Home Aschaffenburg Pop, Punk, Peace? Unser Kontrastprogramm für Weihnachtsmuffel

Pop, Punk, Peace? Unser Kontrastprogramm für Weihnachtsmuffel

by Sabine Wieshuber

Keine Lust auf Lebkuchen, Lametta, Lichterglanz und Last-Minute-Geschenke? Frohlocken, Dauer-Harmonie und Kosumterror sind nichts für euch? Für alle Nicht-Weihnachts-Fans haben wir, wie alle Jahre wieder, schrille, freche, provokative Alternativen. Die Träume von Menschen, in ihren Augen zu lesen – und in den Fotos von Shirin Neshat festgehalten (siehe Opener). Ekstatische Schüttbilder von Action-Painting-Meister Hermann Nitsch, erlebbare Solidarität junger Künstler*Innen, bissige Karikaturen von John Heartfield – oder einfach zum Gackern: beflügelnde Begegnungen mit Peter Gaymanns lustigen Hühnern, Paaren, Weihnachtsmännern und Rentieren. Na klingt das gut? Dann noch viel hohoho und Spaß mit unserer Ausstellungs-Auswahl!

Shirin Neshat. Living in one Land, Dreaming in another
Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München
Ausstellung vom 26. November 2021 bis 24. April 2022

Fragende, ernste, traurige, ausdrucksstarke, unsichere oder selbstbewusste Gesichter: die 111 Schwarz-weiß-Porträts von Shirin Neshat erzählen von Identität, von Träumen, von Sensibilität und Schicksalsschlägen. Die jüngste Arbeit „Land of Dreams“ (2019) der iranisch-amerikanischen Fotografin und Filmemacherin ist erstmals in einer europäischen Institution zu sehen, zusammen mit insgesamt vier weiteren Werkserien und Video-Installationen aus den letzten zwanzig Jahren. Die Fotografien werden mit persischer Kalligrafie und poetischen Texten auf Farsi verwoben.

Shirin Neshat (*1957) stammt aus dem Iran und lebt in New York. Zentrale Themen ihres Schaffens sind Identität, Herkunft und Machtstrukturen. Die Ausstellung bildet gleichzeitig die Auftaktveranstaltung der Kooperation zwischen der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne und der Written Art Collection.

Hermann Nitsch. Mythos Passion. Mit Werken der Sammlung Jaeger
Kunsthalle Jesuitenkirche, Museen der Stadt Aschaffenburg
Ausstellung vom 20. November 2021 bis 27. Februar 2022

International bekannt und immer für einen Skandal gut: Hermann Nitsch (*1938) provoziert und polarisiert. Seit Ende der sechziger Jahre wurden seine Aktionen in den USA, in Deutschland und auf seinem Schloss in Niederösterreich medial thematisiert und ausgeschlachtet. Seine blutroten Bilderserien, die Lärmorchester und Schreichöre sind nichts für schwache Nerven.

Diesen Sommer hat der in Wien geborene Künstler in Bayreuth das Bühnenbild der Wagner-Oper „Walküre“ gestaltet. Großformatige Schüttbilder, in rot, blau, gelb oder bunt, die sowohl als Studien im Vorfeld wie auch bei der eigentlichen Aufführung entstanden sind, haben Eingang in die Privatsammlung von Dr. Gunther Jaegers gefunden und sind erstmals in einer Ausstellung zu sehen.

Auch das bunte Rasterbild (siehe unten) ist übrigens von Hermann Nitsch…

Karsten Bott — Von Jedem Eins, ohne Steg
Kunst Galerie Fürth
Ausstellung vom 13. November 2021 bis 30. Januar 2022

Spielzeug, Lego-Steine, Rettungsweste, Deko-Kürbis, Totenkopf, Koffer, Kocher, Lockenstab…Seit 1988 entwickelt der Frankfurter Künstler Karsten Bott (*1960) ein „Archiv für Gegenwarts-Geschichte“. Hier sammelt er Alltagsgegenstände jeder Art. Wahllos, ohne Filter. Ohne zu urteilen. Ohne mentale Schubladen. Alles, was Menschen wegwerfen oder in Gebrauch hatten. Ein kreatives Chaos, das die Dinge vor dem Vergessenwerden bewahren soll.
Von jedem Objekt soll sein Archiv möglichst eins beherbergen. Karsten Bott setzt keinerlei Hierarchie an, sondern misst jedem Gegenstand denselben Wert bei. Denn für ihn ist jedes Teil würdig, aufbewahrt und später auch ausgestellt zu werden – ganz gleich ob es neuwertig ist, originalverpackt, gebraucht, defekt oder Abfall. Was er in flächendeckenden Legebildern präsentiert, hat seinen oft kurzlebigen Wert im kapital- und wachstumsorientierten Konsumkreislauf verloren. So entsteht ein Fleckenteppich der Wegwerfgesellschaft…

Who cares? Solidarität neu entdecken
tim Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
Ausstellung vom 23. Juli 2021 bis 23. Januar 2022

Sie muss immer wieder auf’s neue erstritten werden – erst recht in der Corona-Krise. Gesellschaftliche „Solidarität“, eine Kultur des Miteinanders – das hat für uns alle eine ganz neu Bedeutung bekommen. Ausgehend vom Heute erkundet die Augsburger Ausstellung das Phänomen als gegenwärtige Herausforderung ebenso wie als historisches Phänomen, das von der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts ausgegangen ist.
Klima, Flucht, Konsum, Sozialstaat und Kultur – Künstler*innen des internationalen Projekts „Utopia Toolbox“ machen in der interaktiven Schau solidarisches Handeln erlebbar. Denn ohne Solidarität kann keine moderne Gesellschaft auf Dauer existieren. Ohne das Wir sind wir als soziale Spezies nichts. Und ohne Mitgefühl stehen wir als Menschen ganz schön mies da. Das Solidarität auch heute noch gelebt wird und Sinn schafft, das haben uns die letzten Monate und Jahre sehr wohl auch gezeigt.

