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Ab ins Blaue: Natur- und Wort-Gewalten im Literaturhaus München

by Sabine Wieshuber

Knarrender Dielenboden, Vogelgezwitscher und an manchen Stellen, tatsächlich, der waldige Geruch von Zedern. Die neue Ausstellung „Ins Blaue“ im Literaturhaus München lässt euch in Worten und Gedanken in die Ferne schweifen. #AufdemHolzweg geht auf große Reise, nach Übersee und in den Urwald. Kommt mit auf einen Spaziergang – durch eine Sammlung von Texten und Archivmaterial von der Antike bis zur Gegenwart.

Ein Gastbeitrag von Magda Hirschberger, Literaturhaus München

In der neuen Ausstellung im Literaturhaus München geht es um »Natur in der Literatur« und um die Beziehung, die die beiden seit Jahrtausenden miteinander führen. Bei einem solchen Thema klingt das zunächst eher nach einem Gewaltmarsch durch den Zitatewald, denn nach Waldspaziergang, wäre da nicht das Setting, das den kritischen Spaziergänger immer wieder zum Verweilen einlädt. Sogar ein geheimer Garten ist dabei, eigentlich fehlen nur noch – helas – die Mosquitos!

Im Schatten des Waldes

Eines meiner Lieblingsfundstücke stammt aus dem Exiltagebuch von Hilde Domin, das sie 1942, während ihrer Zeit in der Dominikanischen Republik verfasste. Der Wald, den sie darin beschreibt, ist so ganz anders als jener, der zur gleichen Zeit in Europa von den Nationalsozialisten als Metapher des reinen Deutschtums Karriere macht. Gleich neben Domins Tagebuch liegt in einem Schaukasten der »Kiefer eines Hirschen«, denn der Schriftstellers Robert Prosser beigesteuert hat, und ein Text, in dem Prosser schreibt, der Blick im Schatten eines Waldes sei »ein fliehendes, eiliges Schweben, dem man gehend und denkend und schreibend kaum nachkommt«. Mit dem Wald, so scheint es, verhält es sich ähnlich, wie mit vielen Gegenständen der Literatur: Das Eindeutige verschwindet mit dem Versuch es zu fixieren. Im Schreiben zieht sich der Wald zurück in sein geheimnisvolles Rauschen. Was dem Spaziergänger bleibt? Die Erfahrung eines Augenblicks, dessen Faszination gerade in seiner Flüchtigkeit besteht.

Ab ins Blaue: Natur- und Wort-Gewalten im Literaturhaus München

Blick auf die Blumen des (nicht ganz so) geheimen Gartens, die eigens für die Ausstellung, umgrenzt von einem Holzzaun, auf dem Salvatorplatz 1 blühen.

Das Literaturhaus lädt euch noch bis zum 7. Oktober 2018 ein, „Ins Blaue“ zu schweifen –  zu träumen und nachzudenken, zu lachen und zu staunen. Ihr könnte euch auf einem gräsernen Himmelbett ausruhen, in einem geheimen Garten voller Rosmarin und Oleander lustwandeln und außerdem Hermann Hesse als Nacktkletterer, Franz Kafka als Skifahrer oder Eduard Mörike als Bastler erleben. Textpassagen aus 2500 Jahren Weltliteratur – von Ovid bis Ingeborg Bachmann – feiern die Poesie, die Farben und die Kraft der Natur.

An vier lauen Juli-Mittwochabenden erwartet euch das Literaturhaus außerdem um 18.30 Uhr im Hof zum Apéro: bei der Sommerlese Juli 2018 könnt ihr bei einem Glas Wein vier berühmten internationalen Texten zum Thema Natur lauschen. Münchner Schauspieler nehmen euch lesend mit in den Wald, auf den Berg, in die Wüste oder aufs Meer. Also bevor ihr ins Grüne fahrt, macht doch einfach mal blau!

Literaturhaus München

Salvatorplatz 1

80333 München

Tel. +49 (0)89-29 19 34-0

 


Abb. ganz oben: Locus amoenus im Exil: Fotoalbum, das Hilde Domin 1942 in der Dominikanischen Republik angelegt hat. Archiv: DLA Marbach.

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