Home Ausflugsperlen Entdeckt 10 sehenswerte Museen in Niederbayern!

Entdeckt 10 sehenswerte Museen in Niederbayern!

by Sabine Wieshuber

Im Osten ist definitiv was los! Auch in Niederbayern, dem östlichen Zipfel Bayerns, gibt es tolle Museen, Burgen und Schlösser zu entdecken: kostbare Kuriositäten, Krokodile, winzig-kleine Einhörner, den größten Bergkristall der Welt, kühle Steinreiche, einen wasserspeienden Kaiser und einen gläsernen Schuh – aber nicht der von Cinderella… Na, Lust auf Schatzjagd zu gehen? Die folgenden 10 Museen sind einen Abstecher in den Regierungsbezirk Niederbayern auf jeden Fall wert!

10 sehenswerte Museen in Niederbayern

Kunst- und Wunderkammer Burg Trausnitz in Landshut

Die Landshuter lieben Superlative. Das haben sie schon 1475 bei der Landshuter Hochzeit bewiesen. Die Festivitäten damals dauerten 18 Tage und übertrafen alles bis dato Dagewesene. Die Burg Trausnitz, fortan Wohnsitz des jungen Hochzeitpaares, wurde später unter Erbprinz Wilhelm V. im 17. Jahrhundert von Künstlern wie Friedrich de Sustris und Orlando di Lasso zum Renaissanceschloss umgebaut und mit allen Extras versehen. Im eigenen Tiergarten lebten Löwen, Affen, Papageien, Krokodile und bunte Fische und Seeanemonen im Meerwasseraquarium. Das Prachtstück aber bis heute ist die Kunst- und Wunderkammer, die Wilhelm  und sein Vater Albrecht V. auf der Burg einrichteten. Dort gibt es 600 Schätze zu bewundern: geheimnisvolle  „Naturalia“, also Wunder der Natur wie die Hornstange eines Einhorns und die sagenumwobene Coco de Mer von den Seychellen-Inseln wie auch von Menschenhand geschaffene Kunstwerke, aus Bernstein, Perlmutt und Bergkristall, feinste Glasobjekte aus Venedig und eine silberne Elefanten-Uhr.

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Filigran: die Flügel des silbernen Miniatur-Einhorns bestehen aus der Fruchthälfte eines Ahorns. Fritz Koenig, 1986, Stadt Landshut, Fritz-und-Maria-Koenig-Stiftung. Foto: Peter Litvai

Gäubodenmuseum Straubing

Alle Wege führen nach Strupinga! Jahrtausendelang war die Donau eine der wichtigsten Verbindungen nach Osteuropa und das römische Straubing („Strupinga“) ein Knotenpunkt auf der Route in das böhmische Becken und die Cham-Further Senke. Diese besondere Lage und der fruchtbare Boden bescherten der einstigen Herzogs- und Regierungsstadt der Wittelsbacher eine eindrucksvolle archäologische und historische Sammlung, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Gäubodenmusem zusammen getragen wurde: Funde aus der Jungsteinzeit, keltische Grabbeigaben, wie etwa Gefäße aus Mittelmeermuscheln, ein Holzbrunnen und der einzigartige Römerschatz. Die Gesichtsmasken, Beinschienen, Rossstirnen, Statuetten und Alltagsgegenstände aus Zeiten der Germaneninvasion sind der größte Hortfund römischer Paraderüstungen im gesamten Gebiet des früheren „Imperium Romanum“.

