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#OpenBrandhorst – Museum statt Sofa

by Infopoint

Ein Gastbeitrag von Anne Götzelmann, Redakteurin des Museumsportal München.

Nach der Arbeit noch ins Museum? Eigentlich eine gute Idee!
Das Wochenende ist meist eh schon voll bepackt mit allen möglichen Dingen. Warum also nicht mal den Abend nutzen, um ins Museum zu gehen? Also stehe ich am Donnerstag pünktlich um fünf vor dem Museum Brandhorst und freue mich entspannt bis acht Uhr durch das Museum schlendern zu können. Wie jeden Donnerstag hat das Museum nämlich verlängerte Öffnungszeiten und macht dem Motto #OpenBrandhorst mit der Öffnung bis um acht statt sechs Uhr alle Ehre.

Intime Einblicke – entfernte Erinnerungen

Im Moment werden zwei Ausstellungen gezeigt: Das Obergeschoss bleibt Cy Twombly mit „Cy Twombly: In the Studio“ (bis 26. August 2018) vorbehalten. Erstmals sind dort alle Skulpturen des Künstlers aus dem Besitz der Sammlung Brandhorst aufgestellt. Parallel dazu sind Fotografien zu sehen, die oft sehr intime Momente aus den Studios des Künstlers zeigen und Einblicke in seine Schaffenswelt geben.
Das Strandfoto „Miramare – By the Sea (Gaeta)“ von 2008 zeigt beispielsweise den Blick aus dem Lieblingsrestaurant des Künstlers. Sofort kommt bei diesem Anblick das Sommergefühl zurück und man sieht sich selbst auf der Terrasse des Restaurants sitzen, Pasta essen, ein Glas Rotwein trinken, den Blick über den Strand und das Meer schweifen lassen.

Die anachronistische Optik der Fotografien wird von Twombly übrigens bewusst herbeigeführt. Ausgangspunkt ist ein von ihm angefertigtes Polaroid, das mit einem inzwischen selten gewordenen Drucker (hier aus der Bibliothek seiner Heimatstadt Lexington, Virginia) neue Größe und Farbigkeit gewinnt. So wirken die Bilder wie aus einer anderen Zeit oder weit entfernte Erinnerungen.

Einen Blick wert ist – abgesehen von den Werken Cy Twomblys – das Panoramafenster im Obergeschoss. Während man sich einfach kurz ausruht oder in den bereitliegenden Katalogen stöbert, kann man den Blick aus dem Fenster in das Kunstareal genießen. Die anderen beiden Stockwerke stehen im Zeichen von „Schiff Ahoy. Zeitgenössische Kunst aus dem Museum Brandhorst“ (bis 17. April 2017). Nachdem lange jeder Raum einem Künstler vorbehalten war, werden nun neue Verbindungen geschaffen und Künstler nach unterschiedlichen Gesichtspunkten miteinander vereint.

Foto: Sabine Wieshuber

Panoramafenster im Obergeschoss des Museum Brandhorst; Foto: Sabine Wieshuber

Schiff Ahoy! Auf zu neuen Werken

Für den ersten Raum hat Kuratorin Patrizia Dander eine Installation von Franz West und Heimo Zobernig gewählt. Und tatsächlich setze ich mich erst einmal automatisch auf die Stühle vor dem weißen Kubus ohne sofort zu begreifen, dass es sich um ein Kunstwerk –  nämlich die „Sitzgruppe Heimo“ (1996) – handelt. Sehr humorvoll spielen die Künstler hier mit der Frage nach der Rolle des Besuchers: Bin ich als Betrachter aktiver Teilnehmer? Bin ich ein „notwendiges Übel“ wie Patrizia Dander es provokativ formuliert? Wer sind wir überhaupt?

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Kuratorin Patrizia Dander führt in die Ausstellung „Schiff Ahoy“ ein; die „Sitzgruppe Heimo“ (1996) von Franz West und Heimo Zobernig bildet dabei den Ausgangspunkt; Foto: Sabine Wieshuber

„Schiff Ahoy“ bietet viele neue Perspektiven und Blicke auf die zeitgenössische Kunst und vereint dabei namenhafte Künstler wie Carl Andre, Joseph Beuys, James Lee Byars, Andre Cadere, Mario Merz, Ed Ruscha, Niele Toroni, Richard Tuttle oder Lawrence Weiner. Eine große Rolle spielen auch die Neuankäufe der letzten Jahre, die zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit erblicken dürfen. Mit Arbeiten von Kerstin Brätsch, Paul Chan, Jacqueline Humphries, Louise Lawler, Mark Leckey, Seth Price, Josh Smith, R.H. Quaytman, Kelley Walker oder Heimo Zobernig bricht das Museum Brandhorst in die Zukunft auf – Schiff Ahoy!

Einen kleinen Ausblick gibt es auch bereits: Auf eine Ausstellung zu Kerstin Brätsch darf man im nächsten Jahr gespannt sein!

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Patrizia Dander vor Kerstin Brätsch „Unstable Talismanic Rendering 19 (with gratitude to master marbler Dirk Lange)“ (2014); Foto: Sabine Wieshuber

Nach der kleinen Museumsreise schwirrt mein Kopf vor neuen Ideen und Eindrücken und ich bin froh nicht auf meinem Sofa zu sitzen. Eine hausgemachte Limonade und ein kleiner Snack im Museumscafé Horst lassen den Abend in Gesprächen unter Freunden gemütlich ausklingen…

Tipp: Viele Münchner Museen haben verlängerte Abendöffnungszeiten – hier finden Sie eine Zusammenfassung!

 

Übrigens: Wer im Museum Brandhorst fotografieren möchte, braucht eine Fotoerlaubnis. An dieser Stelle danken wir dem Museum sehr herzlich, dass wir unseren Blogbeitrag so schön bebildern durften!

Abb. ganz oben: Direktor Achim Hochdörfer vor Fotografien von Cy Twombly; bei dem ersten Bild von links handelt es sich um „Miramare – By the Sea (Gaeta)!“ (2008); Foto: Sabine Wieshuber.

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