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Frischer Wind – Kanadische Impressionisten in der Kunsthalle München

by Sabine Wieshuber

Endlos lange Küsten und Strände, hohe Berge, einsame Wälder, Menschen bei der Ahornsafternte und indianische Totempfähle – eigentlich fehlen nur noch die Lachse und die Bären und das Bild wäre komplett: die neue Ausstellung in der Kunsthalle München nimmt euch mit auf eine künstlerische Reise nach Kanada. „In einem neuen Licht. Kanada und der Impressionismus“ lässt euch in Gedanken und Bildern in die Ferne schweifen…

Von Kanada geht es nach Europa, in die Karibik und zurück in die neue Welt, denn auch wenn das kaum bekannt ist: der Impressionismus war eine globale Bewegung. Auch in Kanada gab es viele impressionistische Künstler und Künstlerinnen, von denen einige fast in Vergessenheit geraten sind. Um so schöner ist es, die rund 120 Bilder, die zum großen Teil aus Privatbesitz stammen und daher selten ausgestellt wurden, nun versammelt zu sehen.

Frischer Wind - Kanadische Impressionisten in der Kunsthalle München
William Blair Bruce, Landschaft mit Mohnblumen, 1887, 27,3 × 33,8 cm, Öl auf Leinwand © Art Gallery of Ontario, Ankauf mit Unterstützung von Wintario, 1977. Foto: Art Gallery of Ontario 77/42

Reise um die Welt

Eigentlich kamen die Kanadier nach Europa, um die traditionellen Maltechniken an den Kunsthochschulen in Paris und London zu studieren – und fanden den Impressionismus. Fasziniert von der Freilichtmalerei und dem neuen Umgang mit Licht, wandten sich die Kanadier der neuen Malweise zu. Sieht man in den ersten Räumen somit vor allem bekannte impressionistische Sujets aus Frankreich, wie roter Mohn im Sonnenschein, Menschen bei der Heuernte und Pappeln am Fluss in Giverny, so zeigen uns die Bilder, die in Kanada entstanden sind, eine neue Welt. Schneelandschaften, Eis und Ahornbäume bestimmen nun die Bilder. Licht und Natur des Nordens schaffen nicht nur ganz andere Bedingungen für das Malen in der freien Natur, sondern verändern auch die Schatten und die Stimmung des Bildes. Was tun, wenn es so kalt ist, dass die Farben einfrieren? Wie kommt man zum Malen in die Natur, wenn alles eingeschneit ist? Es heißt, dass einige der Künstler dafür sogar Skifahren lernten…

Frischer Wind - Kanadische Impressionisten in der Kunsthalle München
Helen McNicoll, Sonniger September, 1913, 92 × 107,5 cm, Öl auf Leinwand © Sammlung Pierre Lassonde. Foto: MNBAQ, Idra Labrie

Eigenes Licht, eigene Kunst

Frischer Wind - Kanadische Impressionisten in der Kunsthalle München
Ausstellungsansicht mit „Gitwangak“ von Emily Carr, 1912 © Kunsthalle München

Mein Lieblingsbild von Emily Carr mit dem Titel „Gitwangak“ (1912) zeigt eine Gruppe hölzerner Totempfähle. Ein bisschen sehen die Figuren darauf aus wie kleine Teddybären und wirken doch beängstigend mit ihren leeren, schwarzen Augen. Durch die Wahl der Totempfähle der indigenen Bevölkerung als Motiv hat Emily Carr für sich eine Form der typisch kanadischen Kunst gefunden. Im August 1907 war sie mit ihrer Schwester nach Alaska gereist und hatte dort zum ersten Mal die Totempfähle der indigenen Bevölkerung gesehen, wie sie in ihrem Tagebuch festhält. Entsetzt angesichts des schlechten Zustandes, in dem sich viele von ihnen befanden, beschloss die Künstlerin, ihre Malerei und Zeichnungen der Dokumentation der noch existierenden Pfähle zu widmen. Erst in den 1920er Jahren gelang es ihr jedoch, ihre Bilder im Rahmen einer Gruppenausstellung zu zeigen.

Frischer Wind - Kanadische Impressionisten in der Kunsthalle München
Emily Carr, Emily, ihre Schwester und „La Totem“ bewundern einen Totempfahl in Sitka, 1907, Wasserfarben © Privatsammlung

Mit dem ‚typisch kanadischen‘ Impressionismus, so scheint es, verhält es sich ähnlich wie mit vielen Dingen in der Kunst: Das Eindeutige verschwindet bei dem Versuch, es zu fixieren. Kanada ist ein großes Land, voller verschiedener Sprachen und Kulturen, und das sieht man auch in den Bildern. Vielleicht ist diese Vielfalt das, was kanadische Kunst typisch kanadisch macht. Aber macht euch doch selbst ein Bild davon!

Die Ausstellung „In einem neuen Licht. Kanada und der Impressionismus“ ist noch bis 17. November 2019 in der Kunsthalle München zu sehen.

Oder schaut doch bei den Afterwork-Abenden vorbei: An jedem dritten Mittwoch im Monat lädt euch die Kunsthalle ein, die Ausstellung bis 22 Uhr zu genießen oder an einer Führung teilzunehmen – und anschließend im Café Kunsthalle bei Musik von DJ Alkalino und einem Glas Wein von Schnee und kanadischen Weiten zu träumen. Die nächsten Termine sind am 18. September und 16. Oktober 2019 jeweils ab 18:30 Uhr.

Bild ganz oben: Clarence Cagnon, Summer Breeze at Dinard, 1907, Öl auf Leinwand © Musée national des beaux-arts de Québec

Ein Gastbeitrag von Julia Viehweg, Kunsthalle München


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