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Menschen Leben Freiheit – Ausstellungen für Weihnachtsmuffel

by Sabine Wieshuber

Friede, Freude, Lebkuchen? Dieses Jahr euch nicht genug? Weil ein unruhiges, schweres, dramatisches Jahr zuende geht. Weil Krieg in Europa ist, weil Frauen und Männer für ihre Freiheit auf die Straße gehen. „Same procedure as every year“… nix für euch?
Dann haben wir hier die richtigen Alternativen für euch: ambivalent, vielschichtig und zutiefst menschlich. Schicksale, Geschichten und Ausstellungen, die unter die Haut gehen. Künstler*Innen, die Position beziehen und gegen den Strom schwimmen. Die unbequem sind, aufrütteln, neue Wege aufzeichnen und dafür kämpfen, die Welt ein Stückchen besser zu machen. „Kann Kunst die Welt verändern?“, fragt der französische Künstler JR (bis 15. Januar läuft noch die Retrospektive in der Kunsthalle München). Sie kann! Daran glauben wir und das wünschen wir uns ganz fest …

❄️Ihr wollt doch gern Krippen und Christkindlmärkte? Dann seid hier falsch! Hier geht es zu den Weihnachtsausstellungen.

Shaky Ground – Adidal Abou-Chamat & Rose Stach
Kunst- und Gewerbeverein Regensburg
Ausstellung vom 3. bis 30. Dezember 2022

„Frau Leben Freiheit“

Iran 2022

Wie wirken sich Krieg und Gewalt und die Projektionen der westlichen Gesellschaften auf den Islam als fremdes Anderes aus? Wie konstruieren sich Identitäten, wie stabil sind sie, welche Rollen spielen Zuschreibungen, Körperlichkeit, der Blick des/der Anderen, Erinnerungen, Projektionen und die subversive Funktion des Unbewussten im Kontext sexistischer und rassistischer Realitäten? In den Arbeiten von Adidal Abou-Chamat treten biografische und politisch kulturelle Themen im postkolonialen Zusammenhang deutlich hervor.
Eines der Prinzipien von Rose Stach dagegen ist die Verwandlung des Banalen ins Narrative. Sie setzt alltägliche Gebrauchsgegenstände in einen neuen Kontext, befreit sie von ihrer Bedeutung und löst sie aus der Realität heraus. Durch künstlerische Eingriffe, wie die Technik des Cut-Out, die Übermalung, das Zerlegen und die Neu-Zusammensetzung, verändert sie spielerisch die Bedeutungen der Objekte und schafft neue, ungewohnte Sichtweisen.

Forever young
40 Jahre Städtische Galerie Cordonhaus Cham
Ausstellung noch bis 8. Januar 2023

„Genieße Deine Zeit, denn du lebst nur jetzt und heute.“

Albert Einstein

1982 eröffnete sie als eines der ersten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst in der Oberpfalz: Unter dem Titel „Forever young“ feiert die Städtische Galerie Cordonhaus Cham ihr 40-jährige Jubiläum. Der Titel spielt augenzwinkernd auf die Sehnsucht nach ewiger Jugend an, aber genauso steht er für das erfrischend innovative Potenzial Bildender Kunst, das im Cordonhaus eine überregional beachtete Plattform gefunden hat. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler, viele aus der Region, alle aus dem süddeutschen Raum, zeigten im Cordonhaus im Laufe der vergangenen Jahre wichtige Ausstellungen. In der Jubiläumsausstellung „Forever young“ präsentieren sie aktuelle Werke aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Video und Fotografie. So auch das Statement-Hinterglasbild „No war“ von Irene Fastner, unser Aufmacher.

Nachts. Clubkultur in München
Münchner Stadtmuseum
Ausstellung noch bis 8. Januar 2023

„Das Leben selbst ist Grund genug zu feiern.“

Sadghuru

Ein Streifzug durch die Münchner Ausgeh- und Clubkultur im Museum? Das muss gefeiert werden! Das legendäre Atomic Café erlebt sein Revival im Münchner Stadtmuseum. Auch aus den Kult-Clubs Ultraworld, Ultraschall vom Flughafen Riem, aus dem Kunstpark Ost und der Registratur wurden Erinnerungsstücke zusammengetragen. Die kulturhistorische Ausstellung „Nachts“ ist Menschen und Orten gewidmet, die das Münchner Nachtleben prägten und prägen. Spannend!


👉Zur Ausstellung gibt es auch ein umfangreiches Programm.

