Home Ausflugsperlen Avantgarde in Farbe – der Sommer in Bayern wird bunt!

Avantgarde in Farbe – der Sommer in Bayern wird bunt!

by Theresa Geßler

Was wäre eine Welt ohne Farben? Grau, trist, langweilig und vor allem: halb so schön! Bayern ohne die Seen, die Blumen, die üppigen Gärten, die Hügel, Berge und Wälder? Einfach nur fad… Und die Moderne in der Malerei ohne den Blauen Reiter? Ohne das Blau von Franz Marcs Pferden? Ohne das entspannte Rot von Klees Waldvogel oder Heckels Pechstein? Ohne das satte Grün von Gabriele Münters Wiesen um Murnau, das Gelb von Kirchners Tapeten oder die farbenfrohe Dynamik von Campendonks „Stickereien“? Eindeutig würde uns da was fehlen!
Wie schön, dass gleich alle 5 Museen des Netzwerks zwischen München und Alpen, wo sich Kunst, Seen und Landschaft zur „MuSeenLandschaft Expressionismus“ verbinden, diesen Sommer in „Farbe satt“ schwelgen…

Eine Ausstellungsreihe der MuSeenLandschaft Expressionismus

Das Buchheim Museum in Bernried, das Franz Marc Museum in Kochel am See, das Schloßmuseum in Murnau, das Museum Penzberg sowie das Lenbachhaus in München bieten miteinander die Qualität einer Nationalgalerie der Moderne in Deutschland. Hier könnt ihr die Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts in der Schönheit und Ursprünglichkeit einer Umgebung erleben, die die Künstler*innen der Brücke und des Blauen Reiter inspirierte.

2021 haben sich die fünf Ausstellungshäuser erstmals zu einer aufeinander abgestimmten, hochkarätigen Ausstellungsreihe zum Thema Brücke, Blauer Reiter und Expressionismus zusammengeschlossen.

„Der Weg diesmal rosa. Starkes Violett der Berge. Bäume Pariserblau. Es ist viel zu tun.“

Ernst Ludwig Kirchner nach einem Spaziergang in den Bergen
Avantgarde in Farbe - der Sommer in Bayern wird bunt!
Inspiration, Kunst- und Natur-Erlebnis: die MuSeenLandschaft Expressionismus © bayern.by – Fotos: Florian Trykowski

„Blau ist eine typisch himmlische Farbe, die den Menschen in das Unendliche ruft.“

Wassily Kandinsky

Unser Ausflugtipp: Die MuSeenLandschaft Expressionismus und das Blaue Land lassen sich auch auf einer wunderschönen Radtour erkunden – Bade- und Biergartenstopps inklusive!
Mit der MuSeenkarte zahlt ihr nur im ersten Museum regulär und in den vier weiteren einen ermäßigten Eintritt.

Lenbachhaus München
Gruppendynamik. Der Blaue Reiter

23. März 2021 bis 5. März 2023

„Die Blaue Reiterei stürmt voran. Stürmen Sie mit, damit das Ziel erreicht wird!“

Gabriele Münter an Arnold Schönberg

Mit seiner weltgrößten Sammlung von Werken der Künstler des Blauen Reiter ist das Lenbachhaus immer eine Attraktion. Für die Ausstellung „Gruppendynamik“ hat es sich noch einmal selbst übertroffen: eine Fülle von über 650 an Objekten aus dem Almanach wurde zusammen getragen, die den kompletten zweiten Stock des Museums einnehmen. Sie zeigen den Künstler*innenkreis in all seinen Facetten: Malerei, Musik, Hinterglasbilder und vieles mehr! Von den Bezügen innerhalb des Kollektivs zu den Einflüssen anderer Kulturen, wird das gesellschaftspolitische Umfeld zu Beginn des 20. Jahrhunderts reflektiert. Im Mittelpunkt steht der Gedanke einer Gleichwertigkeit aller Kunst, der die Avantgardekünstler*innen antrieb. Ein Highlight und Must-See für jeden Fan des Blauen Reiter!

Franz Marc Museum
Ich bin mein Stil. Künstlerbildnisse im Kreis von Brücke und Blauem Reiter
20. Juni bis 3. Oktober 2021

„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“

Paul Klee

Klee als Seiltänzer oder Versunkener, Kandinsky als Rhetoriker, Beckmann als Gentleman, Kirchner und Heckel als melancholische Zweifler, Münter nachdenklich und Macke als Clown… Im Franz Marc Museum in Kochel am See lernt ihr die Malerinnen und Maler von Brücke und Blauem Reiter persönlich kennen. Gemeinsam ging es ihnen um eine „Neue Kunst“. Sie wollten mit Traditionen brechen und Bilder malen, die die Welt verändern. Ihre Gemälde sind voller Farbe und Bewegung, tauchen alles in ein ungewohntes Licht und treffen den Betrachter emotional. Wer waren diese Revolutionäre der Kunst? Wie sahen sie aus und wie sahen sie sich selbst? Danach fragt die Ausstellung und zeigt Porträts, auf denen sie sich selbst oder gegenseitig malten.

