Home Ausflugsperlen Die Bayerische Landesausstellung 2020 – ein Ausflug ins Wittelsbacher Land

Die Bayerische Landesausstellung 2020 – ein Ausflug ins Wittelsbacher Land

by Infopoint

Dieses Jahr macht das Haus der Bayerischen Geschichte mit der Landesausstellung Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte im Wittelsbacher Land Station – und zwar gleich an zwei Orten: in den historischen Räumen des Wittelsbacher Schlosses in Friedberg und im etwa 20 Kilometer entfernten FeuerHaus in Aichach, in der Grenzregion zwischen Altbayern und Schwaben. Die heimlichen Stars aber sind die Städte selbst: zum ersten Mal in einer Landesaustellung dienen sie als lebendiges Anschauungsobjekt, als idealtypische wittelsbachische Gründungsstädte und machen Geschichte erlebbar. Wir waren dort und haben uns für euch umgeschaut!

Von der Burg zur Stadt

Das Haus der Bayerischen Geschichte ist diesmal genau dort zu Gast, wo der Aufstieg der späteren Kurfürsten- und Königsfamilie der Wittelsbacher ihren Anfang nahm. Und es geht um ein ganz aktuelles Thema: „Wo und wie leben wir?“. Die meisten von uns heute sicherlich in Städten. Doch wie entstanden diese Städte überhaupt? Wie entstanden die bayerischen Städte? Welche Möglichkeiten eröffneten die Städte ihren Bewohnern? Und warum waren Städte für die Herrscher des Mittelalters so wichtig? Solchen Fragen geht die Bayerische Landesausstellung 2020 auf den Grund. Und sie tut das auf ganz unterschiedliche Weise.

Die Bayerische Landesausstellung 2020  - ein Ausflug ins Wittelsbacher Land

Auf dem Königsweg durch Aichach

Wir starten in Aichach. Denn die Präsentationen bauen aufeinander auf. Die fast tausendjährige Geschichte der Herzogstadt ist eng mit dem Herrschergeschlecht der Wittelsbacher verbunden. Im 12. Jahrhundert benannten sich die Grafen von Scheyern als Wittelsbacher nach ihrer Stammburg im Oberwittelsbach, unweit von Aichach. Ab 1180 regierten sie in Bayern für 738 Jahre – als Herzöge, Kurfürsten und Könige. Konsequenterweise sollte der Ausstellungsort in der Nähe des ehemaligen Stammsitzes des bayerischen Adelsgeschlechts liegen. Auch wenn diese Burg bereits vor Jahrhunderten zerstört wurde und nur noch Reste der einstigen Anlage erkennbar sind, so ist der Name des heutigen Stadtteils von Aichach – Oberwittelsbach – immer noch präsent: im Namen der ehemaligen Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern und im Namen der Region, dem Wittelsbacher Land, wo es viel zu entdecken gibt!

Ich folge den weiß-grünen Wegweisern zum FeuerHaus, bummele durch die hübschen Gassen und über den Markt. Die metallisch angedeuteten Türme und Zinnen an der Fassade des ehemaligen Feuerwehrhauses sind schon von weitem sichtbar. Die Mitarbeiter erklären uns sehr freundlich den Parcours zum Thema Stadtentwicklung: los geht’s mit dem Film „Von der Burg zur Stadt“, der Aichachs Aufstieg unter Herzog Ludwig erzählt. Wie sah das Stadtleben im Mittelalter aus? Was ist Stadtplanung überhaupt? Das erfahrt ihr anhand von Videos, Fotos und Modellen. Beleuchtet werden auch Planstädte und Zukunftsvisionen von gestern, heute und morgen. Auf fünf virtuellen Rundflügen taucht ihr in Jakob Sandters berühmtes Stadtmodell in das München des 16. Jahrhunderts ein. Und welchen Weg der letzte König und die Königin Bayerns 1914 bei ihrem Besuch in Aichach gefahren sind, das könnt ihr anhand von historischen Dokumenten nachvollziehen.

Die Bayerische Landesausstellung 2020  - ein Ausflug ins Wittelsbacher Land
Auf dem „Königsweg“ durch Aichach © Haus der Bayerischen Geschichte | Foto: Herbert Rath

Der letzte Raum stimmt auf das größte Exponat der Landesaustellung ein – die Stadt Aichach selbst. Das Haus der Bayerischen Geschichtet arbeitet mit einem neuartigen Konzept: die idealtypische „wittelsbachische“ Stadtanlage Aichachs könnt ihr mit einer Führungen im Anschluss an die Ausstellung ansehen. Deswegen: unbedingt eine Stadtführung in Aichach buchen! So bringt ihr Theorie und Praxis zusammen und erlebt die schönen Bürgerhäuser, die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die Spitalkirche und das Obere Tor hautnah. Die 60-Minuten-Stadtführungen „Stadt als Exponat“ könnt ihr individuell buchen (Beginn jede Viertelstunde möglich) oder ihr schließt euch einer der Turnusführungen an (jeweils um 14:00 Uhr; an Wochenenden und Feiertagen auch um 11:00 Uhr).