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Ave Caesar! Der Straubinger Römerschatz ist der größte des früheren Imperium Romanum. Foto: Gäubodenmuseum

Steinwelten und Besucherbergwerk Graphit Kropfmühl in Hauzenberg

Wer braucht schon ein Foto vor dem „Hollywood“-Zeichen im fernen Kalifornien, wenn’s doch schöne Motive viel näher gibt: ein Selfie vor dem riesigen Schriftzug „GRANIT“ ist auf jeden Fall auch ein Hingucker! Und noch dazu direkt hier in Bayern, im Luftkurort Hauzenberg… Wohin man schaut, in Massing scheint alles zu Stein erstarrt, die Felswand, der Boden, die Decke und Wand. Eine Erdzeitachse zeigt die einzelnen Entstehungsphasen der Gesteine. Die Reise führt euch 500 Millionen Jahre zurück, 15.000 Meter tief in das Erdinnere, wo Hunderte von gesteinsbildenden Mineralien zu bestaunen sind – und die Sonderausstellung „Steinreich“ erzählt, wie die Steinmetze im Mühlviertel und im Bayerischen Wald seit über fast tausend Jahren wahre Granit-Kunstwerke schaffen.

Nur ein paar Kilometer weiter, auch in Hauzenberg, liegt das Graphiteum, eine interaktive Erlebniswelt rund um den Zukunftsrohstoff Graphit. Auf knapp 350 Quadratmetern nimmt es die Besucher mit in eine imaginäre, spannend aufbereitete Unter-Tage-Welt und begleitet durch 2500 Jahre Kultur- und Regionalgeschichte – um dann abzutauchen in das Besucherbergwerk Graphit Kropfmühl, das das schwarze Roherz und die Arbeit der Bergleute faszinierend authentisch vor Augen führt.

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Gar nicht schwer: im Granitzentrum in Hauzenberg wirkt der Edel-Stein leicht und transparent. Foto: Steinwelten

Museumsdorf Bayerischer Wald in Tittling

Der kleine, wasserspeiende Napoleon hat schon viel erlebt. Die Brunnenfigur stellt den französischen Kaiser in typischer Pose dar. Sie wurde vermutlich als Spottfigur geschaffen. Denn nach seinem desaströsen Russland-Feldzug von 1812, an dem auch 33.000 Soldaten aus Bayern beteiligt waren, erreichte die Popularität des Feldherrn einen Tiefpunkt. 1945 wurde die Napoleonfigur auch noch Zielscheibe amerikanischer Soldaten, dabei wurden die Beine und Teile des Gesichtes beschädigt. Heute steht der historische Brunnen im Museumsdorf in Tittling, einem der größten privaten Freilichtmuseen in Europa, seit 1974 in der Hand der Familie Höltl. Dort könnt ihr spazierend über 100 Gebäude von 1580 bis 1850 entdecken, wunderschöne alte Bauernhöfe, Kapellen, Mühlen, Sägen, die älteste Volksschule Deutschlands aus dem Jahre 1666 und ganz neu: die Ausstellung „100 Jahre Spritzenhaus“ mit Objekten des Feuerlöschwesens im Bayerischen Wald des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in der Altneihauser Feuerwehrkappell´n.

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Kleiner Kaiser: Wassergrand mit Brunnenstock und wasserspeiender Napoleonfigur aus Granit aus Aßberg bei Jandelsbrunn/Bayerischer Wald. Foto: Museumsdorf Bayerischer Wald Tittling

Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau

Früher beherbergte das Passauer Vorzeige-Haus an der Donau wahrscheinlich Stiftskapitäne, Priester, die für die Seelsorge der Benediktinerinnen des gegenüberliegenden Stifts Niedernburg zuständig waren – dafür spricht zumindest der vermauerte Verbindungsgang, der bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde. Heute werden in den gotischen Gewölben und barocken Räumen 1500 Arbeiten des Malers und Grafikers Georg Philipp Wörlen (1886-1954) präsentiert. Außerdem findet ihr dort auch zahlreiche Werke aus den Künstlergemeinschaften „Der Fels“ und der „Donau-Wald-Gruppe“, Werke befreundeter Künstler wie Alfred Kubin, sowie Korrespondenzen, die einen intensiven Einblick in die Beziehungen zwischen Wörlen und seinen Künstlerfreunden, Malern, Bildhauern, Dichtern und Schriftstellern aus Deutschland und Österreich, gewähren. Und auch die Sammlung zeitgenössischer Künstler aus der Region – wie Arnulf Rainer, Mel Ramos oder Günther Uecker – kann sich sehen lassen. Bis zum 21. Oktober etwa könnt ihr noch die farbintensiven Akte und archaisch anmutenden Tierskulpturen des großen Afrikareisenden und Waldhäuser Künstlers Heinz Theuerjahr (1913-1991) im MMK bewundern.

