Home Ausflugsperlen O’zapft is! Das Oktoberfest virtuell beim Kulturportal Bavarikon

O’zapft is! Das Oktoberfest virtuell beim Kulturportal Bavarikon

by Sabine Wieshuber

Es ist soweit! Nach zweijähriger Pause startet wieder das größte Volksfest der Welt. bavarikon, das Internetportal des Freistaats Bayern, stimmt euch zu diesem Anlass mit seiner neuen virtuellen Ausstellung „Oktoberfest – Historie, Hintergründe, Höhepunkte“ auf das 187. Münchner Oktoberfest ein.

Historische Fotografien und Pläne, schriftliche Quellen, Gemälde, Zeitzeugeninterviews, Videos und Audios: 200 hochauflösende Exponate aus 13 bayerischen Kultureinrichtungen laden darin zu einem virtuellen Spaziergang über die Wiesn ein. Sie lassen die über 200-jährige Festgeschichte aufleben und zeigen die Entwicklung der national-monarchisch geprägten Feierlichkeiten des 19. Jahrhunderts zum heutigen weltbekannten „Megaevent“. Dabei werden auch Schattenseiten, wie das Oktoberfest-Attentat von 1980, beleuchtet.

Für den Blogbeitrag haben wir Highlights aus Ausstellungskapiteln ausgewählt, die einen Vorgeschmack auf die Oktoberfest-Schau geben. Taucht mit bavarikon ein, in die bunte, charmante, feucht-fröhliche Wiesn-Welt!

Ein Gastbeitrag von bavarikon

Wie alles begann: Der Ursprung des größten Volksfests der Welt

Vom Pferderennen zum Exportschlager: Heute mag es verwundern, aber den Ausgangspunkt des ersten Oktoberfests bildete, wie ihr vielleicht wisst, ein Pferderennen zu Ehren der Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Ludwig (1786-1868) mit Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792-1854) am 17. Oktober 1810. Mit dem Rennen wurde die Tradition der sogenannten „Scharlachrennen“ wiederbelebt, die bis 1786 zur Jakobidult abgehalten worden waren. Die Idee dafür kam von dem Münchner Lohnkutscher und Nationalgardist Franz Baumgartner. Sein Vorgesetzter, der Münchner Bankier und Major der Nationalgarden, Andreas von Dall’Armi (1765-1842), griff die Idee auf und fragte bei Hofe an. König Max I. Joseph (1756-1825) sprach am 2. Oktober seine Billigung aus – die Geburtsstunde des Oktoberfests!  

Andreas Dall’Armi beauftragte 1810 den Akademieschüler Peter Hess (1792-1871), das Pferderennen zu dokumentieren und damit „eine bleibende Bekundung jener ersten Feyer dieser Art in Bayern oder vielmehr der erfreulichsten Veranlassung dazu, und des damahligen Geistes der Zeit zu hinterlassen.“

Bis zum Ersten Weltkrieg sahen die bayerischen Herrscher – mit Ausnahme des menschenscheuen Königs Ludwig II. (1845-1886) – im Oktoberfest einen idealen, alljährlich wiederkehrenden Termin, um sich ihren Untertanen zu präsentieren und symbolisch die Einheit von Volk und Herrscherfamilie zu zelebrieren.

Mehr über die Historie des Oktoberfests erfahrt ihr im Kapitel „Im Spiegel der Zeit“.

Wiesn-Traditionen?

Brauchtum und Tradition werden während des Münchner Oktoberfests auf vielfältige Art und Weise lebendig. Im Rahmen der über zwei Wochen andauernden Feierlichkeiten gibt es Rituale, deren Wurzeln teils bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Einige von diesen Programmpunkten sind aber tatsächlich noch nicht so alt, wie sie auf den ersten Blick scheinen, da sie sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelten.

Die bekannteste Wiesntradition entwickelte sich so zum Beispiel erst in der Nachkriegszeit. Das Oktoberfest wurde zwar schon ab dem Jahr 1908 mit einem gleichzeitigen Anzapfen in allen Festzelten eröffnet, eine zentrale Eröffnungszeremonie gab es bis 1950 aber nicht. Erstmals wurde diese Ehre dem damaligen Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer (1887-1964) zuteil. Er begründete damit ein Ritual, das in der Folge auf zahlreichen Festen überall in Bayern übernommen wurde.

In der virtuellen Ausstellung fragt bavarikon nach den Hintergründen bewährter Programmpunkte wie den prunkvollen Festzügen, dem Oktoberfest-Landesschießen oder dem Standkonzert zu Füßen der Bavaria sowie auch unbekannteren Konstanten des Volksfestes.

Zum Kapitel „Identität und Tradition“

Bier, Hendl und Steckerlfisch

Seit seinen Anfängen ist das Oktoberfest auch ein Ort der Völlerei. Weltbekannt sind neben dem Bier der Münchner Brauereien etwa bayerische Spezialitäten wie Hendl, gegrillter Ochsen oder Steckerlfische. Das Münchner Fremdenblatt fragte sich im Jahr 1898 sogar:

„Was die Oktoberfestwiesnluft überhaupt alles vertragen kann, ohne daß ihr schlecht wird, das grenzt an´s Wunderbare“.

Bis zur Entstehung der großen Bierhallen um 1907 dominierte auf der Theresienwiese zunächst ein Ring aus kleineren Wirtsbuden den Festplatz. Die ersten Häuschen auf der Sendlinger Anhöhe am Rand der Rennstrecke waren noch sehr einfach gestaltet. Ab dem Jahr 1818 wurde auch auf der Theresienwiese selbst gastronomische Bewirtung erlaubt. In den Jahrzehnten darauf entstanden immer aufwendiger gestaltete Buden: Sie umfassten einen kleinen Gastraum, eine Küche mit Herd, eine Schänke sowie einen Biergarten im Freien. Um das ländliche Erscheinungsbild der Wiesn zu betonen, genehmigte die Stadt München bevorzugt Entwürfe für Buden, deren Gestaltung sich nach dem „alpenländischen“ Stil richtete.

Johann Rößlers Ochsenbraterei, 1881 erstmals auf dem Oktoberfest vertreten, bot dem Festpublikum 1882 eine „Sensation“ der besonderen Art. Der Metzgermeister hatte eine Vorrichtung erfunden, die das Braten eines ganzen Ochsens am Spieß erlaubte. Diese Attraktion schien spektakulär genug, um dafür Eintritt zu verlangen. Die Abbildung im Zentrum der Werbung zeigt die damals noch freistehende Bratstätte mit Herd, Anrichte und Serviertheke.

Der bekannte Wiesn-Wirt Michael Schottenhamel (1838-1912) initiierte einige wegweisende Veränderungen: Er war der Erste, der das Märzenbier des Franziskaner-Leistbräu ausschenkte, das sich wiederum zum typischen Oktoberfestbier entwickelte. 1896 übernahm Schottenhamel den außerhalb des Wirtsbudenrings gelegenen „Schützenwirt“. An gleicher Stelle ließ er die erste große Festhalle errichten. Entworfen wurde die Halle vom bekannten Architekten Gabriel von Seidl (1848-1913). Die Halle bot L-förmig angelegt 1500 Gästen Platz.

Wie auf der historischen Postkarte zu sehen, bestand die Konstruktion aus einem vorderen Querbau, einem Turm und der Haupthalle. Doch die neue Festhalle existierte nicht lange: Schon 1908 wurde sie durch eine größere Halle ersetzt. Das größte Wiesn-Bierzelt aller Zeiten war das Pschorr-Bräurosl-Zelt von 1913, das mit 5.500 Quadratmetern für etwa 12.000 Gäste Platz bot. Mit knapp 10.000 Plätzen ist heute die Hofbräu-Festhalle das Zelt mit dem größten Fassungsvermögen.