JR:Chronicles
Kunsthalle München
Ausstellung bis 15. Januar 2023

„Make love not war!“

Antikriegsbewegung 1967

„Ich besitze die größte Galerie der Welt – die Mauern der Stadt“

JR

Die Welt verändern und Brücken zwischen Menschen bauen: zum Auftakt seiner aktuellen Retrospektive in München hatte der französische Aktionskünstler JR auf dem Odeonsplatz ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine gesetzt. Gemeinsam mit 100 Freiwilligen entrollte er ein monumentales Banner. Darauf zu sehen: die fünfjährige Valerija, die aufgrund des Krieges wie Millionen Menschen ihre Heimat verlassen und flüchten musste.
Die Kunsthalle München zeigt die bisher größte Retrospektive des französischen Künstlers JR (*1983) in Deutschland. Seine Ausstellungsorte sind eigentlich die Straßen dieser Welt. Dort erreicht er auch die Menschen, die sonst keine Museen besuchen. Berühmt wurde JR durch Fotografien unbekannter Personen, die er in riesigen Formaten auf Häuserfronten, Eisenbahnzügen, Containerschiffen oder gar Grenzmauern plakatiert. Im Fokus stehen immer die Menschen. Menschen, deren Würde und Rechte im politischen Diskurs oft übergangen werden. Ihnen verleiht JR mit seiner Kunst auf ebenso scharfsinnige wie einfühlsame Weise Sichtbarkeit. Zu seinen jüngsten Projekten gehören die großflächige Beklebung eines Hochsicherheitsgefängnisses in Kalifornien, ein Titelbild des TIME-Magazins über Waffen in Amerika, ein monumentales Wandgemälde in einem Pariser Vorort oder eine riesige Installation am Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko.

Unter die Haut. Eine regionale Geschichte der Tattoos
Bauernhofmuseum Jexhof in Schöngeistig
Ausstellung bis 5. Februar 2023

„Die Zeichen, die die Menschen setzen, sind viel zu oft Narben.“

John Green

Tattoos sind eine der ältesten Kunstformen der Welt – schon Ötzi war tätowiert und auch Kaiserin Sissi soll eins gehabt haben! Heute ist es fast schon originell, nicht tätowiert zu sein. Doch warum entscheidet man sich für ein Tattoo und welche Geschichten stecken hinter dem lebenslangen Körperschmuck? Begebt euch auf eine spannende Reise durch die historischen Bildmotive und die unterschiedlichen Techniken. In der Ausstellung berichten Tätowierte aus der Region in Bild und Schrift aus ihrem Leben, ihren Schicksalsschlägen, den Emotionen und Geschichten, die hinter ihren Tattoos stecken und auch im übertragenen Sinne unter die Haut gehen….


👉Mehr zur Ausstellung im Gastbeitrag vom Jexhof.

Pattern Recognition. Wiedersehen mit der Städtischen Sammlung Erlangen
Städtische Sammlung Erlangen im Kunstpalais
Ausstellung bis 5. März 2023

„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“

Rumi

Wiederkehrende oder neue Muster? Umwälzungen in Kunst und Gesellschaft? Neue technische Verfahren, Veränderungen politischer Systeme oder die Globalisierung allgemein? In der Gegenüberstellung von elf langjährigen Sammlungswerken mit elf Neuerwerbungen bzw. Leihgaben jüngerer Künstler*innen macht sich die Ausstellung auf die Suche nach Mustern, Ähnlichkeiten und Unterschieden, die den diversen künstlerischen Strategien zugrunde liegen. So entstehen elf intensive Dialoge, die auf über fünf Jahrzehnte Kunstgeschichte zurückblicken und aus denen sich zugleich zukunftsweisende Erzählungen entwickeln.

Mit Werken von: Monira Al Qadiri, Athanasios Argianas, Thomas Bayrle, Anna & Bernhard Blume, Martin Disler, Aleksandra Domanović, Jack Goldstein, Eugen Gomringer, Keith Haring, John Hilliard, Sofia Hultén, Fritz Koenig, Simon Lehner, Lawrence Lek, Richard Long, Frida Orupabo, Alona Rodeh, Paul Mpagi Sepuya, Nora Turato, Cy Twombly, Wolf Vostell, Sonja Yakovleva.


Die Errettung des Bösen. Eine Ausstellung von Michael Müller
Museum im Kulturspeicher Würzburg
Ausstellung bis 19. März 2023

„Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit.“

Kofi Annan

Wie geht man mit ‚kontaminierter‘ Kunst um? Soll man diese Kunstwerke – wie sie sich etwa auch im Bestand des Museum im Kulturspeicher befinden – zeigen und öffentlich präsentieren? Darf man diese Arbeiten ausstellen? Im Jahr seines 20. Jubiläums hat das Museum im Kulturspeicher den britisch-deutschen Künstler Michael Müller (*1970) eingeladen, mit der Würzburger Städtischen Sammlung zu arbeiten. Dabei steht insbesondere die Gründung der Sammlung in der Zeit des Nationalsozialismus im Fokus von Müllers Interesse.
Was als eine Intervention in den Sammlungsräumen gedacht war, wuchs sich zu einem Projekt mit mehreren Ausstellungsteilen aus: Unter dem Obertitel Die Errettung des Bösen beschäftigt sich Müller in Teil I An- und abwesende Schatten und Teil II Vergleichen, >, = in differenzierter und teils provozierender Weise mit dem Wesen des Bösen, seiner Präsenz und Negation in Geschichte und Gesellschaft und zieht dafür neben eigenen Arbeiten sowohl historische als auch zeitgenössische Positionen heran – von dem Szenenbildner und Body Artist Albrecht Becker, der 1937 in Würzburg aufgrund seiner Homosexualität verhaftet wurde, bis hin zu der Bildhauerin Emy Roeder und dem Pop Art-Künstler Andy Warhol.