Unser Tipp: zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm und mit der App könnt ihr auf digitale Erlebnistour gehen und Solidaritätspunkte sammeln.

Pop Punk Politik – Die 1980er Jahre in München
Münchner Stadtbibliothek – Monacensia im Hildebrandhaus
Ausstellung vom 30. April 2021 bis 31. März 2022

Laut, schräg, bunt, auf Krawall gebürstet: die Monacensia feiert den Spirit der wilden 1980er. Pop und Punk, neue soziale und urbane Bewegungen, Subkulturen, Friedensdemos, Revolte und AIDS-Politik… Was ist aus der Generation „No future“ geworden? Wo sind die Wut, der Frust und das Aufbegehren geblieben? Wovon träumten sie damals?
Mit Text, Medium, Botschaft und Haltung waren die 80er aufs Engste verwoben. Dies zu dokumentieren und der Austausch mit Künstler*innen, Fotograf*innen und Kulturschaffenden liegt der Monacensia als literarisches Gedächtnis der Stadt ganz besonders am Herzen. Um Lücken im literarischen Gedächtnis der Stadt zu schließen und gemeinsam neues Wissen zu schaffen, wird die Geschichte digital und analog weitererzählt: #PopPunkPolitik Vol. 2

Beflügelnde Begegnungen. Peter Gaymann Zeichnungen und Cartoons
Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen
Ausstellung vom 24. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022

Peter Gaymann mag Hühner. Aber auch Rentiere, Weihnachtsmänner und andere lustige Tiere. Die Menschen kommen gern paarweise und oft etwas weniger gut weg… oder werden zumindest kritisch behandelt. Wie der Titel der Ausstellung schon sagt, geht es im MUGS um Begegnungen. Um schicksalhafte, überraschende und bisweilen auch erschütternd komische.

Peter Gaymann, geboren 1950 in Freiburg im Breisgau, ist ein hervorragender Zeichner und sensibler Aquarellmaler, der eine Situation zugleich treffend und poetisch skizzieren kann. Mit seinen Akteuren und Akteurinnen, ob Huhn, Schwein, Katze oder Mensch, übt er – fast immer – sanfte Nachsicht. Der Künstler lebte fünf Jahre lang in Rom und liebt Italien, was sich auch in seinem zeichnerischen Werk niederschlägt. Er wohnt und arbeitet in den umgebauten Räumen einer alten Gastwirtschaft am Starnberger See.

Unser Tipp: schaut doch mal in der eigens für die Ausstellung eingerichteten Weihnachtsecke mit Selfie-Wand vorbei. Und wenn ihr also noch ein paar humoristische, vielleicht sogar signierte, Weihnachtsgeschenke sucht, seid ihr genau richtig!

John Heartfield. Fotografie plus Dynamit
NS Dokuzentrum München
Ausstellung vom 1. Dezember 2021 bis 27. Februar 2022

John Heartfield (1891–1968) gehört zu den innovativsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine politischen Fotomontagen wurden zu Ikonen im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Bis heute haben sie nichts von ihrer Sprengkraft eingebüßt und dienen als Inspirationsquelle für bissige Collagen und Memes. Mit polarisierenden Motiven, zusammengesetzt aus vorgefundenen Pressebildern und Propagandaaufnahmen, inszenierten Fotografien, kombiniert mit ironischen Zitaten und eigenen Kommentaren, prangerte Heartfield den Krieg, Hass und soziale Ungerechtigkeit. Auf einzigartige Weise deckte er mit manipulierten Bildern die Wahrheit hinter den Lügen auf.

Die Ausstellung zeigt die vielen Facetten von John Heartfield, seine Inspirationen von Dada bis Bert Brecht, seine Kunst von der Buchgestaltung über die politische Pressearbeit bis hin zur Bühnenausstattung.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin. Sie beherbergt den Nachlass Heartfields, hat ihn umfassend erforscht und mit Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung digitalisiert sowie online gestellt.

Unser Tipp: schaut euch die Ausstellungs-Eröffnung auf youtube.com/nsdoku an.

Abb. ganz oben: Shirin Neshat, Manuel Martinez, Aus der Serie „Land of Dreams“, 2019, Digitaler C-Print mit Tinte und Acrylfarbe, 182,9 x 121,9 cm, Edition 1 von 5 + 2 APs, Foto: Gladstone Gallery, New York and Brussels, and Goodman Gallery, London and Capetown. 2021 mit Mitteln der Written Art Collection für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erworben © Shirin Neshat. Courtesy the artist, Gladstone Gallery, New York and Brussels, and Goodman Gallery, London and Capetown 

Nathalie Schwaiger

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