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Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

by Sabine Wieshuber

Mit diesem Beitrag feiern wir eine kleine Premiere auf den Museumsperlen und stellen erstmals ein Ausstellungsprojekt vor, welches von Studierenden der Ludwig-Maximilians-Universität in München unter der Leitung von Kerstin Pinther (LMU) und Alexandra Weigand kuratiert wurde. Begonnen im Oktober 2015 läuft die daraus resultierende Ausstellung „Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa“ vom 3. Februar bis zum 12. März 2017 an vier verschiedenen Orten in München.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Gestaltung und Designpraxen in Afrika. Formfindungen (Forms) werden als Resultate eines wechselseitigen Austausches zwischen Afrika und Europa, aber auch zwischen alltäglichen und älteren gestalterischen Grundlagen (Flows) betrachtet. Damit schließt die Ausstellung an den Global Turn in den Kunst- und Designwissenschaften an: Designgeschichten global zu verorten bedeutet einerseits von Gestaltung als einer überall anzutreffenden Praxis auszugehen, andererseits verbindet sich damit auch eine kritische Haltung gegenüber dem eurozentristischen Blick, der oftmals bis heute von simplen Dichotomien von traditionell – modern, handwerklich – industriell, formell – informell geprägt ist. Anstelle einer einseitig (westlich) geschriebenen Designgeschichte entstehen somit vielfältige Designgeschichten.

Die vier verschiedenen Ausstellungsorte in München beheimaten fünf Stationen:

Formen der Moderne (Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42)

Formen der Kooperation/Partizipation (Kunstraum, Holzstraße 10, RGB)

Stoff-Wechsel (in den Räumen der Galerie Karin Wimmer, Amalienstraße 14)

Transform(N)ation und Spekulative Formen (beide Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40)

Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

Formen der Kooperation/ Partizipation: Cheick Diallo, Table Caba, 2012, Metall und Nylonschnur, Photo: Diallo Design.

Die Station Formen der Moderne führt an den Beginn des 20. Jahrhunderts und untersucht einerseits die Bedeutung von Objekten aus Afrika für die Formgenesen im Bereich der angewandten Kunst in München, Zürich und Paris. Zugleich zeigt sie, wie eng verwoben gestalterische Reformbewegungen, etwa des Arts and Crafts, mit ökonomischen und kolonialen Prämissen waren. Zeitgenössische Designpositionen, die diese Migrationen von Formen und Konzepten, nicht nur sichtbar machen, sondern auch kritisch reflektieren, sind ebenfalls Teil dieser Station.

Formen der Kooperation/Partizipation befasst sich mit den sozialen und politischen Dimensionen des Designs und richtet den Blick auf Formen, die durch Kooperation, Austausch und Dialog sowie dem flow von Konzepten, Ideen und Praxen entstanden sind. Hier wird der Frage nachgegangen, ob Artefakte soziale oder politische Dimensionen erlebbar machen können. Formen der Kooperation/Partizipation zeigt auch die Ergebnisse und Objekte eines Workshops mit Cheick Diallo und Cucula in Bamako/Mali, der der Ausstellung vorausgegangen ist.

Die Station Stoff-Wechsel rückt das Material als Träger von Bedeutungen sowie das Prinzip seines Wechsels (von einer Materie in eine andere) in den Vordergrund. Während solche Übersetzungen in Europa lange Zeit überwiegend negativ besetzt waren und als bloße Nachahmung, Kopie oder Täuschung galten, spielen ‚Stoffe’ und Stoff-Wechsel als Sujets in der Kunst Afrikas eine wichtige Rolle und sind gängiges Verfahren im zeitgenössischen Design. Transformationen und Übersetzungen sind hier in kritischer, manchmal auch spielerischer Absicht, Ausdruck von Modernisierung, Demokratisierung, Re- Evaluierung.

Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

Spekulative Formen: Markus Kayser, Solar Sinter, 2011, Solar Sinter in the Saharan desert near Siwa, Egypt, Photo: Amos Field Reid.

Transform(N)ation widmet sich dem Design zur Zeit der Unabhängigkeitswerdung afrikanischer Staaten ab Mitte der 1950er bis in die 1970er Jahre. Hier tritt die politische und emanzipatorische Facette des Design-Handelns besonders deutlich hervor und die gestalterischen Möglichkeiten, einer gesellschaftlichen Befreiung Form zu verleihen werden eruiert. Formen von Aufbruch, nation-building und Identität entstehen hier im Spannungsfeld global zirkulierender Konzepte und im Rückgriff auf eigene lokale Traditionen. Diese finden ihren Ausdruck in Architekturen, Magazinen und in der Mode und werden von zeitgenössischen Positionen gerahmt.

Spekulative Formen beschäftigen sich mit Formentwicklungen im Spannungsfeld von Technologie, Ökonomie und Gesellschaft. Diese in der Gegenwart verankerten Zukunfts-Szenarien basieren auf neuen Technologien, Materialien und Produktionsmethoden, transnationalen Netzwerken sowie alternativen Infrastrukturen: Sie transportieren gesellschaftliche Visionen und können Paradigmenwechsel einleiten, aber auch deren Schattenseiten und Dystopien zum Ausdruck bringen.

Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

Stoff-Wechsel: Dokter and Misses, Kassena Collection, 2015, Photo: Vatic.

 

Laufzeit: 3. Februar–12.März 2017

Mehr Informationen gibt es auf dem Blog des Ausstellungsprojekts.

Flow of Forms/Forms of Flow ist eine Kooperation des Instituts für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Architekturmuseum der TUM, dem Museum Fünf Kontinente sowie dem Kunstraum. Sie findet an diesen Orten und in den Räumlichkeiten der Galerie Karin Wimmer statt.

Kuration: Prof. Dr. Kerstin Pinther und Alexandra Weigand, Dipl. Des./M.A. mit Studierenden der Kunstgeschichte der LMU: Katharina Ehrl, Sonja Hull, Ronja Merkel, Zoe Schoofs, Mareike Schwarz, Agnes Stillger, Jana Katharina Walter, Niklas Wolf, Nicola Zierhut. Kuratorische Assistenz: Katharina Ehrl M.A. und Agnes Stillger M.A. Beratung im Museum Fünf Kontinetne: Dr. Stefan Eisenhofer, Karin Guggeis M.A.

Projektpartner: Cheick Diallo/Diallo Design (Bamako, Mali) und das Berliner Modellprojekt CUCULA, Refugees Company for Crafts and Design, Igo Lassana Diarra, Centre La Médina Art & Culture (Bamako, Mali).

Förderer: Die Ausstellung wird im Rahmen des TURN Fonds der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Förderer sind das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und der Freundeskreis des Kunsthistorischen Instituts.

Flow of Forms/Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa

 

Jana Walter

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