Home Ausflugsperlen Museen sind stark in Mode – unser Stylecheck in Augsburg

Museen sind stark in Mode – unser Stylecheck in Augsburg

by Infopoint

Na, Lust auf Fashion? Auf neue Outfits? Auf oversized oder Loungewear, Paperbag oder Ballon, Mini oder Maxi, Streetstyle oder Haute Couture? Unsere It-Pieces kommen aus Augsburg – denn in der schwäbischen Textilhochburg wird im Frühling 2021 modisch einiges geboten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass der erste „Mode-Blogger“, Matthäus Schwarz, dort von 1497-1574 aktiv war? Schon im 16. Jahrhundert wusste er, welche Looks angesagt waren und hielt sie, ganz Influencer-like, in seinem Handy-großen „Klaidungsbuechlin“ fest.
Nachhaltig, Vintage und individell – das sind die aktuellen Trends. Und was waren die Must-haves früher? Unsere modischen Inspirationen für die nächste Saison kommen direkt aus den Museen und Kunstsammlungen Augsburg, aus dem Schaezlerpalais, dem Maximilianmuseum und dem tim…

Augsburg war vom 15. bis 18. Jahrhundert eine der größten Textilstädte Europas, in mehr als 2000 Werkstätten ratterten die Webstühle. Die Stoffe, vor allem der Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, hatte eine vielleicht noch größere Bedeutung für die Entwicklung und den Wohlstand der Lechcity als die Handelsdynastie der Fugger.
Als erste eröffnete 1759 die Schüle’sche Kattunmanufaktur am Roten Tor. Wie alle Fabriken, die folgten, nutzte sie die Wasserkraft und Wasserwege der Lechkanäle. Ende des 19. Jahrhunderts waren in den 21 großen Textilfabriken über 10.000 ArbeiterInnen beschäftigt. Als es innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern eng wurde, entstand auf den Wiesen im Osten das neue Textilviertel mit repräsentativen Bauten wie dem Fabrikschloss, dem Glaspalast, Villen und Gartensiedlungen.

Dressed for success – Matthäus Schwarz. Ein Augsburger Modetagebuch des 16. JahrhundertsMaximilianmuseum Augsburg

Öffnung nach dem Lockdown

Museen sind stark in Mode - unser Stylecheck in Augsburg
Das feuerrote „Hochzeitsgewandt“ mit Seidenfransen trug er als Brautführer bei Anton Fuggers Hochzeit 1527 © Aus dem „klaidungsbuechlin“ des Matthäus Schwarz, Augsburg, 1520-1560. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Kunstmuseum des Landes Niedersachsen. Foto: Claus Cordes

Lange vor Instagram & Co schrieb Matthäus Schwarz im 16. Jahrhundert Modegeschichte. Der stilbewusste junge Kaufmann aus Augsburg verewigte die damaligen Trends in seinem Tagebuch. In seinem »klaidungsbuechlin« präsentierte er sich selbst-, stil- und standesbewusst. Bei seinen ersten „Posts“ war er 23, bei den letzten 63. 40 Jahre lang ließ er sich in kostbaren, oft extravaganten und farbenfrohen Kleidungsstücken, porträtieren, die er zu verschiedensten Gelegenheiten auf Maß fertigen ließ. Die Miniaturen spiegeln anschaulich die Männermode des 16. Jahrhunderts wider.
Schwarz machte Karriere, nicht nur als „Influencer“, sondern als Hauptbuchhalter der Fugger, der berühmten Augsburger Unternehmer- und Bankerfamilie. Deshalb hingen seine Modeentscheidungen auch immer eng mit seinem beruflichen und sozialen Status zusammen.

Museen sind stark in Mode - unser Stylecheck in Augsburg
Keine Fashion Show, sondern der Geschlechtertanz, Augsburger Tanzbild, Unbekannter Maler, Augsburg, um 1500, Öl auf Leinwand, © Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Maximilianmuseum

Eine seltene Gelegenheit: nach 500 Jahren kehrt das Modetagebuch, heute im Besitz des Herzog Anton Ulrich Museums in Braunschweig, an den Ort seiner Entstehung zurück. Aus konservatorischen Gründen wird es voraussichtlich das letzte Mal sein… also eine Chance, die ihr nicht verpassen solltet!
Neben dem kostbaren „klaidungsbuechlin“ seht ihr auch Kunstwerke berühmter Meister wie Albrecht Dürer, Hans Holbein d. Ä., Hans Daucher und Christoph Amberger und weitere Leihgaben europäischer Sammlungen und Museen. So wird Matthäus Schwarz’ Leben im Kontext der Augsburger Stadtgeschichte und der Reichspolitik beleuchtet.

Digital in Szene gesetzt, mit Musik und Kommentaren, könnt ihr die Ausstellung schon jetzt auf der multimedialen Ausstellungsseite erleben.

Um angemessene Kleidung wird gebeten. Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heuteSchaezlerpalais Augsburg

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Um angemessene Kleidung wird gebeten: das gebietet allein schon das prachtvolle Rokoko-Ambiente des Augsburger Schaezlerpalais‘. Foto © Manuela Wagner

Kleider machen Leute: sie sind mehr als eine „zweite Haut“, die nur als Schutz dient, sondern sie schmücken ganz ungemein. Für besondere Anlässe wurde zu spezieller Garderobe gegriffen – ob zu religiösen Festen, gesellschaftlichen Events oder im Berufsleben.
Früher bestimmten feste Kleiderordnungen, wer was anzuziehen hatte. Rocklänge, Materialien, Schnitte, Farben, Dekore und Accessoires waren gemäß Anlass und Stand vorgegeben – manchmal sogar per Gesetz. Wer sich nicht an die Dresscodes hielt, wurde gesellschaftlich geächtet oder sogar bestraft. Oft waren es einschneidende politische Ereignisse wie Aufstände, die französische Revolution, die Studentenrevolte, Engpässe oder Kriege, die die strengen Kleidervorschriften lockerten und Kleidung neu erfanden.

Over- oder underdressed? Manches kam „aus der Mode“, neue Outfits kamen hinzu. Auch der Bruch mit modischen Normen wurde zum Statement. Was war angesagt? Was war schicklich? Die Ausstellung geht auf eine modische Reise durch 250 Jahre Modegeschichte, vom 18. Jahrhundert, als das Schaezlerpalais und der üppige Rokoko-Festsaal erbaut wurden, bis in die Gegenwart…
Viele Exponate stammen aus der Privatsammlung des Trierer Kostümhistorikers und Designers Ralf Schmitt. Eines der Highlights ist ein Dior-Haute Couture-Kleid aus den 1950er Jahren – wahrscheinlich trug es Sophia Loren. Die eleganten Ball-, Cocktail- und Hochzeitskleider „flirten“ mit Porträts aus dem Bestand der Kunstsammlungen & Museen Augsburg. Ausgesucht hat sie Kuratorin Julia Quandt: „Die Gemälde veranschaulichen den Modegeschmack und das Frauenbild der jeweiligen Zeit. Manche davon stammen aus den Depots und sind das erste Mal zu sehen,“ so erklärt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kunstsammlungen & Museen Augsburg.

Mehr Mode und viele spannende Infos dazu findet ihr auf der schicken neuen Ausstellungsseite!

Mach mit! Online Angebote für Kinder im Februar – Augsburger Kunst und Geschichte spielerisch kennenlernen, vom Sofa aus. Meldet euch zu den Zoom-Veranstaltungen, Bastel- und Kreativworkshops an (Mail an besucherservice-kusa@augsburg.de oder 0821/3244112, bis einen Tag vorher, 12 Uhr, bei Wochenendveranstaltungen bis Freitag, 12 Uhr). 

Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg

Ab der Zeit um 1840 reihten sich riesige Textil- und Maschinenfabriken entlang der Industriekanäle vor den Stadtmauern auf. Das Textilviertel Augsburg, ein einzigartiges städtebauliches Ensemble, wurde nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckt. Die Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) am Schäfflerbach war die älteste und zeitweise die größte Spinnerei der Bundesrepublik – bis in die 1990er-Jahre. Seit 2010 ist dort das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) zuhause.

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Mustermix quer durch die Modegeschichte im tim Augsburg. Foto: Eckhart Matthäus

In den Shedhallen aus den 1950er Jahren ist auch die Museumsweberei untergebracht. Dort rumoren historische Webstühle neben modernen Hightech-Maschinen und produzieren beispielsweise das tim-Schlossertuch oder das Fugger-Barchent.
Die „Basilika“ und das alte Kesselhaus gestaltete der damalige Augsburger Stararchitekt Jean Keller Ende des 19. Jahrhunderts. Ebenfalls imposant ist das „neue“, in den 1930er Jahren fertig gestellte Kesselhaus – das größte seiner Art in Süddeutschland. Aus Augsburg wurden die Stoffe bis Brasilien und Russland exportiert. Die Massenproduktion umfasste Unterwäsche, Bettwäsche oder Hemdenstoffe.

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Augsburg bekennt Farbe: Knallrot war schon immer ein Mode-Statement. Foto: Eckhart Matthäus | www.em-foto.de

Ein Eyecatcher ist die Musterbuch-Sammlung der NAK (Neuen Augsburger Kattunfabrik). Insgesamt beherbergt das tim 550 Musterbücher aus einem Zeitraum von 1783 bis 1993, mit Millionen von Stoffmustern und über 80.000 Musterzeichnungen. Von diesen Büchern sind etwa 20 ausgestellt. Besonders gefragt war das „Augsburger Rot“, gewonnen aus der Wurzel der krautartigen Rubia-Pflanze.
Mode ist Veränderung, sie lebt vom Wandel. Wie sie sich von 1800 bis 2000 entwickelt hat, bekommt ihr in der Dauerausstellung anschaulich vorgeführt: vom Biedermeierkleid bis zum Bikini, von der Papierhose aus der Kriegszeit, über den Chauffeur-Anzug aus den 30er Jahren bis zum Russenkittel, der zur Zeit des Kaiserreichs schick war. Auch ein „Hauser-Kleid“, benannt nach der Modeschöpferin Liselotte Hauser aus Memmingen, von 1960 ist ausgestellt. Gleichzeitig geht es hier aber auch um Menschen, um die Arbeiter und Arbeiterinnen deren Leben das Industriezeitalter radikal veränderte.

