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Karl IV. – 1316 *700 2016

by Sabine Wieshuber

Der Kaiser kommt in die Stadt – eine Ausstellung zum 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg!

Bereits im Jahr 2013 zwischen den Ministerpräsidenten von Tschechien und Bayern vereinbart, eröffnete am 14. Mai 2016 in Prag und am 19. Oktober 2016 in Nürnberg die erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung. Von dem Haus der Bayerischen Geschichte und der Nationalgalerie Prag gemeinsam konzipiert, steht die Landesausstellung „Karl IV. – 1316 *700 2016“ für die einstige Verbindung zwischen Böhmen und dem Heiligen Römischen Reich. Als ehemalige Reichsstadt stellt Nürnberg eine würdevolle Kulisse für die kostbaren Exponate aus dem 14. Jahrhundert dar, von denen viele zum ersten Mal in Nürnberg zu sehen sind.

Karl IV. – 1316 *700 2016

Impression aus der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung „Karl IV.“: Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ ist von 20. Oktober 2016 bis zum 05. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Das Haus der Bayerischen Geschichte zeigt darin die spannende Geschichte des bedeutenden Herrschers des Spätmittelalters. © Studio Messberger, Nürnberg

Kaiser mit Schwert und Feder

Das 14. Jahrhundert war eine Krisen- und Umbruchzeit: Die Pest wütete in weiten Teilen Mitteleuropas, Naturkatastrophen und Hungersnöte forderten viele Opfer. Zeitgleich erlebten Architektur, Technik, Kunst und Kultur einen Aufschwung, be­sonders in den mit Karl verbundenen Reichs- und Bischofsstädten. Prag erhielt die erste Universität Mitteleuropas und entwickelte sich zur Metropole. Die Prager Hofkunst wirkte stilbildend. Auch die freie Reichsstadt Nürnberg, sein zweithäu­figster Aufenthaltsort nach Prag, hat Karl erheblich durch Stiftungen gefördert. Seine hohe Bildung machte ihn zu einem Kaiser des Schwertes und der Feder: Als erster Herrscher verfasste er eine Autobiographie. Karl war als Sohn von Johann von Luxemburg und Elisabeth von Böhmen eine wichtige Figur im politischen Spiel. Als Gegenkönig des Wittelsbachers Ludwig der Bayer konnte Karl die Unterstützung des Papstes gewinnen und damit den Kampf um die römisch-deutsche Krone. Seine Krönung 1355 in Rom bedeutete die Er­neuerung des Kaisertums im Heiligen Römischen Reich.

Karl IV. – 1316 *700 2016

Reliquiarbrosche der heiligen Elisabeth von Thüringen: Karl IV. erwarb 1357 bei seiner Wallfahrt zum Grab der hl. Elisabeth in Marburg eine goldene Brosche der Heiligen, die aus fünf Edelsteinen in Form eines Andreaskreuzes, verbunden mit vier Perlen, besteht. Karl ließ die Reliquie auf eine mit Schrift verzierte Plakette aus Edelmetallen montieren und stiftete sie an den 1350 verstorbenen Patriarchen Bertrand von Aquileia, dessen Grab sich in Udine befindet. © Dommuseum Udine

Und er schuf ein epo­chales Werk: Die Goldene Bulle von 1356 wurde zu einer Art Reichsgrundgesetz und regelte für viereinhalb Jahrhunderte die Wahl des Römischen Königs durch die Kurfürsten. Als Kaiser stützte er sich weniger auf militärische Gewalt als auf Diplomatie – und auf erhebliche Geldsummen, mit denen er die Zustimmung der Kurfürsten erkaufte. Die reichen Silbervorkommen Böhmens, die Förderung des Handels sowie die effiziente Verwaltung und Nutzung seiner Territorien ermöglichten den Erfolg des ebenso frommen wie berechnenden Kaisers. Daneben betrieb er geschickte Hei­ratspolitik: Bei seinen vier Ehen wie bei der Ver­heiratung seiner Kinder spielte die Mehrung seiner Hausmacht stets die wichtigste Rolle. So bildete die Mitgift der Wittelsbacherin Anna von der Pfalz die Grundlage für Karls „Neuböhmen“ in der Oberpfalz.

