Home Museum digital#AufdemHolzweg Augen und Ohren auf – Natur trifft Kultur im Isartal

Augen und Ohren auf – Natur trifft Kultur im Isartal

by Infopoint

Sinnlich und alpin geht es heute zu: wir nehmen Kurs auf die Berge und besuchen das Geigenbaumuseum in Mittenwald. Es ist eines von drei alpennahen Museen in der Region Isartal, die sich für die Ausstellung Mit künstlerischem Gespür – Natur und Kultur als Inspiration zusammen getan haben. Also lasst euch inspirieren oder schaut vorbei, wenn ihr auf dem Weg zur Landesausstellung seid! Aus Ettal ist es nur einen Gämsensprung nach Mittenwald, Oberammergau und Garmisch…

Himmlische Klänge aus Mittenwald

Gänsehaut pur: wenn die Streicher einsetzen bei Mozart, Vivaldi, Beethoven, Brahms oder Bruch. Die zarten, reinen Töne der Violinen, die samtweichen tiefen Töne der Bratschen treffen mitten in Herz! Kein Wunder, denn in einer Geige stecken wochen- oder sogar monatelange Arbeit, über Jahrhunderte überliefertes Knowhow und unendlich viel Fingerspitzengefühl. In einem der schönsten Häuser im Zentrum von Mittenwald ist die Sammlung kostbarer und historischer Streich- und Zupfinstrumente untergebracht. Das Geigenbaumuseum Mittenwald dokumentiert die über dreihundertjährige Geschichte des Mittenwalder Geigenbaus von der Barockzeit bis heute. Hör-, Fühl- oder Riechstationen und Filme machen die handwerkliche und soziale Bedeutung des Geigenbaus für die Ortsgeschichte und die Region mit allen Sinnen erlebbar.

Augen und Ohren auf - Natur trifft Kultur im Isartal

Viola von 1715 vom Mittenwalder Meister Mathias Kloz. Foto: Wolfgang Zunterer

Um 1685 brachte der Mittenwalder Mathias Kloz den Instrumentenbau in seine Heimat. Er baute wohl anfänglich Lauten, dann aber bald Bratschen und Geigen nach dem damals neuesten Cremoneser Bauprinzip. Die erste uns bekannte Viola stammt von 1704. Kloz war neben Jakob Stainer in Absam der Erste, der den modernen italienischen Baustil nördlich der Alpen verwendete. Durch seine qualitätsvollen Instrumente wurde er erfolgreich und berühmt. Es ist anzunehmen, dass er als etwa 14-jähriger in Norditalien den Instrumentenbau erlernt hatte, danach war er von 1672 bis 1678 Geselle in einer Lautenwerkstatt in Padua. Um 1685 kehrte er nach Mittenwald zurück. Er gründete und etablierte durch seine Söhne und Schüler, die wiederum Lehrlinge ausbildeten, den Geigenbau in Mittenwald, der bis heute hier ausgeübt wird. Die Viola von 1715 ist eines von 14 uns heute bekannten Instrumenten von Mathias Kloz. Sie war wohl seit dem Kauf im frühen 18. Jahrhundert immer im Besitz einer belgischen adeligen Familie. Über einen belgischen Händler konnte das Geigenbaumuseum das Instrument mit einem ungelösten handschriftlichen Originalzettel und in einem sehr guten Zustand 2009 erwerben.

Aber die Berge und die Natur sind auch Inspiration für die zeitgenössische Musik! Für das Geigenbaumuseum thematisiert der Komponist Mark Polscher die Wechselwirkung zwischen Musik, Instrument, Kulturgeschichte, Region und Natur: am 5. Juli findet die Uraufführung seiner Klanginstallation „Ligneous Encounter“ statt, die der Künstler speziell für diese Ausstellung entwickelt hat. Polschers Werk umfasst Orchester- und Chorwerke, Musiktheater und Kammermusik sowie rein elektronische Werke.

Die Besucher können die Klanginstallation täglich zwischen 15.00 und 17.00 Uhr erleben, außerdem historische Filme über den Geigenbau ansehen und jeden Freitagnachmittag von 14.00-17.00 Uhr in der Schauwerkstatt einem Geigenbauer bei der Arbeit zuschauen.

