Home Ausflugsperlen Lust auf eine Landpartie? Oberbayerns Museen laden herzlich ein!

Lust auf eine Landpartie? Oberbayerns Museen laden herzlich ein!

by Sabine Wieshuber

Interview mit Dr. Jutta Mannes, Wissenschaftliche Mitarbeit Neue Galerie Dachau und Öffentlichkeitsarbeit Dachauer Galerien und Museen.

Seien es Spaziergänge am Starnberger See oder Lustwandeln im Park des Schlosses Dachau – so ziemlich jeder Münchner weiß, wie man sich eine gepflegte Auszeit in der wunderschönen Landschaft des südlichen Oberbayerns gestaltet, wenn der Trubel der Landeshauptstadt mal wieder zu viel wird. Doch auch routinierten Großstädtern, die ein wenig oberbayerische Kulturluft schnuppern möchten, sei das Gebiet südlich von München ans Herz gelegt: Die Landpartie verbindet zehn Museen in Oberbayern, die sehenswerte Einblicke in regionale Besonderheiten geben und somit dem Kulturangebot ihrer großen Schwester München in nichts nachsteht. Jutta Mannes von den Dachauer Galerien und Museen hat uns verraten, wieso es sich lohnt, auch außerhalb Münchens auf Museumsschatzsuche zu gehen und welche Rolle die Wittelsbacher in der Region rund um München einnahmen.

Was ist die Landpartie? Wann/Warum/Wie wurde die Landpartie gegründet?

Die „Landpartie“ ist ein Verband von zehn Museen und Galerien rund um München, der 1996 auf Initiative von Dr. Elisabeth Boser (Gemäldegalerie Dachau) und Dr. Marianne Stößl (Museum Altes Schloss Schleißheim) gegründet wurde. So gibt es in den Museen der Landpartie volkskundliche und regionalgeschichtliche Sammlungen, solche mit Gemälden und Grafiken des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Gegenwartskunst zu sehen.  Durch die reizvolle Lage der Museen lässt sich der Kunstgenuss zudem wunderbar mit einem Ausflug in die oberbayerische Landschaft verbinden.
Die beiden Museumsdirektorinnen wollten zeigen, dass sich ein Blick über den Tellerrand der Kunststadt München lohnt, da es im Münchner Umland eine eigenständige und abwechslungsreiche Museumslandschaft zu entdecken gibt. Zu Beginn waren sieben Museen Mitglied bei der Landpartie, heute sind es zehn, die sich an sieben Orten in den Landkreisen um München befinden. Mitglieder sind heute das Museum Starnberger See, das Bauernhofmuseum Jexhof, das Museum Fürstenfeldbruck, die drei Dachauer Museen, das Schlossmuseum und das Kallmann-Museum in Ismaning, das Stadtmuseum Freising und das Museum Erding. Kriterien für die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft sind der Anschluss an das Münchner S-Bahn-Netz, eine hauptamtliche wissenschaftliche Leitung, regelmäßige Öffnungszeiten sowie ein anspruchsvolles Sonderausstellungsprogramm.

Lust auf eine Landpartie? Oberbayerns Museen laden herzlich ein!
Arbeitstreffen der Landpartie auf dem Jexhof im Sommer 2003, Foto: Landpartie.

Welche Chancen und Herausforderungen gibt es bei so einem Zusammenschluss von Museen?

Die Möglichkeiten einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit, etwa durch eine gemeinsame Webseite oder eine Broschüre, die alle Museen vorstellt, sind von großem Vorteil. Die nahe Großstadt wartet schließlich mit einem üppigen und sehr vielseitigen Kulturangebot auf, da darf man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nach einer Reihe von größeren gemeinsamen Ausstellungsprojekten, die von der Presse sehr gut besprochen wurden, ist der Name Landpartie für viele zum Begriff geworden. Welche Verbindung besteht zwischen den 10 Museen und den Wittelsbachern? Die Herzöge, Kurfürsten und Könige der Wittelsbacher wirkten in ihren Kunsttätigkeiten nicht nur in der Residenzstadt München, sondern hinterließen auch außerhalb der Stadt ihre Spuren. Sie errichteten dort Schlösser und Klöster, erschlossen Jagdgründe und nutzten Land und Wasser für eine höfische Festkultur. In Dachau etwa befand sich die erste Sommerresidenz der Wittelsbacher, in Ismaning prägten zwei Wittelsbacher maßgeblich das Aussehen der Schlossanlage.

