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Museumstipps in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg

by Sabine Wieshuber

Unterfranken wartet mit einer Fülle an Überraschungen auf – denn hier verbinden sich Kunst und Architektur auf vielfältige Weise. Historische Bauten wie ein alter Kornspeicher, eine Kirche oder gar ein ehemaliges Schwimmbad dienen nun als „Schmuckkasten“ für Kunstwerke verschiedenster Stilrichtungen. Gleichwohl erwarten euch in Unterfranken raffinierte Bauten moderner Museumsarchitektur wie das Georg Schäfer Museum in Schweinfurt, historische Prachtbauten wie das Pompejanum in Aschaffenburg oder auch das kleine – zunächst vielleicht unscheinbare – Geburtshaus Ernst Ludwig Kirchners. Allen voran sei jedoch das Christian Schad Museum genannt, das in einem ehemaligen Jesuitenkolleg untergebracht ist und erst kürzlich eröffnet wurde. Hier kommen unsere Museumstipps in Unterfranken!

Museumstipps in Aschaffenburg

Christian Schad Museum

Christian Schad steht wie kein Zweiter für die Malerei der „Neuen Sachlichkeit“ der 1920er Jahre. In Aschaffenburg ist seit Kurzem eine weltweit einzigartige Gesamtschau seines OEuvres zu bewundern: Das neue Christian Schad Museum präsentiert das Leben dieses Ausnahmekünstlers im Kontext der europäischen Avantgarde. Sein Schaffen reflektiert Dada und Expressionismus bis hin zum Magischen Realismus nach 1945. Seine Fotografien ohne Kamera – Schadographien genannt – begründen neben den ikonischen Werken der Neuen Sachlichkeit heute seinen Weltruhm. Christian Schads Nachlass befindet sich mit rund 3.200 Werken dank einer Schenkung seiner Witwe in Aschaffenburg, wo er vier Jahrzehnte lebte.

Das Museum verbindet sich über „schadographierte“ Glaselemente in sichtbarer Zäsur mit der ehemaligen Jesuitenkirche aus dem 17. Jahrhundert, die als Kunsthalle moderne und zeitgenössische Kunst zeigt.

Kunsthalle Jesuitenkirche
Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell
bis 1. November 2022

Das malerische Œuvre des Leipzigers Erich Kissing (*1943) ist mit gut 70, zumeist großformatigen Gemälden, überschaubar, da der Maler oft mehrere Jahre in einer aufwendigen, feinmalerischen Technik an ihnen arbeitet. In den Bildwerken entspinnen sich zumeist surreale Szenen: vom Künstler erfundene Flugapparate, gezähmte Mischwesen, Mondlandungen und Kentauren bevölkern die Bilder. Der besondere Fokus der Ausstellung liegt zudem auf der langjährigen Verbindung Kissings zu dem Leipziger Modell Kerstin, die auch für viele weitere Maler und Fotografen Modell stand. Zu sehen sind daher auch Arbeiten von Michael Triegel, Leif Borges und Dietrich Wenzel sowie Fotografien von Günter Rössler und Stefan Hoyer. Diese Verbindungslinien zwischen dem Künstler Erich Kissing, dem Modell Kerstin und der Beschäftigung mit dieser Frauenfigur im Œuvre weiterer Leipziger Künstler soll in dieser Ausstellung untersucht und dargestellt werden.

1880 erblickte unweit von dort der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner das Licht der Welt. In seinem Geburtshaus, einem stattlichen Gebäude von 1862 am ehemals Bayerisch-Preußischen Grenzbahnhof, ist das KirchnerHAUS Museum Aschaffenburg angesiedelt. Denkmalgerecht saniert, gibt die damalige Wohnung der Familie Einblicke in die Kindheit des berühmten Malers. Die nächste Ausstellung ist der Graphik von Erich Heckel gewidmet, wie Kirchner selbst ein Mitbegründer der epochalen Künstlergruppe „Die Brücke“.

KirchnerHAUS Museum
Erich Heckel. Aquarelle und Zeichnungen aus sechs Jahrzehnten
bis 8. Januar 2023

Als Mitglied der 1905 gegründeten Künstlergruppe Brücke schrieb Erich Heckel (1883-1970) gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl Kunstgeschichte. Auf der Suche nach dem Ursprünglichen thematisieren die jungen Künstler den Menschen in Bewegung und den Akt in der Natur. Nach Auflösung von Brücke erfahren Natur und Menschenbild im Werk Heckels einen Wandel. Er erweitert sein künstlerisches Schaffen zunehmend um Landschaften, Städteansichten und Stillleben. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem Erich Heckel-Nachlass in Hemmenhofen bieten einen Einblick in das Schaffen des Künstlers.

Ein kleiner Spaziergang zum Schloss Aschaffenburg und seinem Garten am Hochufer des Mains versetzt einen mit dem Pompejanum in eine mediterrane Welt.

