Home Ausflugsperlen Sehen heißt hören – die schönsten Museen der Musik in Bayern

Sehen heißt hören – die schönsten Museen der Musik in Bayern

by Theresa Geßler

Malerei und Musik waren für Wassiliy Kandinsky so eng miteinander verwoben, dass er sogar Töne sehen sowie Farben hören konnte und damit als Synästhetiker bezeichnet werden kann. In groß angelegten Kompositionen setzte er sich ausgiebig mit der Darstellung von Klängen auseinander und nahm dabei eine Vorreiterstellung in der Loslösung von der gegenständlichen hin zur abstrakten Malerei des frühen 20. Jahrhunderts ein. Im Zuge seines unnachgiebigen Strebens Klang, Farbe und Gefühl zu vereinen, entstanden vielstimmige Farb- und Formwelten, die auch den heutigen Betrachter noch in ihren Bann ziehen. Eine große Auswahl seiner Werke aus dieser Zeit werden u.a. in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau in München präsentiert.

Ein Bild muss klingen und von einem inneren Glühen durchtränkt sein.

Wassily Kandinsky

Die Symbiose von Kunst und Musik geht noch weiter und findet auf vielerlei Ebenen statt. Heute stellen wir euch daher eine Auswahl von Museen in Bayern vor, welche sich durch ihren musikalischen Bezug auszeichnen.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth (Oberfranken)

Dieser imposante Bau strotzt nur so vor Prunk und überwältigendem Detailreichtum. Hier wird die Fest- und Musikkultur des 18. Jahrhunderts in ihrer schönsten Form lebendig und da ist es kaum verwunderlich, dass dieses einzigartige Monument 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.
Federführend bei der Realisierung dieses Ausnahmeprojekts war die musik- und theateraffine Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth und der Anlass gewissermaßen eine Herzensangelegenheit, die Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth Friederike Sophie. Wer könnte sich da eine repräsentativere Kulisse für solch eine Märchenhochzeit vorstellen?
Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass der vielgliedrig und aufwendig dekorierte Innenraum dem Typus des italienischen Logentheaters folgt. Sämtliche Einzelteile aus Holz und Leinwand fügen sich zu einer sich selbst tragenden Konstruktion zusammen und wurden gewissermaßen in die steinerne Gebäudehülle eingestellt.
Seit der umfassenden Restaurierung 2018 erstrahlt das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth im neuen Glanz und es ließe sich wohl kaum besseres Anschauungsmaterial für die Symbiose von Kunst und Musik finden… oder etwa doch?

Geigenbaumuseum Mittenwald (Oberbayern)

Eine ganz andere Verbindung beider Disziplinen findet im Kunsthandwerk ihren Ausdruck. Der Geigenbau hat in Mittenwald seit jeher große Tradition. Überall trifft man hier auf die Geige, ist doch dieses Instrument gewissermaßen Wahrzeichen der Stadt. Mit der Eröffnung der ersten Werkstatt im 17. Jahrhundert entwickelte sich der Ort rasch zu einem weltberühmten Zentrum des Geigenbaus. Von dieser über 300-jährigen Erfolgsgeschichte erzählt das Geigenbaumuseum. Es verknüpft nicht nur Handwerks- und Ortsgeschichte, sondern zeichnet mithilfe einer kompletten Werkstatt, historischen Filmen, Hör- und sogar Riechproben einen sinnenreichen Einblick in den Streichinstrumentenbau.
Behind The Scenes: In der Schauwerkstatt habt ihr die einmalige Gelegenheit einer Geigenbauerin oder einem Geigenbauer bei der Arbeit zuzuschauen und dabei Fragen zur Technik des Geigenbaus zu stellen.

Orgelbaumuseum Schloss Hanstein e. V. (Unterfranken)

Wenn die Orgel die „Königin der Instrumente“ ist, dann ist der Orgelbau wohl folgerichtig die Königdisziplin des (Kunst-)Handwerks.
In der Orgel verbinden sich auf einzigartige Weise Musik und Kunst mit handwerklich-technischem Können. Seit der Antike eröffnete der Fortschritt des Orgelbaus immer wieder neue Klangwelten, die tief hineinwirkten in die Musik-, Geistes- und Kulturgeschichte.
Im Orgelbaumuseum Schloss Hanstein kommt auch das Hörerlebnis nicht zu kurz: entweder werden die Orgeln im Rahmen „klingender Museumsführungen“ gespielt oder man darf selbst tätig werden – natürlich nicht an den historischen Stücken selbst, sondern an eigens eingerichteten Hör- und Mitmachstationen.
Die spezielle Ausrichtung als Familienmuseum sorgt dafür, dass dieses „große“ Thema auch für die Kleinen spannend wird.

Leopold-Mozart-Haus (Schwaben)

Kommen wir nun zur Musik selbst. Diesen kennt wirklich jeder, wenn es um musikalische Größen geht: Wolfgang Amadeus Mozart. Hierfür war sicherlich auch das Elternhaus maßgebend. Dies kann man im Leopold-Mozart-Haus hautnah erleben, welches seinem Vater gewidmet wurde. Er kam 1719 in dem ehemaligen einfachen Bürgerhaus nördlich des Augsburger Doms zur Welt.
Natürlich, ohne ihn hätte es das „Wunder Mozart“ niemals gegeben. Aber Leopold Mozart war viel mehr als nur „der Vater“. Er war Vizekapellmeister, Komponist, Musikpädagoge, Autor, Verleger, liebender Ehemann und nicht zuletzt Lehrer, Manager und europaweiter Reiseleiter seiner Kinder, Wolfgang und „Nannerl“. In seinem Geburtshaus lernen die Besucherinnen und Besucher diese faszinierende Persönlichkeit auf vielfältige und spannende Weise kennen: Ein Museum zum gemeinsamen Hören, Fühlen und Mitmachen.

