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Starke Frauen – inspirierende Museen in Bayern

by Sabine Wieshuber

Unsere Frauenquote liegt heute bei 100 Prozent, denn es ist Weltfrauentag – in Berlin erstmals sogar ein Feiertag! Soweit ist es in Bayern noch nicht, aber dennoch wollen wir heute am 8. März starke Frauen, ihre Museen und besonders „weibliche“ Angebote feiern. In den letzten Jahrzehnten hat sich in Sachen Gleichstellung und Gleichberechtigung – zumindest in Deutschland und Europa – viel getan. Frauen haben für ihre Rechte und ihren Platz in der Gesellschaft gekämpft und viel erreicht. Auch in der Kunst. Früher waren Frauen Musen, heute sind sie Künstlerinnen, Kunstschaffende, Kuratorinnen, Kulturmanagerinnen, Sammlerinnen. Die Hälfte der Menschheit ist weiblich, bei den Kunststudierenden haben Frauen schon längst die Nase vorn und ohne Frauenpower liefe in vielen Museen gar nichts… Anlass genug also den Weltfrauentag nach allen Regeln der Kunst zu feiern! Glückwunsch Mädels!

Gabriele Münter, das Münter Haus, Murnau

Sie durfte als Frau keine Akademie besuchen und hatte Glück, weil ihre Eltern vermögend waren und sie deshalb schon früh Privatunterricht erhielt. Dennoch musste sie sich stetig dagegen wehren, nicht nur im Schatten der berühmten Maler zu stehen, mit denen sie in München und Murnau zusammen arbeitete und lebte. Sie malte tausende farbintensive Landschaften, expressive Porträts, Hinterglasbilder und Ölgemälde und spielte eine tragende Rolle in der Klassischen Moderne. Denn sie ging immer mit der Zeit und die Künstlergruppe des Blauen Reiters wäre ohne sie undenkbar gewesen. Schon zu Lebzeiten hatte sie große Einzelausstellungen in Skandinavien und war auch auf der ersten Documenta 1957 vertreten. Im sogenannten „Russenhaus“, wo sie mit dem verheirateten Wassily Kandinsky zehn Jahre lang lebte, bevor er in seine Heimat zurück ging und sie im Stich ließ, ist heute ihr kleines Museum eingerichtet. Die Treppe ist noch original von Kandinsky bemalt. Ihre letzten Jahre verbrachte sie dort mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eichner, zurückgezogen und bescheiden, und starb 1962 in Murnau. Jedoch nicht ohne sich und dem Blauen Reiter noch ein Denkmal zu setzen: sie schenkte dem Lenbachhaus in München wichtige Werke des Blauen Reiters, darunter auch frühe Gemälde von Kandinsky, die sie während des Krieges im Keller ihres Hauses hinter Marmeladengläsern versteckt hatte. Erst ihre Stiftung und Schenkung machte das Lenbachhaus weltberühmt und zu dem, was es ist. Kein Wunder, dass einer der renommiertesten Preise für Bildende KünstlerInnen der Bundesrepublik nach ihr benannt wurde! Er wird ausschließlich und das ist europaweit einzigartig nur an Künstlerinnen über 40 vergeben.

Starke Frauen - inspirierende Museen in Bayern
Eines der wenigen Fotos, auf denen die scheue Künstlerin abgebildet ist: Gabriele Münter an der Gartentür ihres Hauses in Murnau, 1909 von Wassily Kandinsky aufgenommen. Foto: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

Käthe-Kruse-Puppen-Museum, Donauwörth

Die uneheliche Tochter einer Näherin, geboren 1883 in Breslau, machte über Nacht Karriere und wurde eine der berühmtesten Puppenmacherinnen der Welt und ersten Unternehmerinnen Deutschlands. Ihr Mann, der Bildhauer Max Kruse, sollte ein Weihnachtsgeschenk für die Tochter mitbringen, mochte aber die harten, steifen Puppen von damals nicht und schrieb zurück: „macht euch doch selber eine“. Käthe nahm’s wörtlich, improvisierte und es entstand „Max die Kartoffelpuppe“. Die Köpfe der Puppen modellierte sie später aus Ton und empfand sie ihren eigenen Kinder nach  – ein Riesenerfolg. Die Menschen liebten die niedlichen Gesichtchen, weil sie so lebendig aussahen. Schlenkerchen, Marie und Friedebald, der erste mit echten Haaren, sind bis heute absolute Klassiker und Sammlerstücke.
Käthe Kruse machte trotz einiger Rückschläge und großer Familie – sie hatte sieben Kinder – weiter. 1931 gewann sie einen großen Urheberschafts-Prozess gegen den amerikanischen Bing-Konzern, der ihre Puppen kopierte und die Imitate billiger anbot. Von Bad Kösen verlegte sie ihr Puppenimperium nach dem Krieg nach Donauwörth, wo bis heute Käthe-Kruse-Puppen und -Spielzeug produziert werden. Dort befindet sich auch kleines Museum mit 150 der kostbaren Puppen, eine Schenkung ihrer Tochter, die das Geschäft nach ihrer Mutter übernommen hatte.

