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#15shadesofgreen Nr. 13 #augustusgrün

by Sabine Wieshuber

Ein Monat, eine Brauerei und eine ganze Stadt tragen seinen Namen und sein Gesicht war auf Millionen von Münzen zu sehen… Was sagt uns das? Dies ist die Hand eines starken Mannes! Nicht nur für Augsburg. Tatsächlich war Gaius Octavius von 63 vor bis 14 nach Christus der mächtigste Mann der Welt: Kaiser des römischen Reiches zur Stunde Null, Alleinherrscher und Eroberer, aber auch Kunstförderer und Städtebauer.

Ein Beitrag zu den Kunstsammlungen und Museen Augsburg

2,50 Meter groß und 600 Kilo schwer blickt er vom Sockel eines der drei Augsburger Prachtbrunnen auf seine Reichsstadt herab, die seine Söhne als Militärsiedlung begründeten, die er aber selbst nie gesehen hat. Aus der für Germanien wichtigen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum wurde „Augustus Burg“ – heute Augsburg.
Adoptiert von seinem Großonkel Gaius Julius Caesar, der ihn als seinen Nachfolger einsetzte, beendete Augustus die Republik und verwandelte Rom in eine Art Monarchie, mit ihm als absoluten Herrscher. Seine „Pax Augusta“ oder auch „Pax Romana“ bescherte seinem Imperium einen 200 Jahre langen Frieden. Mit Gegnern war er dagegen nicht zimperlich: Cicero musste dran glauben, Kleopatra und Marcus Antonius nahmen sich das Leben, als seine Legionen anrückten. Doch der Kaiser, von Historikern auch Octavian genannt, war auch kunstsinnig: er mochte es monumental, verbaute Marmor statt Ziegel, förderte Dichter wie Vergil, Horaz und Ovid.

#15shadesofgreen Nr. 13 #augustusgrün
Erhaben, wie sein Name schon sagt: Augustus-Bronze aus dem Maximilianmuseum. Foto: Achim Bunz © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Am Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz steht nur eine kaiserliche Kopie. Die Originalfigur ist im Viermetzhof im Maximilianmuseum Augsburg zu sehen. Angefertigt wurde sie nach einem Modell des niederländischen Bildhauers Hubert Gerhard um 1540/50 -1620 vom Stadtgießer Peter Wagner. Doch entworfen hat sie womöglich der flämische Maler und Grafiker Peter Candid, wie eine Reihe von Zeichnungen des Vasari-Schülers im Louvre nahelegen.
Mit den drei Prachtbrunnen und den Bronze-Figuren von Herkules, Merkur und Augustus zog die Renaissance in Schwaben ein. Kaiser Augustus ist als reifer Mann mit Lorbeerkranz und Waffenrock dargestellt, die Rechte zur typischen Heerführer-Geste erhoben.

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Adam und Eva im Paradies: spätrömische Glasschale aus der Stadtarchäologie. Foto: Andreas Brücklmair © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Augustus regierte in der Geburtsstunde von Jesus von Nazareth. Er war es, der die Volkszählung angeordnet hatte, die Josef und Maria nach Betlehem führte. Vielleicht ist auch daher die Augsburger Adam-und-Eva-Schale so anrührend: sie ist das älteste Zeugnis christlichen Glaubens in Bayern. Die flache Schale aus grünlichem Glas mit einem Durchmesser von 19,5 cm wurde im Jahr 2000 bei Ausgrabungen der Augsburger Stadtarchäologie nur ein paar Meter südöstlich des Doms gefunden. Auf ihrer Unterseite ist die Darstellung des Sündenfalls eingraviert: Am Baum der Erkenntnis windet sich die Schlange nach rechts zu Eva empor, die kunstvoll frisiert und mit einer Perlenkette um den Hals, aber sonst nackt dargestellt ist. Links des Baums steht Adam, ebenfalls nackt, jedoch deutlich plumper gezeichnet. Beide greifen mit der Rechten nach den verbotenen Früchten, mit der Linken halten sie jeweils ein Feigenblatt, um ihre Scham zu bedecken, derer sie soeben gewahr wurden. Über dem Baum ist zwischen zwei Sternen das Christusmonogramm aus den griechischen Buchstaben Chi (X) und Rho (P) zu erkennen. Umlaufend entlang des Randes verläuft der lateinisch-griechische Schriftzug „VIVAS IN DEO P(ie) Z(eseis): Lebe in Gott. Trinke, Du wirst leben!“

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Küss‘ die Hand gnä‘ Frau: die Sandalen lösende Venus aus Augsburg, Römisches Museum. Foto: Andreas Brücklmair © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Die Römer legten nicht nur den Grundstein für Augsburgs einzigartiges Wassersystem – in der Renaissance wurde es mit seinen Kanälen, Wassertürmen, Prachtbrunnen und historischen Leitungen ausgebaut und wurde gerade frisch, am 6. Juli 2019, als UNESCO Welterbe anerkannt! Die reichen, römischen Bürger, Feldherren, Legionäre und Kaufleute hinterließen der Stadt auch einzigartige Fundstücke. Sie sind bis nach der Sanierung des Römischen Museum in der Dominikanerkirche unter anderem im Römerlager der Kunstsammlungen und Museen Augsburg zu bewundern. Eine der schönsten römischen Bronzestatuetten stellt Venus, die Göttin der Liebe und der weiblichen Schönheit dar: die fast nackte Göttin legt gerade Schuhe und Gewand ab, um ins Bad zu steigen… Gefunden wurde die Figur in der Augsburger Altstadt, wo sie wohl in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus den Hausaltar eines wohlhabenden römischen Bürger schmückte. Ursprünglich war sie mit Silber verziert und trug vermutlich Schmuck um den Hals.

Helden aufgepasst: noch bis 8. September 2019 zollt das Römerlager im Zeughaus mit der Sonderausstellung „Die Abenteuer des Herkules“ dem berühmten griechischen Abenteurer, Sohn des Zeus und Halbgott unter anderem mit einem coolen Comic Tribut.
Im Römerlager werden auch spannende Führungen für Familien und Ferienprogramme für Kinder angeboten.

Abb. ganz oben: Kaiserliche Konkurrenz für Maximilian I., der dem Museum seinen Namen gab und 2019 anlässlich seines 500. Todestages mit einer besonderen Ausstellung geehrt wird. Augustus-Bronze aus dem Maximilianmuseum. Foto: Achim Bunz © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Nathalie Schwaiger

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