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Ohne Holz kein Reich – das Limeseum in Ruffenhofen

by Infopoint

Ave Caesar! Denken wir an Julius Cäsar, Augustus oder Kaiser Hadrian, so fallen uns gleich die imposanten Tempel, Paläste und Arenen ein: das Kolosseum, das Forum Romanum oder die Porta Nigra in Trier. Doch ohne Holz wären die Imperatoren und ihre Legionen nicht so weit gekommen. In unserer Serie #AufdemHolzweg gibt es heute einen Wink mit dem (antiken) Zaunpfahl. Denn der Grenzwall Limes markierte ab etwa 160 vor Chr. die Grenze des römischen Reiches in Europa, Vorderasien und Nordafrika. Auf einer Länge von 549 Kilometern schlängelte sich der Grenzwall durch Deutschland und führte dabei mitten durch Bayern.

Ein Gastbeitrag von Corina Brutscher, Wissenschaftliche Volontärin LIMESEUM

Natürlich mussten auch die Villen, Thermen und Küchen beheizt werden, brauchten die Römer Sessel, Tische und Betten, vor allem aber war Holz als Baumaterial nicht wegzudenken. Gerade in den Nordprovinzen des Römischen Reiches prägten Holzbauten das Siedlungsbild, auch wenn sie teilweise mit ihren verputzten Wänden wie steinerne Bauten wirkten. Und auch um ihr riesiges Reich zu verteidigen, wurden ganze Wälder gerodet: am Raetischen Limes zwischen Rhein und Donau stand unter anderem eine 172 Kilometer lange Holzpalisade, die von zahlreichen Wehrtürmen und Kastellen bewacht wurde.

Fachwerk „alla romana“

Mit der Eingliederung des südlichen Bayerns in das Römische Reich ab 15 v. Chr. verbreitete sich eine neue Bautechnik für Holzhäuser. Die Germanen hatten zuvor in der Regel Pfostenbauten errichtet: In tiefen Löchern wurden die Pfosten des Hauses verankert. Diese verband man mit Balken und errichtete dazwischen Flechtwerkwände.

In der Römerzeit wurde der Hausbau vereinfacht: Die Pfosten wurden nun in Zapfenlöcher in einem langen Balken gesetzt, dem sogenannten Schwellbalken. Vorteil: die Hauswand ließ sich so vorab auf dem Boden zusammensetzten, bevor sie als Ganzes hochgezogen werden konnte. Der Schwellbalken lag im Idealfall auf einem steinernen Fundament auf, um stärkere Feuchtigkeit zu vermeiden. Sonst wurde das Holz schneller morsch und senkte sich vor allem an den Bereichen ab, auf denen das meiste Gewicht lastete. Was zu hässlichen Rissen im Putz führte, wie der römische Architekturschriftsteller Vitruv monierte. Ein weiteres Problem, vor dem bereits Vitruv warnte: diese antiken Fachwerkbauten brannten wie eine Fackel!

Die Fachwerkhäuser der Römer unterschieden sich dennoch von denen im Mittelalter mit ihren diagonalen Streben, die wir aus unseren historischen Altstädten kennen. Bei den Römern waren, wie Funde belegen, die Wände zudem oft mit Wandmalererein oder Mustern verziert, die man mit Rollstempeln leicht in den feuchten Lehm eindrücken konnte.

Ohne Holz kein Reich - das Limeseum in Ruffenhofen

Schwer zu konservieren: diese Balken lagen jahrhundertelang im Schlamm bei Dambach und sind daher so gut erhalten, Foto: LIMESEUM

Archäologen auf dem Holzweg

Da Holz üblicherweise verrottet, stoßen Archäologen bei Ausgrabungen in der Regel selten auf erhaltene Reste. Meist bleiben vom zerfallenen Holz nur schwarze Verfärbungen übrig. Nur in seltenen Fällen wie etwa beim Kastell Dambach am Limes sind verschiedene Bauhölzer aus der Römerzeit wie etwa ein Schwellbalken und eine Dachschindel noch gut konserviert. Weil die Böden dort dauerhaft feucht waren, wurde das Holz luftdicht abgeschlossen.

Bei gut erhaltenem Holz ist inzwischen eine jahrgenaue Datierung möglich, allerdings nur, wenn auch die Waldkante erhalten ist. Dann können Spezialisten (Dendrochronologen) anhand der Jahrringe ganz genau herausfinden, in welchem Jahr der Baum gefällt wurde. In besonders guten Fällen können sie sogar die Jahreszeit ermitteln…

Die Jahresringe geben auch Hinweise zum Klima. Mehrere dünne Ringe bei Bäumen aus dem gleichen Gebiet zeugen von einer Dürreperiode oder vergleichbaren schlechten Klimabedingungen. Diese haben sich natürlich auch auf den Ackerbau ausgewirkt: Missernten waren die Folge.

Auf diese Weise konnte der Bau der raetischen Limesmauer auf den Winter 206/207 eingegrenzt werden. Denn in den Feuchtgebieten von Dambach musste für die Steinmauer erst ein Rost aus Eichenpfählen in den unsicheren Untergrund eingeschlagen werden. Sonst wäre sie darin versunken.

Für Archäologen ist auch interessant, um welche Baumart es sich handelt. So wurde die stabile Eiche für den Hausbau bevorzugt – wie bei dem Schwellbalken aus Dambach – , während die biegsamere Buche für Möbel besonders gut geeignet war.

Ohne Holz kein Reich - das Limeseum in Ruffenhofen

Ein spannender Fall für einen Dendrochronologen: dieser Baustamm hat schon einige Jahre auf dem Buckel, Foto: LIMESEUM

Altes Holz erhalten für die Zukunft

Um frische Holzfunde zu erhalten, müssen sie so schnell wie möglich zu Restauratoren in eine Werkstatt und dort konserviert werden. Dies geschieht am besten, indem man das Holz für mehrere Monate oder sogar Jahre in eine spezielle Lösung aus Kunststoff legt. Dabei wird das Wasser, das sich während der Zeit in dem feuchten Boden in den Zellen des Holzes abgelagert hat, durch die Kunststofflösung ersetzt. Das Holz wird ausgehärtet und gegen Verfall resistent gemacht.

Wenn plötzlich sehr viel Holz gefunden wird, stellt das Archäologen und Restauratoren vor eine logistische Herausforderung: Es müssen die nötigen Verpackungsmaterialien, geeignete Transportmöglichkeiten und anschließend Becken für die Konservierungsbäder organisiert werden.

„Oh nein, nicht schon wieder Holz!“, das könnte daher der Ausruf eines Archäologen sein. Denn so groß die Freude über einen unerwarteten Holzfund ist, so groß ist auch sein Entsetzen, wenn die nötigen Mittel zu dessen Konservierung fehlen…

Ohne Holz kein Reich - das Limeseum in Ruffenhofen

Schwungvoll und modern: das Limeseum wurde 2015 mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet, Foto: LIMESEUM

Ein Museum aus Holz

Das LIMESEUM selbst „wurde als leichte Holzkonstruktion mit Stützen und Trägern aus verlehmtem Nadelholz errichtet. An der Außenfassade sorgen vertikale Holzschwerter für Struktur“. so Ludwig Karl, Architekt des Limeseums: „Die Holzskelettkonstruktion ermöglicht nach innen und außen großflächige Verglasung, die den gewünschten Ausblick in alle Richtungen gestatten.“

Also lohnt sich ein Besuch des LIMESEUM doppelt: nicht nur die Ausstellung sondern auch seine einzigartige Architektur sind die Fahrt nach Ruffenhofen wert!

Nächstes Jahr wird eine Sonderausstellung die Natur und Landschaft um das Kastell Ruffenhofen zur Römerzeit thematisieren und damit auch den Umgang der Römer mit Holz erlebbar machen.

#HeritageMW zur Internationalen Museumweek

Die Vergangenheit weiter Teile Bayerns als Teil des Römischen Reiches und der Limes gehören also ebenso zu unserem Erbe, wie mittelalterliche Kathedralen, die Märchenschlösser von Ludwig II. und die Residenzen der Wittelsbacher. Bayern ist eben mehr als Oktoberfest und Bergpanoramen! Deshalb ist dieser Artikel unser Beitrag zu #HeritageMW im Rahmen der internationalen Museum Week, einem Social-Media-Event, bei dem euch Museen (aus Bayern sind z.B. das GNM und die Aschaffenburger Museen dabei) unter täglich wechselnden Hashtags in ihre Welt mitnehmen. Unsere Beiträge findet ihr auf unserem Instagram-Account @Infopointbayern.

Ohne Holz kein Reich - das Limeseum in Ruffenhofen

Alle Hashtags zur Museumweek 2018, Foto: Museumweek

LIMESEUM

Römerpark Ruffenhofen 1
91749 Wittelshofen
Tel: +49 (0) 9854 / 97 99 242

Abb. ganz oben: Fachwerk alla romana: Die Rekonstruktion Flechtwerkwand erhebt sich über einem original antiken Schwellbalken, Foto: Heinl/ LIMESEUM

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