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Das fränkische Jerusalem – Das Jüdische Museum Franken in Fürth

by Anna Blenninger

Ein Gastbeitrag von Annemarie Schütz M.A., Jüdisches Museum Franken

In Franken soll es ein Jerusalem geben? Ja, genauer gesagt in Fürth. Und zwar schon lange. Die Betonung liegt allerdings auf „ein“ Jerusalem. Denn Jerusalem, eine heilige Stadt, wurden im Judentum früher alle Orte jüdischen Lernens und Lehrens genannt. Fürth war als solcher vom 17. bis ins 19. Jahrhundert berühmt, da hier einst die bedeutendsten Talmudschulen Süddeutschlands angesiedelt waren. An diese glanzvolle jüdische Geschichte Fürths erinnert das Jüdische Museum Franken – und seit Mai 2018 mehr als je zuvor.

Neue Freiräume zum Lesen, Nachdenken und Genießen

Im Mai 2018 hat das Museum nämlich seinen Erweiterungsbau eröffnet. Schon allein die archaisch anmutende, beige-ockerne Fassade ist eine eindeutige Anspielung Fassade auf den Tempelberg und auf Fürth als Zentrum der Gelehrsamkeit. Je nach Lichteinfall erzeugen die verschlämmten Klinkersteine ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten, die Wandoberfläche scheint fast lebendig zu werden.

Das fränkische Jerusalem - Das Jüdische Museum Franken in Fürth

Eine angenehme Arbeitsatmosphäre bietet die neu eingerichtete Krautheimer Studienbibliothek. ©Jüdisches Museum Franken, Fotografin Annette Kradisch, Nürnberg

Im Erdgeschoss des Neubaus finden ganzjährig von Konzerten bis hin zu Lesungen und Seminaren Veranstaltungen statt. Im ersten Stock befindet sich die Studienbibliothek, die mit einem Präsenzbestand von 12.000 Medien Forschende und alle Interessierte zum Verweilen einlädt. Über einen Verbindungssteg gelangen die Besucherinnen und Besucher in die Dauerausstellung zum jüdischen Leben in Franken im Altbau. Das historische Gebäude aus dem 17. Jahrhundert wurde einst von der Hoffaktorenffamilie Fromm bewohnt, die auch die erste hebräische Druckerei in Fürth gründeten. Highlights sind die bis heute erhaltene historische Laubhütte und das Ritualbad im Keller, die bis heute eindrucksvolle Zeugen jüdischen Alltags sind. Nicht zuletzt sind im Erdgeschoss in den neu eingerichteten museumspädagogischen Räumen (ehemaliger Empfang, Shop und Café) kleine Ausstellungen von Schülerinnen und Schülern zu sehen, die hier ihre Ergebnisse aus Workshops und Seminaren präsentieren.

Jüdisches Ritualbad Mikwe

Mikwe (Ritualbad), Erbaut von Salomon Fromm 1702 Jüdisches Museum Franken in Fürth © Jüdisches Museum Franken Fotografin: Annette Kradisch, Nürnberg

Nach dem Besuch der Dauerausstellung lädt das Café Mary S. Rosenberg im Neubau mit italienischen Kaffeespezialitäten und jüdischem Gebäck zum Entspannen ein. Im Sommer kann man sogar draußen sitzen – im schattigen Innenhof zwischen Alt- und Neubau findet sich garantiert ein lauschiges Plätzchen. Und wer möchte, kann im Museumsgarten an Blumen und Kräutern, die Bezüge zur fränkisch-jüdischen Geschichte oder der Bibel haben, schnuppern.

Cherchez la Femme. Perücke, Burka, Ordenstracht

Mit dem Neubau ist das Jüdische Museum Franken in Fürth nun doppelt so groß wie vorher und zählt zu den bedeutendsten Jüdischen Museen in Deutschland. Im neuen Wechselausstellungsraum im Untergeschoss ist pünktlich zur Eröffnung und noch bis zum 14. Oktober 2018 eine erste große Sonderausstellung zu sehen, was aufgrund des Platzmangels im historischen Altbau bisher nicht möglich war. „Cherchez la Femme. Perücke, Burka, Ordenstracht“, entwickelt vom Jüdischen Museum Berlin, geht den Ursprüngen religiöser Verhüllung in Judentum, Christentum und Islam nach und fragt, wie viel sichtbare Religiosität säkulare Gesellschaften heute vertragen. In Europa wird immer wieder über das religiöse Verschleierungsgebot gestritten. Burka und Kopftuch werden oft als Provokation oder fehlender Wille zur Integration verstanden. Scheitel, Tichel oder christliche Ordenstrachten spielen in der Debatte dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Das fränkische Jerusalem - Das Jüdische Museum Franken in Fürth

Eine Vielzahl männlicher Blicke begegnet uns zu Beginn der Ausstellung, Bild: © Jüdisches Museum Franken; Fotografien Annette Kradisch, Nürnberg

Die Ausstellung, in der ausschließlich Frauen zu Wort kommen, begibt sich auf die Suche nach der Frau hinter der der Verhüllung von Kopf und Körper. Sie ermöglicht den Besuchern neue Blicke auf und hinter die Kopfbedeckungen und zeigt, wie kulturelle und religiöse Traditionen heute gelebt werden: Mode, Symbol von Status, weiblicher Sittsamkeit und Gruppenzugehörigkeit, oder politisches Zeichen im Kampf um öffentliche Anerkennung. So viele Frauen es gibt, so viele verschiedene Gründe gibt es auch für die Verhüllung.

Das fränkische Jerusalem - Das Jüdische Museum Franken in Fürth

Federica Valabrega: Jüdische Familien am Strand. Coney Island, Brooklyn, New York, USA, 2011. © Courtesy oft he artist

 

Abb. ganz oben: Veränderlich wie ein Chamäleon und doch unverkennbar ist die Fassade des Neubaus aus verschlämmten Klinkersteinen. © Jüdisches Museum Franken, Fotografin: Annette Kradisch, Nürnberg

 

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