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Elfenbeinkästchen für die Reliquien des Hl. Sigismund: Das Schmuckkästchen diente weltlichen Zwecken, bevor die Reliquien des böhmischen Landespatrons Sigismund darin eingelegt wurden. Karl IV. erwarb es entweder während seiner Italienreise 1355 oder in den 1360er-Jahren. © Metropolitní kapitula u sv. Víta v Praze

Umstrittener Herrscher oder Ikone?

Weil er für seine Hausmachtpolitik in großem Umfang Reichsgut verpfändete, sa­hen deutsche Historiker Karl lange als „Vater Böhmens, aber Erzstiefvater des Reiches“, während er in Böhmen bzw. Tschechien bis heute als „Vater des Vater­landes“ gilt. Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung wirft mit über 180 hochrangigen Kunst­werken, Urkunden, kulturhistorischen und alltagsgegenständlichen Zeugnis­sen und medialen Inszenierungen einen neuen Blick auf den facettenreichen Herr­scher und seine Zeit. Das Konzept wurde von der Nationalgalerie Prag und dem Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg in Zusammenarbeit mit Wissen­schaftlern des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmit­teleuropas (GWZO) Leipzig, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissen­schaften, des Deutschen Historischen Instituts Rom, der Heinrich-Heine-Universität Düssel­dorf und der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde St. Martha Nürn­berg erarbeitet.

Karl IV. – 1316 *700 2016

Impression aus der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung „Karl IV.“: Die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“ ist von 20. Oktober 2016 bis zum 05. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Das Haus der Bayerischen Geschichte zeigt darin die spannende Geschichte des bedeutenden Herrschers des Spätmittelalters. © Studio Messberger, Nürnberg

Begleitprogramm zur Landesausstellung

Das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee und die Metropolregion Nürnberg ha­ben begleitend zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung eine Vielzahl an Festen, Konzerten, Themenabenden und weiteren Veranstaltun­gen organisiert. So laden während des gesamten Ausstellungs-Zeitraums über 300 grenzübergrei­fende Veranstaltungen entlang der Goldenen Straße zwischen Nürnberg und Prag ein, sich auf Spurensuche zu begeben.

Bayerisch-Tschechische Landesausstellung „Karl IV.“
Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg
20.10.2016 – 05.03.2017

#BeKarl – eine Aktion der Stadt Nürnberg

Die Installation #BeKarl auf dem Hauptmarkt macht die damaligen Machtstrukturen auf humorvolle Art erlebbar. Jeder ist dazu eingeladen, das „Männleinlaufen“ nachzuspielen und weiterzudenken.  Wer darf sich als Kaiser unter die Krone setzen? Wer verbeugt sich wie die Kurfürsten? Und wie sähe das „Männleinlaufen“ im Sinne unserer heutigen Demokratie aus? Sitzt jetzt das Volk auf dem Thron? Mit Ihren Ideen können Sie am Foto- und Videowettbewerb teilnehmen und eine Reise nach Prag gewinnen.

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Die Installation #BeKarl auf dem Hauptmarkt mit Blick auf die von Karl IV. gestiftete Frauenkirche. Foto: Sabine Wieshuber

Abb. ganz oben: Mosaikfragment aus San Marco in Venedig: Das Mosaikfragment aus dem Markusdom zu Venedig zeigt die Heiligen Drei Könige. Die hier verwendete Mosaiktechnik inspirierte Karl IV. offenbar während seiner zweiten Italienreise 1368/69. Das berühmte Mosaik über der Goldenen Pforte des Prager Veitsdoms ließ er 1373 in ähnlicher Weise anfertigen. © Venedig, Museo di San Marco

Jana Walter & Anna Blenninger

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