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#15shadesofgreen Nr. 8 #meistergrün

by Sabine Wieshuber

Beheizt, bewässert, getrimmt und manikürt… winters wie sommers perfekt grün ist der heilige Allianz-Arena-Rasen mit Sicherheit nicht irgendeine x-beliebige Wiese. Sattgrün, 8.000 Quadratmeter groß – das ist die Fläche, auf der die Geschichte des FC Bayern München Woche für Woche fortgeschrieben wird. Auf diesem Grün spielen sich Siege und Niederlagen, Tragödien und Fortsetzungsromane, Erfolge und Emotionen des Rekordmeisters ab…

Gastbeitrag der FC Bayern Erlebniswelt

Zum Bundesligastart 2018 durften sich die Profis des FC Bayern über einen neuen „Teppich“ freuen. Rechtzeitig zum Anpfiff wurde in der Allianz Arena, die im Mai 2019 ihren 10. Geburtstag feierte, ein neuer Rollrasen verlegt. Der alte Spielbelag auf dem Platz wurde abgefräst. Im Anschluss wurde die Rasentragschicht neu aufgebaut und der neue Rollrasen, Wiesen-Rispengras Typus „Poa Pratensis“, verlegt: 400 Rollen à 15 Meter, sprich 6000 Meter Gras am Stück. Der letzte Rasenwechsel wurde im September 2016 vorgenommen – bis dahin wurden insgesamt 41 Spiele auf dem alten Geläuf ausgetragen, das wiederum nach dem Audi Cup 2017 ausgedient hatte. Somit wird im zwölften Betriebsjahr der Allianz Arena zum zehnten Mal ein neuer Rasen verlegt. Wer mag, kann auf der Innenraum-Webcam jederzeit die aktuelle Rasen-Lage live checken.

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Ausnahmsweise mal nicht rot-weiß, sondern grün: die Ausstellung zur Gründung des FC Bayern Muenchen ©Martin Hangen/hangenfoto, FC Bayern Erlebniswelt

Aber: Er ist nicht der einzige Grünton im Heimspielstadion. Ein paar Stockwerke weiter oben gibt es seit Ende Februar eine weitere grüne Fläche, die genauso viele Geschichten erzählen kann wie der „heilige“ Rasen unten. Sie ist bei Weitem nicht so groß wie das Feld, dabei erstreckt sie sich im übertragenen Sinne durch einen Großteil der Münchner Innenstadt – angefangen am Hauptbahnhof, bis hin durch die Maxvorstadt nach Schwabing zum Luitpoldpark und dem Englischen Garten. Es ist der historische Stadtplan Münchens, der den Fußboden der Sonderausstellung „Zwischen Atelier und Fußballplatz“ in der FC Bayern Erlebniswelt schmückt.

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Lieblingstreffpunkt des „Künstlerclubs“ FC Bayern war das Café Gisela. Foto: FC Bayern Erlebniswelt 

Die wichtigen Anlaufstationen der ersten Bayern-Mannschaft sind auf dem Stadtplan markiert: Das „Café Gisela“ etwa, in dem der erste Präsident Franz John – vom Beruf Fotograf – die Gründerversammlung abhielt. Oder auch das „Pschorr“ als erste Stamm-Kneipe, der erste eigene Fußballplatz an der Clemensstraße in Schwabing und die Akademie der Bildenden Künste, in der sich zahlreiche Bayern-Spieler begegneten und ihre gemeinsame Liebe zum Rasensport entdeckten.

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Kunst und Fußball haben doch mehr gemeinsam, als man denkt! Foto: FC Bayern Erlebniswelt

Besucher der Ausstellung, die am 27. Februar, dem 119. Geburtstag des Vereins, durch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß eröffnet wurde, wandeln im wahrsten Sinne des Wortes auf den Straßen Münchens im Jahr 1900. Das Stadtbild jener Zeit, die für gesellschaftlichen Aufbruch neben auf dem Fußballplatz steht, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Kunst und Fußball, der in der Sonderausstellung aufgegriffen wird. Denn ein Zufall war es keineswegs, dass die Gründung des FC Bayern mit dem Aufbegehren der Münchner Kunstszene einherging. Zahlreiche der 17 Gründerväter nämlich waren als Maler, Bildhauer oder Fotograf Teil des damals weltberühmten Schwabinger Kunst- und Kulturlebens.

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Sepp Maurer war der Erfinder der „Rothosen“. Foto: FC Bayern Erlebniswelt

Das „Café Gisela“, die Gründungsstätte des FC Bayern, ist sogar als Installation realitätsgetreu nachgebildet. Lebens- und Arbeitsbedingungen, das tägliche Schaffen auf und neben dem Fußballplatz werden in der Ausstellung in vielen Facetten erlebbar. Zu betrachten sind unter anderem die Werke von Benno Elkan, Paul Francke, Wilhelm Focke, Otto Ludwig Naegele sowie Gründungs-Initiator Franz John. So ist beispielsweise eine Büste von Karl Valentin neben Skizzen, Zeichnungen und Fotos zu sehen. Die berühmte Grafik „Die Rothosen“ von Sepp Mauder, dessen Kreativität dem Verein nach seinem Beitritt 1903 jahrzehntelang zugutekam, knüpft bereits früh das Band zum Fußballplatz.

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2019 feiert der FC Bayern gleich mehrere Geburtstage: 119 Jahre Verein und 10 Jahre Allianz-Arena. Foto: FC Bayern Erlebniswelt

Es wird deutlich, wie die Bayern der ersten Stunde – zahlreiche von ihnen als Absolventen und Studenten der weltberühmten Kunstakademie der bayerischen Landeshauptstadt – ihrem jeweiligen Handwerk nachgingen. Auch Kinder, genauso wie Erwachsene, können in einem eigenen Bereich mit Farben und Formen experimentieren – eine Frottagier-Station lädt ebenso zum Gestalten ein wie eine digitale Leinwand. Von Station zu Station, von Vitrine zu Vitrine, gelangen die Besucher jeweils – na klar! – über den Stadtplan. Er lädt nicht nur dazu sein, die Zusammenhänge von damals zu verstehen, sondern auch dazu, das Stadtbild von damals mit dem heutigen zu vergleichen, Straßen zu suchen, sich auf die Spuren des FC Bayern zu begeben, sich treiben zu lassen. Dass er dabei grün ist, ist übrigens eine Besonderheit: Die meisten Stadtpläne waren vor mehr als 100 Jahren nicht koloriert…

Die Ausstellung „Zwischen Atelier und Fußballplatz“ läuft noch bis 6. Januar 2020 in der FC-Bayern Erlebniswelt in der Allianz Arena in München

Abb. ganz oben: Kein gewöhnlicher Rasen – ein Blick in die Allianz Arena, an einem spielfreien Tag. Foto: FC Bayern Erlebniswelt

Gastbeitrag von Andrea Hein, FC Bayern Erlebniswelt

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