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Der Faun erwacht… ein erster Blick hinter die Kulissen der Glyptothek

by Theresa Geßler

Münchens ältestes öffentliches Museum, Münchens schönstes Museum, das einzige Museum auf der Welt, das allein der antiken Skulptur gewidmet ist… der Glyptothek am Königsplatz werden viele Superlative zugeschrieben! Gegründet hat das 1830 eingeweihte Museum der bayerischen König Ludwig I., entworfen wurde es von seinem Architekten Leo von Klenze. Die meisten der ausgestellten griechischen und römischen Marmorskulpturen hat der Künstler Martin von Wagner damals im frühen 19. Jahrhundert eigens für die Einrichtung der Glyptothek in Rom gekauft. Wer kennt sie nicht, den lasziven „Barberinischen Faun“, die beiden einzigartigen Giebelgruppen der „Ägineten“, den reizenden „Knaben mit der Gans“ oder die provokante „Trunkene Alte“?

Nun ist die immer schon antik wirkende ‚klassische Schönheit‘ in die Jahre gekommen und wird seit Herbst 2018 generalsaniert. Gerade wurde der erste von zwei Bauabschnitten beendet. Zeit für einen ausführlichen Rückblick auf Erreichtes und eine kleine Vorschau auf das, was noch kommt.  Pünktlich zur Wiedereröffnung der Glyptothek am 26. März 2021 haben wir den Leitenden Sammlungsdirektor, Dr. Florian S. Knauß, zum Interview getroffen.

Ein Interview mit Dr. Florian S. Knauß, Museumsdirektor der Glyptothek

Weshalb musste die Glyptothek eigentlich saniert werden?

50 Jahre hat man fast nichts in den Unterhalt des Gebäudes investiert. 2018 war die gesamte Haustechnik nicht nur veraltet, sondern drohte, in weiten Teilen auszufallen. Was das bedeutet hätte, etwa für die Sicherheit der Sammlung, können Sie sich sicher vorstellen.

Technisch ist so eine Sanierung sicherlich sehr aufwendig. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Manches ist jetzt moderner, aber vor allem das handwerkliche Geschick, etwa beim Einsetzen der riesigen Fensterscheiben, und die Zähigkeit der Spengler und Steinmetze, die bei Wind und Wetter ihre Arbeit hervorragend erledigt haben.

Wo waren die antiken Skulpturen in der Zwischenzeit untergebracht?

Die blieben im Haus. Weil der Transport in ein Lager mit großen Risiken verbunden ist, haben wir uns dafür entschieden, die Skulpturen lediglich in den Sälen zusammenzustellen und zu ihrem Schutz einzuhausen. Außerdem hat uns diese Lösung sehr viel Geld gespart.

Was ist neu und anders an der frisch sanierten Glyptothek?

Neben der Haustechnik (Elektrik, Heizung, Lüftung), von der der Besucher kaum etwas mitbekommt, gibt es Neuerungen vor allem bei den Garderoben bzw. den ganz neuen Schließfächern und im Sanitärbereich sowie eine Vielzahl von Verbesserungen im Sinne der Barrierefreiheit. Anders ist auch die Treppe zum Haupteingang. Aber für mich bzw. für unsere wunderbaren Skulpturen die größte Verbesserung sind die neuen Fensterscheiben. Jetzt kommt noch mehr Tageslicht in die Ausstellungssäle. Das ist atemberaubend.

Wie lange dauert der 2. Bauabschnitt und was erwartet uns nach dessen Fertigstellung?

Im Juni soll auch der 2. Bauabschnitt, d.h. die Außenarbeiten abgeschlossen sein. Dann wird man – wie jetzt schon im Norden – auch an der West- und Ostfassade den wieder farbig gefassten Putz bewundern können. Zusammen mit der Sanierung des lange vernachlässigten Bauschmucks am Gebälk und auf dem Dach erhält die Glyptothek dadurch ihren einstigen Glanz zurück. Sie erinnert endlich wieder an einen griechischen Tempel. Trotzdem bleiben die Spuren der Zeit überall sichtbar. Weil im Innenhof fortan Rosen Efeu und wilden Wein ersetzen, kommt auch dort die schöne Fassadengliederung wieder zur Geltung.

Was freut Sie persönlich am meisten an der Sanierung?

Dass die Glyptothek tatsächlich innen wie außen noch schöner geworden ist. Ich kenne kein Museum auf der Welt, wo Skulpturen eindrucksvoller präsentiert werden. Das verdanken wir früheren Generationen. Die Glyptothek ist für einen Archäologen eine heilige Stätte. Deshalb hatten wir zu Beginn der Sanierung große Sorge, falsche Entscheidungen zu treffen. Hier ist jedes Detail wichtig. Mein Stellvertreter und ich haben uns keine einzige Entscheidung leicht gemacht. Und: mit knapp über 15 Mio. Euro Gesamtkosten bleiben wir gut 2 Mio. Euro unter dem Bauetat.

Der Faun erwacht... ein erster Blick hinter die Kulissen der Glyptothek
Eine schöne Römerin mit Ähren und Mohn erwartet euch im Saal Nr. 11

Gibt es etwas Besonderes zur Wiedereröffnung der Glyptothek?

Wir eröffnen mit einer Sonderausstellung zu Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. (bis 25. Juli 2021). Das waren zwei Persönlichkeiten, die nicht nur für die Glyptothek, sondern für München ganz allgemein eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Spuren, die Ludwig hinterlassen hat, sind vielleicht noch vielen bewusst, doch was uns der Däne Thorvaldsen, vor 200 Jahren der berühmteste Künstler seiner Zeit, hinterlassen hat, ist leider weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl es vor unseren Augen steht.

Wann können wir wieder einen Kaffee im Innenhof trinken?

Das kann ich leider nicht beantworten. Wenn es nach mir ginge, sofort. Es ist alles hergerichtet, auch im Hinblick auf die Hygiene unter Pandemiebedingungen. Aber wir müssen warten, bis Gastronomie – zumindest im Freien – wieder öffnen darf.

Der Faun erwacht... ein erster Blick hinter die Kulissen der Glyptothek
Die Antikensammlungen gegenüber warten noch auf Sanierung…

Und wann werden die Antikensammlungen saniert?

Jetzt bräuchte ich wieder eine Glaskugel. Aber eigentlich müssten wir eher heute als morgen damit beginnen, denn dieses Museumsgebäude ist noch weit sanierungsbedürftiger als es die Glyptothek vor zweieinhalb Jahren war. Erschwerend kommt hinzu, dass die Antikensammlungen das eklatante Gegenteil von barrierefrei sind. Ein Rollstuhlfahrer kommt erst gar nicht hinein. Das ist untragbar. Eine Sammlung von Weltrang sollte allen in bestmöglicher Form zugänglich sein.

Der Faun erwacht... ein erster Blick hinter die Kulissen der Glyptothek
Laomedon – der verwundete König im Kampf um Troja aus dem Ostgiebel des Aphaiatempels von Ägina

Noch eine persönliche Frage: Was interessiert Sie als Archäologe am meisten?

Als Sammlungsleiter staune ich jeden Tag von neuem über die zeitlose Schönheit und handwerkliche Qualität der Objekte. Als Ausgräber versuche ich, herauszufinden und besser zu verstehen, wie Menschen im Altertum gelebt haben und was sie bewegt hat. In beiden Rollen lerne ich ständig etwas über den Mensch an sich.

Auf was freuen Sie sich ganz besonders 2021?

Da gibt es eine lange Liste von Ereignissen. Es beginnt mit der Wiedereröffnung der Glyptothek und setzt sich mit vielen weiteren spannenden Ausstellungen und Projekten fort. Ganz persönlich freue ich mich jedoch, wenn ich hoffentlich bald wieder mehr Zeit für meine Familie habe. Die kam in den letzten zwei Jahren deutlich zu kurz.

Wusstet ihr, dass es in der Glyptothek mehrere Medienguides zum Herunterladen gibt? Einer ist auch speziell für Kinder gemacht – wie wäre es mit einer spannenden Reise in die Antike in den Osterferien…

Astrid Fendt / Fotos: Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, A. Fendt und R. Kühling

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