Augen und Ohren auf - Natur trifft Kultur im Isartal

Für Mittenwald hat der Komponist Mark Polscher eine Klanginstallation entwickelt. Foto: Mark Polscher

Inspiration aus Natur und Kultur

Natur und Kultur im Isartal haben gleichermaßen Maler und Bildhauer inspiriert. Dabei kamen seit Beginn des 19. Jahrhunderts Künstler aus ganz Deutschland und anderen Ländern – vor allem auch aus den Großstädten hierher, um das Panorama und der Landschaft zu genießen. Gleichermaßen hat sich aber auch in Isar-, Loisach und Ammertal, entlang der Handelstraßen über die Alpen eine eigene Volkskultur entwickelt. Diese wurde zum einen durch vielfältige Einflüsse von außen, ebenso aber auch durch die Naturerfahrung geprägt. Dadurch kamen und kommen auch aus einheimischen Familien berühmte Bildhauer, Maler oder  Musiker. Die drei kulturhistorischen Museen des Landkreises in Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau zeigen in ihrer gemeinsam konzipierten Ausstellung Mit künstlerischem Gespür – Natur und Kultur als Inspiration (noch bis 4. November 2018) Werke in denen  die verschiedensten Facetten dieser  Inspiration umgesetzt wurden.

Leuchtende Landschaften im Werdenfels Museum

Das Werdenfels Museum in Garmisch-Partenkirchen, untergebracht in einem ehemaligen Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert, zeigt eine Retrospektive des heimischen Malers Prof. Carl Reiser (1877 – 1950), der zu den bekanntesten Künstlern des Landkreises Garmisch-Partenkirchen zählt. In seinen Gemälden wirken die Berge oft nahezu magisch. Als „Werdenfelser Landschaftsmaler“ hatte er schon früh einen eigenen Stil entwickelt und wurde damit weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Farben mit großer Leuchtkraft steigern die Wirkung seiner Bilder beim Betrachter. Seine Ortsansichten von Garmisch und Partenkirchen sind heute nicht nur von großem künstlerischen, sondern gleichermaßen von historischem Wert. Unverkennbar sind auch seine Stillleben. Bevorzugt stellte er Pfingstrosen und Sonnenblumen dar. Von besonderem Reiz und voller Leben sind die figuralen Darstellungen Carl Reisers, ob er sich als Porträtmaler betätigte, Szenen der „Werdenfelser Fasenacht“ oder frühe Sportveranstaltungen festhielt.

Augen und Ohren auf - Natur trifft Kultur im Isartal

Faszination Berge: Retrospektive des Isartaler Malers Prof. Carl Reiser in Garmisch-Partenkirchen. Foto: Werdenfels Museum

Schnitzer aus Passion im Oberammergaumuseum

Im Oberammergaumuseum, einem der ältesten und  bedeutendsten kulturhistorischen Museen Bayerns, werden Stiche, Zeichnungen und Aquarelle ausgestellt. In ihnen wird deutlich, dass im 19. Jahrhundert nicht nur die Landschaft des Ammertals, sondern vielmehr Dorfansichten, einzelne Häuser und vor allem auch das Oberammergauer Passionsspiel internationale Künstler inspiriert haben.

Auch die ausgestellten Skulpturen weisen darauf hin, wie verschieden Natur und Kultur „mit künstlerischem Gespür“ interpretiert werden. Nachdem die Landschaft im 19. Jahrhundert zu dem bestimmenden Thema in der Malerei geworden war, folgten die Oberammergauer Schnitzer diesem Trend. Da es nicht möglich ist, eine Landschaft zu schnitzen – man kann den Himmel oder das Licht nicht wiedergeben – stellte man meist eine Fels- oder Bergkuppe mit Menschen in Bauern- und Jägertracht dar. Im 20. Jahrhundert werden diese Themen dann in Bronze oder Holz abstrakter umgesetzt. Gerade die in den letzten Jahren entstandenen Werke zeigen ein durchaus reflektiertes – manchmal geradezu satirisches Selbstbild des Bayerischen.

 

Augen und Ohren auf - Natur trifft Kultur im Isartal

Ein kapitaler Bock von Michael von Brentano: Gamsbock, 2014. Foto: Oberammergau Museum

 

Geigenbaumuseum

Ballenhausgasse 3

82481 Mittenwald
Tel: 08823 25 11

Werdenfels-Museum

Ludwigstraße 47
82467 Garmisch-Partenkirchen
Tel.: 08821 75 17

Oberammergau Museum

Dorfstr. 8
82487 Oberammergau

Tel. 08822 9 41 36

 

Abb. oben: der Floriansplatz mit verschneitem Zugspitzmassiv, um 1929, Carl Reiser. Foto: Mark Gilsdorf/ Werdenfels Museum

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy