Home Ausflugsperlen 100 Schätze aus 1.000 Jahren – die Landesausstellung 2019/2020 in Regensburg

100 Schätze aus 1.000 Jahren – die Landesausstellung 2019/2020 in Regensburg

by Sabine Wieshuber

Ein Grönlandwal in Bayern, eine Armada goldener Miniaturschiffe, die Reitstiefel einer jungen Frau, die tot im Moor bei Peiting entdeckt wurde und andere kostbare, einzigartige und rätselhafte Funde … vom 27. September 2019 bis 8. März 2020 könnt ihr diese und andere Kuriositäten im neu eröffneten Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg bewundern – auf etwa tausend Quadratmetern erwarten euch hundert Exponate, aus den Jahren 600 bis 1800, die ihre ganz besonderen Geschichten und Stories aus verschiedenen Epochen erzählen.

100 Schätze aus 1.000 Jahren - die Landesausstellung 2019/2020 in Regensburg
Auf dem Walschulterblatt von 1606 oder 1706 sind venezianische Szenen zu sehen. Heimatmuseum Polling © Haus der Bayerischen Geschichte. Foto: Philipp Mansmann

Ein Grönlandwal in Bayern? Wie bitte kommt das Schulterblatt des größten Säugetieres der Welt, das sich eigentlich ausschließlich in den nordischen Meeren rund um Grönland, Kanada, Alaska und Sibirien aufhält, nach Polling? So unglaublich es klingt, aber Walschulterblätter wurden in früheren Zeiten als Malgrund genutzt. Besonders im ausgehenden 16. und im 17. Jahrhundert suchten die Auftraggeber nach dem Besonderen und Außergewöhnlichen und ließen Muscheln, Korallen und Knochen bemalen. Das Walschulterblatt in der Landesausstellung gibt zahlreiche Rätsel auf. Vermutlich kam es durch Kaufleute aus Venedig nach Bayern. Doch wer genau brachte es mit? Und aus welchem Jahr stammt es? Wahrscheinlich hinterließ es ein bislang unbekannter Kaufmann dem Augustinerchorherrenstift in Polling in der Nähe von München und auch die Jahreszahl ist nicht mit Sicherheit zu entziffern: steht dort 1606 oder 1706? Wäre es 1606, so würde es sich um das älteste bekannte Stück seiner Art handeln…

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Die berühmte Lepanto Monstranz wurde vom Augsburger Goldschmied Johann Zeckel 1708 gefertigt. Bürgerkongregation Maria zum Siege Ingolstadt © Haus der Bayerischen Geschichte. Foto: Philipp Mansmann

Die Bayerische Landesausstellung 2019/20 präsentiert in zehn Abteilungen seltene Schaustücke. Sie zeugen von großen Erfindungen und mysteriösen Verbrechen, sie berichten von Kaisern und Herzögen, Luxus und Pracht, künstlerischen Leistungen und wissenschaftlichen Errungenschaften. Exponate wie zum Beispiel die berühmte Lepanto-Monstranz und andere Schätze aus vielen bedeutenden Museen der Welt lassen die jeweilige Zeit lebendig werden: Die legendäre Lepanto-Monstranz entstand 1708 zu Ehren der Maria vom Siege. Die heilige Jungfrau soll den Christen im Kampf gegen die Osmanen in der Seeschlacht von Lepanto 1571 zum entscheidenden Sieg verholfen haben. Die kriegerische Darstellung mit Segelschiffen im Schlachtgetümmel auf einer Monstranz ist weltweit einmalig.

100 Schätze aus 1.000 Jahren - die Landesausstellung 2019/2020 in Regensburg
Die Lederstiefel gehörten der mysteriösen „Frau von Peiting“, die im Moor gefunden wurden. 14. Jahrhundert, Archäologische Staatssammlung München © Archäologische Staatssammlung München. Foto: Manfred Eberlein

Dieses Paar lederner Stiefel, durch den Torfboden sehr gut erhalten, wurden bei der bisher einzigen bekannten Moorleiche Bayerns gefunden. Es handelt sich um eine junge Frau, benannt nach ihrem Fundort, dem oberbayerischen Peiting bei Schongau. Niemand weiß, wer sie war und warum sie im Moor bestattet wurde.
Ebenso rätselhaft: die Tonköpfe im niederbayerischen Geisenhausen wurden vor 35 Jahren wieder entdeckt. Generationen von Wallfahrern hatten sie als Votivgaben der Sankt Theobaldskirche gespendet, um Linderung gegen ihre Kopfschmerzen zu erbitten. Im späten 18. Jahrhundert wurden die Köpfe aus Angst vor Repressalien vor der Kirchenmauer vergraben und tauchten erst zufällig wieder auf.

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Die Votivgaben aus Geisenhausen waren über Jahrhunderte vergraben. 17. und 18. Jh., Historischer Verein Geisenhausen © Historischer Verein Geisenhausen. Foto: Philipp Mansmann

Lebendig wird die 100-Objekte-Schau durch zehn biografische Skizzen von Menschen aus den jeweiligen Zeitabschnitten. Sie geben ihrer Zeit ein Gesicht und eine Stimme: eine Bajuwarin, ein Tempelritter, eine jüdische Ärztin, eine Täuferin, ein Kaufmann, ein Söldner, ein Nachtwächter, eine Bauerntochter, ein Spiegelbeleger und ein Dorfgeistlicher begleiten euch in die Vergangenheit und schildern den Lauf der Welt mit ihren Augen und aus ihrer persönlichen Sicht. Ihre Geschichten werden zu einem Puzzleteil in der Geschichte…

100 Schätze aus 1.000 Jahren - die Landesausstellung 2019/2020 in Regensburg

© Haus der Bayerischen Geschichte. Foto: Frank Blümler

Die Dauerausstellung im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte ist während der Laufzeit der Landesausstellung natürlich auch geöffnet. Sie zeichnet auf 2.500 Quadratmetern den Weg Bayerns zum modernen Staat nach, vom Beginn des Königreichs 1806 bis heute. 40 Bühnen markieren prägende Ereignisse und Erscheinungen der bayerischen Geschichte: vom mysteriösen Tod Ludwigs II., über Bayern in Chicago, Vertriebene, die in Franken Popmusik möglich machten, „Gastarbeiter“, die mit anpackten, die Olympischen Spiele 1974 oder einen Ballon, der in Naila landete und in Hollywood Furore machte.

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Eines von acht Kulturkabinetten in der Dauerausstellung © Haus der Bayerischen Geschichte. Foto: altrofoto.de

Was ist besonders bayerisch? Oder was halten wir dafür? Dialekte, Trachten, Blasmusik, Feste, Kirchen, Schlösser, großartige Natur, Berge, der Kini, die Wiesn… was sind die Klischees und was steckt dahinter? In den Kulturkabinetten könnt ihr einmal näher hinsehen. Im Mitmach-Bürgermuseum sind dafür Objekte zusammengetragen worden, die privat von Familien und Bayern dem Haus der Bayerischen Geschichte überlassen worden sind: die Pickelhaube des Simon Gammel aus dem Ersten Weltkrieg, die Häftlingsjacke des französischen Kommunisten Auguste Pineau aus dem Konzentrationslager Dachau oder die Anti-WAA-Transparente dokumentieren Lebenswege und Schicksale.
Außerdem gibt es natürlich auch ein Museums-Wirtshaus, wo ihr in allerbester Donaulage bayerische Tapas, fränkischen Sauerbraten, Münchner Schnitzel und Regensburger Knacker mit Bieren aus allen Regionen Bayerns, einem Frankenwein oder edlen Tropfen aus Regensburg verkosten könnt…

Ein Gastbeitrag von Julia Lichtl, Haus der Bayerischen Geschichte

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