Home Ausflugsperlen Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020 Teil 1

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020 Teil 1

by Sabine Wieshuber

Wie war das doch gleich wieder mit Kolumbus und dem Ei? Was suchen die Sardinen in Fürstenfeldbruck? Was ist Gegenkunst? Darf Konzeptkunst auch lustig sein? Können Frauen malen? Ist Fotografie Kunst? Und was ist in Bayerns Museen gerade los? Das sind drängende Fragen, die wir euch hier beantworten können: in Schwabmünchen geht es um Gleichgewicht und Schwerkraft, Würzburg stellt Gurlitt aus (Wolfgang nicht Hildebrand), Fürstenfeldbruck und Nürnberg geben sich non-konformistisch, Kaufbeuren posiert und in Regensburg wird gesammelt und gereist…
Viel Spaß bei unseren Entdeckungen – für euch chronologisch hier sortiert!

Alles im Blick: unsere Ausstellungstipps in Bayern

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Foto: © Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen

Schwerpunkt : Gleichgewicht. Kolumbus-Ei, Stehauf-Männchen und Co
24. November 2019 17. Mai 2020
Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen

Ein wahrer Balanceakt: einige der physikalischen Experimente, die ihr in der Ausstellung ausprobieren könnt, galten früher als Vorlagen für Zauber-Kunststücke. Sie stammen aus dem Wochenmagazin „Der gute Kamerad“, das ähnlich wie viele Jahre später die „Sendung mit der Maus“ oder „Löwenzahn“, auf spannende Weise naturwissenschaftliche Kenntnisse vermittelte. In der Ausstellung könnt ihr Originalhefte bewundern (es erschien von 1887 bis 1944 und 1951 bis 1968). Vor allem aber könnt ihr selbst aktiv werden, balancieren und probieren, Experimente zu Schwer- und Fliehkraft, Trägheit der Masse und dem physikalischen Schwerpunkt durchführen.
Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen wurden mit dem Schwäbischen Museumspreis 2020 ausgezeichnet, der im Mai verliehen wird!

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Valery Valius, Die Umarmung, 2014. © Sammlung Breitscheidel, Fürstenfeldbruck

non konform – Russische Kunst aus der Sammlung Breitscheidel
17. Januar 2020 19. April 2020
Museum im Kunsthaus Kloster Fürstenfeldbruck

Nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende der 1980er verlor die „Gegenkunst“ ihren doktrinären Widerpart im Land, zum anderen brachte die Konfrontation mit einem kommerziellen internationalen Kunstmarkt Veränderungen mit sich. Staatliche Behörden schränken nach wie vor die künstlerische Freiheit ein und versuchen darüber zu bestimmen, was offizielle Kunst ist oder was als „kulturell wertlos“ abgestempelt werden kann. Dennoch gelingt es mittlerweile einer zweiten Generation nonkonformistischer Künstler, sich in Russland und im Westen zu behaupten.

Anhand von etwa 70 ausgewählten, überwiegend figurativen Kunstwerken aus der Sammlung der Fürstenfeldbrucker Künstlerin Lusine Breitscheidel gibt die Ausstellung Einblicke in die Entwicklung und oft sehr persönlichen Positionen dieser unbekannten russischen Kunstszene jenseits der Stereotypen und zeigt deren erstaunliche Vielfalt. Im Zentrum stehen die Arbeiten von Vladimir Kurdyukov und seinem Sohn Nikita, der 1999 zum Studium an die Kunstakademie nach München kam und Anfang Dezember 2019 überraschend starb.

Öffentliche Führung am 5. April 2020, 15 bis 16 Uhr mit Verena Beaucamp M.A.

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Stephen Prina, „Untitled_Exquisite corpse“, 2012,Courtesy Sammlung Haubrok. Foto: Ludger Paffrath

Out Of Order – Werke aus der Sammlung Haubrok. Teil 2
17. Januar 1. März 2020
Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg

Non-Konformität, Konzept-Kunst und Witz: Barbara und Axel Haubrok, Besitzer einer der wichtigsten deutschen Sammlungen der Gegenwartskunst im süddeutschen Raum, haben eine sehr persönliche Präsentation für den großen Ausstellungssaal erarbeitet. Das Sammlerpaar mag „unordentliche“, doppelbödige und hintergründige Positionen: minimalistisch, oftmals schwarz-weiß oder monochrom, aber auch charmant und heiter. Skulpturen und Objekte, Fotografie, Film und abstrakte Malerei. Am charakteristischsten sind dabei jene, hinter denen sich bei formal strenger Sachlichkeit reichlich Humor verbirgt.

Um die neunzig Werke von abermals circa 50 KünstlerInnen lenken diesmal das Augen­merk auf eine der Kunst ureigene Form: das an der Wand angebrachte Bildobjekt. Dabei muss nicht zwangsläufig die Darstellung von etwas im Vordergrund stehen… sondern das Bild kann auch immer mal als „Ding an der Wand“ für sich selbst sprechen.

