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#15shadesofgreen Nr. 3 #grünergehtnicht

by Sabine Wieshuber

Früher war’s grüner! Schaut euch doch mal in eurem Büro um…. Oder in der Wohnung. Da gibt’s Schwarz, Weiß, gegebenenfalls auch ein bisschen Rot und Blau, Beige, verschiedene Holztöne, stimmt’s? Aber Grün? Außer den Zimmerpflanzen natürlich…

Ein retro-grüner Gastbeitrag vom Deutschen Museum

Wie viel grüne Autos habt ihr in der letzten Zeit gesehen? Grün darf vielleicht noch ein Traktor sein. Oder ein Mercedes der G-Klasse, der von einem Oberförster gefahren wird. Oder ein Panzer, der aber nur aus Tarnungsgründen. Früher war das ganz anders. Meine erste Freundin fuhr eine grüne Ente, und das war auch gut so. Heute haben wir vielen Dingen das Grünsein abgewöhnt. Den Buchstaben auf den Computerbildschirmen, sogar den früher froschgrünen Lederkombis der Motorradpolizisten und den Polizeiuniformen überhaupt. Früher hatte man eindeutig mehr Mut zum Grün. Das dokumentiert ein kleiner Auszug aus der Sammlung des Deutsches Museums.

#15shadesofgreen Nr. 3 #grünergehtnicht
Ein Relikt aus „vor-digitaler“ Urzeit. Foto: Samoa ED, Deutsches Museum

Wenn man in unserer Museums-Datenbank nach grünen Objekten sucht, findet man weit mehr als einen Farbton. Also mindestens 50 Schattierungen. Von einer Nähmaschine mit dem schönen Namen Grashüpfer, dem Kleinlastwagen Goliath, der bei uns im Verkehrszentrum steht, von Traktoren bis hin zu einer Dose Motorenöl oder einem Modell eines Rennwagens in Lotus-grün. Und wenn man dann ein bisschen nachdenkt, fallen einem von früher noch ein paar Marken und Dinge ein, die eindeutig grüner waren. Warum das so ist? Nun, die Farbe Grün hat in den letzten Jahrzehnten ein eindeutiges Profil gewonnen. Das liegt (auch) an der Partei, die die Farbe im Namen trägt. Wenn Sie heute noch ein grünes Firmenlogo finden, dann hat das meist etwas mit biologischen Nahrungsmitteln, mit Landwirtschaft oder Artverwandtem zu tun.

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So grün klang das Harmophon, die große Schwester der Mundharmonika. Foto: Deutsches Museum

Das Grün hat sozusagen seine Neutralität verloren, ist – wie keine andere Farbe – eindeutig determiniert. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber dass Grün auch mal für Hoffnung stand und man Banken-Logos so einfärbte, ist heute auch nicht mehr die Regel. Vielleicht hat das auch was mit den Banken, der Hoffnung und den Renditen zu tun. Allenfalls assoziiert man mit der Farbe noch Gesundheit und Chirurgen, womit wir ebenfalls im Bereich der Hoffnung wären.

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Der Opel Laubfrosch war das erste Auto, das ab 1924 in Deutschland am Fließband gefertigt wurde und ist vielleicht der Ursprung der Redewendung „Dasselbe in grün“. Foto: Deutsches Museum

Wo war ich? Ach ja, beim Grün. Eigentlich ist Grün eine sehr positiv besetzte Farbe. Den Menschen geht beim Anblick eines frühlingshaften Buchen-Urwaldes, durch den das Sonnenlicht schimmert, das Herz auf. Warum dann technische Gebrauchsobjekte mit dieser Farbe nicht denselben positiven Touch bekommen? Nun, man spürt den Schwindel. Ein grünlackiertes SUV wirkt durch die Farbe kein bisschen naturnäher. Das merkt man auch schon beim Begriff Greenwashing. Früher ging das. Der grüne Goliath, die grüne Ente, all das wirkte ungeheuer knuffig und niedlich, und diese Niedlichkeit ist den meisten unserer heutigen Gebrauchsobjekte abhandengekommen. Die Dinge wollen einfach nicht mehr niedlich sein, sondern cool. Und da ist ein Graubraunmetallic oder Schwarz vielleicht hilfreicher.

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Wegen seiner Farbintensität geschätzt, für seinen hohen Arsen-Anteil gefürchtet… Foto: D. Dahmer, Deutsches Museum

Wer würde heute noch giftgrüne Kleidung tragen wollen? Brrr. Ich traue mich damit sicher nicht vor die Tür. Auch nicht im Frühling oder am Gründonnerstag. Wenn mich dagegen mal jemand in einer grünen Ente oder einem grünen Goliath mit ins Grüne nähme … Darüber ließe sich reden.

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Grüner Fingerzeig: die „Kieler Puppe“ aus transparent-grünem Plexiglas wird als Schablone zur Konzeption von ergonomischen Sitzmöbeln verwendet. Foto: K. Mosch, Deutsches Museum

Vom 24. Juni bis 15. September 2019 zeigt die Sonderausstellung „Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert“, eine Präsentation des ZBW – Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft mit spannenden Filmen und Experimentier-Stationen über die Welt des wissenschaftlichen Arbeitens im digitalen Zeitalter.

Das Deutsche Museum München wird nach dem Umbau 2020 noch toller und größer: freut euch auf 20 neue Ausstellungen und eine schicke Rooftop-Terrasse mit Isarblick. Außerdem eröffnet nächstes Jahr auch noch die Zweigstelle, das Deutsche Museum Nürnberg…

Abb. ganz oben: Grüne Welle für den schnittigen kleinen Rennwagen in Lotus-Grün. Foto: K. Henkel, Deutsches Museum

Gastbeitrag von Gerrit Faust, Deutsches Museum

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