Die Letzte Ausstellungsreihe im Jahr 2015 drehte sich rund um das Thema „Wasser“. Dazu ist eine App entstanden – was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Unsere App „Wasserwege“ besteht aus einer interaktiven Karte, auf der die Standorte der Landpartie-Museen, sowie nahegelegene Ausflugsziele eingezeichnet sind. Wenn man auf die jeweiligen Kartenpunkte klickt, bekommt man Informationen zu Ausstellungsinhalten der einzelnen Museen und lokalen Sehenswürdigkeiten, die Interessantes über die Nutzung des Wassers im Umkreis Münchens erzählen. Die App bietet den Vorteil, dass man hier alle Ausstellungen der Landpartie zum Thema „Wasser“ auf einen Blick sieht und noch dazu Ausflugsziele kennenlernt, die über die Ausstellungen hinaus einen interessanten Einblick in das Thema geben. So wird eine vielseitige Erforschung des Wassers und seines Stellenwertes in der Kultur ermöglicht. Mit der Bereitstellung dieser Informationen durch das Smartphone wollen wir auch jüngere Besucher, die ja vor allem das Medium Smartphone zur Wissenserweiterung nutzen, zum Besuch der Landpartie- Museen inspirieren.

Lust auf eine Landpartie? Oberbayerns Museen laden herzlich ein!
Wand mit den Plakaten aller Wasser-Ausstellungen 2015 in Freising, Foto: Landpartie

Welche interessanten Ausstellungen und Veranstaltungen laufen derzeit in den Museen?

Das Museum Fürstenfeldbruck zeigt beispielweise noch bis 24. September 2017 die Ausstellung „Graphzines“, die grafische Künstlerpublikationen aus Frankreich zum Thema hat und in Zusammenarbeit mit dem Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte entstanden ist. Alle laufenden Ausstellungen sind auf unserer gemeinsamen Webseite zu finden. Über einen Link kommt man auf die jeweiligen Webseiten der einzelnen Museen, wo man ausführlichere Informationen zu den verschiedenen Ausstellungen findet.  Das Kontrastprogramm dazu bietet das Bezirksmuseum Dachau, wo zum Lutherjahr 2017 die Geschichte des Protestantismus im Dachauer Land erkundet wird.

Gibt es für die Landpartie ein gemeinsames Ticket oder Vergünstigungen?

Gemeinsame Tickets bzw. Verbilligungen beim Besuch von mehreren Landpartie-Museen gibt es jeweils während der gemeinsamen Ausstellungsprojekte. Die nächste Ausstellungsreihe wird 2018 zum Thema „Identitäten“ stattfinden.

Wie sind die Museen von München aus erreichbar (v.a. Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad) und wie lange dauert die Anreise in etwa? Lohnt sich ein Tagesausflug oder sollte man mehr Zeit einplanen?

Alle Museen sind bequem über das Münchner S-Bahn-Netz in unter einer Stunde zu erreichen. Ein Tagesausflug, bei dem man den Museumsbesuch mit schönen Spaziergängen oder einer Radtour verbinden kann, lohnt sich immer. Eine Beschreibung der Anfahrt findet sich auf unserer gemeinsamen Webseite unter dem Stichwort „Die Wittelsbacher“, wo etwas ausführlichere Ausflugstipps zu den einzelnen Museen gegeben werden.

Was macht die Museen der Landpartie zu idealen Ausflugszielen im Münchner Umland?

Sie bieten ein vielseitiges anspruchsvolles Ausstellungsangebot abseits der Großstadt in abwechslungsreicher Landschaft und man braucht kein Auto um hinzukommen! Die Besucher können sich schon jetzt darauf freuen, dass 2018 die nächste Ausstellungsreihe zum Thema „Identitäten“ ansteht. Es geht um die unterschiedlichsten Arten und Weisen auf die Identität entsteht, um das, was uns prägt. Etwa von Mode und Musik während der Jugend, durch charakteristische Merkmale der Umgebung, etwa Bauten, einflussreiche Personen oder auch Bräuche und Gewohnheiten. Das Spektrum wird wieder weit gespannt sein vom bayerischen Brauchtum bis zur internationalen zeitgenössischen Kunst, in der die Themen Rolle und Identität ja häufig behandelt werden.

Abb. ganz oben: Josef Wenglein, Weite Landschaft im Dachauer Moos, 1905.

Sophie den Toom

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