Führungen zur Ausstellung „Out Of Order“ jeden Samstag um 15 Uhr und sonntags um 11 Uhr

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Lovis Corinth, Porträt Wolfgang Gurlitt, 1917, Öl auf Leinwand, 113 x 90,5 cm © LENTOS Kunstmuseum Linz

Wolfgang Gurlitt „Zauberprinz“
8. Februar 3. Mai 2020
Museum im Kulturspeicher Würzburg

Bei dem Namen horcht man auf? Da war doch was? Wolfgang Gurlitt war zwar auch eine schillernde Persönlichkeit, doch er ist nur der Cousin des durch den Schwabinger Kunstfund berühmt-berüchtigt gewordenen Hildebrand Gurlitt. Wolfgang war der Sohn eines bekannten Berliner Kunsthändlers. In jungen Jahren übernahm er das Geschäft seines Vaters und fiel durch die Förderung junger Künstler wie Max Pechstein oder Jeanne Mammen ebenso auf wie durch seinen exzentrischen Lebensstil. In der NS-Zeit profitierte auch er wie sein Cousin trotz seiner teilweise jüdischen Herkunft vom Handel mit enteigneten Kunstgütern. Einige davon landeten in der Städtischen Sammlung der Stadt Würzburg, mit deren Gründungsdirektor Heiner Dikreiter der Sammler Wolfgang Gurlitt befreundet war.

Nach dem Krieg gründete Gurlitt mit Beständen seiner eigenen Kunstsammlung das Kunstmuseum Linz, heute LENTOS. Die Ausstellung (in Kooperation mit dem LENTOS Museum Linz) zeichnet Gurlitts Engagement für junge Künstler nach und thematisiert seine Verstrickung in den NS-Kunstraub. Schließlich stellt sie mit zahlreichen Werken von Künstlern wie Lovis Corinth, Max Liebermann, Oskar Kokoschka oder Alfred Kubin auch den Sammler Wolfgang Gurlitt vor.

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Links: Franz Krüge, Bildnis Karl Robert Graf Nesselrode, um 1825/30, Öl auf Leinwand.
© Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Rechts: Julie Gräfin von Egloffstein, Porträt von Königin Therese von Bayern, 1836, Öl auf Leinwand, Wittelsbacher Ausgleichsfond, Schloss Nymphenburg

Talent kennt kein Geschlecht. Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe
16. Februar 10. Mai 2020
Museum Georg Schäfer Schweinfurt

Frauen können nicht malen und wenn, dann lange nicht so gut wie Männer… Das war bis ins 19. Jahrhundert die landläufige Meinung. Das Museum Georg Schäfer räumt damit nun auf: für die Ausstellung wurden insgesamt 40 Arbeiten, hauptsächlich Gemälde, aus 23 Museen, Kirchen und privaten Sammlungen geliehen und sind mit 50 Arbeiten aus dem Museum Georg Schäfer vereint. Vertreten sind 16 Künstlerinnen, darunter Angelika Kauffmann, Caroline Bardua, Marie Ellenrieder und Louise Seidler, sowie 20 Künstler.
Viele ihrer Werke waren noch nie öffentlich zu sehen, neu ist auch die Kombination der Werke anhand vergleichbarer Themen und Techniken: Stillleben und höfische Porträts, Familie und Geselligkeit bis hin zu Italien und Raffael als Vorbild. Durch die Gegenüberstellung mit Werken von männlichen Zeitgenossen ergeben sich spannende Vergleiche hinsichtlich der Themenbehandlung, der Qualität wie auch der Bildtraditionen von ca. 1770 bis 1840.

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Edward Steichen, Gloria Swanson, 1924, publiziert in Vanity Fair, Courtesy Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

STRIKE A POSE – Intuition und Inszenierung.
Die Kunstfotografie der 1890er bis 1920er Jahre
19. Februar – 1. Juni 2020
Kunsthaus Kaufbeuren

Fotografie ist Kunst! Das beweisen die 160 Meisterwerke des Piktorialismus aus den 1890er und 1920er Jahren. Gezeigt werden Portrait- und Modeaufnahmen von Stars und Sternchen, einfachen Hutmacherinnen, Tänzerinnen oder Wäscherinnen, Kindern oder betenden Nonnen sowie Stillleben und Landschaftsaufnahmen von mehr als einem Dutzend Fotografinnen und Fotografen – darunter international bekannte Namen wie Alfred Stieglitz, Edward Steichen oder Heinrich Kühn, aber auch zahlreiche Künstler, deren Schaffen heute nur noch wenigen bekannt ist, wie u.a. Frank Eugene, Gertrude Käsebier, Hanna Seewald, George Seeley oder Fred Holland Day. Im Zentrum der Ausstellung steht das Schaffen des heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Künstlers Adolphe de Meyer, eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit und wegweisender Vertreter der piktorialistischen Fotografie.

Zur Ausstellung wird ein interessantes Begleit-Programm angeboten: Fotoworkshops für Erwachsene und Kinder, Führungen, dem Kunst-Salon oder Kunst & Kulinarisches

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Miloš Urbásek, Thema 5, 1966 Acryl auf Leinwand Michaela Riese Stiftung, Kunstforum Ostdeutsche Galerie © Miloš Urbásek/Rechtsnachfolger. Foto: Wolfgang Lukowski, Frankfurt a.M.

Reisen. Entdecken. Sammeln. Barbara Klemm, Günther Uecker, Jiří Kolář, Jan Kubíček, Miloš Urbásek, Zdeněk Sýkora
22. Februar 3. Mai 2020
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

„Festgenagelt“: in Ueckers Werk durchbohren Nägel einen Stapel der ZEIT, eine Anspielung auf die allgegenwärtige Zensur im Ostblock. Noch bis vor 30 Jahren teilte der Eiserne Vorhang Europa in Ost und West: eine politische Abgrenzung, die wirtschaftlich und gesellschaftlich Folgen hatte. Hans-Peter Riese, damals als westdeutscher Journalist im Osten für die FAZ unterwegs, gehörte zu den Botschaftern zwischen den beiden Welten. Seine Reportagen sind der Leitfaden dieser Ausstellung, auf seinen Reisen wurde er fotografisch begleitet von seiner Redaktionskollegin Barbara Klemm. Riese begegnete unterwegs auch zahlreichen KünstlerInnen. So entstand eine beeindruckende Sammlung, die er zusammen mit seiner Frau, der Journalistin Michaela Riese, aufbaute. Der Kern dieser Sammlung befindet sich seit 2008 im KOG. Inzwischen ist diese auf über 200 Werke osteuropäischer sowie deutscher KünstlerInnen wie etwa Günther Uecker, Jirí Kolár, Jan Kubícek, Miloš Urbásek, Zdenek Sýkora angewachsen.

Tipp: Am 21. Februar 2020 um 11 Uhr findet die Einweihung der für die Forschung öffentlich zugänglichen Spezialbibliothek von Hans-Peter Riese in der Bibliothek der Universität Regensburg statt

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Georg Philipp Wörlen, Selbstbildnis mit Pinsel vor den Passauer Burgen, 1933. Foto: Toni Scholz © Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen Passau

Georg Philipp Wörlen (1886-1954). Retrospektive
14. März 28. Juni 2020  
Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen Passau

Happy Birthday: 2020 feiert das MMK Passau sein 30jähriges Jubiläum und zeigt aus diesem Anlass eine große Retrospektive zum Werk von Georg Philipp Wörlen (1886-1954), dem Vater des Museumsgründers Hanns Egon Wörlen (1915-2014). Die Ausstellung, die sich über beide Etagen des Museums erstreckt, ermöglicht einen umfassenden Einblick in das ausdrucksstarke und facettenreiche Werk von Georg Philipp Wörlen. Zugleich knüpft sie thematisch an die erste im MMK Passau realisierte Ausstellung „Georg Philipp Wörlen“ vor 30 Jahren an, die anlässlich der Museumseröffnung gezeigt wurde.

Was ist in Bayern los? Spannende Ausstellungen 2020  Teil 1
Asja Schubert, Katze, 2018 © Asja Schubert, Neue Galerie im Höhmannhaus Augsburg

in natura – Fotografien von Asja Schubert
27. März – 10. Mai 2020
Neue Galerie im Höhmannhaus Augsburg

Was stellt der Mensch mit der Natur an? Welcher Teil der Landschaft wie wir sie kennen, ist ohne Eingriffe gewachsen? Welche Flüsse wurden im Zuge der Industrialisierung nicht begradigt? Im Alltag achten wir oft nicht darauf. Unsere Wahrnehmung hat sich an diese Lebenswelt und die oft künstlich geschaffene Illusion von Natur gewöhnt. Die Fotografin Asja Schubert spürt dem Verhältnis von Mensch und Natur nach. Sie fotografiert nicht nur in Botanischen Gärten und Museen, sondern begibt sich auch an städtische Randgebiete oder verlassene Urlaubsorte. Dort dokumentiert sie die menschlichen Hinterlassenschaften, die in der Landschaft wie Artefakte von einer vergangenen und besseren Zeit zeugen. Sie legt sich auf die Lauer, beobachtet genau und macht sichtbar, was oftmals unsichtbar bleibt – oder erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.

Abb. ganz oben: Oleg P​o​p​o​v​,​ ​U​n​t​e​r​ ​d​e​r​ ​g​r​ü​n​e​n​ ​S​o​n​n​e​ ​2​0​0​8​. Ausstellung „non Konform“ im Kunsthaus Fürstenfeldbruck

Nathalie Schwaiger

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