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Mit Gamsfuß im Gepäck zur Landesausstellung- das Stadtmuseum Kaufbeuren

by Anna Blenninger

Unsere Reise #AufdemHolzweg wird heute steil und steinig – es geht in die Berge! In einem Schlenker streifen wir zur Eröffnung die Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ im Kloster Ettal am Fuß der Alpen. Doch ihr dürft gespannt bleiben! Wie versprochen führt unsere Route nicht auf direktem Weg zum Ziel und es warten noch einige Museumsperlen darauf, aufgelesen zu werden. So ist es auch mit diesem Objekt, einem ganz besonderen Briefbeschwerer, das als seinen Weg vom Stadtmuseum Kaufbeuren bis in die Bayerische Landesausstellung hinter sich gebracht hat.

 

Petra Weber M. A., Stadtmuseum Kaufbeuren

Was hat ein präparierter Gamsfuss montiert auf einem Marmorsockel in der Sammlung des Stadtmuseums Kaufbeuren verloren? Wer zur Beantwortung dieser Frage nach stadtgeschichtlichen Bezügen zur ehemaligen Reichsstadt Kaufbeuren sucht, der befindet sich tatsächlich #AufdemHolzweg. Der eigenwillige Briefbeschwerer hat mit Kaufbeuren selbst wenig zu tun, allerdings stammt er aus dem Nachlass eines der berühmten Söhne der Stadt: Dem Erfolgssautor Ludwig Ganghofer (1855-1920). Im Jahr 1928 wurde ein Teil seines Nachlasses seiner Geburtsstadt Kaufbeuren vermacht, wo im örtlichen Heimatmuseum die sogenannten „Ganghofer-Gedenkstätte“ eingerichtet wurde. Die umfangreiche Sammlung an unterschiedlichsten Gegenständen aus Ganghofers Privatbesitz bilden auch heute noch die Grundlage für die Präsentation des Autors in der Dauerausstellung des Stadtmuseums Kaufbeuren. Der erwähnte Briefbeschwerer ist in diesem Jahr – neben zwei weiteren Objekten – als Leihgabe zu Gast in der diesjährigen bayerischen Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ im Kloster Ettal.

Mit Gamsfuß im Gepäck zur Landesausstellung- das Stadtmuseum Kaufbeuren

Briefbeschwerer aus dem Nachlass von Ludwig Ganghofer: präparierter Gamsfuß auf Marmorsockel, um 1900, Foto: Stadtmuseum Kaufbeuren, Inv.-Nr. 2299

Ludwig Ganghofer zählt zu den meistgelesenen, deutschsprachigen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Hochland- und Heimatromane zeichnen die Schicksale und Erlebnisse einfacher Menschen vor der Kulisse der bayerischen Bergwelt nach, wodurch er ein breites Lesepublikum erreichte. Schätzungen zufolge liegt seine Gesamtauflage bei 30-40 Millionen Büchern. Durch billige Volksausgaben, aber auch durch viele Verfilmungen seit den 1910er Jahren bis in die 1970er Jahre erfuhr seine Prosa eine enorme Verbreitung.

1855 in Kaufbeuren geboren als Sohn des Försters August Ganghofer, war Ludwig die Jagdleidenschaft bereits in die Wiege gelegt. Die Begeisterung für den Wald und die Jagd prägte nicht nur Ganghofers Biographie, sondern insbesondere die unzähligen von ihm verfassten Bühnenstücke, Erzählungen und Hochlandromane. Als Geschenk für den Abschluss seines Studiums der Literaturgeschichte und der Philosophie mit der Promotion durfte er etwa 1880 erstmals im Gebirge nahe der Ortschaft Fall, in dem auch die Handlung seines Romans „Der Jäger von Fall“ von 1884 spielt, auf die Jagd. Ab 1896 pachtete er eine Jagd im Gaistal in Tirol zwischen Leutasch und Ehrwald und verbrachte fortan einen Großteil der Zeit in seinem dortigen Jagdhaus Hubertus. Dort entstanden zahlreiche seiner Romane und er beherbergte dort häufig Gäste, darunter viele Schauspieler, Künstler, Musiker und Verleger.

Mit Gamsfuß im Gepäck zur Landesausstellung- das Stadtmuseum Kaufbeuren

Schützenscheibe aus dem Nachlass von Ludwig Ganghofer mit Darstellung des Jagdhaus Hubertus im Gaistal in Tirol, Foto: Stadtmuseum Kaufbeuren, Inv.-Nr. 3733

Das Jagdhaus ist auf einer Schützentafel zu sehen, die zum Ludwigstag 1909 ausgelobt wurde und ebenfalls aus dem Nachlass Ganghofers stammt. Die Jagdleidenschaft Ganghofers zeigt sich auch an einer Reihe von weiteren erhaltenen Trophäen und -utensilien aus seinem Nachlass. So können interessierte Besucher in der Dauerausstellung des Stadtmuseums „Mit spitzer Feder“ beispielsweise auch Ganghofers Hörmuscheln entdecken, die bei der Auerhahn- oder Schnepfenjagd zum Einsatz kamen.

Neben Ganghofers Faible für die Jagd zeigt das Stadtmuseum anhand einer Reihe von Objekten auch Seiten an Ganghofer, die vielleicht in der Öffentlichkeit nicht so geläufig sind – etwa seine Begeisterung für die Naturwissenschaften und Apparaturen für elektrophysikalische Experimente. Um diese Gegenstände zu entdecken sind die Besucher buchstäblich dazu eingeladen hinter die Kulissen zu blicken, Schubladen und Guckfenster zu öffnen um weitere Facetten aus Ganghofers Leben und Wirken zu entdecken.

Mit Gamsfuß im Gepäck zur Landesausstellung- das Stadtmuseum Kaufbeuren

Blick in die Dauerausstellung des Stadtmuseums – Abteilung „Mit spitzer Feder – Ludwig Ganghofer“, Foto: Zooey Braun / Stadtmuseum Kaufbeuren

Stadtmuseum Kaufbeuren
Kaisergäßchen 12-14
87600 Kaufbeuren
08341-966 83 90
Di-So, 10-17 Uhr, an Feiertagen auch montags geöffnet

Das Stadtmuseum Kaufbeuren ist auch auf Instagram unterwegs!

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