Home Ausflugsperlen Herbst in Bayern 2018 – sieben sehenswerte Ausstellungen von Unterfranken bis Oberbayern

Herbst in Bayern 2018 – sieben sehenswerte Ausstellungen von Unterfranken bis Oberbayern

by Sabine Wieshuber

Zitronengelb, Karmesinrot, Aperolorange – der Herbst wird bunt! Nicht nur die Bäume draußen in den Wäldern und Städten leuchten gerade um die Wette, auch Indoor wird farblich einiges geboten. In Öl und Acryl, opulent oder zart, expressionistisch oder impressionistisch, bei Schmidt-Rottluff oder dem niederbayerischen Maler Gerhard Huber. Begleitet uns auf unserem kontrastreichen Querfeldein-Museums-Spaziergang zu sieben spannenden Ausstellungen: von griechischer Mythologie bis Entenhausen, von Must-See bis Geheimtipp, von der Wucht Egon Schieles zu den liebevollen Paaren von Käthe Kollwitz, von den ganz großen Gefühlen bis zum „wanderbaren“ Deutschland…

7 Ausstellungsempfehlungen für den Museumsherbst in Bayern

Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!

Buchheim Museum der Phantasie Bernried/Oberbayern

29. September 2018 bis 3. Februar 2019

Er war ein Einzelgänger und ein begnadeter Künstler. So formgewaltig und farbstark seine Bilder sind, so wenig ist über den Mensch Karl Schmidt Rottluff bekannt (1884 in Rotluff bei Chemnitz als Sohn eines Mühlenbesitzers geboren und 1976 in Berlin gestorben). Als Maler war er dafür um so mutiger und von „erschreckender Konsequenz“ wie Lothar-Günther Buchheim, „Brücke“-Chronist und Museumgründer, voller Bewunderung schreibt. „Er verfügt über die malerische Pranke des Löwen“, so erkannte auch Fritz Bleyl, Mitbegründer der Künstlergruppe „Die Brücke“, der Schmidt-Rottluff von 1905 bis 1913 angehörte. Dem großen Expressionisten und Mensch Schmidt-Rottluff widmet das Buchheim Museum nun eine umfangreiche Retrospektive der besonderen Art: neben einer Auswahl an 27 Gemälden sind auch 37 Aquarelle, 8 Farbkreidezeichnungen, weitere Arbeiten auf Papier sowie 21 Schmuckstücke und 8 Skulpturen zu sehen. Außerdem vermitteln Zeitzeugen endlich spannende Einblicke in das Leben des Künstlers, die dieser zu Lebzeiten immer verwehrte. Neben den „Brücke“-Kollegen kommen auch ihm nahestehende Kunsthistoriker, Freunde und Vertraute zu Wort. Denn hinter dem verschlossenen Genie verbarg sich ein Suchender, ein hoch intelligenter und sensibler Mann – fühl- und sichtbar nicht nur im malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Werk, sondern auch besonders in seinen Skulpturen und kunsthandwerklichen Arbeiten, die oftmals noch viel intensiver mit seinem Lebenslauf verbunden sind.

Herbst in Bayern 2018 - sieben sehenswerte Ausstellungen von Unterfranken bis Oberbayern

Karl Schmidt-Rottluff: Rote Düne 1913, Öl auf Leinwand. Sammlung Hermann Gerlinger im Buchheim Museum der Phantasie. Foto: Buchheim Museum, © VG Bild-Kunst

Egon Schiele. Freiheit des Ich

Museum Georg Schäfer Schweinfurt/Unterfranken

14. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019

Auch Egon Schiele (1890-1918) war ein ein Rastloser und ein Provokateur. In seinem kurzen Leben – er wurde nur 28 Jahre alt – malte und zeichnete er wie besessen. Er galt als Bürgerschreck, inszenierte sich als Märtyrer und leidenschaftlicher Kämpfer in einer Zeit, in der in Wien Aufbruchs- und Untergangsstimmung aufeinanderprallten. Dennoch – oder gerade deshalb – zählt er neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bekanntesten und faszinierendsten Künstlern Österreichs und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung in Schweinfurt widmet sich den Selbst- und Körperdarstellungen: Schiele schuf mehr als 170 Selbstbildnisse, in denen er mit der Inszenierung des eigenen Körpers und Gesichts experimentierte – mithilfe von Spiegeln, grimassierend, in expressiven Gesten und unterschiedlichsten Rollen. In einer Epoche der allgemeinen Verunsicherung löste Schiele das Selbst von Raum, Zeit, sozialem Status und sogar seinem individuellen Charakter, der damals noch als wesentliches Ziel der Porträtkunst galt. Ihm ging es um die Darstellung reiner Existenz und Expression – um das allgemeine Ich und um die fundamentalen Kämpfe, die wir alle mit uns selbst austragen müssen.

