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Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus

by Sabine Wieshuber

Seit 800 Jahren thront die Veste Oberhaus auf dem Georgsberg, 105 Meter hoch über den Donauschleifen und der Stadt. Wo einst die Fürstbischöfe residierten, lädt heute eine der größten erhaltenen Burganlagen Europas zu einer Zeitreise durch die bewegte Geschichte, die von ständigem Wandel geprägt war. Die Veste überstand fünf Belagerungen, war schon Kerker, Campingplatz und coole Konzert-Location – und der Blick bei Sonnenuntergang von da oben ist einfach gigantisch!
Noch bis 25. Mai präsentiert sich das Passauer Schmuckstück bei uns im Infopoint im Alten Hof in München – möge das Fest beginnen!

Erstmalig erwähnt im Jahr 1219, wurde die Burganlage fortlaufend umgestaltet und erweitert und musste immer neuen Ansprüchen genügen. Diese Entwicklung hält bis heute an. Sie wurde als mittelalterliche Burg von den Passauer Bischöfen errichtet, vor allem als Schutz vor den Bürgern, die lieber eine Reichsstadt gründen wollten. Rasch erfolgte der Ausbau zum prachtvollen Renaissanceschloss nach italienischem Vorbild, danach zur militärischen Festungsanlage im Barock und im 19. Jahrhundert zur Militärstrafanstalt, der weit über die Landesgrenzen gefürchteten „Bastille Bayerns“. Im 20. Jahrhundert setzte sich die vielfältige Nutzungsgeschichte der Burganlage fort: sie war Ostmarkmuseum, Tollhaus, Terrassen-Café, Campingplatz und die Pfingst-Open-Air-Konzerte sind legendär.
Heute beherbergt die Veste Oberhaus neben einem Restaurant und einer Jugendherberge das Oberhausmuseum. Auf 3.000 m² sind hier spannende Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zum Mittelalter sowie jährlich wechselnde Sonderausstellungen zu sehen.

Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus
Ein Jahr voller Höhepunkte: von Juni bis Dezember wird durchgefeiert!

Mächtig prächtig!

Die Verwandlung der Burg über acht Jahrhunderte wird ab 8. Juni in der großen Sonderausstellung „Mächtig prächtig!“ in sieben Kapiteln aufgerollt. Auf einem spannenden Ausstellungsparcours laden bisher noch nie gezeigte Exponate, darunter auch eine Rekonstruktion des geheimnisumwitterten Bergfrieds! Ein Burgmodell zeigt die Veste Oberhaus als Renaissanceschloss, in einer Galerie sind die Bauherren des Schlosses verewigt. Die einst prächtige Silber- und Harnischkammer und eine Flaniermeile lassen das goldene Zeitalter der Kunst- und Handelsstadt Passau, von zahlreichen Mitmachstationen aufgelockert, lebendig werden.

Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus
Geschichte zum Anfassen: kleine und große Ritter erobern die Burg. Foto: Manfred Rauscher

Rechtzeitig zum Fest sind auch kostbare Holz-Schnitzereien und ein Wappen aus dem Münchner Bayerischen Nationalmuseum in die Veste zurück gekehrt. Dass die Elemente ursprünglich aus der Burg stammen, ist nicht anzuzweifeln und gerade das macht sie so wertvoll: denn in Passau sind nach den großen Altstadt-Bränden in den Jahren 1512, 1662 und 1680 keinerlei so kunstvolle hölzerne Bauelemente des Mittelalters erhalten geblieben. Auf Beschluss Maximilians II. wurden 1859 die gotischen Schnitzereien aus dem Rittersaal vom König wenige Jahre zuvor gegründete Bayerische Nationalmuseum verlagert: so auch ein Wappen aus dem 16. Jahrhundert, das zwei Landsknechte mit der berühmten Visconti-Schlange der Mailänder darstellt.

Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus
Nach 159 Jahren wieder in Passau: Wappenhalter mit Mailänder Wappenschild, um 1520, Lindenholz, Bayerisches Nationalmuseum, München

