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#15shadesofgreen Nr. 6 #blattgrün

by Sabine Wieshuber

Spinat & Co. machen stark – das weiß seit Popeye jedes Kind! Zum Wachsen braucht das junge Gemüse nur Sonne, Licht, Erde und Mineralien. Heute gerade pflückfrisch aus dem Museumsgarten eingetroffen: die Ernte aus Bamberg ist Blatt für Blatt ein Genuss, egal ob im altbewährten Sommer-Salat oder der neumodischen Variante, einem Green Smoothie…

Gastbeitrag vom Gärtner- und Häckermuseum Bamberg

Grünes Gemüse ist ja so gesund: vollgepackt mit Nährstoffen und Ballaststoffen. Es ist reich an Antioxidantien, Vitamin C und Vitamin K (wichtig für den Knochenstoffwechsel), beta-Carotin und zahlreichen B-Vitaminen und gehört zu den besten pflanzlichen Quellen für Magnesium, Calcium und Eisen. Und die Folsäure (Vitamin B9) verdankt den grünen Blättern (lat.: folium = Blatt) sogar ihren Namen…

#15shadesofgreen Nr. 6 #blattgrün
Prachtexemplare: die dicken Wirsing-Köpfe haben wie alle Kohlsorten tolle Detox-Qualitäten. Foto: Gärtner- und Häckermuseum Bamberg

„Immer bietet sich dem Zuschauer das erfreuliche Schauspiel dar, dass 3 bis 4 Gemüsearten zu gleicher Zeit auf dem nämlichen Felde mitten untereinander hervorwachsen.“

So beschrieb der Bamberger Jurist Schneidawind 1797 die Bamberger Gemüsekultur als „Leuchtturm“ der gemeinnützig-ökonomischen Aufklärung. Und: „Durch häufiges Düngen und fleißige Bearbeitung zwingt er [der Gärtner] den Boden 4 auch 6 Gemüsearten das Jahr über zu tragen.“
Deshalb wurde „Frühsalat“ historisch im Februar im Hausgarten gesät und nach den „Eismännern“ Mitte Mai auf’s Gemüsefeld gepflanzt. Bevor er im Juni geerntet wurde, pflanzten die Bamberger Gärtner Kohlrabi dazwischen, der spätestens im August auch auf den Tellern der Kundschaft für eine farbenfrische Mischung sorgte. Dieses jahrhundertelang bis in die 1920er Jahre praktizierte historische Anbausystem wird im Freigelände des Gärtner- und Häckermuseums in Form einiger Misch- und Folgekulturbeispielen mit bis zu fünf jährlichen Ernten nachempfunden: Die tiefgründigen, intensiv gedüngten und allein mit dem Spaten gewendeten Böden wurden mit der langen „Haggfreede“ und dem kleinen „Beggfreedla“ gehackt. Die gesäten Gemüsepflanzen haben sich mit tiefreichenden Pfahlwurzeln selbst aus dem bodennahen Grundwasser versorgen können.

#15shadesofgreen Nr. 6 #blattgrün
Da haben wir den Salat: im Museumsgarten wachsen alte, lokale Blattgemüse. Foto: Gärtner- und Häckermuseum Bamberg

Das Gärtner- und Häckermuseum in Bamberg wird unter den Besuchern der Dom- und Bierstadt bis heute als „Geheimtipp“ gehandelt. Es ist das einzige Museum in Süddeutschland, das sich dem gewerblichen innerstädtischen Leben der Gemüse- und Weingärtner, ihrer Kultur und Geschichte widmet. Untergebracht in einem typischen Gärtnerhaus von 1767, lädt euch das Freilichtmuseum ein, das Gärtnerdasein um 1900 kennen zu lernen.

Dass Bamberg seit 1993 UNESCO Welterbe ist, hängt auch mit der einmaligen Kulturlandschaft der einzigartigen, innerstädtischen Gartenflächen zusammen. Die „Gartenstadt“ ist so wie die „Insel-“ und „Dom“-Stadt ein prägender Teil. Seit dem Spätmittelalter haben die Gärtner das fruchtbare Gebiet östlich der Regnitz genutzt. Wegen des milden Klimas konnten sie viele Sorten aus dem Mittelmeerraum anbauen. Europaweit bekannt und wirtschaftlich bedeutend machte sie der Verkauf von Süßholzwurzeln (Rohstoff für Heilmittel und Lakritze) sowie des Saatguts von Zwiebel, Kümmel, Lauch, weißer, roter und gelber Rübe, Kohlrabi, Salat und Spinat. Die Häcker an den Hängen um den Domberg arbeiteten schon im Hochmittelalter als Winzer. Als im 19. Jahrhundert das Klima während der Kleinen Eiszeit kälter und Bamberg Teil des gewachsenen Bayern geworden war, rentierte sich der Anbau des Bamberger Weins nicht mehr, der viel zu sauer war und als „Ranzenbeißer“ (Bauchbeißer) galt. Also wichen die Häcker auf Hopfen, Obst und Getreide aus.

Der Hof hinter dem Gärtnerhaus zeigt nicht nur die Mistgrube mit dem für die vorindustrielle Zeit üblichen „Häusla“, sondern auch die Remise mit zwei für die Arbeit auf den „Marktfeldern“ (Gemüsefelder am Stadtrand) gerüsteten Wagen: Der Brückenwagen ist mit Pflug und Korb für die Pflege ausgestattet, der Leiterwagen mit dem „Schdruudsfass“ (Jauchefasse) für die Düngung. Auf schattigen Bänken könnt ihr euch ausruhen und über den Garten und den „Hofstatt“ genannten Teil der Bamberger Gärtnerstadt bis hin zum spargelförmigen Turm der Pfarrkirche St. Otto schauen. Über den Museumgarten gelangt ihr in den Bamberger Sortengarten, in dem lokale Haussorten etwa der Zwiebel, des Knoblauchs, des Rettichs und des Wirsings im Vergleichsanbau gezogen werden.

Das Gärtner- und Häckermuseum liegt in der Bamberger Gartenstadt, die zum Weltkulturerbe gehört und hat jedes Jahr von April bis November geöffnet, 2019 könnt ihr es noch bis 3. November besuchen!

Abb ganz oben: Erfreuliches Farb-Schauspiel im musealen Gemüsefeld: Frühsalat gemischt mit der Folgekultur blauer Kohlrabi. Foto: Hubertus Habel

Gastbeitrag von Dr. Hubertus Habel, Gärtner- und Häckermuseum

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