Cuno Fischer (1914 – 1973) Maler, Designer und Nomade
Schloßmuseum Murnau
Ausstellung bis 1. Mai 2023

„Ich male, und das hört sich wie eine Paradoxie an, in starken Farben, aber sie sind einfach und ihre Brutalität wird mit Nuancierungen umwoben.“

Cuno Fischer in einem Brief an Schauspieler und Freund Wolfgang Budde, 1948

Seit der ersten Ausstellung im Schloßmuseum Murnau 1999 hat das Museum seinen Bestand zu Cuno Fischer durch Nachlässe, Schenkungen und Ankäufe stetig erweitern können. Die aktuelle Ausstellung anlässlich seines 50. Todestages am 14. Januar 2023, zeigt das Werk eines Künstlers, der sich weder ein- noch unterordnen ließ: zu sehen sind sowohl seine farbkräftigen, kristallinen und enigmatischen Hinterglasbilder, Entwürfe für Porzellanfirmen, aber auch Kriegsbilder und Collagen. Sie geben eine Ahnung vom vielschichtigen Werk und Leben des Künstlers. Die wechselnden Techniken und Materialien wie Glas, Holz, Leinwand, Porzellan und Papier der Arbeiten zeugen sowohl von einer gewissen Unrast als auch von höchster Konzentration.

Naturstoff /Kunststoff. Materialität in der Nürnberger Kunst
Kunstvilla Nürnberg
Ausstellung bis 11. Juni 2023

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun. Sondern auch für das, was wir nicht tun.“

Molière

Plastik ist böse? Durch den enormen Plastikverbrauch und die Massen an Plastkmüll, die unsere Ökosysteme bedrohen, ist Kunststoff in Verruf geraten. Doch als Material zeitgenössischer Kunst sind Astralon, Polyester, Polypropylen & Co. seit dem frühen 20. Jahrhundert beliebt. Ebenso haben Naturstoffe wie Wachs, Schellack und Grünspan Eingang in die Kunst gefunden. Die Ausstellung untersucht die Verwendung von Natur- und Kunststoffen in der Nürnberger Kunst des 20. Jahrhunderts. Häufig sind es gerade Natur- und Landschaftseindrücke, die mit künstlichen Mitteln erzeugt werden: anthropomorphe und florale Formen entstehen. Von besonderer Bedeutung erweisen sich die spezifischen Materialeigenschaften der Natur- und Kunststoffe, die sich die Künstlerinnen und Künstler aneignen müssen, um sie für ihre Kunst wirksam werden zu lassen. 

Mit Werken u.a. von Hubert Baumann, Reiner Bergmann, Karin Blum, Barbara Engelhard, Hermann Frauenknecht, Inge Gutbrod, Hubertus Hess, Gisela Hoffmann, Joachim Kersten, Max Söllner, Franz Vornberger, Achim Weinberg und Fred Ziegler.


👉 Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

Joan Jonas
Haus der Kunst München
Ausstellung bis 26. Februar 2023

„Ich denke es ist notwendig, an die Grenzen zu gehen. Was mir Angst macht, zieht mich an.“

Joan Jonas

Die wegweisende Künstlerin Joan Jonas (*1936, New York City, USA) hat durch ihr konstantes Experimentieren mit Performance, Video und Installation die Grenzen der Kunst in den letzten fünf Jahrzehnten immer wieder verschoben und neue Wahrnehmungsmodi erprobt.
Das Haus der Kunst zeigt die bisher umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland, in der die Künstlerin wiederkehrende Themen behandelt: bei ihr geht es um kulturelle Riten und dynamische Prozesse der Spiegelung, Verschiebung und Neubestimmung. Um Ökologische Fragestellungen wie den Klimawandel und bedrohte Ökosysteme. Um die Befragung kollektiver Bilder und Figuren aus Mythologie, Märchen und Fabel.

❄️Schöne Feiertage & friedvolle Weihnachten (trotzdem) wünscht euch euer Infopoint Team! ❄️

❄️Kommt gut ins neue Jahr!❄️

Bild ganz oben: Irene Fastner, No War, 2022, Hinterglasmalerei, 28,5 x 19 cm © Irene Fastner. Noch bis 8. Januar zu sehen in der Ausstellung „Forever young“ in der Städtischen Galerie im Cordonhaus in Cham.

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