Buchheim Museum, Bernried am Starnberger See
Die Farben der Avantgarde
10. Juli bis 7. November 2021

„Jeder findet in jedem Kunstwerk immer nur das, wozu er sich selbst in seiner eigenen Seele vorbereitet hat.“

Alexej von Jawlensky

Ernst Ludwig Kirchner nimmt die Farben der Natur in sich auf, um sie dann „ganz frei aus dem Kopf“ auf die Leinwand zu bringen. Jawlensky stimmt ein „mystisches“ Blau an, Heckel begeistert sich für ein „brennendes Rot“, Modersohn-Becker schwelgt in ihrer „Farbenstimmung“. ..

Sie alle messen der Farbe eine besondere Bedeutung bei. Es geht nicht mehr nur um Lokal- oder Erscheinungsfarben. Die Farbe übernimmt vielmehr eine wichtige Ausdrucksfunktion in ihren Gemälden.

In der Ausstellung im Buchheim Museum erfahrt ihr – Farbe für Farbe – etwas über das Kolorit der Moderne in Deutschland: über die Chemie, die Verarbeitung auf der Leinwand, den sinnlichen Eindruck bei uns Betrachter*innen und die Bedeutung für die Maler*innen. Zu sehen sind Bilder von Modersohn-Becker, Kirchner, Schmidt-Rottluff, Heckel, Pechstein, Nolde, Jawlensky, Beckmann, Kaus und anderen.

Schloßmuseum Murnau
Punkt, Linie, Fläche. Die Kinderzeichnung und der Expressionismus
29. Juli bis 7. November 2021

Avantgarde in Farbe - der Sommer in Bayern wird bunt!
Paul Klee, Waldvogel, 1920, 81 Privatsammlung

„Man darf nicht verlernen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen“.

Henri Matisse

Das kindliche Universum, die Parallelität von Phantasiewelt und Realität, die Spontaneität und nicht zuletzt die Unbeschwertheit im Umgang mit Größenverhältnissen, Farben, Gesetzen der Schwerkraft und das hohe Abstraktionsvermögen gaben der Malerei damals wie heute Impulse.

Kandinsky war einer der ersten Künstler, der erfasste, welche Bedeutung die Adaption von Wesen und Wirkung der Kinderzeichnung für die Kunstentwicklung haben könnte, was er u. a. in seinem Beitrag „Über die Formfrage“ im Almanach „Der Blaue Reiter“ formulierte. Zusammen mit Gabriele Münter besaß er ein Konvolut von über 200 Kinderzeichnungen.

Die Ausstellung geht von der Bedeutung der Kinderzeichnung für die Entwicklung der Moderne aus. An Werken von Wassily Kandisky, Gabriele Münter, Lyonel Feininger und Paul Klee führt die Schau über Constant, Jean Dubuffet, Pablo Piccasso, Asger Jorn und Karel Appel bis hin zu späteren Positionen von Lothar Fischer, Arnulf Rainer und den Gruppen CoBrA und SPUR und zeigt die großartigen Impulse, welche die naivkraftvollen Ausdrucksmittel der Kinder auf die Kunst der Avantgarde und die nachfolgenden Generationen ausübte.

Museum Penzberg
Ringsum Schönheit. Campendonk, die Expressionisten und das Kunstgewerbe
7. August bis 1. November 2021

Avantgarde in Farbe - der Sommer in Bayern wird bunt!
Heinrich Campendonk, Pferd, Gems, Kuh, um 1913, Stickereientwurf © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Ich schreite dahin.
Vor mir ist Schönheit.
Hinter mir ist Schönheit.
Über mir ist Schönheit.
Ringsum ist Schönheit.
Meine Worte werden voll Schönheit sein.
Ich werde ewig leben in Schönheit.
Der Schönheit des Alls.

Zeremonialgesang der Navajo-Indianer

Kunst und Leben gehören zusammen, diese Überzeugung wird im Museum Penzberg vermittelt. Zu
sehen sind kunsthandwerkliche Arbeiten der Vertreterinnen des Blauen Reiter und des Expressionismus. In der Fülle wird deutlich, dass die Künstlerinnen der Avantgarde das Töpfern, Schnitzen, Sticken sowie die Möbel- und Textilgestaltung als gleichrangige Ausdrucksform zeitgemäßen Kunstschaffens anerkannten. Gezeigt werden u.a. Arbeiten von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Maria Franck-Marc, Franz Marc, August Macke, Fifi Kreutzer und Josef Kölschbach. Im Zentrum der Schau stehen Heinrich Campendonk, seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Krefeld und sein Bezug zum Kunsthandwerk.

Abbildung ganz oben: Erich Heckel, Schlafender Pechstein, 1910, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen Buchheim Museum, Bernried.

Theresa Geßler & Nathalie Schwaiger

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