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Wenn Kunst fremdgeht – Museen in Unterfranken

by Anna Blenninger

Ein Gastbeitrag von Anne Kraft, Sachgebietsleitung Museum beim Bezirk Unterfranken

„fremdgehen: unregelmäßiges Verb, Gebrauch umgangssprachlich; Bedeutungsübersicht: außereheliche Beziehungen haben; Synonyme: betrügen, die Ehe brechen, Ehebruch begehen, einen Seitensprung machen, untreu sein; (gehoben veraltet) ehebrechen“

Soviel weiß der Duden über das „Fremdgehen“. Doch unterfränkische Museen wissen mehr; sie sind sogar Akteure in diesem Spiel, wenn auch in übertragenem Sinne. Denn sie lassen Kunst fremdgehen.

Kunst geht fremd… und verbindet

Unter dem Titel „Kunst geht fremd“ tauschen nun im elften Jahr mittlerweile 18 unterfränkische Museen in wechselnder Zusammensetzung einen Sommer lang jeweils ein einzelnes Exponat. Die „Fremdgänger“ begeben sich dadurch in einen neuen Kontext: So waren schon eine Rhöner Fastnachtsmaske mitten im goldglänzenden Stiftsschatz von Aschaffenburg oder ein ca. 30.000 Jahre alter Mammutbackenzahn inmitten von Werken zeitgenössischer Bildhauerei in der Kreisgalerie Mellrichstadt zu finden.

Wenn Kunst fremdgeht – Museen in Unterfranken
Eine Rhöner Fastnachtsmaske irritiert mitten im Stiftsschatz von Aschaffenburg. Ein Beispiel der Aktion „Kunst geht fremd… und macht schön“ aus dem Jahr 2016. Foto: Anne Kraft, Museen der Stadt Aschaffenburg

Der Tausch verläuft dabei nicht starr bilateral, sondern er spinnt seine musischen Fäden quer durch den Bezirk Unterfranken. Das gewährt nicht nur einen ganz neuen Blick auf Ausstellung und Kunst, sondern kreiert auch ein heterogenes, lebendiges Netzwerk, von dem Besucher und Kulturschaffende vor Ort profitieren. So veranstalten die Häuser eigene Führungen zum Fremdgänger in ihrem Haus, kommen die Kuratoren des Tauschpartners zu Vorträgen, finden Lesungen oder Künstlergespräche statt.

Wenn Kunst fremdgeht – Museen in Unterfranken
Zum Start der Tauschaktion kommen die Kolleginnen und der Kollegen der beteiligten Häuser in einem Museum zusammen und stellen der Presse das Motto und die Fremdgänger vor. 2021 waren die Museen Schloss Aschach Gastgeber.
Foto: Anne Kraft

Das museale Netzwerk, das 2011 mit vier Museen und noch ohne griffigen Titel entstand, besteht mittlerweile aus 18 Partnern. Auf Augenhöhe treffen sich hier kleine, ehrenamtlich geführte Museen mit den großen Häusern in Unterfranken. Ausschlaggebend für die Teilnahme sind die Bereitschaft, sich aktiv einzubringen und die Originalität des Tauschobjektes.

Ein Pressetermin zum Start und gemeinsame Werbematerialien wie Plakate und Broschüren sorgen für eine Aufmerksamkeit, die ein einzelnes Haus nicht erreichen könnte. Finanziell unterstützt wird das einzigartige Projekt von der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken.

Kunst geht fremd… und ist verspielt

Kunst kann vieles sein: inspirierend, unterhaltsam oder irritierend. Sie kann Stellung nehmen zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen oder auch „einfach nur“ gefallen. Mit ihrer Hilfe können Aussagen unterstrichen oder Sachverhalte erklärt werden. Kunst kann aber auch verspielt sein!

Und so fallen 2021 auf den Plakaten und Broschüren eisenzeitliche Spielfiguren, Handpuppen oder Faschingsmasken auf, die regelrecht aus dem Koffer quellen und das diesjährige Motto „Kunst geht fremd… und ist verspielt“ verdeutlichen.

