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Ein Tag in Augsburg…

by Sabine Wieshuber

Friedensstadt und Handelszentrum, Römerkastell und Trendsetterin – wusstet ihr, dass Augsburg zwischen den Flüssen Wertach und Lech eine der ältesten Städte Deutschlands ist? Sie ist bekannt für ihre „augustinische“ Vergangenheit, für die Fugger, als Brecht-, Mozart- und Textilstadt, natürlich auch für das Urmel und die Augsburger Puppenkiste. Aber sie hat noch viel mehr zu bieten…
Weltweit einzigartig ist das Augsburger Hohe Friedensfest“ Es geht zurück auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555 und beendete jahrzehntelange Kriege zwischen Katholiken und Protestanten. Großartig: auf dem Rathausmarkt kommen am 8. August die Menschen an der langen Friedenstafel zusammen und teilen das mitgebrachte Essen, Wasser, Bier oder Wein.

Versteckte Kirchen, Stadtkanäle, Brücken, Brunnen, schöne Plätze und Märkte und spannende Museen – in Augsburg gibt es viel zu entdecken: wir nehmen euch mit auf einen inspirierenden Spaziergang durch die bayerische Schwabencity, die Trends setzt. Hier entstand 1521 die erste Sozialsiedlung. Augsburg hat nicht nur das Friedensfest, sondern auch ein Friedensbüro und seit 2022 die erste Friedensschule. Ein Vorbild, das hoffentlich Schule macht. Hoffnung und Frieden – das wünschen wir uns alle gerade wohl am allermeisten…

Must-Sees

1. das Renaissance-Rathaus mit seinem prunkvollen goldenen Saal,
2. die wunderschönen Glasfenster im Mariendom,
3. das Maximilianmusem,
4. das prächtige Schaezlerpalais,
5.
der Stadtmarkt,
6. das Staatliche Textil- und Industriemuseum tim,
7.
die St. Anna-Kirche,
8. das Brechthaus,
9.
die Gassen in der Altstadt
10.
die Fuggerei

Vom Königsplatz zum Stadtmarkt…

Los geht unser Spaziergang in der Annastraße… Seit Mitte des 12. Jahrhunderts ist Augsburg Freie Reichsstadt. Die wohlhabenden Handelsfamilien der Fugger und Welser beeinflussten mit ihrem Geld sowohl die Kaiserwahl als auch den Ablasshandel des Papstes. Durch Martin Luther spielte Augsburg eine entscheidende Rolle in der Reformationsgeschichte. Als Luther 1518 nach Augsburg kam, wohnte er im St. Anna-Kloster. Durch den Kreuzgang erreicht ihr auch die versteckte St. Anna-Kirche. Sie ist eine absolute Rarität: die bemerkenswerte Fugger-Grabkapelle im Renaissance-Stil von 1508 blieb katholisch, auch als die Kirche 1548 protestantisch wurde. Im Chor hängt auch das berühmte Porträt Martin Luthers von Lucas Cranach.

Gleich nebenan ist der Stadtmarkt, wo es nach frischer Minze, Leberkas, Oliven und Käse duftet. An manchen Ständen könnt ihr auch schön essen oder gemütlich in der Sonne Kaffee trinken (siehe auch unsere Genusstipps).

Vom Rathausmarkt ins Lech- und Ulrichsviertel…

Am großen Rathauslatz, über den Namensgeber und Kaiser Augustus von seinem Brunnen wacht und wo sich mit dem ersten Sonnenschein die Augsburger*innen auf den Caféterrassen ausbreiten, liegt das Augsburger Rathaus,1615 von Elias Holl entworfen. Der 57 Meter hohe Profanbau gilt als einer der bedeutendsten der Renaissancearchitektur nördlich der Alpen und ist zusammen mit dem Perlachturm das Wahrzeichen der Stadt. Der prunkvolle Goldene Saal im ersten Stock zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Spätrenaissance in Deutschland. Die Ausstattung wurde 1944 zerstört und anlässlich der 2000-Jahrfeier der Stadt von 1980 bis 1990 rekonstruiert. Im goldenen Saal wird auch alle zwei Jahre der Augsburger Friedenspreis verliehen.
Der Perlachturm gehört mit seinen 70 Metern den höchsten Gebäuden in Augsburg. Zwischen 1612 und 1618 gestaltete der damalige Stadtbaumeister Elias Holl den historischen Wachturm zusammen mit dem Rathaus um.

