Home Ausflugsperlen Nachhaltigkeit zu jeder Zeit – Freilichtmuseen in Bayern  

Nachhaltigkeit zu jeder Zeit – Freilichtmuseen in Bayern  

by Sabine Wieshuber

Lust auf frische Luft? Auf Schafe, Bauerngärten, alte Obstsorten, Bienen, traditionelle Höfe, historische Scheunen und klappernde Mühlräder? Davon bieten die Freilichtmuseen jede Menge!
Im Alten Hof in München stellen sich vom 3. April – 28. Mai 2022 die acht Museen des Netzwerkes „Freilichtmuseen in Bayern“ im Infopoint Museen & Schlösser in Bayern mit einem wichtigen Thema vor: Nachhaltigkeit. Egal ob Schuhe, Textilien, Sanierung oder Modelle von Wasserrädern – wir zeigen euch anschaulich, wie nachhaltig die Museen arbeiten.

Ein Gastbeitrag des Netzwerks Freilichtmuseen in Bayern

Die Freilichtmuseen in Bayern entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren alle aus einer ähnlichen Motivation heraus. Da es noch keinen Denkmalschutz gab, wurden im Freistaat viele alte Gebäude und Bauernhöfe abgerissen, weil die Menschen komfortable Einfamilienhäuser haben wollten. Daraus entstand zum Glück eine Gegenbewegung: um die bäuerlich-ländliche Kultur zu bewahren, wurden einige besonders schöne Häuser gerettet. Sie wurden ab- und an anderer Stelle, auf freien Flächen draußen, wieder aufgebaut.

Die Freilichtmuseen in Bayern haben sich 2019 zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Um sich gemeinschaftlich besser zu positionieren und die Verknüpfung mit dem Tourismus in Bayern zu intensivieren, werden seitdem Projekte entwickelt und durchgeführt, die sowohl die Vielfalt der bayerischen Freilichtmuseen, als auch deren ganz besonderen Eigenschaften präsentieren. Ein solches Projekt ist die Social-Media-Kampagne #FreiLichtblick, bei der regelmäßig solche Themen aus allen Freilichtmuseen vorgestellt werden.

Mit Fahnen und vielen Exponaten präsentiert jedes der acht Museen einen Aspekt der Nachhaltigkeit im Freilichtmuseum. Über den richtigen Umgang mit Wasser, das nachhaltige Bauen früher und heute bis hin zum Blick in den Kleiderschrank und die damals und heute verwendeten Ressourcen zur Herstellung von Kleidung.

Die Ausstellung im Infopoint Museen und Schlösser in Bayern ist bis zum 28. Mai 2022 zu sehen.

„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“

Marie von Ebner-Eschenbach

Ökologie – das Freilandmuseum Oberpfalz

Nachhaltige Bildungsprogramme zu Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Umweltbildung: Bei Führungen und Workshops für Erwachsene, Familien und Kinder könnt ihr die verschiedenen Lebensräume wie die Museumsgärten erkunden und die Artenvielfalt auf dem Gelände des Freilandmuseums Oberpfalz erleben.
Nachhaltigkeit ist Grundprinzip der museologischen Arbeit. Einen besonderen Stellenwert nimmt die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit ein. Als staatlich anerkannte Umweltstation ist das Freilandmuseum Oberpfalz ein anerkannter Träger der Umweltbildung. Das Museum richtet sich außerdem selbst konsequent ökologisch aus. Das derzeit im Bau befindliche museumspädagogische Gebäude wird mit Hölzern aus dem eigenen Wald errichtet. Das materialarme Low-Tech Gebäude wird den Plus-Energie-Standard erfüllen und nach seinem Lebenszyklus zu 100% recyclebar sein.

Inklusion – das Fränkische Freilandmuseum Fladungen

Es ist nicht nur ein besonderes Nachhaltigkeitsthema, sondern auch eine Herzens-Angelegenheit: Gesellschaften sind nur dann nachhaltig, wenn alle Bevölkerungsgruppen – und somit auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen – teilhaben können. Diese Botschaft ist in Fladungen ganz zentral und das Museum setzt sich aktiv dafür ein, diese Haltung in der Gesellschaft weiter voranzutreiben.
Neben Tastplänen, Hands-on-Stationen und Leitlinien könnt ihr auch mit einem umfangreichen Audioguide mit inklusiven Rundgängen das Museum entdecken. Die Auszeichnung #BayernBarrierefrei der bayerischen Staatsregierung und die Zertifizierung durch die bundesweite Kennzeichnung „Reisen für Alle“ bestätigen das Museum in seiner Mission und helfen dabei, die inklusiven Angebote für alle sichtbar zu machen.

Wasser – das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim

Ob zur vielfältigen Versorgung im Dorfweiher, als innovative Idee bei den Wässerwiesen, unter dem Mikroskop im Wasserlabor oder als Energielieferant, wie bei Hydraulischem Widder & Co. – Wasser ist eine vielseitige Ressource. Rund um das kühle Nass, das gleichzeitig auch Lebensraum für viele (Kleinst-)Lebewesen ist, drehen sich der Beitrag und die Exponate in der Ausstellung. Wie ging man früher mit der Umwelt um? Was können wir aus der Vergangenheit für die Zukunft mitnehmen? Darauf findet ihr Antworten in Bad Windsheim.

