Home Ausflugsperlen Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt – Dezember in Nürnberger Museen

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt – Dezember in Nürnberger Museen

by Sabine Wieshuber

Der Lebkuchen-Punsch-Glitter-Strohsterne-Countdown läuft: am 29. November um 17.30 Uhr wird der berühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg feierlich eröffnet! Über zwei Millionen Besucher aus vielen Ländern kommen jedes Jahr, um den stimmungsvollen Budenzauber und die einzigartige Kinderweihnacht zu erleben. Doch die deutsche Weihnachts-Hochburg kann mehr als Lichterglanz und Glühwein! Die Frankenmetropole ist immer für Überraschungen gut und der Dezember wird spannend: in der neu eröffneten Kunsthalle im KunstKulturQuartier, im Dürer-Haus, im Museum Industriekultur oder im Germanischen Nationalmuseum laufen interessante Ausstellungen von Body Painting bis Ready Mades, von Alpen- bis NSU-Geschichte. Übrigens: das neue Nürnberger Christkind ist diesmal auch nicht blond (zumindest unter der Perücke), sondern schwarz gelockt! Benigna Munsi, 17, hat gerade ihre zweijährige Amtszeit in dieser überaus wichtigen Rolle angetreten. Die Schülerin wurde in Nürnberg geboren, ihr Vater ist indischer Herkunft, ihre Mutter Deutsche. Benigna singt im Jugendchor ihrer Kirchengemeinde, spielt Oboe, Geige und Fußball, klettert und wandert gerne und möchte nach dem Abi Schauspielerin werden…

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Thomas Rentmeister Square Tubes (Looping), 2019 verzinkte Vierkantrohre, ca. 420 x 240 x 670 cm Courtesy Thomas Rentmeister © VG Bild-Kunst Bonn, 2019, Foto: Annette Kradisch Kunsthalle Nürnberg, 2019

Hidden Beauty
Kunsthalle Nürnberg
12. Oktober 2019 – 19. Januar 2020

Türen, die sich öffnen – und durch die ihr doch nicht hindurch gehen könnt. Netze aus mit denen man keine Fische fangen kann und Lüftungsschächte, durch die kein Luftstrom mehr fließt… Mit der Ausstellung „Hidden Beauty“ feiert die Kunsthalle Nürnberg ihre Wiedereröffnung nach einem 16-monatigen „Schönheitsschlaf“. Das Museum liegt selbst gut versteckt, an der mittelalterlichen Stadtmauer im KunstKulturQuartier und präsentiert sich jetzt im neuen (Tages-)Licht: die neuen Deckenfenster lassen die Sonne rein und geben den Blick auf den fränkischen Himmel frei. Sie betonen die Blickachsen und Großzügigkeit der acht Räume und lassen die Installationen von Nevin Aladag, Monica Bonvicini, Ann Veronica Janssens, Michael Pirgelis, Laure Prouvost, Thomas Rentmeister, Karin Sander, Haegue Yang und Olafur Eliassion um so schöner zur Geltung kommen. Die Künstler spielen mit dem Raum, den Erwartungen der Besucher und ihrer sinnlichen Wahrnehmung. Wie Olafur Eliassons „Mono Scanner“: ein Lichtstrahl dreht sich wie ein Leuchtturm langsam im Kreis und erfasst dabei Türen, Boden, Wände und Decke. Er tastet seine Umgebung ab und lenkt eure Aufmerksamkeit plötzlich auf Details, die ihr vorher gar nicht wahrgenommen habt…

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Schönheit ist überall: das fertig bemalte Bodypainting-Modell kurz bevor es so positioniert wird, dass es komplett in der Dampfmaschine im Museum Industriekultur verschwindet © Kunst-vom-anderen-Stern

Verwandelt. Verwunschen. Verschwunden. Bodypainting von Andrea Stern
Museum Industriekultur
12. November bis 29. Dezember 2019

Jeder Mensch ist schön! Bodypainterin Andrea Stern verwandelt Körper in Kunstwerke: „Jeder Mensch erzählt durch seine eigene Präsenz eine eigene Geschichte, hat seine eigene Schönheit und Ästhetik, die es hervorzubringen gilt.“ Ihre Modelle verschmelzen mit dem Raum, werden eins mit Dampfmaschinen, Dürer-Gemälden, Plätzen oder historischen Räumen.
Unter dem Titel „Stadtchamäleons. Eine Symbiose von Mensch und Kultur“ startete die Künstlerin 2019 ihr aktuelles Projekt an insgesamt 16 besonderen Orten, beliebten Sehenswürdigkeiten unter freiem Himmel und in den Museen der Stadt Nürnberg: das Historische Straßenbahndepot St. Peter, das Spielzeugmuseum, die historischen Felsengänge, das Museum Industriekultur, der Kettensteg. Die Modelle wurden entweder Teil des Hintergrundes, verschwanden darin oder traten auffallend hervor. Das Museum Industriekultur diente der Bodypainterin als geradezu theatralische Kulisse. Und auch hier waren die Besucher willkommen, Andrea Stern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und in diesem Fall die „Einswerdung“ von Mensch und Maschine mitzuerleben.