Mehr über Bierbuden, Festhallen und Maßgeschichte(n) erfahrt ihr im Kapitel „Bier, Hendl und Steckerlfisch“

Wiesn-Originale

Originelle Persönlichkeiten gab es in der über zweihundertjährigen Geschichte des Oktoberfests viele, sie mach(t)en das bayerische Volksfest zu dem, was es ist. Vom Wirken dieser teils historischen Figuren zehrt das Festgeschehen auf der Theresienwiese heute noch auf besondere Weise. bavarikon begibt sich in der virtuellen Ausstellung auf die Spuren berühmter Wiesnwirte, spannender Schaustellerpersönlichkeiten und ikonischer Wiesn-Symbolfiguren.

Vom legendären „Krokodilwirth“ Georg Lang über die todesmutige „Steilwand-Kitty“ und dem „bayerischen Herkules“ Hans Steyrer: bavarikon porträtiert im Kapitel „Wiesn-Originale“ diese Lichtgestalten. Auch aktuelle Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Bestand des Haus der Bayerischen Geschichte zeigen die Persönlichkeiten hinter den Kulissen des Volksfestes.

Schaustellerei

Auf dem Oktoberfest gibt es ein kaum überschaubares Vergnügungsangebot. Das Fest mit seinen hohen Besucherzahlen bot für innovationsfreudige Schaustellerbetriebe immer wieder Grund zur Anschaffung neuartiger und gewinnbringender Attraktionen. Zu den neuesten und spektakulärsten Fahrgeschäften, die Groß und Klein gleichermaßen erfreuen, gesellen sich noch heute zahlreiche traditionelle Schaustellerbetriebe. Teils gibt es diese Unikate wie das „Teufelsrad“ sogar nur noch auf dem Oktoberfest.

Der hier gezeigte Programmzettel stammt aus den Bewerbungsunterlagen des Schaustellerbetriebs von M. Dendl aus dem Jahr 1880. Beschrieben wird darin ein buntes Potpourri für die Attraktion „Die gelehrte Hunde-Familie“. In den Beständen des Stadtarchivs Münchens finden sich zahlreiche dieser Bewerbungsschreiben. Bis heute muss sich jeder Schaustellerbetrieb auf der Theresienwiese für einen Stellplatz beim Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München bewerben.

Die Fotografie aus den Beständen des Münchner Stadtmuseums zeigt den Festplatz im Jahr 1899. Zu sehen ist die Schaustellerstraße mit verschiedenen Schaustellerbetrieben, darunter auch die „Russische Riesen Luft-Schaukel“.

Hier erfahrt ihr mehr über Wiesn-Traditionsbetriebe und die Geschichte der Schaustellerei.

Historische Wiesn-Töne

Die Volksfest-Atmosphäre auf dem Oktoberfest wird insbesondere von der typischen Geräuschkulisse getragen. Zwischen den lauten Tönen der vielen Fahrgeschäfte, die sich mit den Gesprächsfetzen der freudetrunkenen Festbesucher mischen, schallen auch immer wieder die Klänge der Musikkapellen über die Theresienwiese. Unterhaltsam ist auf dem Oktoberfest vor allem die musikalische Mischung, die geboten wird.

Gemeinsam mit dem Archiv für Volksmusik und regionale Literatur am Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik des Bezirks Oberbayern lädt bavarikon zu einer akustischen Reise über die historische Wiesn ein. Dafür wurden elf Schellack-Aufnahmen mit Musikstücken und humoristischen Szenen aus der umfangreichen Sammlung der historischen Tondokumente des Archivs ausgewählt. Diese akustischen Schätze vom Schäfflertanz bis Caruso stammen aus der Zeit von 1906 bis 1938.

Mal reinhören, wie sich die Wiesn anno dazumal angehört hat? Zu den historischen Wiesn-Tönen

Für mehr spannende Informationen zur Historie, den Hintergründen und den Höhepunkten des Oktoberfestes – garantiert virenfrei-  besucht die virtuelle Ausstellung in bavarikon: www.bavarikon.de/oktoberfest

Abb. ganz oben: Blaskapelle beim Einzug der Wiesn-Wirte am 24. September 1960, Georg Fruhstorfer © Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv

Irma Bachhammer & Julia Misamer, bavarikon

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