Home Museum digital#AufdemHolzweg Bienenfleiß und Honigschlecken – Das Bayerische Bienenmuseum Illertissen

Bienenfleiß und Honigschlecken – Das Bayerische Bienenmuseum Illertissen

by Sabine Wieshuber

Interview mit Walter Wörtz, Leiter des Bayerischen Bienenmuseums Illertissen

Es ist Frühling in Bayern! Und auch wenn er sich manchmal noch nicht so recht zeigen möchte, lassen wir uns nicht entmutigen und stehen schon mit warmen Empfehlungen für frühlingshafte Museen und Veranstaltungen in den Startlöchern. Zum thematischen Auftakt unserer Artikelserie #AufdemHolzweg geht es diesmal um einen für die Erhaltung der Natur überlebenswichtigen kleinen Bewohner. Die Honigbiene, schon seit etwa 10.000 v. Chr. vom Menschen genutzt, ist für die Bestäubung einer Vielzahl von Pflanzen verantwortlich, die über 90% unserer Nahrung ausmachen. Damit ist sie neben Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Da ist es nur passend, dass der Honigbiene ein eigenes Museum gewidmet wurde! Das Bienenmuseum Illertissen im Landkreis Neu-Ulm informiert über alles rund um das gelb-schwarze Tierchen, das zwar unangenehm stechen kann, aus unserem Leben aber nicht mehr wegzudenken ist!

Im Interview mit Walter Wörtz, Leiter des Bayerischen Bienenmuseums Illertissen erfahren wir, was es dort alles zu entdecken gibt, warum dieses Thema so wichtig ist und auf welche Museumshighlights sich junge und alte Besucher in den kommenden warmen Monaten besonders freuen können.

Verraten Sie uns etwas über die Geschichte des Bienenmuseums? Wie, wann und warum kam es zu der Eröffnung eines solchen Museums?

Initiator und Stifter des Museums war der Unternehmer und Pharmazeut Dr. Karl August Forster, der als Bienenforscher ab 1930 ein Arzneimittel aus Bienengift zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen entwickelte und in seiner Illertisser Firma produzierte. Nach dem Verkauf der Firma stiftete er seine umfangreiche Sammlung von graphischen Blättern zum Thema Honigbiene dem Landkreis Neu-Ulm. Als Freizeitimker erkannte der damalige Landrat Franz Josef Schick den Wert der Sammlung und so kam es 1983 zur Gründung des K.-A.-Forster Bienenmuseums im Vöhlin-Schloss Illertissen.

Bienenfleiß und Honigschlecken - Das Bayerische Bienenmuseum Illertissen

Infotexte und verschiedene Exponate veranschaulichen die Kulturgeschichte der Honigbiene. Foto: Neonpastell GmbH, Augsburg

Welche Themen und Objekte werden in der Sammlung des Bayerischen Bienenmuseums vorgestellt?

Neben der Bienenzucht und der Imkerei von den Ägyptern bis heute steht die Honigbiene und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung im Mittelpunkt, dazu kommen die Themen Biologie und Ökologie. Die Exponate sind vielfältig: Bienenwohnungen von der ägyptischen Tonbeute, dem bulgarischen Rutenstülper und der portugiesischen Korkbeute bis zu Magazinen und einfachen Kisten. Dazu gibt es Geräte der Imkerei zu sehen: Wachspressen, Honigschleudern, Schwarmfangkisten und die einzigartige Sammlung von Bienen-Grafiken aus dem 15. bis ins 20. Jahrhundert. Höhepunkt des Rundgangs ist ein Schaubienenstock mit Königin, ihrem Hofstaat und einem kleinen Volk.

Bienenfleiß und Honigschlecken - Das Bayerische Bienenmuseum Illertissen

Im museumseigenen Schaubienenstock können die Besucher ein Bienenvolk hautnah erleben. Foto: Neonpastell GmbH, Augsburg

Gibt es ein Exponat, das Sie besonders spannend finden?

Unsere Sammlung von Bernsteinbienen. Wir zeigen fünf Bernsteine mit eingeschlossenen fünfzig Millionen Jahre alten Urbienen, die durch ein 3D-Vergrößerungsglas zu betrachten sind.

Das Museum wurde im August 2016 wiedereröffnet und hat für das neue Ausstellungsdesign beim „European Design Award“ 2017 den dritten Platz belegt.
Was ist seit der Umgestaltung neu?

Zuerst einmal ist der Name „Bayerisches Bienenmuseum“ neu. Damit verweisen wir auf unser Alleinstellungsmerkmal. Imkermuseen gibt es mehrere, aber bei uns steht das kleine Insekt Honigbiene mit ihrer Kulturgeschichte im Mittelpunkt. Außerdem gibt es neue Themenbereiche, wie die Entwicklung der Bienenzucht und der Imkervereine in Bayern, sowie die Aufnahme kritischer Entwicklungen der Gefährdung der Bienen durch Gentechnik und Seuchen. Die berühmteste Biene der Welt, Biene Maja, wird vorgestellt und erstmals können nach Themen geordnet Originalgrafiken angeschaut werden. An drei kleinen Medienstationen kann der Besucher die Themen „Bienenwachs“, „Biene Maja wird geboren“ und ein „Bienen-Quiz“ abrufen.

Bald wird es wieder wärmer und wir können endlich wieder mehr Zeit draußen verbringen. Welche Aktionen sind im Bienenmuseum Illertissen für den kommenden Frühling und Sommer geplant?

Je nach Wetterlage, spätestens im Mai, sind unsere Museumsbienen wieder aus dem Winterquartier zurück und große und kleine Bienenforscher können dann das rege Treiben im Bienenstock beobachten. Am Internationalen Museumstag, am 13. Mai, gibt es von 11 bis 18 Uhr kostenfreie Themen- und Kinderführungen. Dazu wird der 3D Film „Die Honigbiene: Das Leben ist kein Honigschlecken“ gezeigt.

Bienen auf dem Weg in den Stock

Im Frühjahr summt und brummt es wieder!

Gibt es speziell auch für jüngere Besucher besondere Angebote?

Auf Anmeldung gibt es Führungen für Vorschulkinder und Schulklassen.
Am 5. Mai bieten wir für Kinder ab 6 Jahren eine kleine Wachs-Werkstatt mit Kerzendrehen und Basteln von Wachsanhängern an.

Wieso ist die Vermittlung von Themen wie der Rolle der Biene wichtig?

Wie alle Insekten sind auch Bienen Anzeiger für gefährdete Ökosysteme und das Artensterben.
Obwohl sie stechen, haben Bienen ein sympathisches Image. Über die Bienen erreichen wir eine Sensibilisierung der Gesellschaft für wachsende Umweltrisiken (siehe Bienen-Demos und Protest-Aktionen in Berlin). So sind zurzeit Imkerei und Bienen in aller Munde: Die Zahl der Imker stieg in Bayern in den letzten Jahren auf 35.000 mit rund 300.000 Bienenvölkern.

 

Unser Tipp zum Schluss: Ab dem 21. April 2018 öffnet im 2. Obergeschoss des Schlosses das neue Museum Illertissen. Eine Fahrt dorthin lohnt sich also doppelt!

 

Bienenmuseum Illertissen
Schloßallee 23
89257 Illertissen

 

Abb. ganz oben: Schubladenwand mit Grafiken zum Thema Biene. Foto: Neonpastell GmbH, Augsburg

 

Sophie den Toom

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