Vom Rathausplatz könnt ihr einen Schlenker zum Mariendom machen, wo euch der älteste Glasgemäldezyklus der Welt erwartet. Im angrenzenden Diözesanmuseum werden der Domschatz und kostbare Kaisergewänder ausgestellt.

Oder ihr steigt ein paar Stufen in die Altstadt und ins Lech- und Ulrichsviertel hinunter. Das ehemalige Handwerkerquartier mit seinen kleinen Gassen, Giebelhäusern, Hinterhöfen, Brücken und Lechkanälen, die es durchfließen, hat seinen ganz besonderen Charme.

Brechthaus und Fuggerei…

Unbedingt anschauen solltet ihr dort die evangelische Barfüßerkirche oder St. Jakob, im 13. Jahrhundert von den Franziskanern (Barfüßern) erbaut. Nur noch die Mauern standen nach dem zweiten Weltkrieg. Der puristische Backsteinbau heute besteht hauptsächlich noch aus dem ehemaligen Chor und wirkt durch seine reduzierte, strenge Form. Die Barfüßerkirche ist auch die Taufkirche von Bertolt Brecht, der hier im Viertel aufgewachsen ist. Keine 50 Meter entfernt befindet sich das Brechthaus, wo der Dramatiker und Verfasser der Dreigroschenoper 1898 geboren wurde.

Ebenfalls im Lechviertel liegt die Fuggerei, die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Reihenhaussiedlung stiftete Jakob Fugger „der Reiche“ im Jahr 1521. Heute wohnen in den 140 Wohnungen der 67 Häuser 150 bedürftige katholische Augsburger Bürger für eine Jahres(kalt)miete von 0,88 Euro. Sie sprechen dafür täglich einmal ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria für den Stifter und die Stifterfamilie Fugger. Bis heute wird die Sozialsiedlung aus dem Stiftungsvermögen Jakob Fuggers unterhalten.

Unsere Geheimtipps

1. entlang der Lechkanäle durch die Altstadt spazieren
2. in den Gärten und Innenhöfen der Fuggerei die Sonne genießen 3. die über 20 Brunnen zählen: der Original-Herkules, -Augustus und -Merkur stehen im Lichthof des Maximilianmuseums,
4. in die meditative Schlichtheit der Moritzkirche eintauchen
5. wenn ihr mit Kindern unterwegs seid: besucht den Jim Knopf auf dem Lummerland-Spielplatz!
6. im Rokoko-Garten des Schaezlerpalais entschleunigen 7. einem Konzert im Leopold-Mozart-Haus lauschen

Afrahügel und Lummerland…

Von hier könnt ihr nun weiter stadtauswärts Richtung Stadtgraben und Lech schlendern oder über den Holbeinplatz und Afrawald zur Päpstlichen Basilika St. Ulrich und Afra spazieren, deren Zwiebelturm schon von weitem sichtbar ist. Die letzte große spätgotische Kirche in Schwaben ist Wallfahrtskirche, Abteikirche für das Benediktinerkloster, Münster, Garnisonkirche und Glaubensdenkmal für das Augsburger Großbürgertum.

„Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer…“, erinnert ihr euch noch? An das Urmel, Wutz das Schwein, Professor Tibatong, Jim Knopf, Lukas den Lokomotivführer und Emma die Lokomotive? Im ehemaligen Heiligengeistspital ist seit 1948 die Augsburger Puppenkiste untergebracht – eine Pilgerstätte für große und kleine Puppentheaterfans…

Entlang der Maximilianstraße…

Zurück auf der Maximilianstraße solltet ihr euch auf keinen Fall das Schaezlerpalais entgehen lassen. Das einstige Stadtschloss des Bankiers Benedikt Adam Freiherr von Liebert, Edler von Liebenhofen beherbergt die städtischen und staatlichen Kunstsammlungen. Eine 100 Meter lange barocke Enfilade mündet in den berühmten Rokoko-Festsaal, wo bereits Marie-Antoinette tanzte. Toll: das Museumscafé, das an das Liebertzimmer angrenzt und der nach historischen Zeichnungen gestaltete Rokoko-Garten.

