Universität Würzburg. Damals existierte das Universitätsmuseum bereits seit 25 Jahren. Seit Oktober 2018 präsentiert sich die Gemäldegalerie im Südflügel der Würzburger Residenz nach einer durchgreifenden Renovierung neu – die Sammlung von mittelalterlichen, neuzeitlichen und modernen Gemälden und Skulpturen wurde neu gehängt, neu gestellt, neu beleuchtet. Die Ausstellungssäle sind in echtem „Echter-Blau“ gehalten, nach dem Würzburger Fürstbischof, großen Bauherren und Verwaltungsreformator Julius Echter von Mespelbrunn. Zahlreiche Kunstschätze wurden aus dem Depot geholt – wie etwa das spektakuläre, frisch restaurierte Altarbild von Gherardo Starnina aus dem frühen 15. Jahrhundert. Das wertvolle Triptychon hatte vor zwei Jahren Florenz begeistert, als es dorthin ausgeliehen war.
Weiterhin erwartet die Besucher ein Kilians-Altar, der im Hintergrund Würzburg aus der Zeit vor 1500 zeigt, bevor Julius Echter die Stadt umbauen ließ, so wie eine Riemenschneider-Madonna, zwei Tiepolo-Historienbilder aus dem Besitz von Balthasar Neumann, niederländische und deutsche Malerei wie das Luther-Porträt nach einem Holzschnitt von Lucas Cranach. Auch Gründer Martin von Wagner wird mit einer eigenen Abteilung gewürdigt. Dort werden auch zwei Modelle des Walhalla-Frieses gezeigt, den er entworfen hat.

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Gherardo Starninas Triptychon aus dem frühen 15. Jahrhundert hatte vor zwei Jahren Florenz begeistert, nun leuchtet es für Würzburg. Foto: Rebecca Hümmer

Herz der Museumsmeile – das Christian Schad Museum in Aschaffenburg

Momentan ist es noch eine Baustelle: das zukünftige Christian Schad Museum wird der Hingucker des Aschaffenburger Museumsquartiers sein. Voraussichtlich 2019 bespielt das Museum das ehemalige Jesuitenkolleg in der Pfaffengasse, es teilt sich die historische Anlage mit der Kunsthalle, die schon seit 1976 in der Jesuitenkirche ihren Platz gefunden hat. Das inhaltlich wie architektonisch spannende Museum präsentiert Leben und Werk des „Meisters der neuen Sachlichkeit“, Christian Schad (1894-1982).
Neben George Grosz, Otto Dix und Carl Grossberg ist Schad der bedeutendste Vertreter der Kunstrichtung, die Dinge und Personen auf eine „objektive“, nüchterne, nicht emotionale Weise darzustellen versucht. Aschaffenburg wird damit weltweit der einzige Standort sein, der alle Schaffensperioden von Christian Schad beleuchten kann.  Denn im Ersten Weltkrieg, hatte der junge Künstler zunächst auch Expressionismus, Futurismus und Kubismus aufgegriffen. In Zürich hatte sich Schad 1916 der Dada-Bewegung angeschlossen, die sich der Idee der absoluten Freiheit verschrieben hatte und erfand die „Schadografie“, ein Fotogramm auf lichtempfindlichen Papier ohne Kamera.

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Das historische Jesuitenkolleg mit ganz neuen Seiten: das Christian Schad Museum wird das  Museumquartier beleben. Museen der Stadt Aschaffenburg, Foto: Natalie Ungar

Das Christian Schad Museum Aschaffenburg eröffnet voraussichtlich 2019

Abb. ganz oben: „Grashalminstitut“, die Kunstaktion von Thomas May (Foto: Thomas May) in der Kunsthalle Schweinfurt ist eine Kostprobe auf unsere große Sommer-Jubiläumsaktion. Soviel verraten wir euch schon mal, damit ihr uns auch zukünftig „grün“ bleibt….

Nathalie Schwaiger

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