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#aberBlau – Wir machen blau!

by Sabine Wieshuber

Letztes Jahr waren wir zum Infopoint-Jubiläum mit #15shadesofgreen grün unterwegs, dieses Jahr ruft uns das Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg zum „blau machen“ auf. Klingt nach Pause? Doch genau das Gegenteil ist gemeint: in den zwei kommenden Wochen widmet sich das Museum voll und ganz dem Thema Blau und ruft unter den Hashtags #aberBlau und #butBlue zur Social-Media-Aktion auf.

Vom 5. bis zum 19. Juli 2020 – von Himmelblau bis zur blauen Stunde… Natürlich dürft ihr mitmachen! Postet auf euren Social-Media-Kanälen euer eigenes Blau unter #aberBlau und #butBlue. Egal ob blauer Saphir, blaues Wunder oder blaue Papageien – alles was die Bedeutungen der Farbe auslotet oder mit Blau assoziiert wird- ist geeignet. „Blau machen“ gilt also nicht, denn wir freuen uns über jeden, der mitmacht!

#aberBlau – Wir machen blau!

Blau wirkt oft kühl und wird mit dem Himmel und dem Meer verbunden, mit großen Naturerlebnissen. Blau als Farbe des Gefühls reicht vom melancholischen, traurigen Blau bis zum verträumten Blau. In mancherlei Hinsicht ist Blau die Farbe des Unwirklichen und des Schemenhaften. Dies lässt sich auch an der sprachlichen Entwicklung ablesen: Die Römer beispielsweise kannten kein präzises Wort für Blau. Sowohl die alten Ägypter als auch einige Naturvölker unterscheiden sprachlich nicht zwischen Blau und Grün. Dabei zählt Ägyptisch Blau zu den ältesten künstlich hergestellten Farbpigmenten und wurde vermutlich seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. im alten Ägypten zur Herstellung von farbig glasierter Keramik verwendet.

Literarische Bedeutung erlangte im 19. Jahrhundert das Motiv der blauen Blume. In Novalis‘ Roman Heinrich von Ofterdingen steht sie für die Ferne und die Hoffnung. Sie wurde zum Sinnbild der Romantik, hier besonders der romantischen Sehnsucht und steht unter anderem für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen. Eduard Mörike verwendete das Farbsymbol mehrfach. So lässt er in dem Gedicht Er ist’s das „blaue Band“ des Frühlings flattern.

Seit 2000 findet in Nürnberg Mitte Mai jeden Jahres die Blaue Nacht statt. Hierbei handelt es sich um eine Lange Nacht der Museen in der künstlerische Installationen und Performances in den Straßen der Stadt stattfinden. Die beherrschende Farbe ist Blau und so werden die Gebäude und Dekorationen teilnehmender Museen entsprechend illuminiert.

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Wasser ist besonders in Augsburg ein allgegenwärtiges Thema. Die historische Wasserwirtschaft der Stadt gilt als herausragendes Zeugnis der Geschichte der Wassernutzung und der Wasserwirtschaft. Die historischen baulichen Anlagen zur Fließgewässernutzung und zur Trinkwasserversorgung sowie die Brunnenkunst Augsburgs vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert wurden daher 2019 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Im Christentum wird Blau als Farbe des Himmels mit Gott und seinen Engeln assoziiert. Ursprünglich als „weibliche“ Farbe wahrgenommen wurde sie der Jungfrau Maria zugeschrieben. Daher wird Maria in der Kunst traditionell mit einem blauen Mantel bekleidet dargestellt.

Blau, blau, blau sind alle meine Kleider…

#aberBlau – Wir machen blau!
Madonna, Johann Baptist Dollenbacher, 1857, Foto: DMA, Richter+Fink.

Selbst ohne Kind auf dem Arm würde sie jeder sofort erkennen: Maria! Das hängt vor allem mit der Farbe ihres Gewandes zusammen, denn Maria trägt immer einen blauen Mantel.
Die Farbe Blau wird in der Bibel bei den Vorhängen der Stiftshütte und bei der Kleidung der Priester erwähnt. Auch die Transportdecken für die Gefäße des Heiligtums waren blau. Die Farbe steht stellvertretend für den Himmel: Die ganze Stiftshütte war „ein Schatten der himmlischen Dinge“ (z. B. Ex 26,28). Die Farbe Blau zeichnet Maria also als Himmelskönigin aus.

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Maria und Elisabeth, Fackler-Weiss-Diptychon, um 1520, Foto: DMA, Jürgen Bartenschlager.

Blau gehörte seit jeher zu den schwer zu beschaffenden und aufwendig herzustellenden Farben. Sie waren deshalb äußerst kostbar. Die blauen Farbpigmente erhielten unterschiedliche Bezeichnungen wie Kobalt, Preußisch Blau oder Ultramarin. Letztes wurde aus dem Edelstein Lapislazuli gewonnen, der unter anderem in Afghanistan abgebaut wurde. Der Stein legte also einen sehr langen Weg zurück, bis er schließlich in Europa ankam und zu Pulver weiterverarbeitet werden konnte. Reines Ultramarin wurde mit Gold aufgewogen, so wertvoll war es. Die Künstler verrührten es mit einem Bindemittel und konnten das Pigment als Aquarell-, Tempera- und Ölfarbe benutzen. Da das Pigment sehr lichtbeständig ist, hat sich der Farbton bis heute seine intensive Leuchtkraft. Diese Haltbarkeit war der Grund, dass Herrscher und die Kirche bis ins 16. Jahrhundert vertraglich festlegten, das hochwertige Ultramarin in Kunstwerken zu verwenden.