Ihr kommt an den Fuggerhäusern vorbei, dem ersten Bau nördlich der Alpen, der im Stil der italienischen Renaissance errichtet wurde. Der Damenhof und den Serenadenhof sind öffentlich zugänglich. In den Fuggerhäusern hielten sich mehrfach Kaiser des Hauses Habsburg auf, 1518 fanden hier die Streitgespräche zwischen Martin Luther und Kardinal Cajetan statt und und Wolfgang Amadeus Mozart gab 1777 ein legendäres Konzert.

Unsere Museums-perlen

1. das Maximilianmuseum,
2. das Schaezlerpalais 3. das Fugger- und Welser-Erlebnismuseum
4. das Brechthaus (bis Ende April geschl.) 5. das Römerlager
6. das Staatliche Textil- und Industriemuseum tim in der ehemaligen Kattunfabrik 7. das H2 im Glaspalast 8. das Jüdische Museum Augsburg und die ehemalige Synagoge Kriegshaber 9. das Diözesanmuseum 10. die Augsburger Puppenkiste

Moritzkirche und Fuggerplatz…

Über das Apothekergässchen erreicht ihr das Zeughaus, gut zu erkennen an seiner grau-weißen Renaissance-Fassade, das ebenfalls von Elias Holl bis 1607 erbaut wurde. Im Innenhof ist ein gemütlicher Biergarten. Übergangsweise werden hier auch in der toskanischen Säulenhalle die Exponate des Römischen Museums Augsburg präsentiert. Die Ausstellung beinhaltet eine Sammlung verschiedener Epochen mit dem Schwerpunkt in der Römerzeit, darunter auch den Pferdekopf einer Quadriga, der aus der Wertach geborgen wurde.

Ein wenig bekannter und verborgener Schatz ist die Moritzkirche gegenüber: sie ist eine der ältesten Kirchen Augsburgs und ein Gesamtkunstwerk. Zu ihrem 1000-jährigen Jubiläum 2019 wurde der Innenraum durch das Architekturbüro John Pawson aus London neu gestaltet. Der weiße, moderne Innenraum und das Lichtkonzept wurden vielfach international ausgezeichnet.

Das Maximilianmuseum ist das älteste Museum der Stadt. Es wurde im Jahre 1854 eröffnet und beherbergt eine umfangreiche Sammlung Goldschmiedekunst, Bronzekunst der Spätrenaissance, wissenschaftliche Instrumente, Uhren und Automaten und historische Modelle, die die bewegte Geschichte der Reichsstadt Augsburg erzählen.

Über die Annastraße erreicht ihr wieder unseren Ausgangspunkt und den Königsplatz.

Mehr City-Tipps…

Alle Infos zu Sehenswürdigkeiten, Unterkünften, Führungen, Museen und Terminen findet ihr bei Augsburg Tourismus und in der Tourist-Information am Rathausplatz 1.
Unser Frühlingstipp: der Osterplärrer, das größte Volksfest Schwabens, mit Kirmes, Bierzelten und Schausteller-Buden findet wieder statt: vom 17. bis April bis 1. Mai 2022 .
Im Sommer: vom 26. bis 31. Juli wird der Kanuslalom WM 22 auf der Olympischen Kanuslalomstrecke am Eiskanal ausgetragen, wo vor 50 Jahren auch die Athleten der Sommerspiele München 1972 um Medaillen kämpften.

Melina Rauh, Ania Hillenbrand & Nathalie Schwaiger

Fotos: Nathalie Schwaiger, Ania Hillenbrand & Augsburg Tourismus

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