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Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912, Leopold Museum, Wien (Inv. 462). Foto: Leopold Museum, Wien

 

Wanderland. Eine Reise durch die Geschichte des Wanderns

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg/Mittelfranken

29. November 2018 bis 28. April 2019

Ist Wandern deutsch? Wandern wir mehr, anders oder leidenschaftlicher als andere Nationen? Was uns in der Romantik Poeten, Dichter und Denker vormachten, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Massenbewegung. Mit steigender Beliebtheit und Naturbegeisterung wuchs die Infrastruktur: von präzise ausgearbeiteten Wanderkarten bis GPS, von gut ausgeschilderten und befestigten „Premium-Wanderwegen“ mit Fun-Faktor bis zu Aussichtstürmen, die den Blick in die Weite schweifen lassen oder Seilbahnen für die Abkürzung zum Gipfel. Die Kleidung wurde, Fleece und Neopren sei dank, immer funktionaler und atmungsaktiver, die Materialien leichter und sportlich-bunter. Ab dem 20. Jahrhundert etablierten sich Wandervereine, die Naturerlebnis mit Spaß, Gemeinschaftserfahrung – und natürlich Einkehrschwung – verbinden. Ob individuell oder organisiert, ob als „Life-Balance-Aktivität“, für die Herz-Kreislauf-Gesundheit oder als bewusste Entschleunigung des Alltags – Wandern, Hiking, Walking  oder Trail Running sind in. Wanderkarten, Apps, Hochglanz-Berg-Magazine und Reiseführer machen Lust auf die nächste Tour. In Nürnberg könnt ihr’s aber erst einmal gemütlich angehen lassen: der Ausstellungs-Weg führt euch in einer rund 800 Quadratmeter großen Indoor-Wanderlandschaft durch beliebte Wanderregionen seit dem 18. Jahrhundert, vorbei an prominenten Wanderern und an bedeutenden Kunstwerken hin zu Wanderschuhen, Spazierstöcken, Plakaten und Hightech-Ausrüstung.

 

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Die „Wanderlust“ der Deutschen ist höchst ansteckend und inzwischen auch international ein gern zitierter Begriff…               Foto: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

 

 

Ikarus und Ödipus – Medusa und Aphrodite

Museum Oberschönenfeld Gessertshausen/Schwaben

7. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019

Ikarus, Ödipus, Medusa und Aphrodite – wer kennt sie nicht? Heute begegnen uns die tragischen Helden der griechischen und römischen Mythologie oft eher als Gartenstatuen oder Filmhelden und borgen ihre Namen für Restaurants, Designermöbel, Studienreisen, Festivals, Software oder Tattoostudios aus…  Was aber macht die über Jahrtausende anhaltende Faszination aus? Warum sind die alten Götter- und Heldensagen immer noch aktuell? Und gibt es die Vermarktung der griechischen Götter und ihrer Heiligtümer nicht schon seit langem? Damit beschäftigt sich die Ausstellung, erklärt aber auch, woher die Namen kommen und was ihre Geschichten bedeuten: Den Schwerpunkt bilden Werke aus der Sammlung des Museums. Sie zeigen, wie Künstler des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts die klassischen Themen in ihre jeweils ganz eigene Bildsprache übersetzt haben. Während Margarete Schepelmann-Groz mit ihren Bronzereliefs eine klare reduzierte Formgebung wählte, bringt Georg Bernhard mit seinen Rohrfederzeichnungen eine symbolträchtige Vielschichtigkeit ins Spiel. Auch der Augsburger Künstler Hanns Weidner griff seit den 40er Jahren immer wieder bestimmte Geschichten auf, wie beispielsweise die von Odysseus und der schönen Nymphe Kalypso. Den Höhepunkt seiner Arbeit bilden rund 20 Acrylbilder, die zwischen 1975 und 1981 entstanden: sie zeigen Kultstätten, Götter, Liebespaare und Helden, aber auch die Unterwelt und Hades, den finsteren Herrn des Totenreichs…

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Hanns Weidner: Phädra, Acryl 1976. Foto: Richter & Fink

