Home Ausflugsperlen „Achtung, kann gut sein!“ Lernort Museum – was steckt dahinter?

„Achtung, kann gut sein!“ Lernort Museum – was steckt dahinter?

by Sabine Wieshuber

Ja, was steckt eigentlich dahinter? Und wer? Zuerst einmal war es Lindas Idee… Seit 2018 ist Linda Blaske bei uns als Volontärin in der MEWO Kunsthalle aktiv. Denn da startete unsere Teilnahme am lab.Bode-Programm und die zugehörige Förderung eines Volontariats bei uns. Diese Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen wird gemeinsam von der Kulturstiftung des Bundes und den Staatlichen Museen zu Berlin gestaltet und gefördert. Das Projekt setzt auf Ausbau und Weiterentwicklung der Vermittlungsangebote – in Corona-Zeiten heißt das natürlich auch für uns als Kunsthalle vermehrt digitale Wege zu gehen, auf Facebook und Instagram etwa!

Ein Gastbeitrag der MEWO Kunsthalle in Memmingen

"Achtung, kann gut sein!" Lernort Museum - was steckt dahinter?
Malaktion im Atelier der MEWO Kunsthalle, Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Museum macht Schule

Die Vermittlungsarbeit bildet einen wichtigen Kern der Arbeit an der MEWO Kunsthalle und wurde über die Jahre stetig ausgebaut. Die Kunstvermittlerin Sabine Grüner hat bereits ab 2014 viele Projekte realisiert, vor allem im Zuge der Initiative „Kultur macht stark!“. Darunter so schöne Formate wie unsere Trickfilmwerkstatt, bei der die Kinder eingeladen wurden, in einer Intensivwoche einen Trickfilm von der Idee, über das Storyboard, die Gestaltung der Figuren und der Kulissen bis hin zur eigentlichen Produktion anzufertigen. 

Die Vermittlungsarbeit wuchs über die Jahre und bekam durch Natalie Gianfelice-Wagner, unsere aktuelle Leitung in der Vermittlung, noch einmal eine neue Dynamik. Ihr war es wichtig, die Schulen wieder mehr in den Fokus zu nehmen und so bot sich mit der Teilnahme an der lab.Bode-Initiative eine großartige Chance, die unter anderem wissenschaftliche Volontariaten im Bereich Bildung und Vermittlung an den 23 beteiligten Institutionen fördert.

"Achtung, kann gut sein!" Lernort Museum - was steckt dahinter?
Workshop der Volontär*innen am Bode Museum Berlin, SMB / Ute Klein, 2018

Memmingen meets Berlin

Linda Blaske, wissenschaftliche Volontärin, kam im Zuge des lab.Bode-Programms an die MEWO Kunsthalle und bereichert die Vermittlung seither. Ihre Ausbildung beinhaltete immer wieder Präsenzzeiten am Bode Museum in Berlin. Die Ideen, die sie dort im Austausch mit den anderen Volontär*innen und unterschiedlichen Expert*innen erarbeitete, konnte sie – zurück in der MEWO Kunsthalle – direkt einbringen. Es war immer eine Freude, wenn sie aus Berlin zurückkam und vor Eindrücken nur so übersprudelte. 

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Schüler*innen aus Amendingen sprechen mit Projektleiterin Linda Blaske über die Ausstellung 
‚KARAVANE – verschollene Collagen von Hannah Höch‘, Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Linda hat eine Idee

Als Hauptaufgabe sollte Linda an unserem Haus ein eigenes Projekt umsetzen. Dafür wollte sie speziell mit Schulen arbeiten, die sehr mit der geringen Anzahl der Kunststunden im Lehrplan hadern. Letztlich entschied sie sich für zwei Mittelschulen am Ort, für eine Zielgruppe also, die bedauerlicherweise selten mit Kunst und Museumsarbeit in Kontakt kommt. Doch ein klassisches Kunstprojekt war Linda nicht genug. Die Nachhaltigkeit des Projektes lag ihr sehr am Herzen und so suchte sie nach Wegen, wie dies zu bewerkstelligen sei. Ihr Ansatz: Museum nicht nur als außerschulischen Lernort zu denken, sondern konkrete Ideen für die Zukunft und vor allem für das Arbeitsleben anzubieten. Diese Überlegungen mündeten letztlich in ihrem Projektkonzept „Lernort Museum – Was steckt dahinter?“

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Hochkonzentriert arbeitet eine Schülerin aus Memmingerberg an ihrer Leinwand, Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Die „Karavane“ setzt sich in Bewegung

Wie kommt die Kunst ins Museum? Wer arbeitet dort? Und welche Personen sind an der Realisierung einer Ausstellung beteiligt? Diesen Fragen gingen die Schüler*innen während der viermonatigen Projektdauer nach. Ein bedeutender Vorteil für Schulen in der Zusammenarbeit mit Museen ist sicherlich die Arbeit vor Originalen. Auch hier ging das Konzept einen Schritt weiter. Die Schüler*innen tauchten gemeinsam mit der Projektleiterin Linda, den Museumspädagog*innen und unserer Freiwilligen im Sozialen Jahr (Kultur) in die Ausstellung ‚KARAVANE – verschollene Collagen von Hannah Höch‘ ein. So konnten die Schüler*innen den gesamten Ausstellungsprozess begleiten: von Aufbau, über die Ausstellung hinweg bis zum Abbau. All diese Erfahrungen sollten den Schüler*innen dabei helfen, zu Projektende ihre eigenen Ausstellungen zu realisieren.

