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#15shadesofgreen Nr. 4 #aussteigergrün

by Sabine Wieshuber

Ach, wie zauberhaft! Hier kommt unser Traum-Tipp für’s Wochenende: ein Ausflug ins Grüne des Blauen Landes. So verträumt und welt-entrückt wie dieses Mondscheinbild von Werner Berg auch aussieht, ganz so romantisch war das Aussteigerleben 1931 gar nicht…

Gastbeitrag vom Museum Penzberg – Sammlung Campendonk

Mit Sack und Pack zog der bei Wuppertal gebürtige Maler (1904-1981) von der Stadt auf einen Hof in Kärnten – ohne Strom und fließend Wasser. Dafür mit Frau und Kind. Einen Hengst, einen Stier, zwei Kühe, fünf Kälber, zwei Landschweine, fünf Hühner und einen Hahn hatte die junge Familie nun zu versorgen und rund 20 Hektar zu bewirtschaften.

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Zwischen Feldarbeit und Künstlerdasein: Werner Berg lebte und starb auf dem Hof in Kärnten. Werner Berg, Rutarhof (1931) © Bildrecht Wien

„Ich wollte weder aus der Zeit fliehen, noch den Misthaufen als Symbol dem Geist entgegenstellen. Ich wollte ein Leben gründen, das unabhängig von den Spielregeln der bürgerlichen Gesellschaft, in sich Sinn habe und mit Anschauung gesättigt sei.“

Werner Berg sucht auf dem Rutarhof kein Pseudo-Abenteuer, sondern taucht völlig in den bäuerlichen Alltag ein. Hier im Grenzgebiet zu Slowenien erlebt er eine Existenz „nahe den Dingen“. Zwar ist die Arbeit anstrengend, doch bieten sich ihm Zeitfenster zum Malen. Vor allem in den Wintermonaten, wenn auf den Feldern nicht so viel zu tun ist, kann er sich künstlerisch entfalten. Denn er will vor allem eines: Maler sein. 

Immer wieder zeigen seine Bilder den Blick aus dem Atelierfenster – und der ist vor allem Grün. Oft ist es ein kurzer Augenblick, den Werner Berg zunächst in Skizzen einfängt. Dabei offenbart er ein feines Gespür für das Außergewöhnliche. Scharfe Abgrenzungen von hellen und dunklen Flächen, starke Farbkontraste sowie markante Gesichter gewähren unerwartete Einblicke in besondere Begegnungen.

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Plakative Gemälde vom einfachen Landleben: Werner Berg, Sommer (1934) © Bildrecht Wien

Rege Briefwechsel und gegenseitige Besuche verbanden Werner Berg mit seinen Künstler-Freunden, Literaten und Förderern wie Emil Nolde, Arnulf Rainer, Thomas Bernhard, Christine Lavant, Gabriele Münter, Erich Kuby und Wieland Schmied. Sie führten ihn immer wieder nach Berlin und in andere Großstädte, wo er an zahlreichen Ausstellungen teilnahm und Austausch fand. Heute genießt Werner Berg in Österreich große Anerkennung, wird jedoch – anders als zu seinen Lebzeiten – in Deutschland nur noch wenig wahrgenommen. Sein entschlossener Rückzug von der Stadt aufs Land und in die Berge erlaubte ihm, weitgehend als Selbstversorger den Alltag zu stemmen – ein Lebenskonzept, das bereits Künstler des frühen 20. Jahrhunderts umzusetzen versuchten und von Werner Berg bis in die letzte Konsequenz durchgezogen wurde.

Sein umfassendes Œuvre aus Ölgemälden, Aquarellen, Holzschnitten und Zeichnungen schildert das Auf und Ab einer bewegten Künstlerpersönlichkeit und ist Ausdruck einer gelungenen Verbindung von Kunst und Leben in einer selbstbestimmten Heimat.

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Leuchtende Farben und ein ganz klein bisschen Grün: Werner Berg, Huldigung an Nolde (1934) © Bildrecht Wien

Fast wie für das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk geschaffen scheinen die Werke. Kein Wunder, denn die Museumsräume mit den kleinen Fenstern des traditionellen Bergarbeiter-Hauses sind denen des Kärntner Bauernhofes sehr ähnlich. Die Blau- und Grüntöne des Werks „Ursi und Klara mit Azalee“ scheinen direkt auf die etwas hellere blau-grünliche Wandfarbe und die abschließende Zierbordüre in der Bergarbeiter-Wohnung abgestimmt zu sein.

Das Museum beherbergt die größte Sammlung von Werken Heinrich Campendonks weltweit. Der 2016 wiedereröffnete Zwillingsbau des Museums ist mit seiner lebendigen dunklen Klinkerfassade zu einer Attraktion im Stadtbild geworden. Im Zwillingsbau des Museum Penzberg – Sammlung Campendonk verteilen sich die eindringlichen Gemälde und Grafiken der Sonderausstellung „Stadt. Land. Werner Berg. Wahlheimat Expressionismus“ auf drei Stockwerke. Sie sind sowohl chronologisch als auch thematisch gegliedert. Der Rundgang wird darüber hinaus zu einem Gang durch die Jahreszeiten – Beginn war natürlich im Frühjahr.
Thematisch und motivisch knüpft die Ausstellung an Heinrich Campendonk an – nicht nur die expressionistische Malweise verbindet die beiden Künstler.

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Frühe Aussteiger: Werner Berg, Junge Familie (1932) © Bildrecht Wien

Von München aus fahrt ihr mit dem Zug wie mit dem Auto in einer knappen Stunde zum Museum Penzberg. Wenn ihr euch nach etwas mehr grüner Natur sehnt, könnt ihr den Ausflug mit einem Spaziergang oder einer kleinen Wanderung, zum Beispiel um die nahegelegenen Osterseen, verbinden. Für alle Museumsfans bietet sich eine Kombination mit einem der anderen Häuser der MuSeenLandschaft Expressionismus an.
Und wer mehr zum Museum Penzberg – Sammlung Campendonk wissen möchte, findet hier mehr Lesestoff.

Ein Gastbeitrag von Anne Götzelmann, Museum Penzberg – Sammlung Campendonk

Jetzt aber schnell: Noch bis 23. Juni könnt ihr die Ausstellung „Stadt – Land – Werner Berg. Wahlheimat Expressionismus“ im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk sehen!
Die nächste Ausstellung: vom 20. Juli bis 3. November 2019
„1919. Campendonk und die Revolution“ in Alt- und Neubau, wird ergänzt von der Präsentation „1919. Stadt statt Stillstand“ zum 100jährigen Stadtjubiläum. Am 20. Juli ab 15 Uhr ist großes Sommerfest mit Führungen, Lesung und Musik

Abb. ganz oben: Wunderschönes Mondscheingrün! Werner Berg, Pferde in der Nacht (1952)  © Bildrecht Wien

Gastbeitrag von Anne Götzelmann, Museum Penzberg Sammlung Campendonk

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