Käthe Kollwitz. Paare, verbunden in Liebe und Schmerz

Lothar Fischer Museum Neumarkt/Oberpfalz

21. Oktober 2018 bis 20. Januar 2019

Zum 150. Geburtstag der berühmten Bildhauerin, Malerin und Grafikerin präsentiert das Museum im Nachgang eine umfangreiche Werkschau – eine Hommage an eine der großen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Leben und Werk, Mutterschaft und Künstlertum, sind in ihrem Werk eng miteinander verwoben. Die Themen Paare, Verbundensein in Liebe, Geborgenheit, Schmerz, Armut oder Trauer, ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen. Gezeigt werden rund 45 ausgewählte Skulpturen und Zeichnungen aus dem Käthe Kollwitz Museum Köln, wo sich heute die weltweit umfangreichste Sammlung befindet. Käthe Kollwitz wurde 1867 in Königsberg geboren und 1919 als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. Mit ihren anrührenden, oft ernsten und erschreckend realistischen Motiven, die auf persönliche Schicksalsschläge, Kriegserfahrungen und Verluste hindeuten, entwickelte sie ihren eigenen Stil, unter dem Einfluss von Expressionismus und Realismus. 1936 wurden ihre Werke als „Entartete Kunst“ diffamiert, was einem Ausstellungsverbot gleichkam. Sie hat dennoch weitergearbeitet und schuf bis zu ihrem Tod am 22. April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, noch eine Vielzahl von Plastiken, Zeichnungen und Grafiken – scharfsinnig und sensibel beobachtet, erschütternd und zärtlich zugleich.

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Käthe Kollwitz: Liebespaar, sich aneinander schmiegend, 1909/10, Kohle, gewischt auf grauem Ingres-Bütten, Käthe Kollwitz Museum Köln (Detail). Foto: Käthe Kollwitz Museum Köln

Duckomenta – MomEnte der Kunstgeschichte

Erika-Fuchs-Haus Schwarzenbach an der Saale/Oberfranken

4. August 2018 bis 10. März 2019

Endlich zeigt die Nofretete, wie ihr der Schnabel gewachsen ist! Von der Mona Lisa bis Sissi, von Manets kunsthistorischem Meilenstein „Dejeuner sur l’herbe“ bis Goethe und Che Guevara – sie alle sind auf die Ente gekommen. Beinahe unbemerkt haben sich Donald, Daisy, Tick, Trick und Track in die europäische Kultur eingeschlichen. Dürer, da Vinci, Spitzweg, Monet, Dali – kaum ein Künstler, der sie nicht verewigt hätte. Wer einen zweiten Blick auf berühmte Werke, die man längst zu kennen glaubte, riskiert, wird über die Allgegenwart der Pürzelträger staunen. Seit über 30 Jahren ist die „Duckomenta“ – ein bisschen Concept, ein bisschen Pop – in vielen Kunstmuseen zu Gast und sorgt regelmäßig für Besucherrekorde. Über zwei Millionen Zuschauer haben die Ausstellung mit „Meisterwerken“ aus drei Jahrtausenden bisher gesehen. Die nächste Station in Deutschlands erstem Comicmuseum wird quasi ein Heimspiel für die berühmte Duck-Dynastie, denn die Übersetzerin von Micky & Co. Erika Fuchs lehrte auch Donald auf deutsch zu Quaken…

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Wenn Nofretete das gewusst hätte… Foto: Erika-Fuchs-Haus Schwarzenbach a. d. Saale

Fenster zur Seele. Gerhard Huber.

Herzogskasten Stadtmuseum Abensberg/ Niederbayern

14. September 2018 bis 11. November 2018

Musik und Kunst haben ihm über manche Schicksalsschläge hinweg geholfen, so der Künstler. Der heute Achtzigjährige lebt in einem Haus im niederbayerischen Ihlerstein inmitten seiner Kunst, mit ihr, für sie und durch sie. Schon als Kind schaute er seinem Vater, einem Schneider aus Abensberg und selbst autodidaktischen Maler, über die Schulter. Besonders fasziniert hat Gerhard Huber die Darstellung von Menschen. Immer spürbar in seinen Porträts: Sensibilität und Mitgefühl. Die Ausstellung im ehemaligen Zehentstadel von 1450, das zum Burgareal gehört, ist die erste umfangreiche Retrospektive, welche Gerhard Huber gewidmet ist. In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat der Künstler unermüdlich gemalt, gezeichnet und gedruckt. Egal ob Pastell oder Öl – Hubers charakteristischer Strich entwickelte sich ständig weiter, von zunächst feinen, klaren Linien zu groben, teilweise pastosen Farbflecken. Sein riesiges Oeuvre ist schier überwältigend. Darunter ist eine Reihe von Selbstporträts, deren leicht distanzierte Miene verrät, dass er sich Zeit seines Lebens in der Rolle des Beobachters gesehen hat. Neben den Porträts berühren auch die Arbeiten, in denen er sich mit Körperlichkeit, Schmerz und Tod auseinandersetzt. Und als kleine Verschnaufpause sind zwischen den farbintensiven, großformatigen Gemälden auch einige pastellige, impressionistisch anmutende Landschaften dabei…

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Gerhard Huber: Selbstporträt; Foto: Erich Stauber

Abb. ganz oben: Karl-Schmidt-Rottluff, Gehöft im Abendlicht, 1906, Öl auf Pappe,  Sammlung Hermann Gerlinger im Buchheim Museum der Phantasie. Foto: Buchheim Museum ©VG Bild-Kunst

Nathalie Schwaiger

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