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Ganz schön kalt: Am Ortler 1956. Foto: Archiv der Sektion Nürnberg, Fritz Nürnberger

Die Berge und wir. 150 Jahre Alpenverein
Stadtmuseum Fembohaus
20. September 2019 – 26. Januar 2020

Auf eigene Faust die Alpen entdecken? Für Hobby-Gipfelstürmer im späten 19. Jahrhundert nicht vorstellbar! Erst der Deutsche Alpenverein machte es möglich. Er baute Hütten und legte Wege an, lieferte Kartenmaterial, veröffentlichte Tourenbeschreibungen und organisierte die Bergführer.
2019 feiert der Deutsche Alpenverein 150. Geburtstag. Noch im selben Jahr gründeten Nürnberger Bergfexe eine eigene Nürnberger Sektion, bis heute ist sie einer der größten Vereine der Stadt.
Einzigartige Objekte und Dokumente, Fotos und Erinnerungen aus den Beständen des Sektionsarchivs und der Sammlung des Alpinen Museums München lassen 150 Jahre Berggeschichte lebendig werden. Dabei geht es um die Bedeutung der Alpen für Bayern, um die Institution Alpenverein, die wirtschaftliche und sportliche Erschließung der Berge und der Mittelgebirge, um Klettersport und auch um Naturschutz.

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Wunderschön: Agathon Leonard, Tänzerin aus dem Tafelaufsatz „Le jeu de l’écharpe“, 1900, 150 Jahre Bayerisches Gewerbemuseum“. Foto: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Jubiläumsausstellung „150 Jahre Bayerisches Gewerbemuseum“ Germanisches Nationalmuseum
28. November 2019 – 27. September 2020

Die Jubiläumsausstellung präsentiert die Geschichte und die Highlights des Bayerischen Gewerbemuseums, dessen Sammlung als größter Leihgabenbestand seit 30 Jahren an das Germanische Nationalmuseum angegliedert ist. Geprägt von der industriellen Revolution und dem dadurch ausgelösten wirtschaftlichen Wandel verstand sich das Bayerische Gewerbemuseum als ein Ort der Ästhetik und der Lehre. Neben einem umfangreichen Ausbildungsprogramm sollte, durch die Kenntnis historischer Muster, die technische sowie ästhetische Qualität neuer Produkte gesteigert werden. Die Muster- und Vorbildsammlungen umfassen herausragende Objekte des Industriedesigns aus der ganzen Welt: Keramiken aus Frankreich, Porzellane aus China, Email aus Japan oder einen der ersten Diaprojektoren…

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Enver Şimşek (38) starb am 09.09.2000 an der Liegnitzer Straße in Nürnberg. © Regina Schmeken

Regina Schmeken. Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Dokumentationszentrum Reichsparteigelände
19.09.2019 – 23.02.2020

Von 2013 bis 2016 fotografierte die Fotokünstlerin Regina Schmeken die Tatorte des NSU. Die großformatigen Schwarzweißaufnahmen zeigen die verstörende Normalität der Schauplätze von Hass und Gewalt inmitten deutscher Städte – auch in Nürnberg.
Die als NSU – Nationalsozialistischer Untergrund – bekannt gewordene rechtsextreme terroristische Vereinigung ermordete von 2000 bis 2007 in verschiedenen deutschen Städten zehn Menschen: Die Opfer waren neun Männer türkischer und griechischer Abstammung sowie eine deutsche Polizistin. Weitere Menschen wurden bei zwei Sprengstoffanschlägen des NSU zum Teil schwer verletzt. Erst 2011 wurde die Gruppe aufgedeckt. Angehörige der Mordopfer, Betroffene der Anschläge und die internationale Öffentlichkeit erfuhren erstmals von der Existenz des NSU.
Für Regina Schmeken ist die Ausstellung ein Versuch, die Fassungslosigkeit, die Ratlosigkeit, die Ohnmacht aber auch die Wut zu kanalisieren und umzusetzen und das Gedenken an die Ermordeten aufrecht zu erhalten. Ihre Bilder nehmen uns mit an die Tatorte, sie versuchen das Ungeheuerliche zu reflektieren und rufen in Erinnerung: Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürger, es waren Angriffe auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere Gesellschaft.