Bienen – das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren

Nicht nur historische Bauten bleiben erhalten. Auch sämtliche Bauerngärten, ein Spaliergarten, Streuobstwiesen, Musterfelder mit alten Getreidesorten und Feldfrüchten, Baumhecken und Feldholzinseln, Wasserbiotope und Waldflächen finden im Museum ihren Platz. Dadurch schützt und fördert das Museum Ökosysteme und Landschaftsstrukturen.
Neben Obstbäumen und anderen Pflanzen sind auch Bienen in Illerbeuren zu Hause. Verschiedene Bienen-Arten sind sehr gefährdet und müssen unbedingt geschützt und erhalten bleiben. Sie bestäuben 80 Prozent der heimischen Pflanzen und sind notwendig für den Erhalt der ökologischen Artenvielfalt. Und damit nicht genug: Sie sind auch noch das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft.

Ernährung – das Freilichtmuseum Glentleiten

Was früher auf den Tisch kam, war meist keine Frage des Geschmacks. Verarbeitet wurde vorrangig das, was selbst angebaut wurde. Die Ernährung war dabei wenig abwechslungsreich. Ein so genannter Physikatsbericht aus dem Landgericht Tölz nennt Milchprodukte, daneben Dörrobst, eingesalzenes Kraut, weiße Rüben, Mus aus Milch und Mehl sowie Schmalzgebackenes, kaum Kartoffeln und nur an hohen Festtagen Fleisch. Die Gärten, Felder und der Krautacker an der Glentleiten sind Zeugen dieser bäuerlichen Selbstversorgung. In Führungen und Aktivprogrammen, dem „Blick über den Gartenzaun“ oder an Veranstaltungstagen wie dem Dreschtag stehen die Themen Ernährung, Selbstversorgung und Vorratshaltung im Freilichtmuseum im Mittelpunkt.

Achtsame Bausanierung – das Bauernhausmuseum Amerang

Vielfältige Beispiele für klimagerechtes Bauen im ländlichen Raum finden sich in Freilichtmuseen: Die historischen Gebäude wurden nachhaltig errichtet und über den gesamten Lebenszyklus bewirtschaftet. Ihre Baumaterialien stammten zumeist aus der direkten Umgebung, wie das Holz aus dem nahen Wald, das Stroh aus dem örtlichen Getreideanbau oder Lehm und Steine aus regionalen Steinbrüchen und Lehmgruben.
Die Museumsgebäude weisen unterschiedliche Schadensbilder auf. Bei der fachgerechten Sanierung der Häuser kommen nur Stützen oder Verbindungen aus Metall zum Einsatz, wenn es statisch notwendig ist. Das Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern zeigt Lösungen zum Erhalt und zur Ertüchtigung der historischen Gebäude.

Alte Bausubstanz – das Freilichtmuseum Massing

Viele alte Häuser und Höfe zeugen vom achtsamen Umgang mit Bausubstanz. Dabei geht aber nicht nur ums Sanieren, wie im Bauernhausmuseum Amerang, sondern genauso um die ursprüngliche Bausubstanz der Häuser. Der neueste „Zugang“, die 2018 translozierte und seitdem im Wiederaufbau befindliche Görgenmannsölde, bildet dabei keine Ausnahmen. Jahrhundertelang wurde hier Nachhaltigkeit praktiziert, altes mit neuem verbunden und alte Bausubstanz weiter- und wiederverwendet. Nur so ist es möglich, dass selbst Blockwandreste und Deckenbalken aus dem 16. Jahrhundert bis heute erhalten blieben. In wenigen Monaten können sich die Besucher selbst ein Bild davon machen, denn Ende Juli 2022 ist es endlich soweit und das Paradebeispiel des nachhaltigen Bauens wird in Massing eröffnet.

Kleidung – das Freilichtmuseum Finsterau

Muss man eine Schürze mit Löchern wegwerfen, oder gibt es dafür vielleicht doch noch eine andere Verwendungsmöglichkeit? Bestimmt erinnert sich der eine oder andere noch an die Großeltern und daran, dass früher selten etwas sofort weggeworfen wurde. War es doch vorwiegend diese Generation, die Kleidung geflickt und Schuhe zur Reparatur gebracht hat. Auf dem Land wurden Stoffe, Kleider und Schuhe immer weiterverarbeitet. Und wenn die eingangs beschriebene Schürze nicht mehr zu flicken war, dann wurde der Stoff eben zerschnitten und als Putzlappen weiterverwendet. Von Kopf bis Fuß nachhaltig kann man da nur sagen.
Bei den pädagogischen Programmen in Finsterau „Wo drückt der Schuh?“ und „Was erzählt mein Kleiderschrank?“ geht das Museum auf die Herstellung und die Nachhaltigkeit von Schuhen und Kleidung ein. Die Programme sind nach den Leitsätzen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ konzipiert. Sie geben wertvolle Ideen und Anregungen, unser eigenes Konsumverhalten zu überdenken.

Ihr wollt noch mehr Freiluft schnuppern? Auf geht’s! Raus in die Natur und rein in die bayerischen Freilichtmuseen. In unserem Blogbeitrag Wo die Steinschafe weiden stellen wir euch die acht Museen des Netzwerks „Freilichtmuseen in Bayern“ vor.

Abb. ganz oben: Foto: Rauberweihermühle © Florian Trykowski

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