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Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung

by Sabine Wieshuber

Schwarzer Boden, schwarze Wände und doch im wahrsten Sinne des Wortes erhellend: Die Sonderausstellung Lichtspiele. Kino und Film im Brucker Land von den Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens am Bauernhofmuseum Jexhof hat einiges zu bieten – sogar ein kleines Stummfilmkino.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Plakatausschnitt zur aktuellen Sonderausstellung Lichtspiele © Bauernhofmuseum Jexhof
Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Zum Auftakt: Leuchtbuchstaben des ehemaligen Tivoli Filmtheaters in München © Elisabeth Lang

Gleich zu Beginn entführen die roten Leuchtbuchstaben des ehemaligen Münchner Tivoli-Filmtheaters in die Kinoatmosphäre der 1950er-Jahre. Das war die Boomzeit des Kinos schlechthin. Allein im Landkreis Fürstenfeldbruck wurden zwischen 1949 und 1957 insgesamt 17 Lichtspielhäuser gegründet. Von all diesen Kinos bestehen heute nur noch die Gröben-Lichtspiele in Gröbenzell und das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck. Die anderen haben das große Kinosterben der 1960er-Jahre nicht überlebt oder wurden spätestens in den 1980er-Jahren umfunktioniert bzw. abgerissen.
Baupläne, historische Fotos und Programme rufen die erloschenen Lichtspielhäuser in Erinnerung.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Architekturpläne und historische Fotos rufen längst geschlossene Kinos wieder in Erinnerung. © Elisabeth Lang

Lichtspiele im Tanzsaal: Wirtshauskinos

Parallel dazu gab es auch so genannte Wirtshauskinos. Schon in den 1930er-Jahren und früher verwandelten Gastwirte in Kleinstädten, aber auch auf dem Land ihre Säle in Kinos. Oder sie stellten ihre Räume Betreibern von Wanderkinos zur Verfügung. So manches stationäre Kino ging aus einem Wirtshauskino hervor.
Ein transportables Vorführgerät veranschaulicht unter anderem, wie Wirtshauskino funktionierte.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Mobiles Filmvorführgerät © Elisabeth Lang

Lichtspiele – ein Spiel mit Täuschung durch Tempo

Wie es zur Entwicklung der Vorführgeräte kam, zeichnet die erste Station der Ausstellung nach: Vom Guckkasten und Laterna Magica über Wundertrommel und Mutoskop bis zum ersten Filmvorführgerät der Gröben-Lichtspiele aus den 1950er-Jahren wird die Entwicklung der bewegten Bilder gezeigt. Dabei beruht der Eindruck von Bewegung eigentlich auf einer Täuschung des menschlichen Gehirns. Dieses nämlich kann nicht mehr als 15 Bilder pro Sekunde als Einzelbilder wahrnehmen. Da die Bildfolge im Film jedoch deutlich höher liegt, entsteht so der Eindruck von Bewegung.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Die Entwicklung der Vorführgeräte © Elisabeth Lang

Lichtspiele, gemacht von Filmschaffenden aus der Region

Von Anfang an siedelten sich Filmschaffende in der Peripherie Münchens an, wo es in den 1920er-Jahren über 90 Filmproduktionsfirmen gab. So schrieb in der Stummfilmära Reinhold Eichacker seine Drehbücher in Gröbenzell. Die Gebrüder Diehl, die Erfinder der Mecki-Figur, wurden die bedeutendsten deutschen Puppentrickfilmer. Hubert Schonger produzierte am Ammersee unter anderem Märchenfilme, die noch heute gezeigt werden. Der Regisseur Francesco Stefani lebte zeitweise in Fürstenfeldbruck, sein Berufskollege Fritz Umgelter in Gröbenzell. Neben zahlreichen Abbildungen laufen Ausschnitte aus ihren Filmen auf mehreren Bildschirmen.

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Historische Kinosessel im Stummfilmkino © Elisabeth Lang

Lichtspiele und tiefe Schatten: Renate Müllers tragisches Leben

Ebenfalls auf mehreren Bildschirmen zu sehen – und zu hören – sind Film- und Gesangsausschnitte von Ufa-Star Renate Müller. Sie verbrachte einen großen Teil ihrer Kinderjahre in Emmering, wo sie in den Sommermonaten auch zur Schule ging. Die Ausstellung zeichnet mit zahlreichen Bildern ihr so kurzes wie erfolgreiches und zugleich tragisches Leben nach.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Ufa-Star Renate Müller und die Aufzählung der Filmlieblinge unserer Besucher*innen © Elisabeth Lang

Lichtspiele: Unterhaltung, Bildung – und Manipulation

Dass die Macht der bewegten Bilder vielfältig einsetzbar ist, war den Filmschaffenden und politischen Machthabern von Anfang an bewusst. Schon während des Ersten Weltkriegs entstanden Propagandafilme der unterschiedlichen Kriegsparteien. Der letzte Teil der Ausstellung beschäftigt sich eingehend mit diesem Thema. Und das Stummfilmkino zeigt dazu auch einen Ausschnitt aus der „Wochenschau“ und aus „Die Somme. Das Grab der Millionen“ über die verheerendste Schlacht des Ersten Weltkriegs. An der Außenwand des kleinen Kinos dokumentieren Filmplakate Themen und Tendenzen im Deutschen Film.

Lichtspiele – Hell und Dunkel in Bewegung
Eintrag aus dem Besucherbuch © Reinhard Jakob

Zur Ausstellung gab und gibt es ein umfassendes Begleitprogramm von der Stummfilm-Nacht über eine Lesung und eine Bastelaktion bis hin zu Filmvorführungen in Kooperation mit den Gröben-Lichtspielen und dem Brucker Lichtspielhaus. Details finden Sie auf unserer Homepage.

Es können Führungen durch die Sonderausstellung gebucht werden.

Zudem ist ein umfassender Begleitband unter dem gleichnamigen Titel mit 17 Aufsätzen erschienen, in dem die verschiedenen Bereiche der Ausstellung und darüber hinausgehende Aspekte zum Thema Film aufgegriffen und vertieft werden.

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Lang für das Bauernhofmuseum Jexhof

Die Ausstellung ist ein Beitrag zum siebten gemeinsamen Ausstellungsprojekt der Arbeitsgemeinschaft Landpartie – Museen rund um München unter dem Motto Hell & Dunkel. Mehr zum Museumsverbund Landpartie erfahrt ihr auf unserem Blogbeitrag Sonne, Moos und Sterne – 25 Jahre Landpartie!

Abb. ganz obenPixabay

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