Von Aschaffenburg bis Ebern, von Mellrichstadt bis Miltenberg, von Aschach bis Iphofen, eben quer durch Unterfranken, werden „verspielte“ Exponate auf die Reise geschickt, denn die Fremdgänger

  • tanzen wie der gestiefelte Kater oder der Hampelmann,
  • spielen Theater, ob als Handpuppe oder Wassermarionette,
  • fahren Eisenbahn und entführen dabei in die Vergangenheit,
  • wiegen sich verschlungen in der Meeresströmung,
  • zeigen das „Fränkische Blatt“,
  • beweisen die Detailverliebtheit gotischer Baumeister,
  • stellen antike Tierkämpfe dar,
  • maskieren mit Dickköpfen,
  • drehen Pirouetten,
  • täuschen,
  • erscheinen als Murmeln und Kugeln, ob aus einer mittelalterlichen Latrine oder in einer leichten Arbeit
  • zeigen Spielfiguren, ob auf dem Schachtisch oder aus der Eisenzeit,
  • erzählen die Geschichte der Welt,
  • und verschönern Accessoires.
Wenn Kunst fremdgeht – Museen in Unterfranken
Anja Lippert (Museen der Stadt Aschaffenburg) und Josefine Glöckner (Museen Schloss Aschach) sitzen mit den Handspielpuppen von Getrud Lommatzsch im Salon der Gräfin Carola auf Schloss Aschach. Foto: Anne Kraft

Bei der Auftaktveranstaltung in Aschach konnten beispielsweise die Leihgaben von den Museen der Stadt Aschaffenburg bewundert werden: acht handgefertigte Handspielpuppen von Getrud Lommatzsch sind in drei Räumen des Schlosses verteilt und auf den ersten Blick vielleicht gar nicht als Fremdgänger zu erkennen. So gruppieren sich im ehemaligen Salon von Carola Gräfin von Luxburg drei Damen auf dem Tisch, also ob sie gleich zum Kartenspiel greifen wollten. Mit Hilfe einer ausliegenden Broschüre und den begleitenden Texttafeln können jedoch die „falschen“ Schlossbewohner identifiziert werden.

Kunst geht fremd… und unternimmt auch was

Die Museen tauschen jedoch nicht nur untereinander einen Sommer lang ihre Exponate, sondern bieten auch ein reichhaltiges Begleitprogramm an. Dabei vermitteln Experten in Führungen oder Vorträgen ihr Wissen über das „fremde“ Objekt.

Führungen wie Objektgespräche und Sonntagsspaziergänge, Mitmachaktionen und Workshops für Kinder oder besondere Unternehmungen vom Kunstaperitif bis zur Weinprobe stehen im Veranstaltungskalender!

Alle Termine sind aktuell auf der Internetseite www.kunst-geht-fremd.de zu finden.

Kunst geht fremd… und online

Wem eine Reise durch Unterfranken während der Laufzeit von „Kunst geht fremd… und ist verspielt“ bis zum 7. November 2021 nicht möglich ist, dem sei die Begleitbroschüre empfohlen, die zum Download auf der Internetseite bereit steht. Seit einigen Jahren konnte das Netzwerk auch in den digitalen Raum erweitert werden, unter dem Hashtag #KunstGehtFremd verbinden sich anhand der Fremdgänger die Besucher nicht nur mit den Museen, sondern auch untereinander entstehen so für alle neue Verbindungen.

Natürlich kann der Besuch der unterfränkischen Museumslandschaft unabhängig von „Kunst geht fremd“ empfohlen werden. Wer aber die Akteure dieses Netzwerkes schon vorab kennen lernen will, findet Infos unter www.kunst-geht-fremd.de und natürlich auf den jeweiligen Museumswebsites.

Wenn Kunst fremdgeht – Museen in Unterfranken

Folgende Museen sind aktive Partner im unterfränkischen Museumsnetzwerk „Kunst geht fremd“

1. Museen Schloss Aschach

2. Museen der Stadt Aschaffenburg

3. Museum Obere Saline Bad Kissingen

4. Heimatmuseum Ebern

5. Museum Terra Triassica Euerdorf

6. Fränkisches Freilandmuseum Fladungen (NEU seit 2021!)

7. Museum Johanniskapelle Gerolzhofen

8. Knauf-Museum Iphofen

9. Deutsches Fastnachtmuseum Kitzingen

10. Spessartmuseum Lohr

11. Kreisgalerie Mellrichstadt

12. Museen der Stadt Miltenberg

13. Kunsthalle Schweinfurt

14. Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim

15. Museum Barockscheune Volkach

16. MAD – Museum am Dom, Würzburg (NEU seit 2021!)

17. Museum für Franken. Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Würzburg

18. Museum im Kulturspeicher Würzburg

Abb. ganz oben: Auch wenn sich die Objekte jedes Jahr ändern, so bleibt die Gestaltung des Key Visuals seit einigen Jahren gleich: alle Objekte werden in einen Koffer gepackt und sind damit bereit zum „Fremdgehen“.  Sogar im Logo der Aktion hat die „Kunst“ Füße bekommen. Grafikdesign: Anne Genkel, Weimar.

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