Was ist sonst noch in Aichach los? Beim altbayerischen Frühschoppen nach dem Gottesdienst sonntags um 11 Uhr spielen die Stadtmusikanten auf, beim Schlosspark Open Air. Tom & Flo in Blumenthal sind endlich wieder Konzerte möglich und Kinder dürfen in Dasing bei der Ministadt Mittelalter Anno 1200 Bäcker, Stadthalter, Ritter oder Schmied spielen.

Die Wiege der Wittelsbacher

Nach der Stadtbesichtigung freue ich mich schon auf eine Cappuccino-Pause in einem Café in der historischen Altstadt, bevor es weiter geht zum zweiten Teil der Landesausstellung. Mit der Bahn sind es von Aichach nach Friedberg 20 bis 30 Minuten. Friedberg wurde urkundlich das erste Mal im Jahre 1264 erwähnt. Das Städtchen war als Grenz- und Zollstelle des Herzogtums Bayern gegenüber Schwaben und der Stadt Augsburg oft in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nachbarn verwickelt. Nach einer Blütezeit unter Herzogin Christine von Lothringen wurde die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert erst von die Pest heimgesucht und dann von den schwedischen Truppen zerstört. Erst die Uhrmacher der Stadt bescherten Friedberg neuen Glanz.

Die Bayerische Landesausstellung 2020  - ein Ausflug ins Wittelsbacher Land
Alles im Blick: bis heute thront das Wittelsbacher Schloss über dem Lechrain © Stadt Friedberg, Foto: Reinhold Ratzer

Das Wittelsbacher Schloss auf der Lechrainhöhe ist schon von weitem zu sehen. Die Burganlage wurde im Jahre 1257 als Grenzfeste erbaut und diente im 16. Jahrhundert Christine von Lothringen als Witwensitz. In diese Zeit wurde Friedberg zu einem Mittelpunkt höfischen Lebens in Bayern mit prachtvollen Festen, wo berühmte Persönlichkeiten wie Orlando di Lasso ein und aus gingen. Im Jahr 2007 erwarb die Stadt Friedberg das Schloss und begann die Sanierung des Gebäudes, die 2018 abgeschlossen wurde. Seitdem finden in den Räumlichkeiten verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt. Ihr könnt sie aber auch für private Feiern oder Hochzeiten mieten.

Von Herrschern und Siedlern, Handel und Wandel

Vor dem Pavillon der Landesaustellung erwartet mich schon Stephanie Graßl, die Gästeführerin. Gemeinsam schreiten wir über die mächtige Brücke und den Burggraben und bewundern den historischen Innenhof. Stephanie erklärt uns die Gründungsgeschichte der altbayerischen Städte und ihre Entwicklung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Mein Highlight ist das kostbare Matrikelbuch der Uni Ingolstadt (der heutigen LMU in München) aus den Jahren 1472 bis 1547. Aber auch die historischen Prunkräume des Schlosses, wie der Festsaal mit offenen Dachstuhl, der den Blick nach oben lenkt, sind wunderschön. Ich bin sehr froh, eine Führung gebucht zu haben, denn so erschließen sich die kostbaren Leihgaben und die Gründungsgeschichte der altbayerischen Städte bis ins Spätmittelalter noch viel besser. Mit viel Elan erzählt Stephanie uns von Herrschern und Siedlern, von Handel und Wandel und dem Entstehen einer selbstbewussten stadtbürgerlichen Welt.

Die Bayerische Landesausstellung 2020  - ein Ausflug ins Wittelsbacher Land
Das Renaissance-Rathaus in Friedberg war Getreidelager, Brothaus, Gefängnis und Zollstation © Stadt Friedberg, Foto: Reinhold Ratzer

Höchste Zeit für die Uhrmacherstadt Friedberg

Nach der interessanten Führung spaziere ich noch durch Friedberg – vorbei an vielen schönen Bürgerhäusern, der Stadtmauer, dem Marienbrunnen und der Rokoko-Wallfahrtskirche Herrgottsruh. Das schmucke Rathaus war bis ins 19. Jahrhundert „multifunktional“: dort waren unter einem Dach die Schranne (Getreidelager mit Verkaufsstelle), das Brothaus (Verkaufsstelle der Bäcker), das Polizei-Gewahrsam (früher Kälber-Keller genannt) und der Zollladen zur Erhebung des Stadtzolles untergebracht. In der Innenstadt von Friedberg findet ihr aber auch viele nette Geschäfte, Gasthöfe und die Spezialitätenwirte im Wittelsbacher Land, wo ihr bei einer bayerisch-schwäbischen Brotzeit und einem Radler im Biergarten den Tag gemütlich ausklingen lassen könnt.