Lust auf einen kleinen digitalen Ausflug in die Welt der Mode? Schaut doch mal auf dem tim YouTube-Kanal vorbei – dort erklärt Museumspädagogin Barbara Kolb u.a. den Kids, warum Kleider Leute machen…

Von glamourös bis leger – modische Museen und Ausstellungen in Bayern

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Die schönste „Qualle“ der Welt – „Méduse“, eine Kreation von Thierry Kugler in der Kunsthalle München

Thierry Mugler. Couturissime, Kunsthalle München/Oberbayern

Mehr als 140 Kreationen aus Haute Couture und Prêt-à-porter und außergewöhnliche Materialien wie Metall, Kunstpelz, Vinyl oder Latex. Der französische Designer, Regisseur, Fotograf und Parfümeur revolutionierte die Mode-Welt. Verlängert bis mindestens 28. Februar 2021. Tipp: der Online-Shop ist für Click & Collect geöffnet!

Bayerisches Nationalmuseum München/Oberbayern

Die Tapisserien des 16. bis 18. Jahrhunderts, zumeist aus dem Erbe des Wittelsbacher Fürstenhauses, gehören weltweit zu den wichtigsten Sammlungen an Brüsseler Tapisserien und Erzeugnissen der Münchner Manufakturen. Zu den seltenen Kostbarkeiten zählen weiterhin liturgische Gewänder aus dem Mittelalter, Kostüme und Textilien der Renaissance, historische Schuhe und Fächer aus fünf Jahrhunderten, eine Studiensammlung zu Seidenstoffen und orientalische Knüpfteppiche.

Textilmuseum Sandtnerstiftung Mindelheim/Schwaben

Samt und Seide, prachtvolle Roben, Party-Kleider der 1920er Jahren und knallige Outfits der Seventies. Außerdem erwarten euch modische Accessoires, kostbare Fächer aus Elfenbein, Perlmutt, Holz oder Spitzen.

Deutsches Hutmuseum Lindenberg/Schwaben

Ein Hutmuseum dieser Art und Größe ist deutschlandweit einmalig: 300 Jahre Hutmode zum Ansehen, Staunen und Mitmachen erwarten euch im „Klein-Paris“ der Hutmode. Über vier Millionen Strohhüte produzierten die Frauen und Männer hier um 1900. Ein Highlight des Museums ist der „Huttornado“, der die Kopfbedeckungen bekannter und berühmter Hutträger künstlerisch aufwirbelt.

Oberfränkisches Textilmuseum Helmbrechts/Oberfranken

Im 19. Jahrhundert galt der Ort als „Kleiderschrank der Welt“. Heute seht ihr textile Rohstoffe, Wolle, Webstühle und Musterbücher. Toll: die Sammlung von Umschlagtüchern, die im 19. Jh. von Helmbrechts aus exportiert wurden – von Saris für Indien und Ponchos für Südamerika. Außerdem findet ihr hier den längsten handgewebten Schal der Welt – mittlerweile ist er 4000 Meter lang.

Levi-Strauss-Museum Buttenheim/Oberfranken

Wusstet ihr, dass Levi Strauss, Erfinder der blauen Kulthose, die die Welt und Mode revolutionierte, in Franken geboren wurde? Aus Buttenheim wanderte die Familie Strauss 1853 nach Amerika aus. Dort begründete Levi sein Jeans-Imperium.

Trachtenmuseum Forchheim/Oberfranken

Hier werden die Trachten des Forchheimer Umlandes und der Fränkischen Schweiz bewahrt, die zur kostbaren Seltenheit geworden sind: Stoffe und Accessoires, wie etwa die prächtigen goldenen Brautkronen.

Trachtenmuseum Ochsenfurt/Unterfranken

Im Greisinghaus wird euch die kunstvoll verzierte Tracht Unterfrankens präsentiert, Ausdruck des Reichtums, der Freude und der Trauer. Interessant: die Nähstube einer Trachtenschneiderin und wer Lust hat, kann selbst im „Anziehkämmerle“ in eine Tracht schlüpfen.

Abb. ganz oben: Wahrlich originelle Beinkleider © Aus dem „klaidungsbuechlin“ des Matthäus Schwarz, Augsburg, 1520-1560. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Kunstmuseum des Landes Niedersachsen. Foto: Claus Cordes

Nathalie Schwaiger

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