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Käthe Kruse im Kreis ihrer Puppenkinder. Foto: Stadt Donauwörth, Museen

Das Berta-Hummel Museum, Massing

Talent für Zeichnen und Malen hatte sie schon als Kind. Als sie mit 15 den ersten Malkasten zum Geburtstag geschenkt bekam, gab es kein Halten mehr. Später durfte sie, was für Frauen damals absolut nicht selbstverständlich war, die Akademie in München besuchen. Trotzdem entschied sie sich ganz anders und trat 1931 in den Orden der Franziskanerinnen in Sießen ein. Auch als Schwester Maria Innocentia malte sie weiter – am liebsten Kinder, die im Innenhof des Klosters spielten –  und gab auch Zeichenunterricht. Der Porzellanfabrikant Franz Goebel aus Rödental wurde auf ihre pausbäckigen, süßen Kinderbilder aufmerksam, kaufte die Lizenz und ließ nach deren Abbild Porzellanfigürchen gießen. Die pummeligen Engel, blondbezopften Mädchen und frechen Jungs verkauften sich großartig – bis nach Amerika. Während des Krieges half der Erlös auch dem Kloster und ihren Mitschwestern zu überleben. Dennoch konnte Berta Hummel nicht nur niedlich. Sie besaß eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und malte auch zahlreiche Naturbilder, Porträts und humoristische Zeichnungen. Bis Mai 2019 habt ihr noch die Chance, das Berta-Hummel-Museum zu besuchen, das seit 1994 in ihrem Geburtshaus in Massing bestand. In einer Sonderausstellung sind von Kinderbildern bis Sterbebildern, die erste Hummelfigur, sowie noch unbekannte Werke noch einmal zusammen getragen worden. Dann wird das Museum im blauen Haus wohl schließen und die Zeichnungen und Figürchen sollen ins Freilichtmuseum Massing umziehen.

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Ein prüfender Blick: Selbstporträt Berta Hummel. Foto: Berta Hummel Museum

Frauen Technik Wissen – Deutsches Museum München

Frauen und Technik? Frauen und Luftfahrt? Frauen und Kraftmaschinen? Aber klar doch! Wissenschaftlerinnen, Expertinnen, Technikerinnen und Mitarbeiterinnen des Deutschen Museums führen durch ihre Abteilung. Frauen wollen es wissen – aber manchmal vielleicht anders. Deshalb sind die Führungen von Frauen für Frauen eine Super-Gelegenheit, um sich mal ganz in Ruhe und ohne Besserwisser die Frühgeschichte der Luftfahrt oder die ersten Antriebe von Motoren, Schleifmaschinen oder Förderbändern erklären zu lassen. Die Führungsreihe für Frauen findet bereits seit 28 Jahren statt, seit 2007 kümmert sich Sabine Bärmann um das abwechslungsreiche Programm. „Die Stimmung innerhalb der Gruppe ist meist sehr ausgelassen. Viele Frauen nehmen seit Jahren regelmäßig an den Frauenführungen am Deutschen Museum teil,“ so Tatjana Krasawin, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Luftfahrtabteilung.
Mehr zur Frauen Technik Wissen auf: www.deutsches-museum.de/angebote/.

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Clearance for Take-off: Starterlaubnis bei den Führungen Frauen für Frauen in der historischen Luftfahrt. Foto: Tatjana Krasawin, Deutsches Museum München

Museum für Frauenkultur Regional-International, Fürth

Künstlerinnen sollen endlich gesehen werden und ihren Platz in der Kunstgeschichte verankern. Deshalb gründete Marianne Pitzen 1981 in Bonn das weltweit erste Frauenmuseum. Inzwischen gibt es von Afrika, über Europa bis Amerika über 40 Frauenmuseen, die sich in einem Netzwerk unterstützen, darunter sechs in Deutschland. Als erstes in Bayern folgte 2003 das Museum Frauenkultur Regional-International in Fürth. Getragen wird es vom Verein „Frauen in der einen Welt e.V.“, der Ausstellungen und Gesprächsrunden zu Themen wie Brot, Vertreibung, Kopftuchkultur, Mobilität und Lebenssituationen von Frauen in Deutschland und der Welt organisiert. Nach der Winterpause eröffnet das Museum im barocken Marstall von Schloss Burgfarrnbach am 4. Mai mit einer zukunftsweisenden Rück- und Vorschau auf 30 Jahre Vereinsarbeit. Zeitgenössische Kunst trifft dabei auf traditionelle Flecht- und Webkunst aus Protest- und Menschenrechtsbewegungen. Und spannende Fragen warten auf ihre Antwort: Was sind die Folgen der Globalisierung für Frauen im Süden und Norden? Wie können Frauen für Frieden und Gerechtigkeit aktiv werden? Über gesellschaftliche Konflikte und kulturelle Grenzen hinweg? Nur gemeinsam!  

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Foto ganz oben: Geta Brătescu, Doamna Oliver în costum de călătorie / Mrs Oliver in her traveling costume 1980/2012 Schwarz-weiß Fotografie / black and white photograph 40 x 39,5 cm © the artist Courtesy Sammlung Goetz, München. Foto: Galerie Barbara Weiss, Berlin

Nathalie Schwaiger

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