Friedberg erkunden: auf den Stadtführungen erfahrt ihr mehr zu Sitten und Gebräuchen, alten Handwerken, Uhrmachern, Wappen und Flaggen oder den Wittelsbacher Gründungsstädten. Oder wie wäre ein romantischer Rundgang abends mit kostümierten Akteuren? Oder ein historisches Essen mit Magd Birgit? Und auch für Familien gibt es tolle Angebote.

Spielerisch durch die Bayerische Landesausstellung

Die Bayerische Landesausstellung und ihre Inhalte lernen Kinder ganz spielerisch kennen: Mit dem Kinderführer beim Rundgang im Ausstellungsteil Wittelsbacher Schloss in Friedberg oder beim Stadtrundgang in Aichach. Da müssen Rätsel gelöst und kleine Aufgaben erledigt werden. Wer alle Aufgaben richtig löst und somit das Lösungswort findet, erhält am Ende auch eine kleine Belohnung!

Unterwegs im Wittelsbacher Land – mit Auto, Bahn oder Rad

Die beiden Ausstellungsorte liegen nur 20 Kilometer auseinander. Zwischen Aichach und Friedberg pendelt ihr mit der Bahn oder mit dem Auto in nur rund 15 Fahrminuten. Die Bayerische Regiobahn (BRB) verkehrt halbstündlich zwischen Augsburg, Friedberg und Aichach – zur Landesausstellung auch an den Wochenenden und Feiertagen!

Die Bayerische Landesausstellung 2020  - ein Ausflug ins Wittelsbacher Land
Ein Muss für Sisi-Fans: das Museum im Wasserschlösschen Unterwittelsbach. Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH; Stadt Aichach

In Unterwittelsbach, in der Nähe von Aichach, befindet sich auch das ehemalige Jagdschloss des Herzogs Max in Bayern. Dieser war der Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi). Die Erinnerung an Sisi wird in Schloss Unterwittelsbach gepflegt: eine kleine, aber feine Ausstellung dokumentiert ihr Leben. Und auch wir haben in unserem Blogbeitrag „Sisi und ihre Schwestern“ die Geschichte der vielleicht berühmtesten Wittelsbacherin, Kaiserin Elisabeth („Sisi“) unter die Lupe genommen.

Wer die Gegend aktiv erkunden will, kann das auch auf dem Fahrrad tun! Zur Landesausstellung eigens geschaffen wurde die „Wittelsbacher-Spuren-Tour, eine rund 55 Kilometer lange beschilderte Tour über Aichach, Kühbach, Inchenhofen, Aindling, Pöttmes und Friedberg, auf den Spuren der Wittelsbacher Städte- und Märktegründer. Für die Radltour können Ausstellungsbesucher sogar kostenlos E-Bikes ausleihen! Mehr Informationen zur Mobilität vor Ort unter findet ihr hier!

Noch mehr Informationen zur Bayerischen Landesausstellung 2020

… bietet der Katalog zur Ausstellung mit einer Vorstellung zu allen Objekten aus dem Ausstellungsteil Friedberg. Und mit 12 weiterführende Essays zu verschiedenen Aspekten der Geschichte der Wittelsbacher Gründerstädte aus dem Blickwinkel von Geschichte, Archäologie, Kunst- und Literaturgeschichte.

… findet ihr im HdBG-Magazin Nummer 4. Hier kann man einen Blick hinter die Kulissen werfen: es gibt Hintergrundgeschichten zur Ausstellung, zum Entstehen aufwändiger medialer Anwendungen und zu den touristischen Möglichkeiten im Wittelsbacher Land. Kurator Dr. Peter Wolf berichtet, wie es zu Konzept und Gestaltung der Ausstellung kam.

Rund um den Besuch der Bayerischen Landesausstellung

Um den Ausstellungsbesuch auch angesichts der Corona-Pandemie so sicher und so bequem wie möglich zu gestalten, könnt ihr den Ausstellungsbesuch von zu Hause aus vorbereiten und telefonisch unter +49 (0)821 450 57 457, von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr oder rund um die Uhr online unter www.onlineticket.bayern ein Zeitfenster für den Besuch im Wittelsbacher Schloss in Friedberg und im FeuerHaus in Aichach reservieren.

Mit der Kombikarte zur Bayerischen Landesausstellung 2020 könnt ihr neben den beiden Ausstellungsorten in Aichach und Friedberg auch die Dauerausstellung des Wittelsbacher Schlosses in Friedberg, das Wittelsbacher Museum im Unteren Tor in Aichach und das Stadtmuseum Aichach besuchen.

Weitere Informationen zur Bayerische Landesausstellung findet ihr auf der Website des Hauses der Bayerischen Geschichte!

Bild ganz oben: über die Brücke geht es zum Wittelsbacher Schloss in Friedberg

Ania Hillenbrand vom Infopoint-Team in Kooperation mit Julia Lichtl und Christine Ketzer vom Haus der Bayerischen Geschichte

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