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Zwischen Afrika und Niederbayern: Heinz Theuerjahr lebte im Künstlerdorf Waldhäuser. Akt, 1946. Foto: Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau

Museum Berta Hummel in Massing

Pausbäckige Kinder mit Schäfchen oder Brezel, niedliche Babys, Engel und natürlich Hummeln – damit wurde Berta Hummel (1909-1946) berühmt. Dank der Einnahmen durch den Verkauf ihrer Figuren, die als Bücher, Postkarten und Keramikpüppchen weltweit Fans hatten, konnte das Franziskanerinnenkloster im oberschwäbischen Sießen, in das sie 1931 eingetreten war, auch während der Nazi-Zeit überleben. Doch das kreative Repertoire der Künstlerin war viel größer. Auch wenn sie nur wenig Zeit für ihr kreatives Schaffen hatte – sie starb mit nur 37 Jahren – so hinterließ Schwester Innocentia, wie sie dann hieß, doch auch scharf beobachtete Porträts, Karikaturen, wunderschöne Landschaften und opulente Blumenbilder. Ausgestellt werden diese seit 1994 im himmelblauen Hummelhaus, das seit 1875 im Besitz der Familie Hummel ist. Berta Hummels Vorfahr Jakob hatte hier einen Gemischtwarenladen. Die Bauernstube der Familie ist noch original erhalten…

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„Die scheinheiligen Brüder“ hat Berta Hummel karikiert. Fronleichnamsprozession, 1931, Foto: Museum Berta Hummel

Glasmuseum Frauenau

Nicht nur Cinderella hat ihren gläsernen Pantoffel verloren, auch in Frauenau wurde einer gefunden, wenn auch ein etwas „rustikaleres“ Modell… In dem kleinen Ort im Zweistromland zwischen Bayern und Böhmen schlägt das „gläserne Herz des Bayerischen Waldes“: drei Glashütten produzieren hier Glas, die ostbayerische Glasregion gilt als wichtiges europäisches Zentrum der modernen Studioglasbewegung. Zu ihren Pionieren zählt der Glaskünstler Erwin Eisch, der auch den Frauenauer gläsernen Schuh geschaffen hat. Weitere „eyecatcher“ sind die Glasschmucksammlung aus Gablonz, kostbare Luxusgläser europäischer Herrscherhäuser im barocken Gartenlabyrinth oder die schillernden Gläser des Jugendstils.
Wunderschön: zwischen den Glasmanufakturen Poschinger und Eisch sowie rund um das Glasmuseum erstrecken sich die Gläsernen Gärten mit über 30 Großskulpturen, geschaffen von renommierten Glaskünstlern.

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Leider nicht Aschenputtels Schuhgröße: der Frauenauer gläserne Schuh, erschaffen von Studioglas-Pionier Erwin Eisch. Foto: Glasmuseum Frauenau

Stadtresidenz Landshut

Der erste Renaissancepalast auf deutschem Boden befindet sich, versteckt hinter einer klassizistischen Fassade, mitten in der Altstadt von Landshut. Hier ließ sich Herzog Ludwig X. ab 1536 seine Stadtresidenz errichten (heute als „Deutscher Bau“ bezeichnet). Während einer Italienreise begeisterte Ludwig sich an der Pracht des Palazzo del Te in Mantua und verpflichtete italienische Baumeister für einen Erweiterungsbau – es entstand der „Italienische Bau“. Die meisterhaft dekorierten Räume beherbergen auch mehrere Sammlungen: archäologische Fundstücke von der Steinzeit bis zu den Römern, Keramikkunstwerke und Tonplastiken vom frühen 15. Jahrhundert bis heute.