Richard Wagner Museum mit Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth (Oberfranken)

Nun widmen wir uns einem weiteren „Opern-Giganten“ der Musikgeschichte: Richard Wagner.
Dieser ließ 1874 nach eigenen Vorstellungen das Haus „Wahnfried“ errichten, das er bis zu seinem Tod bewohnte. Hier hat man die besondere Möglichkeit das Leben und Schaffen des Komponisten unmittelbar am historischen Ort zu erleben.
Das Erdgeschoss eröffnet, u. a. mit dem rekonstruierten Speisezimmer und Cosimas „Lila Salon“, einen Einblick in die Zeit um 1880 und die Lebenswelt Wagners.
Das Siegfried-Wagner-Haus, das Winifred Wagner bewohnte, ist in seiner originalen Ausstattung der 1930er Jahre erhalten. Hier werden die Schattenseiten der Familie Wagner beleuchtet: die enge Verbindung zwischen Bayreuth und der NS-Diktatur sowie die persönlichen Beziehungen der Nachkommen Wagners zu den Nationalsozialisten und zu Adolf Hitler.
Der von Volker Staab errichtete Museumsneubau widmet sich der Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele bis heute, mit historischen Bühnenbildmodellen, originalen Kostümen und bühnentechnischen Apparaturen aus dem Festspielhaus.
Im Garten des Hauses befindet sich die Grabstätte von Richard und Cosima Wagner. Das dem Museum angeschlossene Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth bewahrt Schrift- und Bilddokumente, Druckwerke und Gegenstände zu Richard Wagner und macht diese mit der Sammlung online auch öffentlich zugänglich.

Museum Kammersänger Bernd Weikl (Niederbayern)

Apropos Richard Wagner. Folgender Opern- und Konzertsänger erlangte mit der Rolle des Hans Sachs in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ internationale Bekanntheit: der Kammersänger Bern Weikl.
In Bodenmais wurde ihm das Museum Kammersänger Bernd Weikl gewidmet. Audio-visuelle Beispiele führen euch in die ursprünglichste Form der Musik ein: der menschlichen Stimme, die im Gesang ihren Ausdruck findet.
Weikl kann auf eine lange internationale Karriere zurückblicken, nicht nur auf Opern- und Konzertbühnen, sondern auch als Regisseur, Buchautor und Dozent. Mit zahlreichen Exponaten, von Plakaten über Auszeichnungen bis hin zu Büchern, Videos und Tonaufnahmen dokumentiert die Dauerausstellung das vielfältige Schaffen des Künstlers.

Münchner Stadtmuseum – Sammlung Musik (Oberbayern)

Im Münchner Stadtmuseum öffnet sich unser Kreis. Überraschenderweise findet sich hier eine Musikinstrumentensammlung, bei der über die Hälfte der rund 6.000 Musikinstrumente und Klangobjekte aus außereuropäischen Regionen stammen.
Es war ein „Klangmuseum“, das sich der Münchner Sammler und Gründer der „Städtischen Musikinstrumentensammlung“ Georg Neuner (1904-1962) vorstellte. Neben der Schönheit und den vielfältigen Formen der Musikinstrumente war für ihn deren Gebrauch in den verschiedenen Kulturen ein Anhaltspunkt für das Sammeln, das sich auf jedwede Art der Klangerzeugung richtete.
Dieser kulturhistorische Sammlungsansatz ist heute in der Zeit der Virtualisierung der Klänge aktueller denn je. Wenigen ist bekannt, wieso die Klänge einer indischen sitâr oder eines ugandischen amadinda-Xylophons für unsere Ohren so befremdlich sind. Was ist das klangliche Geheimnis eines javanischen gong oder einer deutschen viola d’amore ist? Welcher Entwicklungen bedurfte es, die mittlerweile hochkomplexen Orchesterinstrumente zu fertigen? Spielautomaten und Orchestrien zeugen von dem Versuch, lange vor Plattenspielern und mp3-Playern, die Musik zu mechanisieren.

Weitere Museen, die Musik erklingen lassen:

Oberfranken:

Franz-Liszt-Museum der Stadt Bayreuth, Bayreuth

Mittelfranken:

Bubenreutheum, Bubenreuth

Sängermuseum, Feuchtwangen

Oberpfalz

Stadtmuseum mit Max-Reger-Sammlung, Weiden

Heimatmuseum Berching/Christoph Willibald Gluck, Berching

Schwaben

Werner-Egk-Begegnungsstätte, Donauwörth

Museum der Stadt Füssen (Streichinstrumentensammlung), Füssen

Oberbayern

Bayerisches Nationalmuseum (Musikinstrumentensammlung), München

Carl Orff – Leben und Werk, Dießen am Ammersee

Kultur- und Orgelzentrum Altes Schloss Valley, Valley

Rockmuseum Munich, München

Niederbayern

Lachner-Museum, Rain

Orgelmuseum Kelheim, Kelheim

Abb. ganz oben: Wassily Kandinsky, Entwurf 2 zu Komposition VII, 1913, Öl auf Leinwand, 100 cm x 140 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957

Melina Rauh

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