Künstler sind für mich …
«… Leute, die wertvolle Kunst gestalten und ihre Gefühle durch Malereien mit der Welt teilen.» (Celina)

«… kreativ, wenn auch manchmal verwirrend und verrückt.» (Sarah)

Das Atelier der MEWO Kunsthalle war hingegen der perfekte Ort, selbst kreativ tätig zu werden. Mit Inspirationen aus der Ausstellung ‚KARAVANE – verschollene Collagen von Hannah Höch‘ wagten sich die Schüler*innen an die Collagetechnik heran und setzten diese in eigenen Arbeiten, auch auf Leinwand um. Genau wie Hannah Höch ihre Reisen damals in Tagebuchform festgehalten hat, gestalteten die beteiligten Schüler*innen ihr eigenes Tagebuch und erlauben so Einblick in ihre individuelle Projektreise.

"Achtung, kann gut sein!" Lernort Museum - was steckt dahinter?
Eine Fachgruppe interviewt den Haustechniker zu seiner Arbeit, Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Wer arbeitet eigentlich alles im Museum?

In kleinen Fachgruppen tauchten die Jugendlichen zudem in unterschiedliche Museumsbereiche ein und lernten so die Ausstellungsarbeit in all ihren Facetten kennen. So entstanden unter anderem Interviews der Schüler*innen mit den jeweiligen Vertreter*innen der unterschiedlichen Museumsbereiche. Diese dienten auch als Anregung, sich offen mit zukünftigen Berufswünschen auseinanderzusetzen. Wieso eigentlich nicht nach einer Schreinerlehre als Haustechniker in einem Museum arbeiten? Die über den gesamten Projektzeitraum entstandenen Fotografien und Videos sollten in der Ausstellung einen Eindruck von der Arbeit der Schüler*innen vermitteln und dienen zudem der Dokumentation.

"Achtung, kann gut sein!" Lernort Museum - was steckt dahinter?
Die Gruppe aus Memmingerberg beim Aufbau ihrer Ausstellung ‚Achtung, kann gut sein!‘, Foto: 
MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Achtung, kann gut sein!

Das Projekt ging auf die Zielgerade und alle Mitarbeiter*innen, Schüler*innen und allen voran Projektleiterin Linda Blaske fieberten dem Schlussakt entgegen. Beide Klassen (die 8. Klasse der Grund- und Mittelschule Memmingerberg und die 10. Klasse der Grund- und Mittelschule Amendingen) bereiteten sich intensiv auf die Ausstellungen vor, die sie mit ihren eigenen Kunstwerken bestücken und dem gesammelten Wissen umsetzen sollten. Den Anfang machten die Schüler*innen aus Memmingerberg mit ihrer Ausstellung „Achtung, kann gut sein!“. Die Kunstwerke hingen, die Reden waren geprobt und dann kam die Hiobsbotschaft, die so viele dieser Tage ereilte. Auch wir waren Leidtragende der neuen Situation im Zuge der Coronakrise und mussten am Morgen des großen Tages die abendliche Eröffnung kurzfristig absagen. Nach vielen Wochen intensiver Zusammenarbeit, des sozialen Miteinanders und einer gemeinschaftlichen Energieleistung am Ende, wurde uns im wahrsten Wortsinn der Stecker gezogen. 

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Nach dem Interview ist vor dem Selfie – das Internet wartet, Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Achtung, die Ausstellung kommt zu euch!

Wir mussten uns alle kurz schütteln, um die neue Situation zu begreifen. Was kann man machen, wenn niemand persönlich in die Kunsthalle kommen kann? Genau, man geht ins Netz. Dort versuchen wir auf Facebook und Instagram und so gut es eben geht, die Menschen an unserer Arbeit teilhaben zu lassen. Ein kreatives Onlineangebot wurde geschaffen, die Mitarbeiter*innen präsentieren ihre Lieblingswerke aus der Sammlung und wir sind auf den Zug der Kunstgeschichte als Brotbelag aufgesprungen. Auf diesen Kanälen zeigen wir auch unser lab.Bode-Projekt „Lernort Museum – Was steckt dahinter?“. Von Bilderserien über kleine Videos mit der Projektleiterin Linda Blaske bis hin zu den Interviews mit den Expert*innen bieten wir einen spannenden Einblick in dieses tolle Projekt. Dennoch ist es unser größter Wunsch, die aktuelle Ausstellung „Achtung, kann gut sein!“ der Schüler*innen aus Memmingerberg und die bevorstehende Ausstellung der Schüler*innen aus Amendingen nach der Zwangspause noch eine angemessene Zeit bei uns zu präsentieren. 

Bis dahin freut es uns, wenn wir weiterhin mit unseren Besucher*innen in Kontakt bleiben können, auch wenn uns allen dafür gerade nur das Internet zu Verfügung steht. Wir sehen uns auf Facebook und Instagram und freuen uns schon, euch wieder persönlich bei uns in der MEWO Kunsthalle begrüßen zu dürfen. 

Abb. ganz oben: Schülerinnen gestalten einen Traumfänger im Atelier; Foto: MEWO Kunsthalle/Susanne Marx

Ein Gastbeitrag von Axel Städter, MEWO Kunsthalle Memmingen

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