Pompejanum
Passing the garden – Video von Monika Huber
bis 31. Oktober 2023

Auftraggeber dieser Villa war König Ludwig I. von Bayern – ersonnen aber war sie als Anschauungsobjekt für Kunstbegeisterte. Den einzigartigen idealen Nachbau eines römischen Wohnhauses errichtete Friedrich von Gärtner 1840 bis 1848. Neben Mosaiken, Wandmalereien und feinstem Tafelgeschirr werden Flanierende erstmals mit dem Video „Passing the Garden“ überrascht, das antike Gartenfresken und aktuelle Umweltproblematik ins Licht setzt.

Museumstipps in Schweinfurt

Kunsthalle Schweinfurt

Spannend ist die Kunsthalle Schweinfurt, die als Hallenbad von dem Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs gestiftet und nach Plänen von Roderich Fick 1931 bis 1933 erbaut wurde. Die Neusachliche Architektur ist idealer Rahmen der sich aufbäumenden Kunst des deutschen Informel nach 1945. Außergewöhnliche Bedingungen finden die Ausstellungen in der großen Halle vor: Der Raum mit dem ehemaligen Schwimmbecken verfügt über eine nahezu sakral anmutende Raumhöhe von neun Metern. Künstlergespräche, Konzerte oder Führungen in Deutscher Gebärdensprache in Kooperation mit den Museum Signers bieten zahlreiche Gelegenheiten für einen lebendigen Austausch.

Aroma. Werke von Joachim Kersten, Roger Libesch, Wolf Sakowski und Ralf Siegemund
bis 23. Oktober 2022

Vier Künstler, vier Perspektiven – vereint zu einem Gesamtkunstwerk in der Großen Halle. Da ist ein großer Kubus, ein Raum im Raum, von Joachim Kersten, der uns in Farbe eintauchen lässt. Da ist Ralf Siegemund mit seiner Arbeit „See- und Landstück“, die uns über unseren Natur- und Kulturbegriff in Europa nachdenken lässt. Da ist Roger Libesch‘ Installation mit 1001 Zeichnungen, die uns in schwindelige Höhe von neun Metern nimmt. Und da ist schließlich die Arbeit „Totem“ von Wolf Sakowski, die dem Naturverständnis indigener Völker gewidmet ist – ein Verständnis, das es dem Menschen möglich macht, auf die Natur zu „hören“, mit und in ihr zu leben.

Museum Georg Schäfer

Das Museum Georg Schäfer überrascht mitten in Schweinfurt gleich mehrfach: Als architektonisches Meisterwerk von Volker Staab besticht es in seiner schlichten Eleganz mit erfrischenden Blickachsen innen wie nach außen. Die herausragende
Sammlung von Malerei und Grafik des deutschsprachigen Raums braucht den Vergleich mit Berlin und München nicht zu scheuen. Sie erlaubt einen Überblick von 1760 bis 1930 und bildet bedeutende Werkgruppen einzelner Maler wie z. B. Caspar David Friedrich, Carl Spitzweg, Adolph von Menzel oder von Impressionisten wie Max Slevogt, Lovis Corinth und Max Liebermann.

Museumstipps ins Würzburg

Museum im Kulturspeicher Würzburg

Direkt am Mainufer des Alten Hafens steht der imposante Kornspeicher – eine echte Sehenswürdigkeit. Von Brückner & Brückner wurde er behutsam zum Museum im Kulturspeicher Würzburg umgewandelt. Stahl, Glas und Beton sind auf faszinierende Art mit historischem Gebälk kombiniert. Vereint unter einem Dach sind hier städtische Kunstsammlung und die konkrete Kunst der Sammlung Peter C. Rupert. Wichtige Werke der Bildhauerin Emmy Roeder setzen starke weibliche Akzente.

Konkreter Global! Konstruktivismen des Globalen Südens
01.10.2022 – 15.01.2023

Zum 20. Jubiläum kommt „Konkret global“ und die Lange Kulturspeichernacht am 21.10.2022. Der Kulturspeicher ist von „Reisen für alle“ auf Barrierefreiheit zertifiziert und Teil des Netzwerkes Museen Inklusive! Ein besonderes Angebot für blinde Besucher und Besucher mit Seheinschränkungen bildet das Tastmodell der „Mondlandschaft“ von Andreas Geist.

Museum am Dom

Das Museum am Dom Würzburg verspricht neben der Nähe zum Dom erstaunlichen Kunstgenuss sowie anregende, lebensnahe Impulse. Mal leise und fein, mal wuchtig und drastisch werden Fragestellungen um Leben, Leiden und Tod mit der Kunst in den Raum geworfen: Unabhängig von Epoche, Medium und Stil spannt sich ein weiter Bogen, der ein mittelalterliches Kruzifix von Tillmann Riemenschneider neben modernen Werken von Otto Dix, Andy Warhol oder Joseph Beuys auffinden lässt.

Abb. ganz oben: © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Sabine Wieshuber

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