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Ein Laubhüttenmuseum für Schwabach

by Infopoint

Die neue Dependance des Jüdischen Museums Franken in Schwabach hat geöffnet. Das historische Museumsgebäude in der Schwabacher Synagogengasse birgt einen ganz besonderen Schatz fränkisch-jüdischen Kulturerbes: eine Laubhütte mit Wandmalereien, die in ganz Europa in dieser Form bisher einzigartig sind.

Ein hoppelnder Hase an der Außenwand des Museumsgebäudes führt die Besucher zum Eingang. Man erahnt schon jetzt, dass man dieses Langohr im Museum wiedertreffen wird.

Über eine alte knarzende Holztreppe gelangt man in den ersten Stock – und fühlt sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Das Haus sieht ganz genauso aus wie damals, als der Jude Moses Jöw Koppel es 1795 kaufte. Die Architektur wurde ganz bewusst in den Mittelpunkt der Ausstellung gesetzt. Die Geschichte scheint hier stehen geblieben zu sein. Zusammen mit den Ausstellungsobjekten (es gibt nur wenige – eben das, was erhalten geblieben ist), Audiostationen und animierten Filmen erwacht das fränkisch-jüdische Alltagsleben im Haus der Familie Koppel zum Leben.

Im zweiten Stock wird man auf der Suche nach dem Hasen fündig: In der Laubhütte flieht das Tier auf einem Wandbild vor seinen Jägern. Laubhütten sind im Judentum mobile Orte der Erinnerung. Sie werden errichtet, um das Laubhüttenfest zu feiern. Mit diesem gedenkt man der 40-jährigen Wanderschaft nach dem Auszug aus Ägypten. Während dieser Zeit lebte das Volk Israel in Hütten.

Eine Hasenjagdszene wurde bisher in keiner anderen Laubhütte gefunden. Die „Jagnehas“ ist eine simple Eselsbrücke: Mit den hebräischen Buchstaben „JaK-Ne-HaZ“ kann man sich die Reihenfolge der fünf Segenssprüche leicht merken, wenn der Schabbatausgang auf einen Feiertag fällt. Das J steht für Jajin (Wein), das K für Kiddusch (Heiligung), das N für Ner (Licht), das H für Hawdala (Trennung) und das S für Sman (Zeit). Die Hasenjagdszene ist jedoch nur ein Teil des umfassenden Bildprogramms der Laubhütte.

Ein Laubhüttenmuseum für Schwabach

spätbarocke Malerei in der Schwabacher Laubhütte, Foto: Jüdisches Museum Franken

Per App durch die Synagogengasse von Schwabach

Die Synagogengasse ist das einstige jüdische Zentrum Schwabachs und ebenfalls Teil des Museums. Mit einer kostenlosen App können Besucher sie erkunden und dabei den Geschichten der einstigen Bewohner lauschen: Wie der Schulklopfer zum Gebet rief und wie ein kleiner Junge am liebsten jeden Tag die Dachklappe hochzog, um von seinem Bett aus „bei klarem Himmel die Sterne oder Mond vom Himmel zu beobachten“ (Albert Leisinger, Schwabach geb. 1927/28, verstorben im September 2013). Dann gab es noch den Schächter der Jüdischen Gemeinde, der lieber ein Bierchen trank anstatt seinen Pflichten nachzugehen. Ganze 20 Jahre musste sich die jüdische Gemeinde mit ihm herumschlagen… Durch diese sympathischen Persönlichkeiten entsteht ein lebendiges Bild davon, wie die jüdische Gemeinde hier vom 18. bis 20. Jahrhundert lebte.

Ein Laubhüttenmuseum für Schwabach

Blick in die Synagogengasse, Foto: Jüdisches Museum Franken

Adresse: Synagogengasse 10a, rückwärtiger Eingang, 91126 Schwabach

Öffnungszeiten: Sonntag (sowie Oster- und Pfingstmontag) 12-17 Uhr, Jom Kippur, 24./25./31.12. und 1.1. geschlossen.

Führungen (Museum + Synagogengasse): 7. Juni – 25. Oktober jeden Sonntag 14 Uhr und 15 Uhr, Anmeldung erforderlich unter 0911-770577 (Mo-Do 9:30-13 Uhr) oder an fuehrungen@juedisches-museum.org

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