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Karin Sander, „Konstantin Haubrok 1 : 7,7“, 2010 · „Barbara & Axel Haubrok 1 : 7,7…“, 2010 © 2019 VG Bild-Kunst, Bonn. Foto: Neues Museum, Annette Kradisch

Out Of Order – Werke aus der Sammlung Haubrok. Teil 1 und 2
Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg
25.10.2019 – 06.1.2020 und 17.01.- 01.03.2020

Non-Konformität, Konzept-Kunst und Witz: Barbara und Axel Haubrok, Besitzer einer der wichtigsten deutschen Sammlungen der Gegenwartskunst im süddeutschen Raum, haben eine sehr persönliche Präsentation für den großen Ausstellungssaal erarbeitet. Das Sammlerpaar mag „unordentliche“, doppelbödige und hintergründige Positionen: minimalistisch, oftmals schwarz-weiß oder monochrom, aber auch charmant und heiter. Skulpturen und Objekte, Fotografie, Film und abstrakte Malerei. Arbeiten von Carol Bove, Martin Boyce, Martin Creed, Hans-Peter Feldmann, Isa Genzken, Wade Guyton, Georg Herold, Jonathan Monk, Charlotte Posenenske, Florian Pumhösl, Willem de Rooij, Karin Sander, Wolfgang Tillmans, Christopher Williams, Franz West, Haegue Yang und Heimo Zobernig. Am charakteristischsten sind dabei jene, hinter denen sich bei formal strenger Sachlichkeit reichlich Humor verbirgt.
Die Präsentationsform der Ausstellung – in Teil 1 nur stehende Readymades und Skulpturen, in Teil 2 nur hängende Bilder – verdeutlicht einerseits den konzeptuellen Ansatz der Sammlung, andererseits entstehen dadurch viele neue Bezüge zwischen den Werken, zumal einige Künstlerpositionen in beiden Ausstellungsteilen präsent sind, so Axel Haubrok.


Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen
Albrecht Dürer: Bildnis des Malers Michael Wolgemut, 1516 datiert, Germanisches Nationalmuseum, Gm 885, Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München. Foto: Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, Dirk Meßberger

Michael Wolgemut – mehr als Dürers Lehrer
Albrecht-Dürer Haus
20.12.2019 – 22.03.2020

Vor 500 Jahren starb Michael Wolgemut (1434/37–1519), der in Nürnberg eine der größten und effektivsten Künstlerwerkstätten der Spätgotik unterhielt. Wolgemut lieferte nicht nur bedeutende Tafelgemälde und Altäre, sondern auch Entwürfe für Glasfenster und Druckgraphik. Drei Jahre lang lernte in seinem Betrieb auch Albrecht Dürer. Bis heute steht Wolgemut im Schatten seines berühmten Schülers. Eine einzigartige Kooperations-Ausstellung soll Wolgemuts Werk endlich aus diesem Schattendasein befreien: im Albrecht-Dürer-Haus werden die Zeichnungen Wolgemuts und seiner Mitarbeiter aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg und sein druckgraphisches Werk zu sehen sein. Das Germanische Nationalmuseum zeigt im Glockensaal Tafelbilder der Wolgemut-Werkstatt im Kontext ihres zeitgenössischen künstlerischen Umfelds. Weitere Werke, wie Altäre, Tafelbilder und Glasmalereien sind im Museum Tucherschloss und in den großen Kirchen in Nürnberg und Schwabach zu sehen und werden dort vor Ort besonders hervorgehoben.

Weit mehr als Lebkuchen und Christkindlesmarkt - Dezember in Nürnberger Museen

Geheimsache Bahn
DB Museum Nürnberg
Nur noch bis 15. Dezember 2019

Letzte Chance: ihr habt die Lizenz zum Eisenbahn-Detektiv! Werdet zum Agenten und deckt lang gehegte Geheimnisse der Eisenbahngeschichte auf. Die interaktive Sonderausstellung „Geheimsache Bahn“ zeigt die geheimnisvolle Seite der deutschen Eisenbahn. Taucht ein in Agatha Christies legendären Krimi und begebt euch auf Hercule Poirots Spuren durch den Orient-Express. Lüftet das Geheimnis von Hitlers Goldzug oder jagt den S-Bahn-Mörder von Berlin. Wir öffnen die Akte zur „Geheimsache Bahn“ und zeigen Mythen und Legenden aus über 180 Jahren Eisenbahngeschichte. Die Ausstellung offenbart auf etwa 200 Quadratmetern unbekannte Geheimnisse, verschwiegene Details und lang vergessene Geschichten. Werft einen Blick in die dunkelsten Ecken der Archivschränke…

Abb. ganz oben: „Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, Ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was Euch das Christkind sagt!“ So beginnt der Prolog, der jedes Jahr die Weihnachts-Hochsaison in Nürnberg eröffnet. Für das amtierende Christkind 2019/20 Benigna Munsi ist am 29. November Premiere! Foto: Stadt Nürnberg/ Christine Dierenbach

Nathalie Schwaiger

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy