Home Ausflugsperlen In the name of love – unser Ausstellungs-Ausblick 2022

Spürt ihr sie auch? Die Aufbruchstimmung? Sehnt ihr euch wie wir danach, die Angst und die Unsicherheit wieder hinter euch zu lassen? Nach Kunst, Schönheit und Kreativität Ausschau zu halten? Die Museen geben sich alle Mühe, euch auf andere Gedanken zu bringen – und kleine Oasen zu schaffen, wo die Zeit still steht. Nur Mut! Wir zeigen euch hier, worauf ihr euch dieses Jahr freuen dürft! Schwärmt aus und lasst euch inspirieren: von Unruhe und Frieden, Werden und Vergehen, von Licht und Farben, Eiszeit und Liebe. Expressionistisch, symbolistisch und impressionistisch, partizipativ und provokativ – diese Highlights und Geheimtipps erwarten euch!

Die Genese des Kopffüsslers – Horst Antes zum 85. Geburtstag
Franz Marc Museum Kochel am See
Ausstellung bis 22. Mai 2022

Eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche: in den 60er Jahren, als die Kopffüßler entstanden reagierte der Maler, Grafiker und Bildhauer Horst Antes, 1936 geboren, auf die Infragestellen der herkömmlichen Ordnung mit der Wiedereinführung des Figürlichen. Denn in der Malerei dominierte seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Abstraktion.

Die idealtypische Erscheinung des Kopffüßlers ließ viele Projektionen zu und wies über die jüngere Vergangenheit und die aktuelle Geschichte hinaus. Die Ausstellung zeigt daher nicht nur Kopffüßler in vielen Varianten, sie spiegelt auch die Freundschaft zwischen den Galeristen Etta und Otto Stangl und dem Künstler – mit Karten, Briefen und Skizzen aus ihrer Korrespondenz.

Unser Tipp: wenn ihr durch den Park spaziert kommt ihr an Horst Antes Skulptur „Gehörnte Schlange aufrecht II“ vorbei.

Les Amusements. Max Slevogts Inspirationen durch Bühne und Literatur
Museum Georg Schäfer Schweinfurt
Ausstellung vom 13. März bis 19. Juni 2022

Vorhang auf: Im Leben von Max Slevogt (1868-1932) spielten Bühne und Musik eine entscheidende Rolle. Selbst ein begabter Sänger und Pianist pflegte er Freundschaften zu Musikern wie dem Sänger Francisco d’Andrade oder dem Dirigenten Arturo Toscanini. Er malte Stars wie die Ballerina Anna Pawlowa oder die japanische Schauspielerin Sada Yakko und prägte das sogenannte Rollenporträt. Er zeichnete zu Schumann-Sonaten und Chopin-Balladen, schuf Wandgemälde zur Zauberflöte und dem Ring der Nibelungen. Nach seinem Umzug nach Berlin 1901 wurde er von Theaterleitern wie Otto Brahm und Max Reinhardt umworben. Er schuf Bühnenbilder für Gerhart Hauptmann, Kostüme für Mozart- und Wagner-Opern.

Auch seine Literatur-Illustrationen haben etwas Dramatisches, Bühnenhaftes und Szenisches. Er lebte seine Vorliebe für Abenteuer und Fantastisches aus, illustrierte orientalische und europäische Märchen, Klassiker von Goethe, Cervantes oder Shakespeare, antike Stoffen oder Wildwest-Geschichten. 130 Werke, Zeichnungen und Entwürfe aus dem Museum Georg Schäfer und aus den großen deutschen Slevogt-Sammlungen sind in Schweinfurt zu sehen.

Unser Tipp: zur Ausstellung gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm mit Führungen und Workshops für Kinder und Erwachsene.

Eiszeit – Mensch. Natur. Klima.
Lokschuppen Rosenheim
Ausstellung vom 18. März bis 11. Dezember 2022

Diese Ausstellung lässt euch bestimmt nicht kalt: ihr werdet euch Auge in Auge mit den „Großen“ der letzten Kaltzeit wiederfinden, mit tonnenschweren Mammuts, gefährlichen Höhlenlöwen und Wollnashörnern. Unsere Urahnen lebten, im Einklang mit der Natur, den Elementen, dem Wetter und der Kälte ausgeliefert.

Im Lokschuppen Rosenheim entsteht ein 1.500 m² großes Gesamtkunstwerk aus Originalfunden, hochwertigen Tierrekonstruktionen, Präparaten, Repliken und eindrucksvollen Skeletten. Ein absolutes Highlight ist das einzigartige Eiszeit-Skelett des „Mannes von Neuessing“: Es wird erstmals zusammen mit spektakulären neuesten Forschungsergebnissen präsentiert.

Und wo stehen wir? Veränderungen der Lebensumstände auf der Erde passieren nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Die Ausstellung thematisiert auch Fragen, Fakten und Folgen des aktuellen Klimawandels.

Unser Tipp: für ein besonders nachhaltiges Ausstellungserlebnis gibt es ein vertiefendes, pädagogisches Programm mit Führungen und Workshops für Schulklassen, Familien und Kinder.

Stille Rebellen. Polnischer Symbolismus um 1900
Kunsthalle München
Ausstellung vom 25. März bis 7. August

37 Stille Rebellen und eine stille Rebellin: Olga Boznańska ist eine der bekanntesten polnischen Künstlerinnen – sie ist so etwas wie die Gabriele Münter Polens. Fast 10 Jahre lang lebte und studierte sie in München, teilte sich ein Atelier mit Hedwig Weiß und war oft in der Alten Pinakothek anzutreffen, wo sie die Alten Meister kopierte. Als einzige Frau ist sie in der aktuellen Ausstellung der Kunsthalle München vertreten, die die polnische Malerei der Jahrhundertwende präsentiert. Die Schau mit 130 Werken aus öffentlichen und privaten Sammlungen zeigt erstmals in Deutschland eine so umfassende Auswahl der 31 polnischen Künstler zwischen 1890 und 1918.

Die polnische Malerei der Jahrhundertwende entführt in eine Welt der Mythen und Legenden, in träumerische Landschaften, in alte Traditionen und Bräuche, in die Tiefen der menschlichen Seele. In einer Nation ohne eigenen Staat – Polen war bis zu seiner 1918 erlangten Unabhängigkeit zwischen Russland, Preußen und Österreich-Ungarn aufgeteilt – folgte eine junge Künstlergeneration dem Ruf einer »stillen Rebellion«: Es ging um nichts weniger als die Erneuerung der Malerei. Mit ihren Gemälden stifteten sie, was auf politischer Ebene fehlte: eine gemeinsame Identität. Inspiration fanden sie ebenso in der eigenen polnischen Geschichte, Kultur und Natur wie im Austausch mit Künstlerkreisen in München, Paris, St. Petersburg oder Wien.

Emil Nolde. Meine Art zu malen…
Pinakothek der Moderne München 
Ausstellung vom 31. März 2022 bis 28. Februar 2023

Genau hingeschaut: „Meine Art zu malen ist ohne alle Kunststücke …“. Wie ist Zitat des bekannten Expressionisten Emil Nolde im Hinblick auf seine Maltechnik zu verstehen? Das beleuchtet diese spannende kunsttechnologische Präsentation. Nolde setzt Materialien und Techniken bewusst und variantenreich ein. Seine farbigen Grundierungen sind nuanciert und er trägt leuchtkräftige Malfarben oft unvermischt und üppig auf.

Anhand des Münchner Gemäldebestandes wird der Werkprozess Noldes – vom Aufspannen der Leinwand bis zur Pinselschrift – und den Besonderheiten seiner Arbeitsweise zwischen Kalkül und ‚inszeniertem Zufall‘ dargestellt. Im Dialog zwischen den Originalen und restauratorisch-naturwissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen werden jüngste Forschungsergebnisse vorgestellt. Realia aus dem Ateliernachlass verdeutlichen den Qualitätsanspruch des Künstlers an seine Materialien sowie seinen individuellen Umgang mit Malfarben.

Alberto Giacometti. Highlights aus der Sammlung Klewan
Museum Moderner Kunst Wörlen Passau
Ausstellung vom 30. April bis 31. Juli

Hier geht es um die Natur des Menschen: der Existenzialismus und die Phänomenologie prägten sein Werk – in dem es immer um Menschen und ihre Lebensbedingungen geht. Alberto Giacometti ist einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Der größte Sammler in Deutschland ist Helmut Klewan (*1943), der zwischen 1970 und 1999 als Galerist in Wien und München tätig war. Nun leiht er dem MMK Passau über 100 Werke – Skulpturen, Ölgemälde, Zeichnungen und vor allem Druckgrafiken.
Die Ausstellung gliedert sich analog zum Rundgang in sechs Themenfelder. Der erste Raum ist Giacomettis privatem Umfeld gewidmet mit Selbstporträts und Porträts der Familie, Ansichten von Stampa in Graubünden, wo der Künstler aufwuchs und wohin er immer wieder zurückkehrte, und von seinem Atelier in Paris, das ab 1926 seinen Lebensmittelpunkt bildete.
Weiterhin thematisiert werden: der Nu debout (der Stehende Akt), der nach Giacomettis surrealistischer Phase ab 1935 eines seiner künstlerischen Hauptmotive bildet, Straßenszenen aus der Grafik-Serie „Paris sans fin“, das Verhältnis zwischen Figur und übermächtigem Raum, Porträts von befreundete Schriftstellern und Galeristen, skulpturale und grafische Miniaturen und Ölgemälde, die Giacometti als Maler vorstellen.

Hans Hoffmann – ein europäischer Künstler der Renaissance
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Ausstellung vom 2. Mai bis 21. August 2022

Aufregend: erstmals werden 16 Dürer-Originale und 70 Hoffmann-Originale im direkten Vergleich zu sehen sein. Leben und Werk des Nürnberger Künstlers Hans Hoffmann, eines europaweit gefeierten Vertreters der Dürer-Renaissance, werden in Nürnberg vorgestellt – eine Weltpremiere. Hoffmann war Ende des 16. Jahrhunderts am Münchener Hof tätig, bevor er nach Prag berufen und dort zum Hofmaler Rudolfs II. ernannt wurde. Sein künstlerisches Ansehen verdankt der Maler Hans Hoffmann (um 1545/50–1591/92) vor allem den zahlreichen Kopien und Kompilationen nach Werken Albrecht Dürers.

Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Museum der Schönen Künste Budapest, das den umfangreichsten Bestand an Werken von Hans Hoffmann besitzt. Sie gehörten – wie auch die Werke des Künstlers im Germanischen Nationalmuseum – größtenteils dem Nürnberger Handelsherrn und Kunstsammler Paulus II Praun, der ca. 150 Werke von Hans Hoffmann besaß, von denen ein erheblicher Teil verschollen ist.

Paweł Althamer. Lovis-Corinth-Preis 2022
Kulturforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
3. Juni bis 11. September 2022

Der Lovis-Corinth-Preis 2022 geht an: Paweł Althamer, 1967 in Warschau geboren, ist seit den 1990er Jahren einer der zentralen Vertreter der polnischen Gegenwartskunst. Der Entstehungsprozess ist dem Künstler genauso wichtig, wie das daraus resultierende Kunstwerk. In den kreativen Vorgang bindet er aktiv andere ein. Seine KollaborateurInnen – z. B. MuseumsbesucherInnen – sieht er dabei als Gleichberechtigte an. Althamer arbeitet regelmäßig mit bestimmten Gruppen zusammen, u.a. mit seiner Familie, seinen NachbarInnen, FreundInnen oder anderen KünstlerInnen.

Althamer lebt seinen partizipativen Ansatz – egal ob bei seinen sozialen Projekten etwa in der Plattenbausiedlung Bródno am Stadtrand von Warschau, in welcher Althamer selbst auch wohnt. Oder bei seiner bisher größten Performance „Common Task“ (2009-fortlaufend), wo ihn bis zu 150 Menschen in goldenen Anzügen auf Reisen nach Belgien, Brasilien, Deutschland, Mali oder Weißrussland begleiteten. Seine Performances sind meditativ bis Bewusstsein erweiternd, experimentieren mit esoterischen und aufopfernden Grenzüberschreitungen (Kardynal, 1991). Althamer agiert frei, unorthodox und mystisch. Er lässt sich nicht in eine Kategorie drängen – auch mit Blick auf die aktuelle politische Lage in Polen nimmt er eine starke, kritische Haltung ein.

Abb. ganz oben: Edward Okuń, Wir und der Krieg, 1917–23, Öl auf Leinwand, 88 × 111 cm, Nationalmuseum in Warschau.
Das Werk von Edward Okuń scheint auf grausame Weise aktuell. Der Maler beschützt die Frau mit seinem Mantel. In ihren Händen tragen sie die zerbrechliche Blüte, die für das Leben steht, das sie retten konnten. Während der Krieg in der Gestalt eines alten Weibes und Schlangen um sie herum lauern…

Nathalie Schwaiger

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy