Home Ausflugsperlen Schöner wohnen, arbeiten & ausstellen – Künstlerhäuser in Bayern

Schöner wohnen, arbeiten & ausstellen – Künstlerhäuser in Bayern

by Theresa Geßler

Sie faszinieren und sie begeistern uns. Wie arbeiteten und lebten Künstler und Künstlerinnen wie Gabriele Münter, Albrecht Dürer oder Rupprecht Geiger? Ihre „Künstlerhäuser“ und Ateliers gewähren nicht nur einen Einblick in ihr Leben und Werk – sie liegen meistens auch sehr schön und sprechen für die Kreativität und den Geschmack ihrer Bewohner. Unsere Zeitreise kreuz und quer durch die Jahrhunderte beginnt in Nürnberg zu Beginn der Renaissance und führt uns bis in die Gegenwart an den Schwabinger Bach. Sie nimmt euch mit nach Nürnberg und Neumarkt in der Oberpfalz, wo die Künstler*innen ihre Museen ganz nach ihrer Vorstellung gestalteten.

Oft sind die Künstlerhäuser echte Gesamtkunstwerke – sie sind Galerie, Atelier, Kunst-Tempel, Wohnraum und architektonische Meisterwerke zugleich. Kunstwerke vom Jugendstil bis zur zeitgenössischen Kunst können in besonderer Atmosphäre erlebt werden. Wir haben einige der schönsten Museen in Bayern zusammengestellt, die von Künstler*innen gestaltet, gebaut oder bewohnt wurden.

Albrecht-Dürer-Haus, Nürnberg

„Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur. Wer sie heraus kann reißen, der hat sie.“

Albrecht Dürer


Der Maler im Pelzrock: noch vor seinem 30. Lebensjahr erreichte Dürer europäischen Ruhm – als Maler und Grafiker, Realist und Visionär zwischen deutscher Tradition und italienischer Renaissance. Das erste Selbstporträt zeichnete er als Teenager mit einem Silberstift (Graphische Sammlung Albertina in Wien), das letzte ist eine Aktstudie als reifer Mann (Weimarer Stadtschloss). Das berühmteste ist sein „Selbstbildnis im Pelzrock“, welches ihr in der Alten Pinakothek in München sehen könnt – die gewollte Betonung der Analogie zwischen Künstler und Schöpfer ist nicht zu übersehen…

Schmuckstück in der Nürnberger Altstadt: das Fachwerkhaus ist eines der wenigen Bürgerhäuser in Nürnberg, das nicht zerstört wurde. Hier, im Schatten der Stadtmauer, lebte Albrecht Dürer mit seiner Frau, seiner Mutter, mehreren Lehrlingen, Gesellen und Hausangestellten. Es ist das einzige Künstlerhaus aus dem 15. Jahrhundert, das in Nordeuropa erhalten ist und ist bereits seit 1871 als Museum für Besucher geöffnet.

Unser Tipp: die Kostüm-Führungen, in denen eine Schauspielerin in die Rolle von Dürers Frau Agnes schlüpft. Sie erklärt historische Drucktechniken in der Werkstatt und die Kopien wichtiger Dürerwerke in den Galerieräumen des Dachgeschosses, wo auch Bestände der Grafischen Sammlung der Stadt Nürnberg gezeigt werden.

Archiv Geiger, München

„Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high“.

Rupprecht Geiger

Die Farbe der Abstraktion: Rupprecht Geiger ist einer der wichtigsten Künstler der Nachkriegszeit in Deutschland. Als Mitglied der Gruppe ZEN 49 trug er maßgeblich zur Entwicklung der abstrakten Kunst bei. 
Die kräftigen Farben ziehen sich durch das gesamte Werk des Künstlers (1908-2009). Besonders die ganze Skala der roten Farben, von den hellsten bis zu den sattesten Tönen, von Pink bis Orange, entwickelte sich zu seinem „Markenzeichen“.

Ein lebendiger Ort: In den ehemaligen Atelierräumen in München-Solln betreut das Archiv Geiger den Nachlass, unter der Leitung der Enkelin und Kunsthistorikerin Julia Geiger. Farbenprächtig: der Pigmentraum im Keller, wo der Künstler die Farbtöne mischte. Das Archiv beschäftigt sich außerdem mit dem Werk von Rupprecht Geigers Vater, dem Maler und Grafiker Willi Geiger. 

Unser Tipp: bei Workshops könnt ihr in den Siebdruckwerkstätten, eine der Lieblingstechniken Geigers ausprobieren. Kinder können auf einer Rallye das Archiv erkunden. Außerdem gibt es: Ferienworkshops, Schatzsuchen, Lesungen, Collage- und Postkartenworkshops, Lesungen und eine schöne Radtour zu Geiger-Werken im öffentlichen Raum!

Ateliermuseum Magda Bittner-Simmet Stiftung , München

„Meine Malerkollegen urteilen erschrocken: Du bist zu laut in der Farbe! Aber ich bin weder vorlaut, noch brutal. Vielleicht ein bißchen frech. Selbstbewußt. Ich male angstfrei.“

Magda Bittner-Simmet

Künstlerfürstin am Schwabinger Bach: selbstbewusst, angstfrei und bunt – so malte die Münchner Malerin Magda Bittner-Simmet. Als Porträtistin, Kuratorin und Stifterin wurde sie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt und viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, auch aus Wirtschaft, Politik und Kultur, saßen ihr Modell.

Das Ateliermuseum: das 1972 gebaute Haus war für 35 Jahre Wohnung und Atelier der Künstlerin – es war der Ort für Faschingsfeste, Gartenpartys und Hauskonzerte, aber auch für Verkaufsausstellungen ihrer Werke. Ein Besuch im Ateliermuseum verrät viel über das Leben der Künstlerin. Ausgefallene Kleidungsstücke, selbst entworfene und bemalte Möbelstücke und das ganz nach ihren Wünschen entworfene Haus am Englischen Garten in München sind Zeugnisse ihrer ausdrucksstarken Persönlichkeit.

Gabriele Münter-Haus, Murnau

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„Meine Sache ist das Sehen, das Malen und Zeichnen. Nicht das Reden.“

Gabriele Münter

Wie vor 100 Jahren: Das Münter-Haus wurde, nachdem es Gabriele Münter 1909 erworben hatte, zu einem bedeutenden Treffpunkt der Avantgarde. Innen ist es heute reich mit Gemälden, Graphiken und Hinterglasbildern von Kandinsky und Münter ausgestattet und durch die gesammelte Volkskunst und den selbst bemalten Möbeln, vermittelt das Haus wieder einen lebendigen Eindruck von der Atmosphäre, die hier vor dem Ersten Weltkrieg herrschte.

Was Münter Freude machte: Die expressionistische Malerin war eine passionierte Radfahrerin und ließ sich ihr Rad bei den Reisen mit dem damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky sogar nach Genua schicken. Mehr zu den Reisen erfahrt ihr in der Ausstellung „Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter“, die ihr bis zum 30. Januar 2022 im Lenbachhaus besuchen könnt.

Herkomer Museum, Landsberg am Lech

„It’s by the management of light, that we touch the true magic of our art“

Hubert von Herkomer

Ein Mann mit vielen Talenten: Landsbergs Ehrenbürger Sir Hubert von Herkomer (1849-1914) war als Porträtmaler von Lords und Ladies in der viktorianischen Zeit berühmt und gleichzeitig Initiator der ersten Autorallye in Deutschland. Er wuchs als zweisprachiger Kosmopolit zwischen Bayern und England auf, war ein großer Verehrer Richard Wagners, schrieb Theaterstücke, arbeitete als Bildhauer, komponierte und malte.
1929 übereignete Herkomers Witwe dem Museum neben Gebäuden, Gemälden und Kunstwerken viele persönliche Dinge der Familie, wie etwa seine Kinderzeichnungen oder Skizzen seiner Lieblingstochter Gwenddydd.

Der Mutterturm: 30 Meter hoch, aus Tuffstein, bis 1888 erbaut, ist eine Hommage an seine Mutter und ein außergewöhnliches Denkmal des Historismus, ein begehbares Exponat, das den Besucher mit seiner weitgehend erhaltenen, originalen Ausstattung in eine andere Zeit versetzt.

Unser Tipp: 26 Hörstücke geleiten euch durch die Ausstellung, in vielen kommt der Künstler selbst zu Wort. Für junge Besucher haben Schüler aus Landsberg einige amüsante Geschichten aufgenommen, zum Beispiel einen Streit zwischen Herkomers drei Ehefrauen Anna, Lulu und Margaret.

KirchnerHAUS Museum, Aschaffenburg

„Ich bin am Bahnhof geboren. Das erste was ich im Leben sah, waren die fahrenden Lokomotiven und Züge. Sie zeichnete ich, als ich 3 Jahre alt war. Vielleicht kommt es daher, dass mich besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt. Aus ihr kommt mir das besondere Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werkes ist.”

Ernst Ludwig Kirchner

Am Puls des Stadtgeschehens: Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner wuchs unmittelbar gegenüber des Aschaffenburger Bahnhofs auf.

Das KirchnerHaus und seine wechselvolle Nutzungsgeschichte: Das Geburtshaus des Künstlers überstand die Bombenangriffe auf Aschaffenburg wie durch ein Wunder unbeschadet. Das Anwesen diente in den Folgejahren u.a. als Werkstatt, Tankstelle und Casino bis schließlich ein Dokumentationsraum in der ehemaligen Wohnung der Familie Kirchner im ersten Obergeschoss eingerichtet wurde. Ergänzend dazu finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen im Erdgeschoss statt.

Museum Lothar Fischer, Neumarkt in der Oberpfalz

 „Im Unterschied zu einem Museum für Malerei braucht ein Haus der Skulptur gerade keine gleichmäßig ausgeleuchteten Räume. Bildhauerische Arbeiten kommen nur dann gut zur Wirkung, wenn die Lichtführung differenziert eingesetzt wird.“

Lothar Fischer

Das Streben des Künstlers: Fischers Arbeiten folgen ganz dem Credo „Bilden, nicht Abbilden“.  In der Bildhauerei solle man sich nicht an der Natur orientieren und diese versuchen nachzubilden, sondern neue Formen hervorbringen. Und so wirken seine Werke häufig wie archäologische Ausgrabungsfunde aus einer früheren Zeit.
Museumsleiterin und Kuratorin Pia Dornbacher beschreibt Fischer, der selbst Sohn eines Kunsterziehers war, als talentierten Kunstvermittler:  „Man konnte von ihm sehen lernen.“

Lichtdurchflutete Räume: Der Bau des Museums dauerte lediglich ein dreiviertel Jahr. Vier Tage vor dessen Eröffnung starb Fischer im Jahr 2004. Bei der Planung und Umsetzung des Museums war Fischer von Anfang an beteiligt. Auf seinen Wunsch hin wurden großzügige Glasfassaden sowie bodentiefe Fensternischen im Architekturentwurf berücksichtigt. Eine weitere Besonderheit: Arbeiten wie die „Hohe Eva“ wurden eigens für das Museum und einen bestimmten Standort angefertigt.

Gentil-Haus , Aschaffenburg

Gesamtkunstwerk: der Aschaffenburger Fabrikant Anton Gentil vermachte seine Villa zusammen mit der enthaltenen Kunstsammlung der Stadt und kann heute besucht werden. Das Haus ist zwar kein Künstler- sondern ein Sammlerhaus, hat aber eine ganz besondere Atmosphäre. Es wurde extra für die Kunst erbaut und erinnert an die Arts and Crafts- Bewegung.

Vielfalt aus aller Welt: mittelalterliche Altäre aus Europa, Plastiken aus Asien und Kunsthandwerk – die Sammlung ist bunt gemischt und vielfältig.

Künstlerhaus Exter, Übersee-Feldwies

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Gemälde „Frau mit Kahn“, Künstlerhaus Exter, Übersee am Chiemsee © Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de

Künstlerische Avantgarde: Julius Exter (1863-1939) war einer der Mitbegründer der „Münchner Secession“ und bekannt für seine farbenprächtigen Bilder. Er baute das historische Anwesen 1902 zu seinen Künstlersitz um. Heute können Besucher*innen hier einige seiner Gemälde in ruhiger Atmosphäre bestaunen.

Ausflugstipp: weitere Bilder von Julius Exter sind in der Gemäldegalerie Julius Exter im Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee zu sehen.

Künstlerhaus Gasteiger, Holzhausen

Jugendstil-Juwel: gleich zwei künstlerische Personen lebten in dem Haus am Ammersee. Mathias Gasteiger (1871-1934) war bekannter Bildhauer, während sich seine Frau Anna Sophie Gasteiger (1877-1954) als Malerin einen Namen machte. Von beiden finden sich viele Kunstwerke in der Villa – außerdem könnt ihr den schönen Garten und die Jugendstilausstattung genießen.

Ausflugstipp: wie wäre es damit den Museumsbesuch mit einer bezaubernden Seenschifffahrt zu verbinden? Die Bayerische Schlösserverwaltung hat weitere Tipps gesammelt.

Lenbachhaus, München und Lenbach-Museum, Schrobenhausen

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Lenbachhaus © www.bayern.by – Florian Trykowski

„Müchner Malerfürst“: Zu dem bekannten Maler Franz von Lenbach (1836-1904) können wir euch sogar zwei Museen empfehlen. Der zum Ritter geschlagene Künstler wurde in Schrobenhausen geboren, wo sein Geburtshaus heute als Museum geöffnet ist. Seine Stadtvilla am Königsplatz beherbergt die Städtische Galerie im Lenbachhaus, in der ihr Münchner Kunst des 19. Jahrhunderts, die Kunst des Blauen Reiters, der Neuen Sachlichkeit und internationale Gegenwartskunst betrachten könnt .

Ruheoase mitten in der Stadt: der Garten des Lenbachhauses ist im Sommer besonders schön!

Museum Villa Stuck, München

Eine eigenwillige Künstlervilla: Franz von Stuck erbaute 1897/98 die Villa nach eigenen Entwürfen als privaten Wohnraum und repräsentatives Atelier. Inspiration für sein Gesamtkunstwerk fand Stuck in der Antike, Byzanz, dem Orient und der Hochrenaissance.

Vergangenheit und Gegenwart: Heute lassen sich nicht nur die historischen Räume mit Stucks Kunst besichtigen, sondern auch abwechslungsreiche Ausstellungen mit Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts. Oft experimentell und immer unterschiedlich!

Weitere Künstlerhäuser

Lechner Museum, Ingolstadt

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Museumsgebäude, Foto: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, Henning Großeschmidt

Haus der Heimat – Ludwig-Doerfler-Stiftung, Schillingsfürst

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Ludwig-Doerfler-Stiftung

Kaulbach-Villa, Ohlstadt

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Kaulbach-Villa mit Dorfmuseum und Atelier Kaulbach, Foto: Gemeinde Ohlstadt, Doris Mayer

Malura Museum, Oberdießen bei Landsberg

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Malura Museum

Olaf Gulbransson Museum Tegernsee/ Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Tegernsee

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Den Museums-Bungalow im Kurgarten entwarf der Architekt Sep Ruf. Foto: Olaf Gulbransson Museum

Sucht ihr noch mehr Ausflugstipps? Wie wäre es mit einer Tour durch das Blaue Land auf den Spuren der Expressionisten? Die MuSeenLandschaft Expressionismus ermöglicht wunderschöne Natur- und Kunsterlebnisse. Oder stattdessen ein Besuch in Gärten und Parks in Bayern?

Abbildung ganz oben.: Das Münter-Haus in Murnau, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Theresa Geßler, Ania Hillenbrand, Melina Rauh & Nathalie Schwaiger

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