Für den Transport und eventuelle Schäden hatte das Museum aufzukommen. Der Kommandant, der damals dem Kriegsministerium unterstellten Burg, wollte Kosten sparen und ließ die Transportkiste für die Wappenhalter von Schanzsträflingen aus alten Brettern fertigen… Deshalb haben sie wohl einige kleine Schrammen abbekommen, sind aber ansonsten bestens erhalten. Vom 10. Februar 1860 bis Frühling 2019 waren die Figuren in München, nun sind sie wieder zurück in der Veste. Dargestellt sind nicht etwa „Wilde Männer“ und auch keine Höflinge, sondern modisch gekleidete Landsknechte, denen das Brusthaar neckisch unter dem Hemd hervorquillt. Sie tragen das Wappen der Visconti, der Herzöge von Mailand. Denn Elisabetta Visconti hatte 1396 in Pfaffenhofen an der Ilm Herzog Ernst von Wittelsbach geheiratet. Er war der Urgroßvater des Herzogs, der dem Bistum Passau von 1517 bis 1540 als Verwalter vorstand und dürfte den Auftrag für das Wappen erteilt haben. Vermutlich war es mal Teil einer Wappenfolge, zu der auch die Wappen der Wittelsbacher selbst sowie mit ihnen verwandter Familien mit Trägerfiguren gehörten. Der Schnitzer der Passauer Figuren bleibt unbekannt, scheint sich aber künstlerisch an Münchner Vorbildern orientiert zu haben, etwa den Moriskentänzern von Erasmus Grasser aus dem Tanzsaal des Alten Rathauses. 

Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus
Diese schönen Schnörkel schmückten den Festsaal: Passau, um 1500, Lindenholz, geschnitzt; Bayerisches Nationalmuseum, München

Vom Zeit-Turm zum Dreiflüsse-Blick

Im Sommer wird auch der aufwändig sanierte und multimedial ausgestattete Aussichtsturm eröffnet. Während des Aufstiegs erlebt ihr Stufe für Stufe auf einer interaktiven Landkarte die Region zwischen Passau und Kufstein, die jahrhundertelang durch ein dicht verflochtenes Netzwerk bedeutender Handelswege eng verbunden und von unterschiedlichen Herrschern umkämpft war. Der neun Meter hohe Zeitturm steckt voller 3D-Projektionen und Modellansichten zur rekonstruierten Baugeschichte. Oben angekommen erwartet euch ein spektakulärer Panoramablick über das Dreiflüsse-Eck, über Inn, Ilz und Donau, über Passau und seine geschichtsträchtige Umgebung – und ein ganz besonderes Augmented-Reality-Fernrohr erlaubt spannende Ein- und Weitblicke bis nach Österreich.

Passau feiert 800 Jahre Veste Oberhaus
Gute Aussichten: in der Jugendherberge auf der Burg könnt ihr sogar übernachten. Foto: pedagrafie

App auf den Spuren der Ritter und Fürstbischöfe

Ab Juli könnt ihr, ausgestattet mit der neuen Veste-Oberhaus-App, auf den Spuren der einstigen Burgbewohner das Gelände erwandern. Die App gibt mit Bildern, Videos, Musik und Infos faszinierende Einblicke in das Leben längst vergangener Epochen: die einstige Zugbrücke erwacht rasselnd zum Leben, der ehemalige Bergfried wird plötzlich wieder sichtbar, die Panoramatour führt euch zu den schönsten Aussichtspunkten und auf der Schatzsuche könnt ihr an authentischen Fundorten Gegenstände aus alten Zeiten entdecken.

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Krönender Abschluss: das große Burgspektakel steigt im September

Auf der Burg da ist was los

Das Jubiläumsjahr wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Als absolutes Highlight ist das große „Burgspektakel“ unter dem Motto „Residenz und Renaissance“ vom 20. bis 22. September 2019. Trommelwirbel, Fanfarenklänge und Fahnenschwinger läuten das Wochenende ein. Schaukämpfe mit historischen Waffen, Gaukelei, Tanz, Theater, Konzerte, historisches Markttreiben, authentisches Lagerleben und ein bunter Jahrmarkt warten auf die Besucher.

Am Sonntag 19. Mai, dem internationalen Museumstag, startet die nächste von 7 Zeitreisen: die tapferen Mannen der freien Ritterschaft zu Passau stürzen sich in historischen Gewändern in den Schaukampf.

Weitere Höhepunkte: die Burgfestspiele vom 15. Juni bis 7. Juli mit Theater, Oper und Konzerten unter freiem Himmel, das Sommerkino im August, das BurgCamp für Nachwuchs-Ritter und -Burgfräulein vom 1. bis 9. September…

Veste Oberhaus/Oberhausmuseum
Oberhaus 125
94034 Passau
Tel.: +49 851 396800

Abb. ganz oben: Wer braucht schon einen Rooftop, wenn er eine Burg hat… der Blick von der Veste Oberhaus auf Passau ist einmalig!

Gastbeitrag von Eva Zwirner, Veste Oberhaus | Oberhausmuseum Passau

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