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Gletscher in Patagonien

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt… diesen Winter am Jexhof

by Theresa Geßler

Seit dem Eintreffen des modernen Menschen in Europa vor etwa 40.000 Jahren hat sich unser Planet gründlich verändert. Wird es also die nächste, klimazyklisch bevorstehende Kaltzeit überhaupt geben? Oder steht uns eine weitere Warmzeit mit Flusspferden in den Rheinauen bevor?
Wie die letzte Eiszeit war, das erfahrt ihr im Jexhof in Schöngeising: dort steht ein Wiesenmammut am Wegesrand, führt ein Geopfad entlang des Kellerbachs, könnt ihr den Eiszeitgarten vor dem Bauernhof und die aktuelle Sonderausstellung erkunden: „Eiszeit(en). Gletscher, Mammut und Moränen“ (noch bis 7. Februar 2021)!

Ein Gastbeitrag aus dem Bauernhofmuseum Jexhof

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt... diesen Winter am Jexhof
Rekonstruktion eines Wollnashorns im Jexhof

Ein ästhetisch perfekt an das Thema Eiszeit angepasster Ausstellungsraum

Weißer Boden, abgeschrägte, spitz aufeinander zulaufende weiße Wände, die an Eisberge erinnern, verstärkt durch das eisblau leuchtende Lichtband in den Bodenfugen – es ist ein Gefühl von arktischer Kälte, wie man es eben mit der Eiszeit verbindet, das die BesucherInnen gleich zu Beginn der Ausstellung in ihren Bann zieht. Doch die moosgrünen Tundrakugeln, die zwischen den unterschiedlich großen Schneekugeln hängen, lassen ahnen, dass die Welt der Eiszeit keine ausschließlich weiße war. Ausstellungsgestalterin Ruth Strähhuber hat hier einen ästhetisch perfekt auf das Thema abgestimmten Ausstellungsraum geschaffen, wie man ihn vielleicht eher in einer Kunsthalle als in einem Bauernhofmuseum vermuten würde.  

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt... diesen Winter am Jexhof
Sichtlich zufrieden präsentiert Museumleiter Dr. Reinhard Jakob die neue Sonderausstellung

Der Jexhof: durch seine Lage der ideale Ausstellungsort zum Thema Eiszeit

Der Jexhof liegt in einer Geländemulde einer Jungmoräne. Somit ist er schon durch seine Lage wie geschaffen für eine Ausstellung zum Thema Eiszeit. Und so nimmt die Frage, wie die Eiszeiten unsere Landschaften geprägt haben, einen breiten Raum in der neuen Sonderausstellung ein. Ein Gipsmodell beispielsweise zeigt, wie der Vorstoß und der Rückzug des würmzeitlichen Isar-Loisach-Gletschers das Gelände um den nördlichen Bereich des Ammersees geformt haben. Die Silhouette des bis zu 1.300 Meter hohen Gletschers an der Wand dahinter macht sichtbar, wie niedrig im Vergleich dazu der Eiffelturm ist.
Hat man sich erst einmal bewusst gemacht, was Gletscher bei ihren Vorstößen alles an Geröll vor sich herschieben, kann man verstehen, warum sich Steine bis aus dem Engadin in der Umgebung des Jexhofs finden lassen.

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt... diesen Winter am Jexhof
Bei der Ausstellungseröffnung: 3. v. l. Ausstellungsgestalterin Ruth Strähhuber, Messebauer Mathias Knödel, wiss. Mitarbeiterin Elisabeth Lang. An der Wand im Hintergrund: Silhouette des Isar-Loisach-Gletschers

Wir leben in einem Eiszeitalter

Doch zuvor geht die Ausstellung den Fragen nach, was Eiszeiten eigentlich sind, warum und wie Eiszeiten entstehen und wann es Eiszeiten gab. Für manchen hier eine vielleicht überraschende Erkenntnis: Wir leben aktuell in einer Eiszeit, allerdings in einer Warmzeit. Drei Erdkugeln illustrieren das Aussehen unseren Planeten zu Zeiten unterschiedlicher Vereisung: vor 650 Mio. Jahren, vor 305 Mio. Jahren und vor 18.000 Jahren. Zudem helfen Video-Sequenzen, die komplexe Materie zu veranschaulichen.
Wissenschaftlich begleitet wurde die Ausstellung von PD Dr. Christoph Mayr vom Institut für Geografie am der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Neben seiner Fachkompetenz steuerte er auch zahlreiche Funde von Steinen und Fossilien zur Ausstellung bei.

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Blick in eine eisige Welt: die Eiszeitalter und die Erdkugel während verschiedener Eiszeiten

Ein unscheinbarer Höhepunkt der Ausstellung: Zwei winzige Klingenabschläge

Weitaus einfacher ist es, den BesucherInnen Flora, Fauna und die Welt der eiszeitlichen Menschen in unserer Gegend zu vergegenwärtigen.  Beeindruckend sind hier die zahlreichen Leihgaben insbesondere der Paläontologischen Staatssammlung: Sie reichen von dem Schädel einer Höhlenhyäne über die Geweihschaufel eines Elchs bis hin zu einem 1,5 Meter langen Stoßzahn eines ausgewachsenen Mammuts. Den Lebendrekonstruktionen eines Wrangel-Mammuts und eines jungen Wollnashorns möchte man am liebsten ihr Fell kraulen. Ein Mobile mit essbaren Pflanzen und eine Video-Sequenz zum Thema Kochen ohne Topf zeigen, wie sich die Eiszeitjäger ernährten. Repliken aus dem Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren machen die Kunstfertigkeit und die damit verbundene Gedankenwelt unserer Vorfahren etwa 40.000 Jahre vor heute sichtbar. Doch den etwas unscheinbaren Höhepunkt dieser Abteilung bilden zwei kleine Abschläge von Feuersteinklingen. Erst 2017 wurden sie bei einer Grabung in Germering-Nebel gefunden. Sie beweisen, dass die Eiszeitmenschen auch in unserer Gegend lebten.

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Nur zwei bis drei Zentimeter groß: die Sensationsfunde von Germering-Nebel

Ausblick: Kommt die nächste Eiszeit?

Unser Planet hat sich in den letzten 40.000 Jahren gründlich verändert. Andere klimatische Bedingungen und die Überjagung durch den Menschen haben die großen Säugetiere bei uns alle verschwinden lassen. Kann es erneut eine Kaltzeit geben, so wie wir sie zuletzt in der Eemzeit vor ungefähr 120.000 Jahren hatten? Diesen hochaktuellen Fragen geht die letzte Station der Sonderausstellung nach. Optisch untermalt von einem hier gelblich-orange schimmernden Lichtband.

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Deutlich weniger kühl: die Perspektiven für die Zukunft.

Eiszeitgarten und Geopfad trotzen Corona

Ergänzend zur Ausstellung wurden ein Eiszeitgarten vor dem Bauernhofmuseum und ein Geopfad entlang des Fußwegs hoch zum Jexhof angelegt.
Der 1.320 Meter lange Geopfad ermöglicht es, die 4.600 Mio. Jahre Erdgeschichte zu „erlaufen“. 1 Mio. Jahre entsprechen auf dem Pfad demnach einer Lineallänge von knapp 30 Zentimetern. In passender Relation zwischen Zeit und Entfernung greifen unterwegs 16 Stationen mit Infotafeln erdgeschichtlich relevante Ereignisse auf. Entscheidend für die Pflanzenauswahl des Eiszeitgartens war, dass sie alle zur letzteiszeitlichen Flora (ca. 115.000 bis 11.700 vor heute) in unserer Gegend gehörten. So wird den Besuchern des Jexhofs auch außerhalb der Öffnungszeiten thematisch Passendes geboten – selbst dann, falls es wegen einer zweiten Coronawelle zu einer erneuten Schließung der Museen kommen sollte.

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Der Eiszeitgarten vor dem Jexhof.

Wer mehr über die Ausstellung erfahren will, wird auch auf dem Youtube-Kanal des Museums fündig!

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Ausstellung „Eiszeit(en) – Gletscher, Mammut und Moränen
bis 7. Februar 2021
im Bauernhofmuseum Jexhof

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Lang, Bauernhofmuseum Jexhof

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