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#15shadesofgreen Nr. 12 #apfelgrün

by Sabine Wieshuber

Das Würzburger Lieblingsgrün? Lichtes Gras- oder sattes Obstwiesen-Grün? Oder lieber abstraktes Konkret-Grün? Im Kulturspeicher bekommt ihr alles! Und das unter einem Dach! Impressionistische Wald- und Wiesenlandschaften in der Städtischen Sammlung und konzeptionelle Plastiken in der Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945. Ihr entscheidet mit: wie konkret grün darf es sein?

Ein Gastbeitrag vom Kulturspeicher in Würzburg

Wer würde nicht gerne im Schatten der Apfelbäume lustwandeln? Die Dame mit blauem Rock, roter Bluse und braunem Hut, den Sonnenschirm zum Gehstock umfunktioniert, spaziert durch einen blühenden Garten. Zwischen den Bäumen sprießt frisches Gras, hellblauer Himmel spitzt am oberen rechten Bildrand durch die Kronen der Zweige. Auf den üppigen Grasteppich werfen Sonnenstrahlen, die durch das Laub dringen, hellgrün-gelbe Lichtflecken. Ob die Dame bereits an die Äpfel denkt, die im Herbst geerntet werden… Was hier wohl wächst? Ein süßer, rot-gelber Jonagold oder doch ein säuerlicher, giftgrüner Granny Smith?
Der „Spaziergang unter blühenden Apfelbäumen“ des fränkischen Impressionisten Ludwig von Gleichen-Russwurm strotzt geradezu vor unterschiedlichen Grüntonen – Knallgrün, Grasgrün, Frühlingsgrün… alles dabei! Der Künstler war ein Enkel des berühmten Dichters Friedrich Schiller und wurde als Freiherr 1836 auf Schloss Greifenstein in Bonnland bei Hammelburg geboren. Sein Patenonkel war übrigens der bayerische König Ludwig I., ein großer Verehrer Schillers, deshalb gaben ihm seine Eltern auch den Vornamen Ludwig.

#15shadesofgreen Nr. 12 #apfelgrün
Lieblingsplatz und Open-Air-Atelier des fränkischen Impressionisten: Ludwig von Gleichen-Russwurm, Schlossgarten bei Bonnland, 1897. ©MiK, Foto: Obermeier

Früh verwitwet, verbrachte von Gleichen-Russwurm die Sommermonate zurückgezogen auf Schloss Greifenstein in Unterfranken, im Winter lebte und arbeitete er in Weimar oder Berlin, wo er auch an den großen Kunstausstellungen teilnahm. Eine Reise nach Barbizon in Frankreich veränderte 1876 sein Leben und seine Malerei. Dort lernte er die pastose, farb-intensive, vibrierende Malweise der Impressionisten kennen und brachte diese Technik als einer der ersten Künstler nach Deutschland mit.

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Hmm, wie das duftet! Ludwig von Gleichen-Russwurm, Heuernte, 1889. ©MiK

Die Menschen und die Landschaft seiner unmittelbaren Umgebung machte er zu seinen zentralen Themen: Bauern bei der Feldarbeit, hügelige Landschaften um Bonnland, Schloss Greifenstein – und ganz im Sinne der Zeit – die Impressionen, die in der Natur durch Licht und Schatten, Jahreszeiten und Wetter wahrzunehmen sind.

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Kontrast-Programm: der ehemalige Getreidespeicher ist das coole Setting für zwei Sammlungen und spannende Sonderausstellungen. ©MiK

Alt und neu, historisch und zeitgenössisch, landschaftlich und geometrisch  – hinter der außergewöhnlichen Kulisse des ehemaligen Getreidespeichers am Würzburger Winterhafen treffen Impressionisten auf Konkrete Kunst. Im südlichen Trakt wird die einzigartige Sammlung „Peter C. Ruppert. Konkrete Kunst in Europa nach 1945“ gezeigt: nach Vorläufern in Bauhaus und Konstruktivismus entwickelte sich diese Kunstrichtung mit spannender Affinität zur Mathematik vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in Europa vielfältig weiter. Anfang 2019, nach dem Tod des Sammlers, wurden die sechs Räume komplett neu gestaltet. Jetzt wird den Werken von Künstlern aus 23 europäischen Ländern – von Max Bill, Günter Fruhtrunk oder Victor Vasarely, von Kinetik über Installationen bis hin zu digitaler Kunst – noch mehr Raum gegeben.

Greeny Birthday liebe Museumsperlen! Auf weitere 15 Jahre bloggige Perlen – wir bleiben euch grün!

Auch die derzeitige Sonderausstellung „Farbe im Stein – Schwingung im Metall. Helmut Dirnaichner und Martin Willing“ greift das Thema Farbe auf: noch bis 28. Juli 2019 könnt ihr euch im Museum im Kulturspeicher die organischen oder geometrischen Kreationen, Spiralen und Formen in Papier, Stein, Aluminium oder Titan ansehen.

Abb. ganz oben: Ludwig von Gleichen-Russwurm, Spaziergang unter blühenden Apfelbäumen, 1893 ©MiK, Foto: Andreas Bestle

Gastbeitrag von Sonia Kippes, Museum im Kulturspeicher Würzburg

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