Die Kostbarkeit dieses Blautons ist also als Farbe für Maria gerade gut genug und betont ihre Einzigartigkeit und Besonderheit. Blau verknüpft Göttliches, Himmlisches und Irdisches und wird zur Farbe des Glaubens und der Treue.
Auch das Porträt des Augsburger Bischofs Pankratius von Dinkel (1858-1894) hat ein leuchtendes Blau. Es zeigt den Bischof in schlichter schwarzer Soutane mit angearbeiteter Pellerine. Dazu trägt er eine breite blaue Schärpe und auf dem Kopf ein kleines, enganliegendes blaues Käppchen, den sogenannten Pileolus.

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Pankratius von Dinkel, Adolf Boch, 1878.

Diese blaue Ausstaffierung des Bischofs sorgt immer wieder für Erstaunen: Heute kennt man nur den violetten Pileolus für Bischöfe, den roten für Kardinäle und natürlich den weißen für den Papst. Allerdings wurde die bischöfliche Kleidung wie auch ihre Farbgebung erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbindlich von Rom aus geregelt. Es ist daher anzunehmen, dass Bischof Pankratius sich durch die blaue Farbwahl als besonderer Marienverehrer zu erkennen geben wollte.

Blau wie der Himmel

Klar, leuchtend, schillernd, unendliche Weite, unergründlich, geheimnisvoll, unendliche Tiefe… Sind das nicht die Eigenschaften, die wir mit der Farbe Blau verbinden? Es könnten auch die Beschreibungen zweier Edelsteine sein, die des Saphirs und die des Lapislazuli. Beide Steine wurden aufgrund ihrer symbolisch-biblischen Bedeutung bei der Ausstattung von liturgischen Geräten des katholischen Ritus verwendet. Der Saphir häufiger, der Lapislazuli sehr viel seltener.

Die Hostienmonstranz des Augsburger Goldschmieds Johann Joachim I Lutz, die zwischen 1717 und 1721 entstand, ist ein besonders prächtiges Exemplar ihrer Gattung. Vergoldetes Silber und eine Reihe von Edelsteinen wie Granate, Rubine, Topase, Smaragde, Amethyste, Turmaline, Diamanten und eben Saphire, wobei zwei besonders reine und große Exemplare links und rechts der Krone besonders ins Auge stechen, sind „ad maiorem Dei gloriam“, also zur höheren Ehre Gottes eingesetzt worden.

In der Bibel drückt der Saphir Reichtum aus (Ijob 28,16). Er steht ferner für das ewige Paradies (Ez 28,13; Offb 21,19) und damit auch für den Himmel, wozu der durchsichtige (transluzide) und damit unendliche Weite ausdrückende Edelstein besonders gut passt.

Saphire sind die blaue Varietät der Korunde, wozu beispielsweise auch der Rubin gehört. Beide zählen neben dem Diamanten zu den härtesten Gesteinen und eignen sich deshalb gut zum Schleifen. Der Saphir gehört neben den anderen genannten Edelsteinen bis heute zu den teuersten Edelsteinen. Höchste Qualität haben zum Beispiel asiatische Saphire aus Birma, Kambodscha, Sri Lanka und Thailand.

Die Messgarnitur von Johann Martin Maurer entstand zwischen 1724 und 1728 für das ehemalige Kanonissenstift St. Stephan. Hier wurde als Edelsteinschmuck Lapislazuli verwendet, ein Gestein, das in der sakralen Goldschmiedekunst sonst kaum zum Einsatz kam. Die leuchtend blauen Steine wurden in strahlend weiße Perlmuttscheiben eingelegt und sind von vergoldeten Silberschnittrahmen eingefasst, was wahrlich höfische Eleganz ausstahlt.

Lapislazuli kommt im Alten Testament in Verbindung mit dem Thron Gottes vor (Ez 1,26; Ez 10,1). Er steht also für den Allerhöchsten. Er war schon im Alten Ägypten sehr geschätzt, galt als sehr kostbar und stand deshalb den Herrschern zu. Schon damals wurden die Steine aus Badachstan, einer Provinz im Nordosten Afghanistans, importiert. Auch wenn es andere Vorkommen gibt, werden die besten Qualitäten des opaken Gesteins bis heute aus dieser Mine gewonnen. Der Stein galt von jeher als kostbar. In der Renaissance entsprach der Preis für eine Unze etwa dem von Gold. Das Pigment des Lapislazuli wurde im Abendland wegen seiner intensiven Tönung und seiner Lichtbeständigkeit für Malereien aller Art sehr geschätzt. Es war schon im Mittelalter wegen seines aufwändigen Herstellungsverfahrens mit bis zu 49 Arbeitsschritten sehr teuer.

Diese und noch viele weitere Aspekte von #aberBlau werden wir euch vom 5. bis zum 19. Juli 2020 vorstellen. Hier könnt ihr viele kleine blaue Wunder erleben.

Ein Gastbeitrag von Eva-Maria Bongardt und Melanie Thierbach, Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg.

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