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Humanistisches Bildungsprogramm: das Deckenfresko im italienischen Saal der Stadtresidenz Landshut. Foto: Bayerische Schlösserverwaltung

Freilichtmuseum Finsterau

Habt ihr schon mal in einem Museumsdorf übernachtet? In Finsterau inmitten des schönen Böhmerwalds, nahe der tschechischen Grenze, ist das möglich! Ihr müsst nur einen Schlafsack mitbringen und könnt euch dann in der prächtig ausgemalten Stube oder im Obergeschoss des Tanzer-Hofs, einem Dreiseithof von 1879, niederlassen. Aber auch tagsüber gibt es im Freilichtmuseum viel zu sehen: Aus dem ganzen Bayerischen Wald sind Bauernhäuser und Höfe nach Finsterau verpflanzt worden, außerdem eine Dorfschmiede, eine Kapelle und ein Straßenwirtshaus.  Stuben und Kammern sind voll der Dinge und Möbel, mit denen Menschen gelebt und gearbeitet haben. Kühe und Schafe und zwei Esel schauen den Besuchern über den Weidezaun zu, in den Bauerngärten blühen Blumen und duften Küchenkräuter. Belebt wird das Museum durch Feste und Märkte, Volksmusik, Handwerksvorführungen, Workshops und Führungen für Kinder – und im Museumswirtshaus und im Café Heimat können Familien, Biker und Wanderer sich bei Brotzeit und einer Maß Bier oder Limo erholen.

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In diesem kuscheligen Himmelbett kann man leider nicht übernachten, aber im historischen Tanzer-Hof im Freilichtmuseum Finsterau schon! Foto: Schlafkammer im Petzi-Hof von 1818, Freilichtmuseum Finsterau

Kristallmuseum Riedenburg und Kristallmuseum in Viechtach

Fast acht Tonnen wiegt der transparente Gigant: die bislang größte Bergkristallgruppe der Welt wurde 1981 im Westen von Arkansas in den USA gefunden und konnte in einer komplizierten Aktion geborgen werden. Noch im gleichen Jahr wurde sie nach Riedenburg geholt und bildete den „Grundstein“ für das Kristallmuseum. Später kamen die einmalige Turmalin-Sammlung und mit über 300 edlen Steinen die weltweit größte Replikat-Sammlung historischer Diamanten hinzu, die auch im Guinessbuch der Rekorde eingetragen ist.

Auch Viechtach, etwa 60 Kilometer weiter östlich Richtung Großer Arber, hat seit 1977 ein Kristallmuseum. Nahe des kleinen Ortes am Schwarzen Regen verläuft der „Pfahl“, ein weithin sichtbares Quarzriff, das zu den bedeutendsten geologischen Naturdenkmälern Bayerns gehört. Die bizarre weiße Felswand, im Volksmund auch „Teufelsmauer“ genannt, besteht zu über 95 Prozent aus Kieselsäure und zieht sich auf einer Länge von über 150 Kilometer von Fürholz bei Feyung im unteren bayerischen Wald bis nach Schwarzenfeld in der Oberpfalz.

Unser Tipp: legt doch mal einen Stein-Tag ein und kombiniert eine Wanderung mit einem spannenden Museumsbesuch!

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Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt: die Bergkristallgruppe ist mit knapp acht Tonnen die bislang größte der Welt. Foto: Kristallmuseum Riedenburg

Welche Museen in Niederbayern besucht ihr am liebsten?

Die ganze Vielfalt bayerischer Museen gibt es im Museumsportal Bayern oder im Infopoint Museen und Schlösser in München. Wir halten euch gerne über aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen in Bayerns Museen auf dem Laufenden – beispielsweise über Facebook, Twitter und Instagram! Weitere Ausflugsperlen findet ihr hier.

Nathalie Schwaiger

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